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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Adeln bis Aedern (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Adeln
1. Wer adeln will, muss edel sein.
 
2. Wer sich selbst adelt, der ist adelig.
It.: Gentiluomini son quelli, che fanno le cose gentili.
 
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Adelsbrief
1. Adelsbrief' und Hofsuppen sind niemand versagt.
 
2. Adelsbrief' und Hofsuppen sind zu Hof gemeiner (wohlfeiler) denn ein Bauernjuppen.
 
3. Er hat wol einen Adelsbrief (gekauft), aber die Bauern nennen ihn Vetter.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Er trägt seinen Adelsbrief in der Tasche.
Holl.: Hij draagt zijnen adelbrief in den zak. (Harrebomée, I, 10b.)
 
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Adelschaft
Adelschaft bringt Tadelschaft.
 
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Adelsrecht
Adelsrecht – Adelspflicht.
Frz.: Noblesse oblige. (Cahier, 1157; Bohn I, 40.)
 
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Adelstolz
Adelstolz sitzt auf einem Pferde von Holz.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Er ist so adelsstolz, dass er nur zum Herrn von Jesus betet.Schottmüller, Ms.
 
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Adelung
[1.] Er ist mit dem Adelung über den Fuss gespannt.
Macht im Sprechen oder Schreiben grobe Verstösse gegen die Gesetze der deutschen Sprache.
Die Franzosen sagen: Er gibt dem Vaugelas Ohrfeigen (donner un soufflet à Vaugelas). – Claude Faure de Vaugelas war unter Cardinal Richelieu Mitglied der französischen Akademie und ein Hauptmitarbeiter an dem berühmten Wörterbuch. Zu der sprichwörtlichen Redensart hat aber besonders die von ihm unter dem Titel »Bemerkungen über die französische Sprache« verfasste Schrift Veranlassung gegeben. (Lendroy, 1378.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Dän.: Priscianus faaer tit hug. (Priscianus graeder, naar en forseer sig mo grammatica.) (Prov. dan., 460.)
Holl.: De grammatica voorlezen. ( Harrebomée, I, 257.)
 
2. Da soll der Adelung drein schlagen.
 
3. Da soll ihn doch der – Adelung holen.
Unwille über grobe Sprachfehler.
Holl.: Hij zal de grammatica krijgen. (Harrebomée, I, 257.)
 
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Ader
1. Ader und Geld lassen sich nicht bergen. Tendlau, 147.
 
2. De dredde Ader sleid naan Paen.Schambach, 14.
Durch das Wort: Die dritte Ader schlägt nach dem Pathen hin, ist die Annahme der Kirche ausgedrückt, dass durch die Gevatterschaft eine geistige Verwandtschaft entstehe, die auf die Charakterbildung des Täuflings Einfluss habe.
 
3. Eine Ader vom Narren hat jeder.
 
4. Eine goldene Ader ist der Same zu allem Hader.
 
5. Nachdem einer Adern hat, muss man ihn schneppen.
 
6. Wenn du die Ader öffnest, so sei bereit, Blut zu sehen.
 
7. Wer Ader lässt, muss den Puls schonen.
 
8. Wer eine Ader öffnen will, streicht sie erst, eh' er schlägt.
Mit Glimpf richtet man am meisten aus.
 
9. Wer eine Ader schlägt, muss auch verbinden können.
 
10. Wer nicht eine Ader vom Narren hat, ist kein Mensch.
 
11. Die Ader ist reich genug.
 
12. Er hat eine gute Ader getroffen.
Ein glücklicher Zufall hat ihn auf den Weg, sein Glück zu machen, gebracht.
Frz.: Il est tombé sur une bonne veine.
 
13. Er hat keine Ader von ihm (von seinem Vater).
Gleicht ihm in keinem Stücke.
 
14. Er hat keine gute Ader dazu.
Neigung und Geschicklichkeit fehlen ihm dazu.
 
15. Es is kaan jüdische Ader an 'm.Tendlau, 675, 680.
Es fehlt ihm der jüdisch-religiöse Sinn.
 
16. Es ist keine böse Ader an ihm.Tendlau, 415.
 
17. Es ist keine gute Ader in ihm.
Er taugt durchaus nichts.
 
18. Solange noch eine Ader in mir schlägt.
Frz.: Tant que l'âme me battra dans le corps (dans le ventre).
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
In Holstein: Et is kên gode Ader in em. (Schütz, I, 69.)
 
19. Es wird oft Einem die Ader geöffnet und tausende müssen bluten.
 
20. Ich bitte, mir eine Ader zu öffnen, sagte der Dieb, als man ihn zum Galgen führte, da der erste Aderlass vor dem Tode schützen soll.
 
21. Lass zur Ader, lass purgiren und wenn der Kranke stirbt, begrab ihn.
Gegen die seiner Zeit herrschende und von einer ärztlichen Partei gepflegten Vorliebe für Aderlässe und Brechmittel, welche in vielen Fällen eher zum Tode als zur Genesung führten.
Port.: Sangrai-o, purgai-o, e se morrer, enterrai-o. (Bohn I, 293.)
Span.: Sangrarle y purgarle; si se murcere, enterrarle. (Bohn I, 256.)
22. Wer keine Ader öffnet, kann kein Blut fliessen sehen.Günsburg, 125, 181.
 
23. Da sleit em kên Ader na.Schütz, I, 19; II, 106.
Dazu ist er nicht geneigt.
 
24. Das geht mich mit keiner Ader an.Herberger, I, 466.
 
25. He hett nene Ader van den Öllern.Dähnert, 3a.
 
26. Die neunt' Ader (s. 2) g'räth 'n Thouten (Pathen) nach. (Franken.)
 
27. Dieselbe Ader zum zweiten mal öffnen.Altmann VI, 518.
 
28. Er hat ihm die Ader geschlagen.Herberger, Ib, 783.
 
29. Er hat jhm die Ader recht troffen.Herberger, I, 820.
 
30. Es ist kein redliche Ader in jhm.Mathesy, 194b.
 
31. Er hot nit kein jüdische Uder in sich.
Von Leuten, die sich über alle Religionsvorschriften hinwegsetzen.
 
32. Ich denke mit keiner Ader daran.
Holl.: Daar is gen aan niga tyt, dat craan denkt. (Harrebomée, II, 22.)
 
33. Sie haben ihm zur Ader gelassen.Frischbier, I, 26.
Ihm einen bedeutenden Verlust beigebracht.
 
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Aderlass
1. Der erste Aderlass rettet das Leben. (Dän.)
 
2. Die Aderlässe sind zu meiden, so Bauern mit langen Eisen auf den Kirchmessen schneiden.Fischart, Prakt.
 
3. Wer von einem Aderlass ohnmächtig wird, taugt nicht zum Schnepper.
 
4. Ein tüchtiger Aderlass.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Dän.: Förste aderladende frier döden. (Prov. dan., 6.)
 
5. Der Aderlass muss sich nach dem Arm richten.
 
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Aderlassen
1. Aderlassen, Abführen und Beichten Leib und See' erleichten.
 
2. Aderlassen ist gut, so oft es von nöthen thut; wer's nicht bedarf, dem ist lassen das Beste.Fischart, Prakt.
Das Aderlassen war im 17. Jahrhundert wie Essen, Trinken und Schlafen ein Lebensbedürfniss. Die Blutentziehungen erfolgten massenweise und waren in ein System gebracht. Ein kölner Arzt (Avicenna N. Crusius) hatte in seinem »Regimen sanitatis« für alle Monate im Jahre eine feste Regel dafür gegeben. So heisst es: »Im Jenner ist gut Häuser bauen, Hochzeit machen, aber niemals Aderlassen. Im Hornung ist gut Hölzer spalten, warm sich halten und am besten – Aderlassen. Im Märzen ist gut Bäume schneiden und am Daumen Aderlassen« u.s.w. durch alle Monate. G. Hesekiel hat in einer Erzählung aus dem Dreissigjährigen Kriege diese Regeln vollständig verwoben. (Vgl. J. Rodenberg, Deutsches Magazin, 1861, II, 16).
 
3. Man kann wol andern zu Liebe Aderlassen, aber nicht – glauben.
4. Soll das Aderlassen bekommen wohl, so sei den ersten mässig, den zweiten frässig, den dritten toll und voll.Bremser, 30.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
5. Aderlassen ist gut, wenn es noth thut; wer's aber nicht bedarff, dem ist lassen das best.Henisch, 23, 59; Petri, II, 3.
 
6. Beim Aderlassen ist – Lassen das Beste.
Denn die Böhmen sagen: Zur Ader lassen, heisst den Nagel in den Sarg schlagen: Krev pustiti, hřebík v rakev vraziti. (Čelakovský, 149.)
 
7. Es ist gut Aderlassen, wenn's dem Bader an Geld fehlt.
Dän.: Det er altid god aareladen, naar barskoren fattes penge. (Prov. dan., 4.)
 
8. Man kann wol Aderlassen, man darf aber die Pulsader nicht fassen.
Dän.: Skulde den grove ader slaaes, vilde blodet snart löbe ham tit dödr. (Prov. dan., 6.)
 
9. Man soll so zur Ader lassen, dass keine Ohnmacht erfolgt.
Dän.: Man skal saa aarlade undendanerne, at de ey fald i afmagt. (Prov. dan., 4.)
 
10. Wer aderlassen will, muss auch verbinden können.
Dän.: Hvo som vil aderlade, moa og kunnt forbinde. (Prov. dan., 6.)
 
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Aederlein
1. Einem das Aederlein treffen.
»Ich habe jhnen das Aederlein getroffen, darumb seind sie rasend wider mich.« (Henisch, 22, 42.)
 
2. Er hat ka(n) gutes Äderle am ganze(n) Leib. (Ulm.)
 
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Aedern
1. A ädert1 mich ufn Tûd. (Schles.) – Berndt, 3.
1) Quält, martert.
 
2. Aedern und rädern.Luther.

 

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