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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Erbgänger bis Erbschaft (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Erbgänger
Es sind nicht alle Erbgänger, die frei geboren sind.Graf, 210, 181.
Die Erbfähigkeit beruhte nach deutschem Recht nicht blos auf Freiheit, sondern auch auf Ebenbürtigkeit; nur gleiche Geburt berechtigte zum Erbe.
 
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Erbgut
1. Ein Erbgut ist bald verzehrt (verthan).
Dän.: Arvedgods lader sig snart fortære. (Prov. dan., 38.)
 
2. Erbgut erbt bei der Schwertseite.Graf, 189, 26; Oelrichs, Samml. d. Gesetzb. Bremens (Bremen 1771), 558.
Verbindlichkeit und Fähigkeit zum Kriegsdienst war der Grundsatz, wonach den Freigeborenen Erbfolge in liegendem Gut bestimmt war. Wer ein solches Gut erben wollte, musste von Schwert halben dazu geboren sein. Deshalb blieben die Töchter ursprünglich unbedingt ausgeschlossen.
 
3. Erbgut erbt sich niederwärts und nicht aufwärts. (S. Erbe 27.)Graf, 193, 54; Kraut, Grundriss zu Vorles. über d. deutsche Privatr. (Göttingen 1855), 70.
 
4. Erbgut geht wieder den Weg, daher es gekommen.Graf, 194, 84; v. Kamptz, III, 68.
Im Falle Mangels einer erbberechtigten Nachkommenschaft fällt die Hinterlassenschaft an die Aeltern zurück.
 
5. Erbgut ist kein Raubgut.Eyering, III, 64.
 
6. Erbgut kann niemand geben ohne der Erben Urlaub.Graf, 103, 217; Anderson, Hamburger Statuten (Hamburg 1782), III, 51, 2.
Von der Unveräusserlichkeit erbeigener Güter durch Geschenk oder Verkauf, da sie wieder an die Erben fallen müssen.
 
7. Erbgut – Verderbgut.Graf, 223, 295.
 
8. Erbgut will Hut.
 
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Erbherr
1. Erbherr, Oberherr.Graf, 487, 35; Simrock, 2089.
»Der Landesherr stirbt nie, nur die Namen wechseln, denn der folgende Erbe ist gleichfalls ein Oberherr.«
 
2. Wer ein Erbherr ist, der ist auch ein Oberherr.Eisenhart, 642, 8; Pistor., III, 88; Simrock, 2089; Eiselein, 147; Graf, 487, 34.
Ein Fürst, will das Sprichwort sagen, der durch Erbfolge zur Regierung gekommen ist, hat in der Regel eine grössere Macht als ein solcher, der erst gewählt worden ist; und weil er eine grosse Gewalt über seine Unterthanen hat, nennt ihn das Sprichwort einen Oberherrn, worunter nicht ein solcher Herr zu verstehen ist, der durch Erbschaft zu unbeweglichen Gütern gelangte.
 
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Erbieten
1. Freundlichs erbieten findet friedliche statt. Basler Chron., DLXXXV.
 
2. Schön erbieten ist halbe Speis.Eiselein, 148.
 
3. Viel erbietens, wenig helffens.Petri, II, 571.
 
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Erbitten
1. Erbitten ist theurer, denn erkaufen.Körte, 1150.
It.: Niuna cosa costa più cara di quella, cui comprano le preghiere. (Gaal, 376.)
 
2. Was man erbitten muss, ist theuer erkauft.
 
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Erblehn
1. Alle Erblehen sind unsterblich.Graf, 557, 22; Holländischer Sachsenspiegel (Frankfurt 1764), 83, 65.
 
2. Zu Erblehen braucht man keine Einweiser. Graf, 557, 23.
 
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Erblicken
Du erblickst den Teufel noch, schaust du auch nicht durchs Loch. (Lit.)
Wenn einem Sargbret ein Nagel entfällt, so erblickt man durch dieses Loch nach dem Volksglauben der Litauer böse Geister und alle bekannten und befreundeten Todten, welche ihrer ewigen Verdammniss wegen keine Ruhe im Grabe finden.
 
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Erbloser
Der nächste Erblose ist Vogt.Graf, 172, 170.
Nach altdeutschem Recht fiel die Vormundschaft dem nächsten geeigneten männlichen Verwandten (Schwertmagen) zu. Das obige Sprichwort sagt, dass es der Nächste von denen sein soll, die nicht mit erben.
 
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Erbossen
Sich erbossen wie eine Gans, welcher man ins Nest gekackt hat.Hermes, III, 379.
 
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Erbrecht
'S Erbrecht ist e Schiebrecht. (Schweiz.)
 
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Erbschaft
1. Auf Erbschaft harren, macht viel Narren.
 
2. Die Erbschaft geht vom Spiess auf die Spindel.Hillebrand, 156, 217; Danz, Handbuch d. heutigen gem. d. Privatrechts, 2. Aufl., III, 19; Graf, 189, 36.
Behauptet, dass das männliche Geschlecht vor den weiblichen im Erbrecht den Vorzug habe. Mit Spiess oder Speer bezeichnet die ältere Sprache den Mann, mit Spindel oder Kunkel das Weib. (Grimm, Rechtsalt., 163.)
 
3. Die Erbschaft währt, solang sie eine Ehe scheiden kann.Graf, 188. 22; Grimm, Weisth., I, 275.
Das deutsche Erbrecht will, dass das Erbe in der Familie bleibe. Nach dem obigen Sprichwort soll der Grundsatz des Familienerbrechts so lange massgebend sein, als die Verwandtschaftsgrade stark genug sind, ein natürliches Ehehinderniss zu bilden.
 
4. Erbschaft ist (oft) kein Gewinn. (S. Erfniss.)Graf, 226; Simrock, 2091.
Wenn man sie unvorsichtig genug antritt, ohne vorher zu prüfen, ob die Schulden das Vermögen übersteigen.
 
5. Keine Erbschaft, kein Process.
 
6. Eine Erbschaft antreten, ohne den Nachlass zu berechnen.
Von denen, die unvorsichtig Verpflichtungen übernehmen; weil der, welcher sich unbedingt als Erben erklärt, auch die Schulden des Erblassers zu bezahlen und andere Verbindlichkeiten nach den verschiedenen Rechten zu übernehmen hat.
 
7. Es ist eine jüdische Erbschaft (Jeruscha). Tendlau, 770.
Wenn jemand mit der Goldenen Ader behaftet ist.
 
8. Ich will von dieser Erbschaft nichts wissen.
Frz.: Mettre les clefs sur la fosse de quelqu'un. (Lendroy, 442.)
 
9. Erbschaft und Freundschaft, Diebstahl und Handelsschrift haben die Pest ins Land gebracht.
Aus einer 1710 bei Steininger in Danzig erschienenen Schrift über die Beobachtungen des Chirurgen Manasse Stöckel, die derselbe bei der 1709 in Danzig grassirenden Pest gemacht hat. Ein zu jener Zeit bekanntes Sprichwort.

 

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