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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Erblehn bis Erbsensack (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Erblehn
1. Alle Erblehen sind unsterblich.Graf, 557, 22; Holländischer Sachsenspiegel (Frankfurt 1764), 83, 65.
 
2. Zu Erblehen braucht man keine Einweiser. Graf, 557, 23.
 
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Erblicken
Du erblickst den Teufel noch, schaust du auch nicht durchs Loch. (Lit.)
Wenn einem Sargbret ein Nagel entfällt, so erblickt man durch dieses Loch nach dem Volksglauben der Litauer böse Geister und alle bekannten und befreundeten Todten, welche ihrer ewigen Verdammniss wegen keine Ruhe im Grabe finden.
 
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Erbloser
Der nächste Erblose ist Vogt.Graf, 172, 170.
Nach altdeutschem Recht fiel die Vormundschaft dem nächsten geeigneten männlichen Verwandten (Schwertmagen) zu. Das obige Sprichwort sagt, dass es der Nächste von denen sein soll, die nicht mit erben.
 
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Erbossen
Sich erbossen wie eine Gans, welcher man ins Nest gekackt hat.Hermes, III, 379.
 
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Erbrecht
'S Erbrecht ist e Schiebrecht. (Schweiz.)
 
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Erbschaft
1. Auf Erbschaft harren, macht viel Narren.
 
2. Die Erbschaft geht vom Spiess auf die Spindel.Hillebrand, 156, 217; Danz, Handbuch d. heutigen gem. d. Privatrechts, 2. Aufl., III, 19; Graf, 189, 36.
Behauptet, dass das männliche Geschlecht vor den weiblichen im Erbrecht den Vorzug habe. Mit Spiess oder Speer bezeichnet die ältere Sprache den Mann, mit Spindel oder Kunkel das Weib. (Grimm, Rechtsalt., 163.)
 
3. Die Erbschaft währt, solang sie eine Ehe scheiden kann.Graf, 188. 22; Grimm, Weisth., I, 275.
Das deutsche Erbrecht will, dass das Erbe in der Familie bleibe. Nach dem obigen Sprichwort soll der Grundsatz des Familienerbrechts so lange massgebend sein, als die Verwandtschaftsgrade stark genug sind, ein natürliches Ehehinderniss zu bilden.
 
4. Erbschaft ist (oft) kein Gewinn. (S. Erfniss.)Graf, 226; Simrock, 2091.
Wenn man sie unvorsichtig genug antritt, ohne vorher zu prüfen, ob die Schulden das Vermögen übersteigen.
 
5. Keine Erbschaft, kein Process.
 
6. Eine Erbschaft antreten, ohne den Nachlass zu berechnen.
Von denen, die unvorsichtig Verpflichtungen übernehmen; weil der, welcher sich unbedingt als Erben erklärt, auch die Schulden des Erblassers zu bezahlen und andere Verbindlichkeiten nach den verschiedenen Rechten zu übernehmen hat.
 
7. Es ist eine jüdische Erbschaft (Jeruscha). Tendlau, 770.
Wenn jemand mit der Goldenen Ader behaftet ist.
 
8. Ich will von dieser Erbschaft nichts wissen.
Frz.: Mettre les clefs sur la fosse de quelqu'un. (Lendroy, 442.)
 
9. Erbschaft und Freundschaft, Diebstahl und Handelsschrift haben die Pest ins Land gebracht.
Aus einer 1710 bei Steininger in Danzig erschienenen Schrift über die Beobachtungen des Chirurgen Manasse Stöckel, die derselbe bei der 1709 in Danzig grassirenden Pest gemacht hat. Ein zu jener Zeit bekanntes Sprichwort.
 
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Erbse
1. Arben1 unn Bohn holen2 den Dokder von de Dör. (Rendsburg.)
1) Erbsen.
2) Halten.
 
2. Arften1, säd' de Bûr, dôr schêt he 'n wêken (Dreck, Furz). (Flensburg.) – Hoefer, 102.
1) Man findet auch Arten, Arten, und ich bin nicht sicher, ob es Erbse heisst.
 
3. Böse Erbsen sind allweg obenauf.Eiselein, 147.
 
4. Die Erbsen brennen zuerst an, dann nimmt man sie halb gar vom Feuer.
Aus einem Extrem ins andere fallen.
 
5. Drei Arwten in dei Pahl mâken mihr Larm, as wenn sie vull is. (Mecklenburg.) – Hochdeutsch bei Simrock, 2102; Eiselein, 148; Reinsberg III, 81.
Drei Erbsen in einer Blase (Hülse) machen mehr Lärm, als wenn sie voll wäre.
 
6. Drei Erbsen geben auch eine Kost.Kirchhofer, 253.
 
7. E wurmässigi1 Erbs schwimmt allzid owwe. (Strasburg.)
1) Wurmstichige.
 
8. Eine Erbse macht den Brei nicht besser.
 
9. Eiserne Erbsen spotten des Quirls.
 
10. Ek bönn en de Erthen, on komm en de Bohnen ût. (Meurs.) – Firmenich, I, 404, 251.
 
11. Erbsen müssen so dünn gesäet werden, dass sich ein Schaf dazwischenlegen kann. Schles. Provinzialblatt, 1862, S. 568.
Der schlesische Landmann spielt damit auf die Bedeutung des Schafdüngers für die Erbsen und des Erbsenstrohes für die Schafe an.
 
12. Erbsen sä' Ambrosius (4. April), so tragen sie reich und geben gut Mus.
 
13. Ih, Arften getten un Linsen schetten, sä' de besopen Bûer, da ehme Jürgen in de Hosen schetten harre.Hoefer, 119.
 
14. Iss dich voll Erbsen, stecke den Busen voll Steine und dann rede mit ihnen. (Lit.)
 
15. Mag man auch hundert Erbsen nehmen, man hat doch nur ein klein Gericht. (Russ.)
 
16. Mit eigenen Erbsen schiesst sich's besser als mit fremden Pfeilen.
 
17. Nicht alle Erbsen kochen weich, die beim Feuer stehen.
Holl.: Het is kwalijk gedaan, erwten te verkoopen, die niet wel koken. ( Harrebomée, I, 185.)
 
18. See erbiss Gregorij, linsen Jacobi vnd Philippi, grab ruben vinculo Petri, hanff Vrbani, kraut Viti.Henisch, 911.
 
19. Wenn man auch noch so viel (rohe) Erbsen gegen die Wand wirft, sie bleiben nicht kleben.
 
20. Wer auf Erbsen gehen soll, koche sie vor.
 
21. Wer in die Erbsen geht, isst keine Bohnen.
 
22. Wer mir Erbsen gibt, dem geb' ich Bohnen.
Gleiches mit Gleichem vergelten.
Frz.: S'il me donne des pois, je lui donnerai des fèves. (Lendroy, 746.)
 
23. Wer seine Erbsen weich essen will, muss sie nicht an fremder Hoffnung kochen.
 
24. Arbaissen1 sehen.Agricola II, 133.
1) Es ist darin noch die alte Form des Wortes zu erkennen, die erweisz war, und allgemach in erbeisz, erbisz, erbs überging. (Grimm, III, 739.)
 
25. Eine Erbse um eine Bohne geben.
Der Franzose lässt gar eine Erbse geben, um einen Scheffel Bohnen zu erhalten. (Reinsberg IV, 147.) Von den eigennützigen Schenkern, die wenig geben, um viel zu bekommen.
 
26. Einem Erbsen auf die Stufen streuen. Grimm, III, 739.
Machen, dass er zu Fall kommt; also, der Ehre eines andern hinterlistig Fallen stellen. »Böse Leuth, die sich eines Unglücks freuen, streuen einem Erbsen auff die Stegen, das einer von seiner Reputation herabfalle.« (Lehmann, 80, 26.)
 
27. Er gehört zu den Erbsen an der Strasse.
 
28. Er hat Erbs gessen, die Hülsen liegen jhm vor den Augen.Eyering, II, 437.
Er sieht nicht wohl. Bei Körte (1150a) sind die Hülsen vor die Ohren getreten; und das Sprichwort wird dann von denen gelten, die schwer hören.
 
29. Er hat seine Erbsen grün gegessen.
Holl.: Hij heeft zijne erwtjes in het groen gegeten. (Harrebomée, I, 181.)
 
30. Er mag Erbsen zählen.
Vom Unbeschäftigten.
 
31. Er wirft Erbsen gegen die Wand, um sie anzukleben.
Treibt ein erfolgloses thörichtes Werk.
 
32. Erbsen auf den Ofen säen.
 
33. Erbsen vor den Tauben säen.
Lat.: Pisa serere ante columbas. (Bovill, II, 136.)
 
34. Es geht ihm wie den Erbsen am Wege. Wurzbach II, 238.
Wie die Erbsen von Vögeln aufgepickt werden, so wird er von jedermann getreten, gedrückt, gehänselt, gehudelt.
 
35. Es mögen Erbsen oder Bohnen sein.
Es ist mir alles gleich.
 
36. Is man mit hüm in de Arften of in de Bohnen? (Ostfries.)
 
37. Mit einer Erbse zwei Tauben fangen.
Holl.: Het is een fraai ding met ééne boon twee duiven te vangen. (Harrebomée, I, 135.)
 
38. Mit Erbsen Festungen einschiessen wollen.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
39. De Arten un Bohnen will eten, dürrt de Märt nêt vergeten.Kern, 1196.
Sie müssen in dieser Zeit gepflanzt werden.
 
40. Erbs ond Bohna hangt im Herza a grone, Eier ond Brot ist eim bittra Tod.Tobler, 237.
Ein Knecht bekam stets Erbsen und Bohnen zu essen, sodass sie ihm endlich zum Ueberdruss wurden. Einmal sprach er zu Mittag die obigen Worte, welche den Sinn hatten, dass Erbsen und Bohnen sein Leben seien, dass er dagegen Eier und Brot nicht vertragen könne, die ihm der Herr in der Meinung, ihm etwas Unangenehmes zu bieten, reichen liess, womit der Knecht aber sehr zufrieden war.
 
41. Erbsen am Wege werden von jedem berupft.Lausitzer Magazin, XXX, 251.
 
42. Man wêt nêt, of man mit hum in de Arten (oder Arfken) of in de Bohnen is.Kern, 902.
Erbsen und Bohnen werden von den Landwirthen oft durcheinander gesät. So erklärt sich die Redensart in ihrer Anwendung auf solche, die sich bald so, bald anders zeigen.
 
43. Um einer Erbse soll der Bauer vom Pferde steigen. (Böhmen.)
 
44. Das sind Erbsen an die Wand geworfen.
Von vergeblicher Bemühung.
 
45. Er hat Erbsen gegessen.
In der Gegend von Eger von Schwerhörigen und solchen, die absichtlich etwas nicht hören wollen.
 
46. Es ist drei Vürtl auf de kalte Erbse. (Ulm.)
Wenn einer oft und unnöthig nach der Zeit fragt.
 
47. Sie können graue Erbsen aus der Schüssel lesen.Frischbier, 2400.
Darauf beschränkt sich ihre Lesekunst.
 
48. Wenig Erbsen in der Braupfanne.
 
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Erbsenbrei
Zum Erbsenbrei geht's auf den Knien, wenn die Füsse lahm sind. (Lit.)
Zum Essen hält sich jeder, auch der Lahme herzu.
 
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Erbsengasch
Ein Erbsengasch1 kann man warm vom Tabor nach Prag tragen. (Böhmen.)
1) D.i. Erbsenbrei. Die Taboriten behaupten von dieser Speise, dass sie äusserst spät abkühle. Der Spruch erinnert an J. Fischart's Glückhaftes Schiff, worin erzählt wird, wie die Züricher 1676 nach Strassburg zu einem Schützenfeste die viertägige Wasserfahrt in einem Tage machten, um einen in Zürich gekauften Hirsebrei noch warm dorthin zu bringen. (Bairische Zeitung, München 1865, Nr. 284-285.)
 
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Erbsenkranz
1. Jemandem einen Erbsenkranz geben.Wurzbach II, 238.
Wie in Deutschland ein unwillkommener Bewerber durch einen Korb (s.d.) abgewiesen wird, so bestand früher in Polen und besteht noch jetzt in Litauen die Sitte, dem Liebhaber, der mit seiner Bewerbung abgewiesen werden soll, einen Kranz von Erbsen zu geben.
 
2. Mit dem Erbsenkranze sterben.Wurzbach II, 238.
D.h. als Junggesell.
 
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Erbsensack
Auf den Erbsensack knien müssen.

 

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