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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Achtung bis Aeckerlein (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Achtung
1. Achtung ist besser als Gold.
Lat.: Bona opinio tutior est pecunia. (Publ. Syr.)
 
2. Eine Hand voll Achtung ist besser als eine Metze Geld.Burckhardt, 549.
Das ägyptische Sprichwort hat: Wejbe, was ein ägyptisches Getreidemass bezeichnet.
 
3. Es soll ein jeder Achtung haben: der Kaufmann, wenn die Waare geht; der Schiffer, wenn der Wind sich dreht; der Winzer, wenn die Traube schwillt; der Bauer, wenn der Roggen gilt.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
4. Achtung verdienen Männer von Gewicht, doch alle, die viel wiegen, nicht.
 
5. Ein jeder soll Achtung vor sich selber haben.
Lat.: Tu tibi venerabilis. (Sailer, Sprüche, 103, 42.)
 
6. Es ist alweg die achtung grösser denn das ding.Franck, II, 173a.
 
7. Wer ohne Achtung lebt, der lebt in Schande.
Holl.: Die zonder achting leeft, die leeft met schande. (Harrebomée, I, 10b.)
 
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Achtzehn
1. Achtzehn oder drei.
Alles oder nichts, das Höchste oder das Geringste. Vom Würfelspiel entlehnt, wo achtzehn die höchste und drei die niedrigste Anzahl Augen sind, die man werfen kann. Von Wagehälsen gebraucht, die alles aufs Spiel setzen.
 
2. Alle achtzehn (nämlich Augen) werfen.
Vom Würfelspiel entlehnt. Von denen, welchen es besonders glücklich geht. Die Griechen sagten: Achilles hat sechs Würfel geworfen. Lat.: Jecit Achilles duas tesseras et quatuor. ( Erasm., 113.) Von denen, die einen besonders guten Griff gethan hatten, die das Glück besonders begünstigte, sagte man, sie hätten einen »Midaswurf gethan«: Wer einen Midaswurf gethan, darf um Rath nicht bange han. – Midas in tesseris consultur optimus. (Erasm., 119.)
 
3. Er macht achtzehn, die besten.
Bricht, übergibt sich.
Frz.: Il rend le pain benit. (Lendroy, 1137.)
Diese französische Redensart bezeichnet: das Wiedergeben dessen, was man erhalten hat. Sie hat ihren Ursprung in einer kirchlichen Feierlichkeit, die an Sonn- und Festtagen stattfindet und wobei geweihtes Brot unter die Anwesenden vertheilt wird. Der erste empfängt es vom Glöckner und betheilt sodann seinem Nachbar u.s.f. Daher die Redensart: Das geweihte Brot geben. Für: sich übergeben, wenn man zu viel getrunken hat, sagen die Franzosen auch: den Fuchs schinden (écorcher le renard). (Lendroy, 649.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
4. Achtzehn gewinnt nie.
Zunächst beim Whist, es müssen zwanzig sein. Doch auch Spielerglaube, der nicht gern auf 18 anlegt, sondern meint, von 16 aus seien die fehlenden 4 Points leichter als von 18 die fehlenden 2 zu erlangen; wenigstens tröste sich der Gegner damit.
 
5. Achtzehn, wie auf dem Schiesshause.
 
6. Da (von) gehen achtzehn aufs Dutzend.
»In allen Stätten, Flecken vnd Dörffern werden täglich Leut geboren, die hertz vnd händ haben zu Schiessen, Hawen vnnd Stechen, vnnd kommen offt Achtzehn für ein Dutzet zu Marck.« (Lehmann, 433, 9.)
 
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Achtzig
Wer nach Achtzig steigt, der keucht.
Von dem Drückenden des Alters.
 
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Achtziger
1. Wenn Achtziger tanzen, gibt der Tod Ordonnanzen.
 
2. Wenn ein Achtziger spricht, muss man beide Ohren gebrauchen.
 
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Acker
1. Aecker, die ausser der Landwehr liegen, sind schwer zu hüten.
 
2. Acker um Acker, chuet an Stab. (Appenzell.)
 
3. Acker und Pflug, Wein und Krug, durstiger Bruder, Zecher und Luder, Rettich und Ruben, Huren und Buben, Hühner und Hahnen, waren alle Gespanen.Parömiakon, 3020.
 
4. Auch guter Acker, ungebaut, trägt nichts als Disteln und Unkraut.
 
5. Auf dem Acker des Frommen ist gut Aehrenlesen.
 
6. Auf fremdem Acker steht die Saat gut (immer besser als auf dem eigenen).
 
7. Auf schlechtem Acker erntet man selten gutes Getreide.
 
8. Auf schwarzem Acker wächst der Weizen wacker.
 
9. Auf unfruchtbarem Acker keinen Samen.
 
10. Beim Acker ohne Brach lassen die Früchte nach.
Körperliche wie geistige Anstrengungen erfordern ihre Pausen, ihre Ruhe.
 
11. Braune Aecker – die besten.
It.: Terra negra buon pan mena.
Ung.: A fekete földben terem a jó búza.
 
12. Danach man den Acker baut, danach trägt er Frucht.
 
13. Den Acker bauen ohn' Verdruss gewähret Brot im Ueberfluss.
 
14. Der Acker bringt nicht Frucht allein, Gott muss ihm geben das Gedeihn.Sprichwörterschutz, I, 109.
 
15. Der Acker macht die Früchte nicht, sondern die Zeit.
Lat.: Ager non producit sed annuo. (Luther, 238.)
 
16. Der Acker muss schwächer sein als der Bauer.
Lat.: Oportet agrum imbecilliorem esse. (Columella.) (Erasm., 639.)
Virgil sagt zu der Erklärung dieses Sprichworts: »Die zu grossen Felder magst du loben, die kleinen aber anbauen.« Ein zu grosses Feld macht mehr Arbeit, als verrichtet, werden kann. Auch in Bezug auf Aemter, welche die Kraft des Beamten übersteigen. Das folgende Sprichwort drückt denselben Gedanken aus.
 
17. Der Acker weniger spann' als der Ackersmann.
Eigentlich: Der Acker, das Feld, muss schwächer sein als der Bauer.
 
18. Der beste Acker bringt allein keine Frucht.
It.: Buona terra ha bisogno di lavoratore.
 
19. Ein Acker mit Schätzen ist leicht ins Geld zu setzen.
 
20. Ein Acker ohne Getreid', eine Wiese ohne Weid', ein Keller ohne Wein, ein Heil'ger ohne Schein, ein Stock ohne Reben, ein Mensch ohne Leben, eine Mutter ohne Kind von geringem Werthe sind.
 
21. Ein ungebauter Acker bringt selten viel Korn.
 
22. Es ist ein artlicher Acker um ein Amt, der einem sobald die Scheunen füllt.Parömiakon, 2001.
 
23. Es ist kein Acker, der nicht einmal brache liegt.
Perioden des Stillstandes kommen in dem Leben jedes, auch des thätigsten Menschen vor.
 
24. In gutem Acker wächst auch Unkraut.
 
25. Je mehr man dem Acker gibt (nämlich Arbeit und Düngung), desto mehr gibt er wieder.
 
26. Kein Acker ohne Disteln (ohne Unkraut).
Darum kein allgemeines Verdammungsurtheil.
 
27. Man muss den Acker nicht zu viel düngen. Blum, 224.
 
28. Man soll den Acker nicht zu wohl bauen.
Lat.: Nihil minus expedit, quam agrum optime colere (Plinius.) (Erasm., 635.)
 
29. Nicht jeder Acker bringt dieselben Früchte, nicht jedes Land hat dieselben Wichte.
 
30. Soll sich der Acker wohl lösen, so soll man ihn auch wohl gürten.
Empfiehlt Fleiss des Ackersmanns.
 
31. Ungebauter Acker bringt (trägt) selten gute Frucht (gutes Korn).
Lat.: Fertilis assiduo si non moveatur aratro, nil nisi cum spinis gramen habebit ager.
 
32. Ungebauter Acker kann sich des Unkrauts (der Disteln) nicht erwehren.
 
33. Veil Acker, wing Dinger, brengt olle Joahre winger.
In der Gegend von Militsch (in Schlesien), wenn auf einer Landschaft im Verhältniss zur Bodenfläche zu wenig Vieh gehalten wird.
 
34. Was der Acker nicht trägt, muss der Buckel tragen.
So sagen die Felddiebe; aber man gebraucht es auch als Rechtfertigung für die ihnen ertheilten Prügel.
 
35. Wenn man den Acker nicht baut, so trägt er nur Farrnkraut.
Empfiehlt Bildung des Geistes und Herzens.
Lat.: Neglectis urenda filix innascitur agris. (Horaz.) (Erasm., 361.)
 
36. Wenn man einen Acker nicht eggt, ist schon das erste Wetter darübergegangen.
 
37. Wer dem Acker gibt, dem gibt der Acker wieder.
 
38. Wer dem Acker hat gegeben, der kann vom Acker leben.
 
39. Wer den Acker nicht baut, erntet nichts als Unkraut.
 
40. Wer den Acker nicht will graben, wird nichts als Unkraut haben.
 
41. Wer den Acker pflegt, den pflegt der Acker. Spr. Sal. 12, 11; Steiger, 317.
 
42. Wer den Acker säet, der mähet.Eisenhart, III, 22.
Während das römische Recht die Früchte einer Aussaat in streitigen Fällen dem Eigenthümer des Bodens zuspricht, so erkennt das deutsche sie dem zu, der den Acker angebaut hat.
 
43. Wer den Acker zu gut baut, wenig Früchte schaut.
Zu gut kann man eigentlich etwas nicht machen; indess will dies alte, schon in Plinius vorkommende Sprichwort nur sagen, dass man in keiner Sache die Grenze überschreiten dürfe.
 
44. Wer den Acker zu sehr düngt, bekommt Kraut statt Knollen.
 
45. Wer seinen Acker bauet, der wird Brotes die Fülle haben.Schulze, 58; Spr. Sal. 12, 11.
 
46. Wer seinen Acker brach liegen lässt, dem läuft Schaf- und Hornvieh darüber.
 
47. Wer seinen Acker fleissig baut, macht den Haufen gross.Zehner, 80.
 
48. Wer seinen Acker mit armer Leute Schweiss will düngen, dem wird er keine Segengarben bringen.
 
49. Wer seinen Acker mit Fleiss baut, soll Brotes genug haben.
 
50. Wer seinen Acker wohl baut, geniesst sein auch wohl.Seybold.
 
51. Wer seinen Acker wohl düngt, der hat desto mehr zu ernten.Zehner, 79; Lehmann, Flor.
 
52. Wer unfruchtbaren Acker baut, vergeblich nach der Ernte schaut.
Lat.: Sterilem agrum ne colas. (Plat.)
 
53. Wer vom Acker lebt und vom Vieh, lebt wohl, wenn – er nicht wird zum Vieh.
 
54. Wie der Acker, so das Getreide.
 
55. Wie der Acker, so die Rüebe, wie der Aetti, so die Büebe.
 
56. Wie du den Acker wirst eggen, so wird das Getreide sich legen.
 
57. Wie man den Acker baut (bestellt), so trägt er auch Frucht.
Frz.: Le champ rend des fruits sclon qu'il est cultivé.
It.: Secondo che si coltiva il campo rende i frutti.
Lat.: Fructus non multus, ager est ubi non bene cultus. – Sicut ager colitur, sic fructibus hic redimitur.
 
58. Wo der Acker braun, ist reiche Frucht zu schaun.
 
59. Acker und Wiesen durch den Bauch führen.
 
60. Auf einen solchen Acker gehört kein anderer Pflug.
Das verdient keine andere Behandlungsweise.
 
61. Das ist mein Acker und mein Pflug.
 
62. Den Acker pflügen und nichts hineinsäen.
 
63. Er ist (wieder) auf seinem eigenen Acker.
 
64. Es klebt kein Acker an dem, was er spricht.
In seiner Rede ist nichts Gemeines, Alltägliches, Niedriges, Triviales; sie zeigt von feiner Bildung.
Lat.: Nihil ex agro dicis. (Erasm., 294.)
 
65. Fremde Aecker pflügen.
Seine Kräfte dem eigenen Wirkungskreise entziehen und damit in fremde Geschäftssphären eingreifen. – Auch von dem Umgang mit anderer Frauen.
Lat.: Alienum arare fundum. (Plaut.) (Erasm., 401.)
 
66. Fremde Aecker pflügen, so eigene brache liegen.
 
67. Mit einem zu Acker gehen.
Ihn derb vornehmen.
 
68. Sein Acker ist so faul, wie er.
Frz.: Tant vaut l'homme, tant vaut sa terre.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Ung.: A fekete főldoen tarem a jô buza. (Schuster, 465.)
 
Dän.: Altid bedre paa en andens ager. (Prov. dan., 485.)
 
Holl.: Nae dat men den acker bouwt, draecht hi sijn vrucht. (Tunn., 20, 17.)
Lat.: Sicut ager colitur, sic fructibus, hic redemitur. (Fallersleben, 558; Henisch, 16, 24.)
 
Holl.: Unghebouwt acker draecht selden goed coorn. (Tunn., 21, 9.)
Lat.: Fructus non multus, ager est ubi non bene cultus. – Rus nolens colere fructu solet ille carere. (Fallersleben, 587.)
 
Lat.: Neglectis urenda silix innascitur agris. (Horaz.) (Philippi, II, 13.)
 
Dän.: Hov som dyrken sin jörd, skat maettes med bröd. (Prov. dan., 130.)
Frz.: Labourez pendant que le paresseux dont, et vous aurez du blé à vendre et à garder.
 
Dän.: Man kand og giöde sin ager for meget. (Prov. dan., 18.)
 
Holl.: Die wel aen sijem acker doet, die doet gewis hem weder goet. (Cats, 212.)
 
Für Franken: Frommann, VI, 163, 3.
 
»Als man den acker bawen thut, so tregt er frucht, böss oder gut.« (Loci comm., 104.)
 
In Ostpreussen: Dat ös mîn Acker on Plôg. Auch: Egg' on Plôg, d.h. mein Beruf. (Frischbier, II, 25.)
 
69. Alle Acker geben Zehent.Graf, 122, 315.
Stellt die Zehntpflicht als allgemein hin, nur ausnahmsweise konnte es zehntfreies Feld geben. »Ale Aecker gebent Zehent, es sei denn, dass einer wisse, womit er sich der Zehentpflicht erwehren könne.« (Grimm, Weisthümer, III, 449.)
Mhd.: Alle eckere geben zehenden. (Grimm, Weisthümer, III, 449.)
 
70. Auf dem Acker ist kein besserer Mist, als der an des Herrn Schuhen ist.Petri, II, 22.
 
71. Auf Einem Acker wächst nicht jede Frucht (gedeiht nicht jedes Kraut).
Dän.: En ager baer ey all saad. (Prov. dan., 18.)
72. Das ist der beste Acker, den man eigen hat. Neues Schulblatt, XIV, 5.
 
73. Der Acker, den man mit silbernen Scharen pflügt, trägt goldene Früchte.Altmann VI, 498.
 
74. Der Acker ist das Heu, die Wiese der Knecht. (Frankenwald.)
 
75. Der Acker ist der dankbarste Schuldner. (Sachsen.) – Boebel, 132.
 
76. Der Acker klît, der Wäinjert (Weingarten) bräinjt nît. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 77.
 
77. Der Acker spürt's schon, wenn man Weissrübensamen nur darüber trägt. (Franken.)
 
78. Der fruchtbarste Acker ist der, den man inne hat.
 
79. Ein Acker, der mit Kalk gedüngt wird, macht nur alte Leute reich.Florini, Hausv., IV, 662.
 
80. Ein Acker, der nicht wol gebawet ist, bringt selten gut Korn.Petri, II, 163.
 
Lat.: Fructus non multus fit, ager si non bene cultus. (Loci comm., 3.)
 
82. Ein Acker muss den andern austragen. Graf, 84, 97.
Ein Nachbar soll dem andern zum Bestellen der Saat wie zum Einräumen der Früchte den Weg über seinen Acker öffnen, wenn auf andere Weise die Ab- und Zufuhr nicht möglich ist. (Vgl. Graf, S. 97.)
 
83. Ein Acker vnd Pflug, Ein Wasser vnd Krug, durstige Leute vnd guter Wein, soll allzeit bey einander seyn.Henisch, 19, 12.
 
84. Ein Acker was bawen ist ein nothturfft, gar zu wol bawen ist schädlich.Lehmann, 536, 49.
 
85. Ein naher Acker vnd a weite Schwieger (Vater) ist's fürm hast für da Bauer. (Schwäbisch.)
 
86. Ein unbebauter Acker trägt nicht gut.
Bei Tunnicius (850): Ein ungebouwet acker drecht nicht wol. (Est incultus ager nulli frumenta daturus.)
 
87. Ein vnbesehter Acker steht nicht wacker. Wehl's, Tagebuch.
 
88. Ein vngebawter Acker bringt distele vnd Hecken.Lehmann, 130, 27.
 
89. Es ist besser den Acker bawen, denn vnersettliche lieb zu Gold vnd Silber haben.Henisch, 19, 15.
 
90. Es ist kein Acker so stolz, als der zum ersten mal im Meer gelegen hat.
 
91. Fetter Acker bringt nicht stets die meiste Frucht.
Frz.: Aulcunes foy le laboureur par trop fumer n'a le meilleur.
Lat.: Colonum interdum fallet nimium pinguis ager. (Bovill, III, 167.)
 
92. Gezogen Acker gibt Zehent auf den Grund als andere Zehent.Graf, 123, 324.
 
93. In bestellten Acker ist gut säen.
Dän.: Godt al saa i tilrudt ager. (Prov. dan., 18.)
 
94. Kein Acker war nie so wohl gebawet, das darin nicht vnnutz Kraut wuchs.Henisch, 19, 18.
 
95. Man find kein Acker ohne vnkraut.Lehmann, 506, 42.
 
96. Man kan den Acker auch wol zu viel düngen.Petri, II, 455; Henisch, 17, 16.
 
97. Man muss von keinem Acker fordern, was er nicht tragen kann.
Dän.: I ager dyr kning skat alte dagles hvad hoer slaed kand taats. (Prov. dan., 19.)
 
98. Me sell z' Acher fahre-n-, 'ass d' Sunne-n-rein nit uff d' Wägesse schynt. (Solothurn.) – Schild, 101, 27.
Man soll so tief pflügen, dass die Pflugschar von der Sonne nicht beschienen wird.
 
99. Nicht ein jeder Acker trägt allerley Frucht. Lehmann, 129, 12.
 
100. Nicht jeder Acker trägt Kohl oder Hopfen.
Wie man sagt: Non omnis fertissima tellus. (Coler, 210.)
 
101. Schwartzer Acker tragt gut Brot Korn. Petri, II, 532.
 
102. Soll der Acker Saaten treiben, darf der Pflug nicht müssig bleiben.
 
103. Soll wachsen auff dem Acker Korn, so muss man düngen vnd pflügen vorn.Petri, II, 507; Henisch, 16, 67.
 
104. Viel Acker werden vbel gebawet.Lehmann, 366, 24.
 
105. Vom Acker geht der Zehent.Graf, 122, 317.
 
106. Von schlechtem Acker erntet man selten gut Korn.
Dän.: Man skiaer sjelden korn of ond ager. (Prov. dan., 355.)
 
107. Was dein Acker kann geben, das sollst du ihm schonungslos nehmen.
Regel für Landwirthe.
 
108. Was der Acker bringt, verzehrt's Gesind. (Rott.-Thal.)
 
109. Was der Acker trägt, muss Zehenten geben.Hillebrand, 180; Estor, III, 481.
 
110. Was noch auf dem Acker steht, folget dem Erbe.Graf, 64, 10.
Mhd.: Daz noch uffe dem acker stet, daz voget dan erbe. (Ortog.)
 
111. Was nützt es, den Acker pflügen, wenn man nichts drein säet (pflanzt).Pers. Rosenthal, 297.
Was nützen Kenntnisse, wenn man sie nicht anwendet.
 
112. Welches acker steht auff festen grund, der kan sein frölich zu aller stund.Henisch, 16, 47.
 
113. Wenig Acker, wollgebawet, seind ein Hausschatz.Lehmann, 366, 24.
 
114. Wenn der Acker des Jahres nicht einmal wohl aussfreurt, so bringt er kein gut Korn.Henisch, 16, 14; Petri, II, 632.
 
115. Wenn der Acker gut gebaut ist, so trägt er gut.
Bei Tunnicius (835): Wan de acker wol gebouwet is, so drecht he wol. (Si bene cultus ager, segetes cum gramine profert.)
 
116. Wenn man den Acker betrieget, betrieget er seinen Herrn wieder.Döpler, I, 725.
D.i. wer ihn nicht, wie es sich gehört, düngt, bestellt, pflegt, der hat keinen lohnenden Ertrag.
 
117. Wer den Acker aus der Westentasche düngt, die Ernte leicht in die Rocktasche bringt.
 
118. Wer den Acker betrügt, der betrügt sich selbst. (S. Land 197.)Schambach, II, 483.
 
119. Wer fremden Acker baut, theilt sein Gut. Graf, 75, 67.
Er verliert Saat und Arbeit, weil er, sofern es wissentlich geschah, von der rechtswidrigen Benutzung fremden Gutes keinen Gewinn beanspruchen kann. Hatte jemand dagegen aus Irrthum fremden Acker bebaut, so bleiben ihm ein Theil der Früchte.
 
120. Wer hat einen steinigen Acker, ein froh Pferd, jung und wacker, ein bösen Zaum und stumpfen Pflug, den wird zu schaffen genug.
 
121. Wer ihm (sich) einen Acker kaufft, der verkaufft sein Hauss.Oec. rur., 4, 107.
D.i. »wer der Landwirthschaft lebet, der kann nicht in der Stadt wohnen, auch nicht im Hause bleiben.«
 
122. Wer seinen Acker fleissig bauet, der macht seinen Hauffen gross.Oec. rur., 4, 90.
 
123. Wer spärlich seinen Acker düngt, der weiss schon, was die Ernte bringt.Bremer Hauskalender.
 
124. Wer unfruchtbaren Acker baut, vergeblich nach der Ernte schaut.
Lat.: Sterilem agrum ne colas. (Plato.) (Philippi, II, 200.)
 
125. Wie der acker ist, so ist der Sam.Henisch, 19, 29.
Lat.: Qualis ager, talia mihi semina et quales flores, tales et colores. (Henisch, 19, 29.)
 
126. Wie der Acker, so das Getreide, wie die Wiese, so die Weide, wie der Herr, so der Knecht, wie der Krieger, so das Gefecht.
 
127. Wo der Acker leidet noth, da fehlt's dem Bauer bald an Brot.
Dän.: Laed agermand er ey maden vand. (Prov. dan., 19.)
 
128. Der Acker Fridolini.
»Gegenüber ragte niedrig aus den Fluten eine Kiesbank – unbewachsen – oftmals gänzlich überflutet sie die Strömung; scherzend heisst der Mann im Rheinthal sie den Acker Fridolini.« (Scheffel, Trompeter, S. 73.)
 
129. Er gibt allerhand Acker an.Frischbier, I, 23.
Macht Händel, treibt lose Streiche.
 
130. Es ist jm acker vnd wisen durch den Bauch gefaren.Franck, II, 48b.
 
131. Gang mer net über mein Aeckerle. (Ulm.)
 
Artikelverweis 
Ackerbau
Ackerbau und Bergwerk soll man nicht lassen feiern.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Ackerbau, Ochsenschau und eine hübsche junge Frau machen ins Christenthum manche Sau.Dinter's Leben, Neustadt a.O. 1829, S. 161.
 
3. Ackerbau vnd Bergwerck soll man nicht feyren lassen.Mathesius, Sarepta, XXIa.
 
Artikelverweis 
Ackerboden
Wer die Tiefe seines Ackerbodens mehrt, thut ebenso viel, als wenn er die Fläche des Ackers vergrössert.Wunderlich, 3.
 
Artikelverweis 
Ackergaul
Aus einem Ackergaul wird kein Reitpferd.
Engl.: A kindly aver will never make a good horse. (Bohn II, 68.)
 
Artikelverweis 
Ackergurren
Ackergurren lässt man weiden ohne Zaum; die köstlichen Stuten werden wohl gehütet. Geiler.
 
Artikelverweis 
Ackerland
Erst habe Ackerland, dann rechne nach Lofstellen. (Lett.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Ackerland hält stets Bestand.Frischbier, I, 22.
 
Artikelverweis 
Aeckerlein
1. Kein Aeckerli, das er säet, kein Wiesli, das er mähet.
 
2. Er meint, jedes Aeckerli müss' er säen, und jedes Wiesli mähen.

 

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