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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Epistel bis Erbetteln (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Epistel
Einem die Epistel (die Leviten, den Text) lesen.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Diar san uk willens Epistler med, wed hi fertell. (Amrum.) – Haupt, III, 361, 159.
Es sind bisweilen Episteln unter dem, was er erzählt; es ist nicht alles ein Evangelium.
 
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Eppich
Sie sind noch nicht am Eppich. (Altgr.)
Sie haben selbst noch nicht den Anfang einer Sache berührt. Der äusserste Rand der Gärten war vor alters mit Eppich bepflanzt. Die also bei diesem noch nicht waren, mussten sich noch am Eingange des Gartens befinden. Oder: Die Kinder, welche für Wettkämpfe erzogen werden sollten, wurden, wie man sagt, gleich nach der Geburt in Eppich gestellt. Danach würde die obige Redensart heissen: Nicht einmal den ersten Unterricht in einer Sache erhalten haben, noch mit den Elementen einer Kunst u.s.w. unbekannt sein.
 
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Erarnen
1. Es erarnen1 selten viel Doppelzung und Doppelspiel.
1) Verdienen, entgelten, von dem einfachen arnen, das sich schon im Mittelhochdeutschen verlor. Neuhochdeutsch sagt man besonders: hart, schwer, sauer, theuer, übel erarnen. Henisch (962) hat erarnen = erpflügen, ernähren, mit übel Zeit und grosser Arbeit vollbringen. Es ist zu bedauern, dass das gute Wort im 18. Jahrhundert erlischt, wozu der Umstand wol mit beitragen mag, dass es in der Luther'schen Bibelübersetzung nicht vorkommt. (Vgl. Grimm, III, 697.)
 
2. Es muss alles erarnet werden.Gruter, I, 37; Petri, II, 288; Henisch, 902; Eiselein, 146.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
3. Es muss alles erarnet und erfochten sein und soll mit glidgentz vnd wohl zu gehn auff erden.Henisch, 1649, 38.
 
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Erbarmen
1. Ist das nicht zu erbarmen, die Reichen fressen die Armen.Gruter, III, 55; Lehmann, II, 284, 57.
 
2. Zu viel Erbarmen macht verarmen.
Aehnlich mittelhochdeutsch: Swer âne mâze erbarmec ist, daz tregt vil wênig sâmen. (Zingerle, 28.)
 
3. Je, lass dich das erboarmen. (Schles.) – Gomolcke, 458.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
4. Erbarmen lässt nicht verarmen.Weingärtner, 38.
 
5. Wer sich heut nicht erbarmet, kann sich morgen nicht erbarmen.Harssdörffer, 60.
 
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Erbe (das)
1. Besser das Erbe verzehren, als es dem Kloster (den Mönchen) gewähren.
Frz.: Mieux vaut gaudir de son patrimoine que le laisser à un ribaud moine. (Leroux, I, 24.)
 
2. Das Erbe bleibt da, wohin es der Tod bringt. Graf, 204, 155; Richthofen, Altfries. Rechtsquellen, 534, 6.
Das altdeutsche Erbrecht hatte und bedurfte zur Bestimmung der Erbfolge keiner Testamente. Der Erbe war geboren, und der Tod setzte ihn in den Besitz des Gutes.
 
3. Das Erbe fällt den Aeltern in den Busen.Hillebrand, 158, 220; Graf, 194, 72.
»Das Kind fällt wieder in der Mutter Schos«, mit dem es dieselbe Bedeutung hat, nur dass', was dort von der Mutter gesagt wird, hier auf beide Aeltern geht.
 
4. Das Erbe gehört zu den nächsten Erben. Graf, 200, 116; Hach, Lübisch Recht, 256.
 
5. Das Erbe geht nicht aus dem Busen.Hillebrand, 163; J. Grimm in der Zeitschrift f. geschichtl. Rechtswissenschaft, II, 51; Graf, 163, 62; Homeyer, Glosse zum Sachsenspiegel, I, 17, 1.
Will sagen, dass Kinder und Enkel, mit Ausschliessung von Vorfahren und Seitenverwandten, den Verstorbenen beerben. Das Sprichwort findet sich im Sachsenspiegel, I, 17, 1. Busen bezeichnet in der mittelalterlichen Rechtssprache in der Regel Descendenten, wie auch nähere Verwandtschaft überhaupt. (Vgl. Grimm, Rechtsalt., 474.)
 
6. Das Erbe tritt an die Kinder.Graf, 193, 64; Gaupp, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters (Breslau 1851), 312.
Die gesetzlichen Erben brauchen sich nicht um das Erbe zu bemühen, es tritt an sie heran.
 
7. Die sich gleich zum Erbe zählen, nehmen das Erbe gleich.Graf, 201, 124; Homeyer, Glosse zum Sachsenspiegel, I, 3 u. 17.
Die im gleichen Grade verwandt sind, erben gleich.
 
8. Ein Erbe gleicht dem andern und gewinnt das andere.Graf, 195, 93.
Die drei Sprichwörter (Nr. 8, 9 u. 12) beziehen sich auf das von dem einen Ehegatten eingebrachte bewegliche Gut. Wenn einer der beiden stirbt, so erbt der überlebende das gesammte bewegliche Gut, während die liegenden Güter, wenn sie Erbgüter sind, an die nächsten Erben des Verstorbenen fallen.
 
9. Ein Erbe holt das andere.Graf, 195, 92.
 
10. Erb und Gut folgt und geht an die nächsten Erben.Graf, 200, 114; v. Kamptz, Die Provinzialrechte, III, 381.
Von den Graden der Erbfolge.
 
11. Erbe geht allzeit vor sich.Graf, 193, 58.
Erst dann geht es zurück, wenn alle Nachkommenschaft mangelt.
 
12. Erbe gewinnt Erbe.Graf, 195, 91.
 
13. Erbe ist kein Gewinn. (S. Erbschaft 4 und Erfniss.)Graf, 223, 292.
 
14. Erbe mag man in dem Gaue suchen, da es Erbe wurde.Graf, 201, 131.
Um völlige Erblosigkeit so gut wie zu verhüten', war der Erbgang bis in die weiteste Ferne geregelt. Zunächst endete die Sibbe (s.d.) erst im siebenten Grade, dann hörte die Verwandtschaft überhaupt erst da auf, wo sie nicht mehr zu beweisen war. Und wenn dieser Fall eintrat, fiel das Gut an den nächsten Nachbar in dem Gaue, in welchem es lag, worauf sich das obige Sprichwort bezieht.
 
15. Erstes Erbe dem ersten Kind, letztes Erbe dem letzten Kind.Graf, 190, 48; Grimm, Weisth., II, 383.
Dies und das Sprichwort Nr. 19 sagen, dass, wenn der Vater starb und Kinder aus mehreren Ehen hinterliess, die Kinder das Gut ihrer eigenen Mutter unter sich theilten, ohne die Stiefgeschwister theilnehmen zu lassen, während das väterliche Gut allen mit gleichem Recht zufiel.
 
16. Kein Erbe ohne Zins.Graf, 76, 74; Bluntschli, Staats- und Rechtsgeschichte von Zürich (1828), I, 278.
Spricht die Behauptung aus, dass alle bäuerlichen Erbgüter einem Ober- oder Grundherrn zinspflichtig seien. Ohne Zweifel hat es freie Bauergüter gegeben, aber man hat sie allmählich auf die eine oder andere Art in ein Lehnsverhältniss gebracht.
 
17. Man soll Erbe theilen in alle Knieknoten. Graf, 216, 226.
 
18. So muss man Erbe theilen, wie Gott gesprochen hat.Graf, 215, 202.
Empfiehlt für die Fälle, wo eine Erbtheilung eintrat, ein ehrliches und gerechtes Verfahren, weil Gott jedem gleiches Recht beschieden hat.
 
19. Väterliches Erbe väterlichen, mütterliches mütterlichen.Graf, 190, 47.
 
20. Verlass dich nicht auff grosses Erb.Lehmann, II, 796, 20.
 
21. Wer am Erbe Schaden hat, der hat auch billig den Frommen.Graf, 216, 239.
Von Erwägungen und Rücksichten bei der Erbtheilung.
 
22. Wer das Erbe nicht annimmt, braucht die Schuld nicht zu gelten.Graf, 221, 261; Göschen, Goslarische Statuten (Berlin 1840), I, 6, 28.
 
23. Wer das Erbe nimmt, der schuldet.Graf, 211, 258.
Uebernimmt auch des Erblassers Schulden.
 
24. Wer das Erbe nimmt, der soll die Schuld gelten.Graf, 221, 260; Homeyer, Glosse zum Sachsenspiegel, I, 6, 2.
Wer die Erbschaft antritt, übernimmt auch die Verpflichtung, des Erblassers Schulden zu bezahlen.
 
25. Wer kein Erbe gibt, der nimmt auch keins. Graf, 210, 180; Fidicin, Diplom. Beiträge zur Geschichte der Stadt Berlin, I, 119.
Das Erbfolgerecht ist ein gegenseitiges; wer, wie Leibeigene, nichts vererben kann, ist auch unfähig, eine Erbschaft anzutreten.
 
26. Wer will mein Erbe, warte, bis ich sterbe.
Holl.: De erfgenaam krijgt het regt van den doode. – Wilt gij mijn erf? Wacht tot ik sterf. (Harrebomée, I, 185).
 
27. Wer will zu dem Erbe stehen, muss in den Linien sein, die niederwärts gehen.Graf, 193, 55.
Um zu sagen, dass das Erbe stets vorwärts geht, wie der Strom des Bluts.
 
28. Das Erbe vorm Tode theilen.
 
29. Das war ein unverhofftes Erbe.
Holl.: Die erfenis is als uit den hemel komen vallen. (Harrebomée, I, 185.)
 
30. Du hast noch kein Erbe mit ihm getheilt. Simrock, 2099; Eiselein, 147.
Du kennst ihn noch nicht genau; denn gerade da, wo es sich um Mein und Dein handelt, wie bei Erbestheilungen, lernt man die Schattenseite eines Menschen kennen.
Holl.: In het deelen der erfenis staat de vriendschap stil. (Harrebomée, I, 185.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
31. Dem das Erbe ist, der soll den Deich deichen.Graf, 130, 376.
Die Pflicht zu deichen liegt dem Besitzer des Grundstücks ob.
Mhd.: Den dat erne waer solde den dieck dyken. (Pufend., IV, 314.)
 
32. Wer wirt deynes erbs warten.Wachter.
D.h. wer wird das von dir gesammelte Gut geniessen?
 
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Erbe (der)
1. Bei jungen Erben wird das Gut nicht alt.
 
2. Der dritte Erbe wird selten froh unrechten Gutes.
 
3. Der Erbe darf sich auf niemand ziehen.Graf, 103, 214; Klingen, 123, a, 2.
Wer im altdeutschen Recht nachwies, dass er ein Besitzthum ererbt habe, den schützte der todte Gewährsmann; er hatte nicht nöthig, sich auf einen andern zu beziehen.
 
4. Der Erbe folgt in des Todten Recht.Graf, 221, 253; Homeyer, Glosse zum Sachsenspiegel (Berlin 1835), I, 5.
Mit dem Tode des Erblassers endigen sich nicht auch seine vermögensrechtlichen Beziehungen, sie gehen als Rechte und Pflichten auf den Erben über.
 
5. Der Erbe wird zum Gute geboren.Hillebrand, 146, 205; Graf, 204, 154; Zimmerle, Das deutsche Stammgutssystem, S. 119.
Mit dem Ausdruck: zu etwas geboren sein, wird in der Sprache des deutschen Mittelalters jedes durch Geburt begründete Recht bezeichnet. Das Sprichwort behauptet, es sei unrecht, den Blutsverwandten das Erbrecht zu entziehen.
 
6. Der erben threnen ist ein verdeckts lachen. Henisch, 908.
Holl.: Der erfgenamen traan is maar gemaakt haan. (Harrebomée, I, 185.)
 
7. Der Erben Trauern (Weinen) ist heimlich (verdecktes) Lachen.Simrock, 2098; Eiselein, 147.
Lat.: Heredis fletus sub persona risus est. (Publ. Syr.) (Binder I, 642; II, 1277; Philippi, I, 173; Seybold, 210.)
 
8. Die Erben des Geizigen sind allmächtig, denn sie können Todte1 erwecken.Sailer, 101.
1) Nämlich die vergrabenen Thaler.
 
9. Die Erben gelten weder Spiel noch Wucher. Graf, 222, 285.
Hatte der Erbe nach altdeutschem Recht auch mehr oder weniger für die Schulden des Erblassers zu haften, so war er doch von der Haftung für Bürgschaft, Spielschulden und Wucherzinsen frei.
 
10. Die erben trincken jhn weins genug, so der karge hieng am wasserkrug.Henisch, 908; Petri, II, 126.
 
11. Es wirt oft den erben sawrer, vnrecht gut zu verzehren, als den geitzigen, zu gewinnen.Henisch, 908; Petri, II, 306.
 
12. Jeder ist ein Erbe seiner Thaten.
 
13. Lachende Erben lieben stille Begräbnisse.
 
14. Man soll dem Erben gelten, was man dem Todten schuldig war.Graf, 221, 256; Homeyer, Glosse zum Sachsenspiegel, I, 6, 4.
Der Erbe kann alle die Ansprüche geltend machen, die dem Verstorbenen rechtlich zustanden.
 
15. Ohne Erben stirbt niemand.Simrock, 2083.
Dän.: Ingen døer arvingløs. – Ingen man dræber sig arv til. (Prov. dan., 38.)
 
16. Vil erben machen schmale theil.Henisch, 908; Petri, II, 571; Simrock, 2086; Eiselein, 146; Schottel, 1145b.
 
17. Von wegen Timpen Erben, sagt Doctor Hantelmann. ( Hildesheim.) – Hoefer, 429.
 
18. Was von Erben Hand gekommen, muss man den Erben zuerst bieten.Graf, 103, 218; Förstemann, Das Rechtsbuch der Stadt Mühlhausen (Nordhausen 1843), 21.
Nach altdeutschem Recht konnte ererbtes Gut weder verkauft noch verschenkt werden, nur die Erben hatten wieder ein Anrecht darauf.
 
19. Wer seinen Erben nichts hinterlässt als Feder und Tinte, ist des Paradieses gewiss.
 
20. Wer weiss, wer des andern erb ist!Henisch, 908.
 
21. Davon sollen unsere Erben nichts schnappen.
Holl.: Hier zullen onze erfgenamen niet om kijven. (Harrebomée, I, 185.)
 
22. Er will seinen Erben das Nothleiden überlassen.
Holl.: Hij zou liever hebben, dat zijn erfgenaam kommer leed dan hij. (Harrebomée, I, 185.)
 
23. Lachende Erben machen.
Ohne das Leben zu geniessen und ohne für geliebte Angehörige sparen zu wollen, aus blosser Geldliebe zusammenscharren.
 
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Erbeigen
Erbeigen mag man besser behalten als erkauftes Eigen.Graf, 103, 213.
Von der Schwierigkeit, ererbtes Gut zu veräussern.
 
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Erbeissen
A wird sie wul nicht alle derbêssen. (Schles.) – Gomolcke, 239.
 
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Erben
1. Erben ist leicht erwerben.
 
2. Erben macht keine Blattern.Kirchhofer, 240.
 
3. Es erbet wol einer dess andern Geld, aber nicht sein Glück.Petri, II, 244.
 
4. Es erbt das Erbe allweg vor sich auf den Nächsten.Graf, 193, 57; Ortloff, Rechtsb. nach Distinctionen (Jena 1836), I, 4.
Nach dem Erbgange fällt das Gut an den nächsten Nachkommen.
 
5. Es erbt das nächste Blut.Graf, 200, 106; Schildener, Gutalaph, altgothländisches Rechtsbuch (Greifswald 1818), 21, 21.
Zur Bestimmung der Gradesnähe im Erbgange.
 
6. Es erbt nichts aus des Mannes Fletz.Graf, 154, 86.
Handelt vom ehelichen Güterrecht und zwar von dem Falle, wenn die ehelichen Güter eng verbunden waren, sodass sie gemeinschaftlich nach des Mannes Tode der Frau verblieben. Ueber das Wort Fletz, das im Althochdeutschen flachen Grund und Boden, Tenne, Haus, Halle, Wohnung, Stube, Kammer, Lager, Bett u.s.w. bedeutet, und in der neuhochdeutschen Schriftsprache wol nur mit der Schreibung Flötz und der Bedeutung Gang im Bergbau vorkommt, vgl. Grimm, III, 1771. Im obigen Sprichwort bezeichnet es die Verwandtschaft des Mannes, sein Haus.
 
7. Man erbt niemand bei lebendem Leib.Graf, 184, 18; v. Kreittmayr, Rechtsregeln und Sprüche (München 1848), 53.
Niemand ist berechtigt sein Erbgut zu fordern, während der Besitzer desselben lebt. Was in solchem Fall gegeben wird, kann nur als Geschenk betrachtet werden.
 
8. Man erbt niederwärts und nicht aufwärts. Graf, 193, 50.
Nach dem allgemeinen Erbgange fallen die nachgelassenen Güter der Nachkommenschaft zu, wenn eine solche vorhanden ist.
 
9. Man muss nicht auf Erben hausen.Kirchhofer, 357.
 
10. Wer auf Erben baut, baut auf Sand.Kirchhofer, 357.
 
11. Wer erben thut, kommt leicht zu Gut.
Span.: Quien no hereda, no medra.
 
12. Wer erben will, soll auch gelten.Graf, 221, 259.
Er soll auch die Schulden des Erblassers bezahlen.
 
13. Wer erbt, muss bezahlen. (S. Schulden.) Reyscher, V, 206; Eisenhart, 311.
Der Erbe haftet für die Schulden des Erblassers, wenn er die Erbschaft bedingungslos antritt.
Dän.: Hvo som tager ved arv, tager ved gield. (Prov. dan., 37 u. 38.)
 
14. Wer erbt, soll helfen erhalten.Graf, 216, 221; Kothing, Die Rechtsquellen der Bezirke des Cantons Schwyz (Basel 1835), 106.
Beim alten Erbrecht stand die Erhaltung der Einheit und des Fortbestandes des heimatlichen Herdes obenan, der an einen (den ältesten Sohn) überging, die übrigen Geschwister oder andern Erben wurden abgefunden, doch übernahm der Erbe mit dem väterlichen Gute auch die Pflicht, den abgefundenen Geschwistern für alle Wechselfälle des Lebens eine Heimstätte zu sichern.
 
15. Wer mit will erben, muss nicht mit sterben.
 
16. Wer nicht erben kann, soll auch nicht steuern.Graf, 221, 262; Blumer, Staats- und Rechtsgeschichte der schweizerischen Demokratien (St.-Gallen 1850-59), III, 198.
Wer nicht erbt, braucht auch für die Schulden des Erblassers nicht einzustehen.
 
17. Wer si of Erba spitzt, wird nebet ufi glitzt. (Appenzell.) – Tobler.
 
18. Wer si of Erba tröst, ist zum Betla1 gröst2.(Appenzell.)
1) Betteln.
2) Gerüstet.
 
19. Wer sich aufs Erben verlässt, der ist verlassen.
Lat.: In morte alterius spem tu tibi ponere noli. (Cato.) (Binder II, 1451.)
 
20. Wer sich aufs Erben verlot, kommt entweder zu früh oder zu spot.Steiger, 189; Körte, 1149; Kirchhofer, 250.
 
21. Wer sich verlässt aufs Erben, verlässt sich aufs Verderben.Kirchhofer, 249.
Engl.: He that waits for dead men's shoes, may go barefoot.
 
22. Wer sick verlett up't Arben, mag as ein Narr verdarben. (Mecklenburg.) – Hochdeutsch bei Simrock, 2085.
It.: Chi spera sul ben altrui, è sempre povero. (Pazzaglia, 340, 2.)
 
23. Wer will erben, der muss werben.
Holl.: Die eene erfenis wil halen, moet het testament lezen. (Harrebomée, I, 185.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
24. Er versteht das Erben, und wenn ein Vogel über sein Dach fliegt, so muss er Federn lassen.Horn, Spinnstube, 1849, S. 96.
 
25. Ich hoa nî g'erbt, woas m'r aim Âghe schont. (Oesterr.-Schles.) – Peter, I, 444.
 
26. Ich hoa in 'n blös m'rivan Nâr g'erbt. Peter, I, 444.
Ich habe nicht so viel geerbt, als man vom Nagel bläst.
 
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Erbeten
1. Erbeten ist oft theuer erkauft.
Lat.: Precibus emtum carum. (Sailer, Sprüche, 137, 134.)
 
2. Halb erbet, halb d' aloffen. (Wien.)
Halb erbeten, halb erlaufen, sagt die Frau, wenn sie Mühe gehabt hat, unter die Haube zu kommen oder den Mann zu ertanzen.
 
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Erbetteln
Was man lange erbetteln muss, ist nicht geschenkt.
It.: Dono differito, troppo aspettato non è donato, ma caro venduto. (Pazzaglia, 96, 4.)

 

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