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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Adelheid bis Ader (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Adelheid
Aalheid un Klunkerfood danssen alle beid nich good. (Holst.) – Schütze.
»Klunkerfood« heisst im Holsteinischen ein schwankender, hinkender Fuss oder Mensch. »Aalheid« ist das zusammengezogene Adelheid, scheint aber hier die Gans zu bedeuten, die in »Reineke Voss« Alheit heisst.
 
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Adelheit
Adelheit ist dreyerley, eine auss der Tugend, die ander auss der geschicklichkeit, die dritt auss der geburt oder reichthum.Henisch, 20, 71.
 
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Adelig
1. Adelig und edel sind verwandt wie Rossschweif und Fliegenwedel.
 
2. Adelig und edel sind zweierlei.
 
3. Adelig was ehrlich.
 
4. Oft der adelig und verständig ist, der Bauern und Unflätern dient zu Tisch.
 
5. Wer adelig thut, den will ich halten für edel.
 
6. Wer sich adelig hält, der ist adelig (edel).
It.: Colui è nobile, che nobilmente si comporta.
 
7. Adeliger als Kodrus. (Griech.)
Spott auf die, welche sich verrauchter Ahnenbilder rühmen.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Schwed.: Adelig och ärlig. (Grubb, 3.)
 
8. Adelig und tugendsam schicken sich gar wohl zusamm.
Frz.: Noble et vertueux. (Kritzinger, 479b.)
 
9. Das heisst adelig gelebt, wenn man nach Tugend strebt.Petri, II, 639.
Engl.: He is noble, that hath noble conditions. (Bohn II, 119.)
 
10. Nichts ist Adelig, Ehrlich ist dess Adels Gebärerin.Lehmann, II, 4, 63.
 
11. Was recht adelig und tugendhaft, ist auch schamhaft.Schottel, 1144a; Henisch, 21, 67.
 
12. Adelig wie ein Stiftsherr.Höfer, Erzählungen, Stuttgart 1855, S. 83.
 
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Adeliger
Sie ist mit einem Adeligen einmal von der Bank gefallen.
Frz.: C'est une Demoiselle faite à la hâte. (Kritzinger, 370b.)
 
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Adeln
1. Wer adeln will, muss edel sein.
 
2. Wer sich selbst adelt, der ist adelig.
It.: Gentiluomini son quelli, che fanno le cose gentili.
 
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Adelsbrief
1. Adelsbrief' und Hofsuppen sind niemand versagt.
 
2. Adelsbrief' und Hofsuppen sind zu Hof gemeiner (wohlfeiler) denn ein Bauernjuppen.
 
3. Er hat wol einen Adelsbrief (gekauft), aber die Bauern nennen ihn Vetter.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Er trägt seinen Adelsbrief in der Tasche.
Holl.: Hij draagt zijnen adelbrief in den zak. (Harrebomée, I, 10b.)
 
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Adelschaft
Adelschaft bringt Tadelschaft.
 
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Adelsrecht
Adelsrecht – Adelspflicht.
Frz.: Noblesse oblige. (Cahier, 1157; Bohn I, 40.)
 
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Adelstolz
Adelstolz sitzt auf einem Pferde von Holz.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Er ist so adelsstolz, dass er nur zum Herrn von Jesus betet.Schottmüller, Ms.
 
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Adelung
[1.] Er ist mit dem Adelung über den Fuss gespannt.
Macht im Sprechen oder Schreiben grobe Verstösse gegen die Gesetze der deutschen Sprache.
Die Franzosen sagen: Er gibt dem Vaugelas Ohrfeigen (donner un soufflet à Vaugelas). – Claude Faure de Vaugelas war unter Cardinal Richelieu Mitglied der französischen Akademie und ein Hauptmitarbeiter an dem berühmten Wörterbuch. Zu der sprichwörtlichen Redensart hat aber besonders die von ihm unter dem Titel »Bemerkungen über die französische Sprache« verfasste Schrift Veranlassung gegeben. (Lendroy, 1378.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Dän.: Priscianus faaer tit hug. (Priscianus graeder, naar en forseer sig mo grammatica.) (Prov. dan., 460.)
Holl.: De grammatica voorlezen. ( Harrebomée, I, 257.)
 
2. Da soll der Adelung drein schlagen.
 
3. Da soll ihn doch der – Adelung holen.
Unwille über grobe Sprachfehler.
Holl.: Hij zal de grammatica krijgen. (Harrebomée, I, 257.)
 
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Ader
1. Ader und Geld lassen sich nicht bergen. Tendlau, 147.
 
2. De dredde Ader sleid naan Paen.Schambach, 14.
Durch das Wort: Die dritte Ader schlägt nach dem Pathen hin, ist die Annahme der Kirche ausgedrückt, dass durch die Gevatterschaft eine geistige Verwandtschaft entstehe, die auf die Charakterbildung des Täuflings Einfluss habe.
 
3. Eine Ader vom Narren hat jeder.
 
4. Eine goldene Ader ist der Same zu allem Hader.
 
5. Nachdem einer Adern hat, muss man ihn schneppen.
 
6. Wenn du die Ader öffnest, so sei bereit, Blut zu sehen.
 
7. Wer Ader lässt, muss den Puls schonen.
 
8. Wer eine Ader öffnen will, streicht sie erst, eh' er schlägt.
Mit Glimpf richtet man am meisten aus.
 
9. Wer eine Ader schlägt, muss auch verbinden können.
 
10. Wer nicht eine Ader vom Narren hat, ist kein Mensch.
 
11. Die Ader ist reich genug.
 
12. Er hat eine gute Ader getroffen.
Ein glücklicher Zufall hat ihn auf den Weg, sein Glück zu machen, gebracht.
Frz.: Il est tombé sur une bonne veine.
 
13. Er hat keine Ader von ihm (von seinem Vater).
Gleicht ihm in keinem Stücke.
 
14. Er hat keine gute Ader dazu.
Neigung und Geschicklichkeit fehlen ihm dazu.
 
15. Es is kaan jüdische Ader an 'm.Tendlau, 675, 680.
Es fehlt ihm der jüdisch-religiöse Sinn.
 
16. Es ist keine böse Ader an ihm.Tendlau, 415.
 
17. Es ist keine gute Ader in ihm.
Er taugt durchaus nichts.
 
18. Solange noch eine Ader in mir schlägt.
Frz.: Tant que l'âme me battra dans le corps (dans le ventre).
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
In Holstein: Et is kên gode Ader in em. (Schütz, I, 69.)
 
19. Es wird oft Einem die Ader geöffnet und tausende müssen bluten.
 
20. Ich bitte, mir eine Ader zu öffnen, sagte der Dieb, als man ihn zum Galgen führte, da der erste Aderlass vor dem Tode schützen soll.
 
21. Lass zur Ader, lass purgiren und wenn der Kranke stirbt, begrab ihn.
Gegen die seiner Zeit herrschende und von einer ärztlichen Partei gepflegten Vorliebe für Aderlässe und Brechmittel, welche in vielen Fällen eher zum Tode als zur Genesung führten.
Port.: Sangrai-o, purgai-o, e se morrer, enterrai-o. (Bohn I, 293.)
Span.: Sangrarle y purgarle; si se murcere, enterrarle. (Bohn I, 256.)
22. Wer keine Ader öffnet, kann kein Blut fliessen sehen.Günsburg, 125, 181.
 
23. Da sleit em kên Ader na.Schütz, I, 19; II, 106.
Dazu ist er nicht geneigt.
 
24. Das geht mich mit keiner Ader an.Herberger, I, 466.
 
25. He hett nene Ader van den Öllern.Dähnert, 3a.
 
26. Die neunt' Ader (s. 2) g'räth 'n Thouten (Pathen) nach. (Franken.)
 
27. Dieselbe Ader zum zweiten mal öffnen.Altmann VI, 518.
 
28. Er hat ihm die Ader geschlagen.Herberger, Ib, 783.
 
29. Er hat jhm die Ader recht troffen.Herberger, I, 820.
 
30. Es ist kein redliche Ader in jhm.Mathesy, 194b.
 
31. Er hot nit kein jüdische Uder in sich.
Von Leuten, die sich über alle Religionsvorschriften hinwegsetzen.
 
32. Ich denke mit keiner Ader daran.
Holl.: Daar is gen aan niga tyt, dat craan denkt. (Harrebomée, II, 22.)
 
33. Sie haben ihm zur Ader gelassen.Frischbier, I, 26.
Ihm einen bedeutenden Verlust beigebracht.

 

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