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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Fädlein bis Fahnlehn (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Fädlein
Ist's Fädlein noch so fein gesponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Es hangt an einem fädlein.Franck, II, 59b.
 
3. Man sol jhn mit einem seidenen Fädlin anrühren.Herberger, II, 402.
 
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Fahen
1. Man fahet auch wol einen gescheiden Fuchs. Henisch, 1533.
 
2. Man fahet nicht vil, wenn man die Hund zum lauffen nötigen muss.Henisch, 970; Petri, II, 445; Gruter, I, 56.
 
3. Fahen und gefahen werden.Eiselein, 157.
Lat.: Captantes capti sumus. – Graecia capta ferum victorem cepit. – Jam cautor ipse captus est. – Scito quod tenens teneris. (Eiselein, 157.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
4. Wenn man einen fahen will, muss man einen schalck aufs rohr binden.Mathesius, Postilla, CCXCIIIa.
 
5. Also fahet man die meuss.Franck, I, 121b.
 
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Fahetag
Es ist nicht alle Tage Foahtoag.Schöpf, 112.
D.i. Glückstag, an dem eine Sache gelingt.
 
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Fahevielan
Fahevielan bächt lützel1.Eiselein, 157.
1) Beendigt wenig.
Lat.: Multa aggressus omnibus frustrabitur. – Plurima qui aggreditur, nil apte perficit unquam. (Eiselein, 157.)
 
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Fähig
Er wäre fähig, Spermöl zu verfälschen. (Nordamerika.)
In New-Bedford (Massachusetts) sagt man dies von einem Menschen, den man als durchaus schlecht bezeichnen will. Da Spermöl und Thran im gereinigten Zustande schwer voneinander zu unterscheiden, aber im Preise sehr verschieden sind – jenes der Gallon 1 Dollar 45 Cents, dieser 45 Cents –, so wird das erstere häufig durch Thran verfälscht. New-Bedford hat es sich aber zur Ehrensache gemacht, das Spermöl rein und unverfälscht zu liefern, sodass man dort einen Menschen, der es fälscht, jeder andern Schlechtigkeit für fähig hält. (Vgl. Unsere Tage, Braunschweig 1860, Heft 15, S. 114.)
 
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Fähigkeit
Es geht keine Fähigkeit über die Zahlungsfähigkeit.
»Die Fähigkeit, auf welche die Menschen den meisten Werth legen, ist – die Zahlungsfähigkeit.« (Blumenthal, 47.)
 
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Fähnchen
Dat Fentchen upn Hot steckn.Eichwald, 473.
Fröhlich, vergnügt, ausgelassen sein.
 
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Fahne
1. Die Fahne bleibt nicht stets in einer Hand.
Frz.: Cent ans bannière et cent ans civière. (Lendroy, 438.)
 
2. Ein alter Fahn ist seines Hauptmans Ehr.Henisch, 997; Winckler, XV, 17.
It.: Bandiera vecchia honor di Capitano. (Pazzaglia, 26, 2; Bohn I, 74.)
 
3. Eine zerrissene1 Fahne ehrt mehr als eine ganze.Scheidemünze, I, 488.
1) Im Kampfe zerschossene, zerfetzte.
 
4. Je mehr die Fahnen von Kugeln durchfetzt sind, desto mehr ehrt man sie.Scheidemünze, I, 1197.
 
5. Man kann eine Fahne mit einem Schnürlein anbinden, aber es kostet viel tausend Thaler sie wieder abzulösen.Henisch, 947.
Krieg ist bald angefangen, aber langsam geendet.
 
6. Man muss seine Fahne nicht verlassen.
Holl.: Men moet het vaantje niet laten liggen. (Harrebomée, II, 354.)
 
7. Nimm du die Fahne, der Sigrist das Weihwasser und der Teufel den Pfaffen, so haben wir alle zu schaffen.Fischart.
 
8. Wenn die Fahn' auf dem Thurme sich dreht, gibt's manchen Affen, der es ihr nachmacht.
 
9. Wenn die Fahne gerettet, so ist die Ehre gewonnen.
Man muss sehr oft zufrieden sein, wenn man mit Ehren davonkommt.
It.: Bandiera franca honor di guerra. ( Pazzaglia, 26, 1.)
 
10. Wenn die Fanen fliegen im Feldt, zum vnfried in aller welt, so ist Hoffart ein Ehr' vnd sonst nimmermehr.Gruter, III, 94; Lehmann, II, 860, 14.
 
11. Die Fahne nach dem Winde hängen.
 
12. Er hat seine Fahne verlassen.
Holl.: Hij laat het vaantje liggen, eer hij de vijanden ziet. (Harrebomée, II, 354.)
 
13. Unter Einer Fahne mit einem fechten.
 
14. An der Fahn' kennt man den Mann.
 
15. Eine alte Fahne ist die Ehre des Feldherrn.
 
16. Wenn die Fahnen im Felde fliehen, dann ist Hoffart eine Ehre.Wirth, I, 120.
 
17. Einen Foan haben.Schöpf, 118.
Scherzhaft für Rausch, von dem schwankenden Gehen des Fahnenträgers.
 
18. Er legt (streckt) die Fahne.
D.h. er ergibt sich.
 
19. Es ist eine abgeschossene Fahne.
Für einen abgelebten oder unbrauchbar gewordenen Menschen.
 
20. Seine Fahne aufpflanzen.
»Aus Bescheidenheit hab' ich bisher auf keins meiner Bücher den Namen gesetzt, wo aber die Frechheit ihre Truppen auf den Markt ziehen lässt, muss wol die unbescholtene Kühnheit ihre Fahnen auf den Wald pflanzen.«
 
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Fahnenführer
Er ist ein Fähnkeführer.Frischbier, 169; Hennig, 62.
In dem Sinne von Rädelsführer (s.d.), ein Aufwiegler, Anführer, der gleichsam die Fahne führt.
 
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Fahnenstange
Er ist eine Fahnenstange.
Lange, dürre, hagere Person.
 
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Fahnlehn
1. Fahnlehen und Bischofgut muss der König ganz leihen und nicht zweien.Graf, 448, 40.
Gegen Zerstückelung der Länder, deren Untheilbarkeit schon früh als Grundgesetz galt.
 
2. Kein Fahnlehn, man empfange es denn vom Könige.Graf, 33, 81.
 
3. Nur Fahnlehn erhöhet des Mannes Schild.Eisenhart, 42.
Fahnlehen sind solche weltliche Lehen, die mit landesherrlicher Hoheit verbunden sind. Die Belehnung damit geschah früher mit einer Fahne, die dem Fürsten, der sie empfing, übergeben wurde, ist aber seit dem 10. Jahrhundert ausser Brauch. Das Sprichwort sagt, dass, wenn ein Glied des niedern Adels ein Fahnlehn erlangt habe, er dadurch, ohne einer besondern Standeserhöhung zu bedürfen, zu der damit verbundenen höhern Würde eines Grafen oder Fürsten gelangt sei.

 

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