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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Erbstecken bis Erde (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Erbstecken
1. Es hat niemand einen Erbstecken1 in dieser Welt.
Das Wort fehlt bei Grimm, findet sich aber bei Seybold.
Lat.: Vivere mancipio nulli datur, omnibus usu. (Binder II, 3588; Seybold, 644.)
 
2. Er hat keinen Erbstecken in dem Hause.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
3. Einen Erbstecken dreingesetzen.
»Wir sollen auff das flüchtige leben nicht bawen vnd trawen vnd vns beduncken lassen, es sey vns zur Ehe gegeben. Wir haben keine Erbstecken dreingesetzt.« (Fischer, Psalter, 509, 4.)
 
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Erbsünde
Die Erbsünde ist der dorn, dauon alle missethat kumbt.Agricola II, 286.
 
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Erbtheil
1. Besser ein Erbtheil in einer als mit einer Gattin.
 
2. Kein bessern Erbtheil han die Kind, denn wenn jhr Eltern redlich sind.Eyering, III, 117.
 
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Erbweis
Was erbweis hinausgeht, dem hat niemand nachzulangen.Graf, 183, 5; Grimm, Weisth., I, 15, 48.
Kaufweise konnte sehr schwer ein liegendes Gut in eine fremde Gemeinde ohne Widerspruch übergehen; geschah es aber auf dem rechtmässigen Wege der Vererbung, so konnte niemand mit Einsprüchen nachlangen.
 
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Erbweisheit
Erbweisheit.
Es soll damit das auf dem Wege geschichtlicher Entwickelung Entstandene im Gegensatze vom theoretisch Erzeugten bezeichnet werden, besonders in Bezug auf Verfassung eines Landes. Das historische Wort kommt in der Thronrede vor, die der König Friedrich Wilhelm IV. am 11. April 1847 vor dem vereinigten Landtage gehalten hat. Die Stelle heisst: »Möchte doch das Beispiel des Einen glücklichen Landes, dessen Verfassung die Jahrhunderte und eine ›Erbweisheit‹ ohne Gleichen, aber kein Stück Papier gemacht haben, für uns unverloren sein und die Achtung finden, die es verdient.« Am 15. April führt der Freiherr von Vincke das Wort in einer Rede als Erbweisheit der Engländer an. Nach Eberty, Geschichte des preussischen Staats, VII, 265, hat man aber später erfahren, dass nicht England, sondern Mecklenburg gemeint gewesen ist.
 
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Erchse
Dem fehlt's unter der Erchsen (d.i. Achsel). (Rott-Thal.)
Er ist nicht rührig, arbeitet nicht gern.
 
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Erdäpfel
Die Erdäpfel rechnen sich auch gern zum Obst.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Der Erdapfel sagt: Sözst mich im April, so kim ich, wenn ich will; sözst mich im Maj, so kim ich gleih. (Oberösterr.) – Baumgarten, 48.
 
3. Erdäpfel und Kraut füllt dem Bauer die Haut.Peter, I, 446.
 
4. Mit Erdappels en Brôd is zonder Nôd. (Franz. Flandern.) – Firmenich, III, 697, 4.
 
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Erdbeben
Er will ein Erdbeben durch Schleussen ableiten.
 
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Erdbeere
1. Reife Erdbeeren um Pfingsten bringen ein gutes Weinjahr.Simrock, 7893.
 
2. Wegen einer Erdbeere sollte ein Mann neunmal vom Pferde steigen.Kirchhofer, 306.
 
3. Wenn's reife Erdbeer'n gibt zu Pfingsten, so gibt's nicht Wein zum wingsten. (Görlitz.) – Boebel, 63.
D.h. es verspricht dies ein gutes Weinjahr zu werden.
Frz.: Pentecostes frezes rouges où les laboureux estonnent. (Leroux, I, 74.)
 
4. Die Erdbeer in der Milch hinabschlucken. (Nürtingen.)
Gut leben, schwelgen.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
5. Wenn die Erdbeeren gerathen, so gerathen die Trauben.Kirchhofer, 316.
 
6. Wenn man keine Erdbeeren hat, mag man die Blätter verzehren. (Rumänien.) – Neue Freie Presse, 4592.
Die Blätter geben einen sehr lieblichen Thee.
 
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Erdboden
1. Der Erdboden trägt keine unnützere Bürde als Mastthiere, die man nicht schlachten kann.Klosterspiegel, 62, 3.
 
2. Etwas dem Erdboden gleichmachen.Eiselein, 148.
Von Grund aus zerstören.
 
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Erde
1. Auf der Erde ist gut gehen.
 
2. Auf der Erde wird alles verkauft.
 
3. Auf Erden ist kein besser Leben, als grosser Zins und ein Hürlein daneben, im übrigen Gottes Kirch' ergeben.
 
4. Auf Erden ist nichts ohne Furcht als ein gut Gewissen.Sailer, 236.
 
5. Auff dieser Erd ist bessere nicht dann Fried vnd gut Gerücht.Lehmann, II, 36, 71.
 
6. Aus fetter Erde wächst nur Unkraut.Parömiakon, 2980.
 
7. Bläute1 Aerde es 'ne guede Bâr2, sied de Fo's3. (Hemer in der Grafschaft Mark.) – Firmenich, III, 261, 37.
1) Blosse.
2) Bahn.
3) Fuchs.
 
8. Dem die Erde gehört, der ist der Nächste zum Kauf.Graf, 104, 233; Dreyer, Abhandl. zur Erläuterung der deutschen Rechte (Wismar 1763), III, 1396.
Zur Lehre vom Näherrecht. Nach dem Sprichwort hatte der Eigenthümer von Grund und Boden, worauf ein ihm nicht gehöriges Gebäude errichtet war, ein Vorrecht in der Erwerbung vor allen andern Käufern.
 
9. Die Erde bedeckt die Fehler der Aerzte.
It.: La terra e la calcina copron gl' errori della medicina. (Pazzaglia, 204, 4.)
 
10. Die Erde bringt keine Frucht, wenn man sie nicht mit dem Pflugeisen durchgräbt.Parömiakon, 222.
 
11. Die Erde ist des Soldaten Bett, der Himmel seine Decke und der Harnisch sein Haus.
Worte Kaiser Konrad's III.
 
12. Die Erde ist niemals zehentlos.Graf, 122, 318.
Nach der mittelalterlichen Rechtsentwickelung musste von jedem Acker dem ursprünglichen Grundherrn eine Fruchtabgabe (Zehent) als Zins gegeben werden.
 
13. Die Erde ist überall des Herrn.
 
14. Die Erde kan (gegen) den Himmel nicht pochen.Eyering, I, 667; Gruter, I, 20; Simrock, 2103a; Sailer, 215.
Schottel (1141a) hat noch den Zusatz: »noch das underst ins öberst seine Wirkung haben«.
 
15. Die Erde treget vnd erneeret kein böser Thier, denn einen vndanckbaren Menschen. Pauli, Postilla, 291a.
 
16. Die Erde will Regen.Sailer, 126.
 
17. Die Erdt ist aller Menschen Mutter vnnd auch jhr Grab.Lehmann, 137, 27.
 
18. Erde bist du, von der Erde issest du, Erde wirst du.Sailer, 121.
 
19. Erde und Haus gehört zusammen.Graf, 103, 208. (S. Eignen 1.)
 
20. Es ist auff Erd kein besser List, denn wer seiner Zung ein Meister ist.Petri, II, 254.
 
21. Es mag auff gantzer Erden nichts newes mehr erfunden werden.Henisch, 923.
 
22. Es ward auff erden nie so schlecht1, es gieng gewalt stets vber recht.Henisch, 917; Petri. II, 302.
1) Schlicht, gut.
 
23. Ich bin über die Erde erhaben, sagte der Dieb, da hing er am Galgen.Simrock, 2103b; Hoefer, 215.
24. Iss noch so heimlich Erde, das Anschwellen wird's zeigen.Wullschlägel.
Die Neger in Surinam essen im kranken Zustande Erde, werden davon elend, schwellen an und sterben. Sinn: Die Folgen werden die That ans Licht bringen. Es werde etwas noch so heimlich angestellt, die That wird sich selbst verrathen.
 
25. Je mehr man der Erde gibt an Dünger und Anbau, desto mehr gibt sie wieder.
 
26. Je weniger Erd' der Narr hat, desto üppiger wuchert daraus sein Stolz.Petri, II, 604.
 
27. Man gebe einem nit so vil erden vmbsonst, dz er inne ligen künde.Tappius, 38b.
Lat.: A mortuo tributum exigere. (Tappius, 38b.)
 
28. Schwartze Erd trägt gute Frucht.Lehmann, 28, 27; 825, 8.
 
29. Schwarze Erde bringt gutes Brot.
Denn sie ist fruchtbar.
 
30. Sehr vngleich gehets auff Erden zu, ich heut, der gestern, morgen du.Lehmann, II, 576, 66.
 
31. Soll die Erde tragen, so muss man sie plagen.Parömiakon, 1462.
 
32. Vff Erden lebt keins Menschen Kind, an dem man nit ein Mangel find't.Eyering, II, 493; Schulze, 18; Simrock, 6977; Reinsberg II, 74.
Engl.: He is lifeless, that is faultless.
 
33. Was die erd gibt, das nimpt sie wider.Henisch, 918; Petri, II, 589; Körte, 1151; Reinsberg II, 153; Simrock, 2103.
Holl.: Wat de aarde geeft, dat neemt zij weder. (Harrebomée, I, 6.)
 
34. Was Erde ist, lass (muss) Erde werden.1 Mos. 3, 19.
Holl.: Aarde wil van aarde niet. (Harrebomée, I, 5.)
 
35. Was je auff erd erschaffen ist, das macht der todt zu staub vnd mist.Henisch, 918.
 
36. Was von erden kommen, wirt wider zur Erd.Henisch, 819; Körte, 1152 u. 1452; Zehner, 575; Schulze, 2.
Lat.: Pulvis es et in pulverem reverteris. (Schulze, 2.) – Quod tellus largitur, idem post illa reposcit. (Binder I, 1522; I, 2903; Philippi, II, 146; Seybold, 513.) – Reddenda est terrae terra. (Cicero.) (Binder II, 2938.) – Vertimur in terram, quoniam de pulvere nati nos sumus. (Binder II, 3517.)
 
37. Wegen der Erde Mist zankt kein guter Christ.
 
38. Wei de Ere (Erde) nit vermehrt, is den Hiemel nit wehrt. (Westf.)
 
39. Wem die Erde den Staar nicht sticht, verliert auch im Himmel die Blindheit nicht. Scheidemünze, II, 182.
 
40. Wenn die Erde bebt, werden auch Berge Freunde.
Das Unglück hat eine versöhnende Kraft.
 
41. Wenn die Erde nicht austrocknen soll, muss ein Regen sie anfeuchten.
Dasselbe gilt von der öffentlichen Meinung.
 
42. Wenn die Erde trocken ist, setzt Gott den Friedensbogen ein.1 Mos. 9, 12; Scheidemünze, II, 7.
 
43. Wenn sich die Erd' zwischen Sonn' vnnd Mond legt, so gibt's eine Finsternuss.Lehmann, 813, 7.
 
44. Wer auf der Erde kreucht, ist keinem Fall unterworfen.Winckler, VI, 48.
Holl.: Die langs de aarde kruipt, is geen' hoogen val onderhevig.
 
45. Wer auf der Erde sich nicht zurecht findet, der wird sich auch im Himmel verirren.
 
46. Wer auf ebener Erde fällt, kann leicht wieder aufstehen.Scheidemünze, I, 810.
 
47. Wer auff der erden bleibt, der felt nicht hoch.Henisch, 918; Petri, II, 684.
 
48. Wer auff der erden ligt, der darff sich keines fahls befahren.Henisch, 918; Petri, II, 684.
Derselben Ansicht sind auch die Czechen. (Reinsberg II, 84.)
 
49. Wer die Erde zum Bett hat, muss sich mit dem Himmel decken.
 
50. Wer unter der Erde baut, der ist nicht weit von der Hölle.
 
51. A giht wul unter der Aerde, dass man ihn nicht siht. (Schles.) – Gomolcke, 28.
 
52. Dat hä su dêf unger der Aeäde wör, als 'nen Hâs en sibbe Johr hüppe kann. (Köln.)
Holl.: Ik wilde, dat hij eene spiets diep onder de aarde stak. (Harrebomée, I, 6.)
 
53. Die Erde kauen müssen.
Sterben.
 
54. Einen auf der schwarzen (blossen) Erde lassen.Burckhardt, 238.
Ihn ganz zu Grunde richten, ihm nicht das geringste Hausgeräth lassen, ihm selbst die Decke nehmen, worauf er (hier der Morgenländer) sitzt.
 
55. Er darf nur auf die Erde sehen, so hat er eine Lüge ersonnen.
 
56. Er geht auf deutscher Erde.
Die Sohlen sind entzwei.
 
57. Er ist auf Erden kommen arm. Aus dem Luther'schen Weihnachtsliede: Gelobet seist du Jesu Christ, V, 6.
Sagt man in Schlesien von Armen, oder wenn zu Weihnachten oder an Geburtstagen wenig oder nichts geschenkt wird. Eine sprichwörtlich gewordene Zeile aus einem Weihnachtsliede.
 
58. Er ist der Erde gediehen.Eiselein, 148.
Zum Grabe reif.
 
59. Er wächst zur Erde wie eine Zwiebel. Körte, 1152a.
 
60. Ich wolt ehe, das mich die erd verschlund. Franck, II, 37a; Tappius, 162a.
 
61. Ich wolt nit, dass mich die erd trüg.Franck, II, 37a.
 
62. Ich wolte das du so tieffe vnder der erden werest, als du hohe daroben bist.Tappius, 233a.
 
63. Lieber wer mir, dz mich die erd gefressen hette.Tappius, 162a.
 
64. Macht uns keine Erde unter die Mährte. (Köthen.)
Um zu sagen: Mengt euch nicht hinein.
 
65. Mit der ausgegrabenen Erde den Graben machen.
Die Kosten einer Unternehmung vom Gewinn bestreiten.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
66. Alles, was auf erden ist, vergeht, lob, ehr vnd tugend ewig besteht.C. Schulz, Die Spruchweisheit auf Münzen in Herrig, Archiv, LVI, 72.
 
67. Än der schwarzer Jêrd gerêt gât Kiren. Schuster, 355.
Auch wol scherzhaftes Schmeichelwort für Brünetten, fast in dem Sinne wie Acker 9 u. 11.
 
68. Auf Erden lebt kein Menschenkind, an dem er keinen Mangel find.Klix, 4224.
 
69. Die Erde ist mein Bett, der Himmel meine Decke, der Mantel mein Haus, der Wein mein ewiges Leben.
Soldatensprichwort aus dem Dreissigjährigen Kriege. (G. Freytag, Bilder, II, 77.)
 
70. Die Erde muss ihr Betttuch haben, soll sie der Winterschlummer laben.Marienkalender, 1879, S. 9.
 
71. Fette Erde macht den Menschen faul.
 
72. Nur Erde füllt das gierige Auge.
 
73. Was auf die Erde fällt, gehört dem Teufel.
Nach der Volksmeinung in Oberösterreich, doch gilt es nur von Kirschen und Beeren. Man mahnt damit besonders die Kinder ab, die auf den Boden gefallenen Früchte wieder aufzusuchen und davon zu essen. (Vgl. Baumgarten, II, 25.)
 
74. Was die Erde bedeckt, soll niemand rühren.Herberger, Ib, 387.
Man soll die Todten ruhen lassen.
 
75. Wei simpel bi der erden wil krigen, de krigt wedder te freten noch de supen.Lauremburg, 4, 89.
 
76. Wenn's soll auf Erden stehen wol, ein Christ dem andern dienen soll.Petri, II, 675.
 
77. Wer auf Erden büsset, dess wird das Himmelreich, sagte der Pope, und prügelte sein Weib.Franzos, Vom Don zur Donau.
 
78. Wer mit Erde baut und den Bau mit Holz (Fichtenbalken) durchzieht, sieht bald das Ende seines Hauses.
Sagen die Provenzalen, die einen Widerwillen gegen hölzerne Gebäude haben.
 
79. Dä hät säs Pârtskâ'ren Ä'rt op et Lîf.Röttscher, 219.
Der hat sechs Pferdekarren Erde auf dem Leibe, d.h. er ist begraben.
 
80. Eher wird die Erde Sterne tragen.Schaltjahr, I, 212.
Als dass dies und jenes geschehen sollte.
 
81. Er muss Erde kauen.
 
82. In die Erde beissen.
»Mancher gute Ritter musst in die Erde beissen.« (Gottfried, 744a.)
 
83. Von der Erde bis an den Himmel. (Köthen.)
Antwort auf die Frage: wie hoch es ist; anstatt wie spät, wie viel Uhr.

 

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