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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Erbe (der) bis Erbieten (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Erbe (der)
1. Bei jungen Erben wird das Gut nicht alt.
 
2. Der dritte Erbe wird selten froh unrechten Gutes.
 
3. Der Erbe darf sich auf niemand ziehen.Graf, 103, 214; Klingen, 123, a, 2.
Wer im altdeutschen Recht nachwies, dass er ein Besitzthum ererbt habe, den schützte der todte Gewährsmann; er hatte nicht nöthig, sich auf einen andern zu beziehen.
 
4. Der Erbe folgt in des Todten Recht.Graf, 221, 253; Homeyer, Glosse zum Sachsenspiegel (Berlin 1835), I, 5.
Mit dem Tode des Erblassers endigen sich nicht auch seine vermögensrechtlichen Beziehungen, sie gehen als Rechte und Pflichten auf den Erben über.
 
5. Der Erbe wird zum Gute geboren.Hillebrand, 146, 205; Graf, 204, 154; Zimmerle, Das deutsche Stammgutssystem, S. 119.
Mit dem Ausdruck: zu etwas geboren sein, wird in der Sprache des deutschen Mittelalters jedes durch Geburt begründete Recht bezeichnet. Das Sprichwort behauptet, es sei unrecht, den Blutsverwandten das Erbrecht zu entziehen.
 
6. Der erben threnen ist ein verdeckts lachen. Henisch, 908.
Holl.: Der erfgenamen traan is maar gemaakt haan. (Harrebomée, I, 185.)
 
7. Der Erben Trauern (Weinen) ist heimlich (verdecktes) Lachen.Simrock, 2098; Eiselein, 147.
Lat.: Heredis fletus sub persona risus est. (Publ. Syr.) (Binder I, 642; II, 1277; Philippi, I, 173; Seybold, 210.)
 
8. Die Erben des Geizigen sind allmächtig, denn sie können Todte1 erwecken.Sailer, 101.
1) Nämlich die vergrabenen Thaler.
 
9. Die Erben gelten weder Spiel noch Wucher. Graf, 222, 285.
Hatte der Erbe nach altdeutschem Recht auch mehr oder weniger für die Schulden des Erblassers zu haften, so war er doch von der Haftung für Bürgschaft, Spielschulden und Wucherzinsen frei.
 
10. Die erben trincken jhn weins genug, so der karge hieng am wasserkrug.Henisch, 908; Petri, II, 126.
 
11. Es wirt oft den erben sawrer, vnrecht gut zu verzehren, als den geitzigen, zu gewinnen.Henisch, 908; Petri, II, 306.
 
12. Jeder ist ein Erbe seiner Thaten.
 
13. Lachende Erben lieben stille Begräbnisse.
 
14. Man soll dem Erben gelten, was man dem Todten schuldig war.Graf, 221, 256; Homeyer, Glosse zum Sachsenspiegel, I, 6, 4.
Der Erbe kann alle die Ansprüche geltend machen, die dem Verstorbenen rechtlich zustanden.
 
15. Ohne Erben stirbt niemand.Simrock, 2083.
Dän.: Ingen døer arvingløs. – Ingen man dræber sig arv til. (Prov. dan., 38.)
 
16. Vil erben machen schmale theil.Henisch, 908; Petri, II, 571; Simrock, 2086; Eiselein, 146; Schottel, 1145b.
 
17. Von wegen Timpen Erben, sagt Doctor Hantelmann. ( Hildesheim.) – Hoefer, 429.
 
18. Was von Erben Hand gekommen, muss man den Erben zuerst bieten.Graf, 103, 218; Förstemann, Das Rechtsbuch der Stadt Mühlhausen (Nordhausen 1843), 21.
Nach altdeutschem Recht konnte ererbtes Gut weder verkauft noch verschenkt werden, nur die Erben hatten wieder ein Anrecht darauf.
 
19. Wer seinen Erben nichts hinterlässt als Feder und Tinte, ist des Paradieses gewiss.
 
20. Wer weiss, wer des andern erb ist!Henisch, 908.
 
21. Davon sollen unsere Erben nichts schnappen.
Holl.: Hier zullen onze erfgenamen niet om kijven. (Harrebomée, I, 185.)
 
22. Er will seinen Erben das Nothleiden überlassen.
Holl.: Hij zou liever hebben, dat zijn erfgenaam kommer leed dan hij. (Harrebomée, I, 185.)
 
23. Lachende Erben machen.
Ohne das Leben zu geniessen und ohne für geliebte Angehörige sparen zu wollen, aus blosser Geldliebe zusammenscharren.
 
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Erbeigen
Erbeigen mag man besser behalten als erkauftes Eigen.Graf, 103, 213.
Von der Schwierigkeit, ererbtes Gut zu veräussern.
 
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Erbeissen
A wird sie wul nicht alle derbêssen. (Schles.) – Gomolcke, 239.
 
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Erben
1. Erben ist leicht erwerben.
 
2. Erben macht keine Blattern.Kirchhofer, 240.
 
3. Es erbet wol einer dess andern Geld, aber nicht sein Glück.Petri, II, 244.
 
4. Es erbt das Erbe allweg vor sich auf den Nächsten.Graf, 193, 57; Ortloff, Rechtsb. nach Distinctionen (Jena 1836), I, 4.
Nach dem Erbgange fällt das Gut an den nächsten Nachkommen.
 
5. Es erbt das nächste Blut.Graf, 200, 106; Schildener, Gutalaph, altgothländisches Rechtsbuch (Greifswald 1818), 21, 21.
Zur Bestimmung der Gradesnähe im Erbgange.
 
6. Es erbt nichts aus des Mannes Fletz.Graf, 154, 86.
Handelt vom ehelichen Güterrecht und zwar von dem Falle, wenn die ehelichen Güter eng verbunden waren, sodass sie gemeinschaftlich nach des Mannes Tode der Frau verblieben. Ueber das Wort Fletz, das im Althochdeutschen flachen Grund und Boden, Tenne, Haus, Halle, Wohnung, Stube, Kammer, Lager, Bett u.s.w. bedeutet, und in der neuhochdeutschen Schriftsprache wol nur mit der Schreibung Flötz und der Bedeutung Gang im Bergbau vorkommt, vgl. Grimm, III, 1771. Im obigen Sprichwort bezeichnet es die Verwandtschaft des Mannes, sein Haus.
 
7. Man erbt niemand bei lebendem Leib.Graf, 184, 18; v. Kreittmayr, Rechtsregeln und Sprüche (München 1848), 53.
Niemand ist berechtigt sein Erbgut zu fordern, während der Besitzer desselben lebt. Was in solchem Fall gegeben wird, kann nur als Geschenk betrachtet werden.
 
8. Man erbt niederwärts und nicht aufwärts. Graf, 193, 50.
Nach dem allgemeinen Erbgange fallen die nachgelassenen Güter der Nachkommenschaft zu, wenn eine solche vorhanden ist.
 
9. Man muss nicht auf Erben hausen.Kirchhofer, 357.
 
10. Wer auf Erben baut, baut auf Sand.Kirchhofer, 357.
 
11. Wer erben thut, kommt leicht zu Gut.
Span.: Quien no hereda, no medra.
 
12. Wer erben will, soll auch gelten.Graf, 221, 259.
Er soll auch die Schulden des Erblassers bezahlen.
 
13. Wer erbt, muss bezahlen. (S. Schulden.) Reyscher, V, 206; Eisenhart, 311.
Der Erbe haftet für die Schulden des Erblassers, wenn er die Erbschaft bedingungslos antritt.
Dän.: Hvo som tager ved arv, tager ved gield. (Prov. dan., 37 u. 38.)
 
14. Wer erbt, soll helfen erhalten.Graf, 216, 221; Kothing, Die Rechtsquellen der Bezirke des Cantons Schwyz (Basel 1835), 106.
Beim alten Erbrecht stand die Erhaltung der Einheit und des Fortbestandes des heimatlichen Herdes obenan, der an einen (den ältesten Sohn) überging, die übrigen Geschwister oder andern Erben wurden abgefunden, doch übernahm der Erbe mit dem väterlichen Gute auch die Pflicht, den abgefundenen Geschwistern für alle Wechselfälle des Lebens eine Heimstätte zu sichern.
 
15. Wer mit will erben, muss nicht mit sterben.
 
16. Wer nicht erben kann, soll auch nicht steuern.Graf, 221, 262; Blumer, Staats- und Rechtsgeschichte der schweizerischen Demokratien (St.-Gallen 1850-59), III, 198.
Wer nicht erbt, braucht auch für die Schulden des Erblassers nicht einzustehen.
 
17. Wer si of Erba spitzt, wird nebet ufi glitzt. (Appenzell.) – Tobler.
 
18. Wer si of Erba tröst, ist zum Betla1 gröst2.(Appenzell.)
1) Betteln.
2) Gerüstet.
 
19. Wer sich aufs Erben verlässt, der ist verlassen.
Lat.: In morte alterius spem tu tibi ponere noli. (Cato.) (Binder II, 1451.)
 
20. Wer sich aufs Erben verlot, kommt entweder zu früh oder zu spot.Steiger, 189; Körte, 1149; Kirchhofer, 250.
 
21. Wer sich verlässt aufs Erben, verlässt sich aufs Verderben.Kirchhofer, 249.
Engl.: He that waits for dead men's shoes, may go barefoot.
 
22. Wer sick verlett up't Arben, mag as ein Narr verdarben. (Mecklenburg.) – Hochdeutsch bei Simrock, 2085.
It.: Chi spera sul ben altrui, è sempre povero. (Pazzaglia, 340, 2.)
 
23. Wer will erben, der muss werben.
Holl.: Die eene erfenis wil halen, moet het testament lezen. (Harrebomée, I, 185.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
24. Er versteht das Erben, und wenn ein Vogel über sein Dach fliegt, so muss er Federn lassen.Horn, Spinnstube, 1849, S. 96.
 
25. Ich hoa nî g'erbt, woas m'r aim Âghe schont. (Oesterr.-Schles.) – Peter, I, 444.
 
26. Ich hoa in 'n blös m'rivan Nâr g'erbt. Peter, I, 444.
Ich habe nicht so viel geerbt, als man vom Nagel bläst.
 
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Erbeten
1. Erbeten ist oft theuer erkauft.
Lat.: Precibus emtum carum. (Sailer, Sprüche, 137, 134.)
 
2. Halb erbet, halb d' aloffen. (Wien.)
Halb erbeten, halb erlaufen, sagt die Frau, wenn sie Mühe gehabt hat, unter die Haube zu kommen oder den Mann zu ertanzen.
 
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Erbetteln
Was man lange erbetteln muss, ist nicht geschenkt.
It.: Dono differito, troppo aspettato non è donato, ma caro venduto. (Pazzaglia, 96, 4.)
 
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Erbgang
Was einmal in den Erbgang gekommen, muss in dem Erbgang bleiben.Hillebrand, 183.
Handelt vom Freundschafts- oder Näherrecht, nach welchem die Erben des Verkäufers eines Guts berechtigt sind, dasselbe, falls es vom Eigenthümer an eine fremde Person verkauft worden ist, von dieser wie jedem weitern Besitzer gegen Ersatz des ursprünglichen Kaufpreises zu erwerben.
 
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Erbgänger
Es sind nicht alle Erbgänger, die frei geboren sind.Graf, 210, 181.
Die Erbfähigkeit beruhte nach deutschem Recht nicht blos auf Freiheit, sondern auch auf Ebenbürtigkeit; nur gleiche Geburt berechtigte zum Erbe.
 
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Erbgut
1. Ein Erbgut ist bald verzehrt (verthan).
Dän.: Arvedgods lader sig snart fortære. (Prov. dan., 38.)
 
2. Erbgut erbt bei der Schwertseite.Graf, 189, 26; Oelrichs, Samml. d. Gesetzb. Bremens (Bremen 1771), 558.
Verbindlichkeit und Fähigkeit zum Kriegsdienst war der Grundsatz, wonach den Freigeborenen Erbfolge in liegendem Gut bestimmt war. Wer ein solches Gut erben wollte, musste von Schwert halben dazu geboren sein. Deshalb blieben die Töchter ursprünglich unbedingt ausgeschlossen.
 
3. Erbgut erbt sich niederwärts und nicht aufwärts. (S. Erbe 27.)Graf, 193, 54; Kraut, Grundriss zu Vorles. über d. deutsche Privatr. (Göttingen 1855), 70.
 
4. Erbgut geht wieder den Weg, daher es gekommen.Graf, 194, 84; v. Kamptz, III, 68.
Im Falle Mangels einer erbberechtigten Nachkommenschaft fällt die Hinterlassenschaft an die Aeltern zurück.
 
5. Erbgut ist kein Raubgut.Eyering, III, 64.
 
6. Erbgut kann niemand geben ohne der Erben Urlaub.Graf, 103, 217; Anderson, Hamburger Statuten (Hamburg 1782), III, 51, 2.
Von der Unveräusserlichkeit erbeigener Güter durch Geschenk oder Verkauf, da sie wieder an die Erben fallen müssen.
 
7. Erbgut – Verderbgut.Graf, 223, 295.
 
8. Erbgut will Hut.
 
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Erbherr
1. Erbherr, Oberherr.Graf, 487, 35; Simrock, 2089.
»Der Landesherr stirbt nie, nur die Namen wechseln, denn der folgende Erbe ist gleichfalls ein Oberherr.«
 
2. Wer ein Erbherr ist, der ist auch ein Oberherr.Eisenhart, 642, 8; Pistor., III, 88; Simrock, 2089; Eiselein, 147; Graf, 487, 34.
Ein Fürst, will das Sprichwort sagen, der durch Erbfolge zur Regierung gekommen ist, hat in der Regel eine grössere Macht als ein solcher, der erst gewählt worden ist; und weil er eine grosse Gewalt über seine Unterthanen hat, nennt ihn das Sprichwort einen Oberherrn, worunter nicht ein solcher Herr zu verstehen ist, der durch Erbschaft zu unbeweglichen Gütern gelangte.
 
Artikelverweis 
Erbieten
1. Freundlichs erbieten findet friedliche statt. Basler Chron., DLXXXV.
 
2. Schön erbieten ist halbe Speis.Eiselein, 148.
 
3. Viel erbietens, wenig helffens.Petri, II, 571.

 

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