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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Facit bis Fadenmännlein (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Facit
Das Facit wird anderst herauskommen.Lehmann, 173, 16.
 
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Fackel
1. Brennende Fackel muss geschneuzt werden. Eiselein, 158.
 
2. Die fackel, die vorgehet, leuchtet wol.Henisch, 967.
 
3. Die Fackel mag noch so schön brennen, endlich erlischt sie doch.Parömiakon, 318.
 
4. Eine Fackel, die aufrecht getragen wird, leuchtet minder hell, als die man gegen die Erde nieder trägt.Sailer, 328.
 
5. Man kann die Fackel umkehren, die Flamme schlägt doch empor.
 
6. Viele wollen andern Fackeln tragen, vnd sie gehen im Finstern.Lehmann, 600, 109.
 
7. Was die Fackel verzehrt, ist Fahrniss.Eisenhart, 188; Graf, 64, 2; Simrock, 2238; Estor, III, 661; Grimm, Rechtsalt., 566; Hillebrand, 42; Eiselein, 158.
Nach deutschem Recht zerfällt alle Habe in liegende (feste, unbewegliche) und fahrende (lose, bewegliche). Jene stand nach diesem altstrengen Rechte nur den Freien, diese auch Unfreien zu; jene konnte nur von Männern, diese auch von Frauen ererbt werden. Zur Feststellung des Begriffs »Fahrhabe« hat man verschiedene Erklärungen. Der Sachsenspiegel begreift darunter, was getrieben und getragen werden, das obige Sprichwort aber alles, was das Feuer verzehren kann, also auch Gebäude.
 
8. Wenn die Fackel erlischt, was soll das Pfenniglicht machen.Parömiakon, 324.
Wenn der Starke fällt, wie viel mehr Ursache hat der Schwache, auf seiner Hut zu sein.
 
9. Wer eine Fackel im Hirn hat, leuchtet heller als das Wachslichtlein auf der Schulbank. Sailer, 290.
 
10. Die Fackel übergeben. (Altgr.)
In gewissen Wettläufen zu Athen musste der Laufende eine Fackel so halten, dass sie nicht auslöschte, und nach Vollendung des Laufs dem Folgenden übergeben. Daher die sprichwörtliche Redensart, womit man sagte: Nun ist die Reihe an dir, ich trete dir Geschäft, Amt u.s.w. ab.
 
11. Eine Fackel anzünden, um der Sonne zu leuchten.
 
12. Einem die fackel fürtragen.Henisch, 967.
Ihm heimleuchten.
 
13. Wenn jhm ein anderer nicht ein Fackel vortrüge, so sehe er bei seinem Lichte nichts. Lehmann, 819, 1.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
14. Eine Fackel gibt an der Sonne keinen Schein.
 
15. Wem die Fackel zum Erleuchten gegeben ist, der muss damit nicht anzünden.
 
16. Das Fackel tränken.
Beim Brecheln herrscht der Brauch, dass man einer Brechlerin ein Kränzchen von halbgebrecheltem Flachs heimlich an den Kittel hängt; das Kränzchen heisst Fackel oder Bär. Ist dies geglückt, so geht einer nach Wasser, um das Fackel zu tränken, wobei dann das Wasser der Betreffenden gewöhnlich unter den Kittel hinaufgegossen wird. (Heber, 90.)
 
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Fackeln
1. Dar is nich mit to fackeln.Eichwald, 466.
 
2. Dat fackelt nig.Schütze, I, 308.
Damit ist nicht zu spassen.
 
3. Er fackelt im Frost und fährt mit der Stange im Nebel umher.
 
4. He fackelt nich, wenn he wach ward.Eichwald, 465.
 
5. He fackelt nig lang.Schütze, I, 308.
Er schlägt gleich drein oder drauflos.
 
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Fäcken
Mi neues Fäcka1, göb2 in flüüga. (Bern.) – Zyro, 109.
1) Flügel, von facken = sich hin- und herbewegen.
2) Bevor, ehe. (Stalder, I, 348.)
 
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Façon
1. Die Façon ist theurer als der Stoff.Eiselein, 161.
 
2. Es mag jeder auf seine Façon selig werden.
Ein sprichwörtlich gewordener Ausspruch Friedrich's des Grossen von Preussen.
Lat.: Libera religio reg est et nescia cogi. (Binder II, 1661.)
 
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Factotum
Er ist das Factotum.Mathesy, 371b; Henisch, 967.
 
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Facultät
Eine jede Facultät will den gantzen Mann haben.Mathesy, 135a.
 
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Facultisten
1. Facultisten und Belletristen lieben sich mit dem Mund, wie die Katze den Hund.Eiselein, 161.
 
2. Facultisten und Belletristen sich schmatzen, so freundlich wie Hund und Katzen.
Lat.: Expertes invidentiae Masurum januae.
 
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Fädchen
Lange Fädchen, faule Mädchen.
Wenn sie lieber mit langen Fäden nähen.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Kleine (kurze) Fädchen, fleissige Mädchen; grosse Faden, faule Maden.
Den Näherinnen wird empfohlen, nur mit kurzem Faden zu nähen, weil die langen leichter schmuzig werden, auch infolge des öftern Durchziehens an Festigkeit verlieren.
 
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Faden
1. Alle Tage ein Faden macht des Jahrs ein Hemde.Winckler, VI, 90.
 
2. Aus Fäden werden Stricke.
 
3. Der Faden der Güte zieht stärker, als das Tau der Gewalt.
 
4. Der Faden folgt der Nadel.Henisch, 969.
Dasselbe Sprichwort findet sich unter den Negern Westafrikas: »Der Faden ist gewöhnt, der Nadel zu folgen.«
 
5. Der Faden ist fein gesponnen.
 
6. Der stärkste Faden reisst, wenn man zu heftig zerrt (reisst).
 
7. Dünne Fäden brechen nicht so leicht als dicke und schlecht gesponnene.
 
8. Es hängt alles an einem Faden.
 
9. Es ist kein Faden so klein gesponnen, er kommt zur Sonnen.Müller, 14, 3; Bücking, 75; Siebenkees, 130; Kirchhofer, 176.
 
10. Et wird ken Fähmeken sau fien e'spunnen, et kümmet dach an de Sunnen. (Waldeck.) – Curtze, 353, 477; hochdeutsch bei Lehmann, 579, 8; Siebenkees, 129.
Mhd.: Nie wart sô klein gespunnen, oz kann ets wenne ze sunnen. (S. Spinnen.) (Boner.) (Zingerle, 140.)
 
11. Hast du den Faden angefangen, so spinn' ihn auch zu Ende.Scheidemünze, II, 176.
Vorausgesetzt, dass er etwas taugt.
 
12. Immer dem Faden nach, so findet man den Knäuel (Ariadne).
 
13. Ist der faden bloss, so ist er dennoch roth, so lobt man das rothe Garn.Henisch, 969.
 
14. Subtile Feden brechen gern.Pistor., X, 49; Lehmann, 736, 5.
 
15. Wenn der Faden bricht, macht man einen Weberknopf.
Abraham a Sancta Clara versteht darunter das Eingehen einer Nothehe, wenn aus dem leichtsinnigen Umgange der Jugend Folgen entstehen.
 
16. Wenn der Faden lang genug ist, wird er abgeschnitten.Scheidemünze, II, 164.
Auch der Labensfaden.
 
17. Wenn man den Faden nicht knotet, macht man manchen Stich umsonst.
 
18. Wer den Faden gesponnen, der darf ihn auch zerschneiden.Scheidemünze, II, 165.
 
19. Wer die Fäden zu fein spinnt, dem reissen sie leicht.Sailer, 326; Simrock, 2240; Eiselein, 164.
Von der überfeinen Begriffspalterei.
 
20. Wo der Faden am schwächsten ist, da bricht er.Lehmann, 263, 47.
 
21. Aus seidenen Fäden gesponnen sein.Murner, Schelm., 47.
»Frau Venus ..... ist auss seiden faden gspunnen, vil verthan vnd wenig gwunnen.« (Kloster, I, 885.)
 
22. Das hat einen Faden. (Meiningen.)
Soviel wie: Die Sache hat einen Haken. – Empfiehlt Vorsicht.
 
23. Das ist der rothe Faden.
 
24. Das ist nur zu Faden geschlagen. (Rottenburg.)
Nur vorgearbeitet. Eigentlich vom Schneider, der zu nähen, vom Weber, der zu weben anhebt, dann aber von jedem begonnenen andern Thun. »Ich kriegte eine Bratwurst beim Zipfel und schlug selbige auf Abschlag zu Faden«, d.h. ich begann sie zu bearbeiten, zu verzehren. »Sein Text ihm (dem Pfarrer) schon die Adern reget, darauf er sein Werk zu Faden schläget« d.i. drauflos predigt. (Grimm, III, 1233, 6b.)
 
25. Den Faden verlieren.Grimm, III, 1233, 5.
Nach Kant (X, 180) hat ein englischer Advocat die Gewohnheit gehabt, beim Plaidiren einen Bindfaden aus der Tasche zu nehmen, den er unaufhörlich um den Finger auf- und abwickelte. Als sein Gegenadvocat ihm denselben einmal heimlich aus der Tasche prakticirt habe, sei er in Verlegenheit gekommen', und man habe gesagt, er habe den Faden seiner Rede verloren. Doch scheint mir dies eher eine Anwendung der Redensart als eine zufriedenstellende Erklärung ihres Ursprungs zu sein.
 
26. Den Faden wieder aufnehmen.
 
27. Der Faden seiner Geduld riss.
 
28. Er darf nur an einem Faden ziehen.
So geht die Sache, so kommt wieder etwas Neues.
29. Er hat den Faden und sucht den Knäuel.
 
30. Er hat keinen trockenen Faden am Leibe!
Ist durch und durch nass von Regen oder Schweiss.
 
31. Er kann wol Fäden zwirnen und Frauen machen aus Dirnen.Eiselein, 157.
 
32. Es geht ein rother Faden hindurch. – Wurzbach II, 304. Quelle und Erklärung: Goethe's Wahlverwandschaft II, Kap. 2, Büchmann, 8. Aufl., 39.
Um zu sagen, dass sich eine Sache durch ein gewisses Merkmal charakterisire, sodass sie dadurch einheitliche Gestaltung und Färbung erhält und ein streng festgehaltener Grundgedanke überall hindurchschimmert.
 
33. Es hängt an eim seidin faden.Franck, II, 59b; Mathesy, 159a; Pauli, Postilla, I, 331a; Eiselein, 157; Grimm, III, 1233, 6a.
Schwebt in Gefahr des Abreissens.
 
34. Etwas zu Faden schlagen.Eiselein, 157.
Bei Tobler (S. 173): »Nebes z' Fada schlô«, d.i. den ersten Entwurf zu einer Sache machen.
 
35. Feine Fäden spinnen.
 
36. Ich brauche blos an einem Faden zu ziehen. (Nürtingen.)
So habe ich die Sache am Schnürlein.
 
37. Mit doppeltem Fade büeze1. (Luzern.)
1) Bützen, meist büetzen gesprochen = ausbessern, flicken, aber ohne eingesetzte Stücke, holländisch boetsen, im berner Oberlande büessen. (Stalder, I, 252.)
 
38. 'S gett 'n d'r Fôd'n aus. (Franken.) – Frommann, VI, 167, 81.
Sein Vorrath, z.B. der des Redners an Gedanken, ist erschöpft, er stockt.
 
39. Sie seynd gleiches fadens.Lehmann, 328, 42; Franck, II, 92b.
Von solchen, die sich äusserlich oder ihrem Charakter nach gleichen.
 
40. Wirre Fäden spinnen.
 
41. Ein doppelter Faden hält besser als ein einfacher.
 
42. Et is beter en 'n Fam lang, as den Hindersten blank.Schambach, II, 175.
Ergänze: zu kurz, überhaupt mangelhafte und ungenügende Kleidung ist besser als gar keine.
 
43. Wenn man den Faden hat, kann man leicht den Knäuel finden.
 
44. A îs vo a Fâden of's Schtrê kumma. (Oesterr.-Schles.) – Peter, I, 446.
 
45. Då håt's an (einem) Fåden. (Steiermark.)
Um (meist höhnisch) die Vergeblichkeit eines Ansinnens oder Unternehmens anzudeuten.
 
46. Dem ist der Faden ausgegangen.
Er kann in seiner Rede, seinem Vortrage, seiner Erzählung nicht weiter.
 
47. Es bricht der (letzte) Foaden.Schöpf, 113.
Die Geduld geht aus.
 
48. Mittels des Fadens den Knäuel finden.
 
49. Wir sind alle eines fadens.Franck, Paradoxa, 54a.
 
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Fadenmännlein
Glöck zue, Fadamannli1.Tobler, 173.
1) Eigentlich ein Mann, der Fäden feilbietet. – Ein scherzhafter oder ironischer Glückwunsch zu einer Sache, an deren glücklichen Ausgang man keinen besonders starken Glauben hat.

 

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