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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Acht (die) bis Achteräs (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Acht (die)
Lieber dreimal in die Acht, als einmal ins Stockhaus.Altmann VI, 505.
 
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Acht (Zahlwort)
Acht (Zahlwort).
 
1. Acht haben nicht grossen Lohn und werden doch reich davon: Förster und Jäger, Amtleut' und Häger, Tutor und Procurator, Verwalter und Curator.
 
2. Acht is mehr as Dusend. (Ostfries.)
Wortspiel zwischen dem Zahlwort acht und dem Dingwort Acht (Achtung, Aufmerksamkeit). Acht geben ist besser als Tausende besitzen.
 
3. Acht und aber Acht macht sechzehn.Pistor., II, 5; Körte, 23.
Ein Wort des Markgrafen Albrecht des Jüngern von Brandenburg. »Habt keine Sorge«, sprach er lächelnd, als man ihn warnte, der Kaiser werde ihn in die Acht (Land- oder Unteracht) und Aberacht (Oberacht) erklären, »Acht und aber Acht macht sechzehn; mit denen will ich schon fertig werden.« Der Ausspruch wurde Sprichwort, um damit die kaiserliche und Reichsacht zu verspotten. Das Wortspiel liegt theils in »aber«, das in Aberacht soviel wie Ober bedeutet, aber von Albrecht im wiederholenden Sinne genommen wurde, theils in »Acht«, das er als Zahlwort gebrauchte. Wenn ein Angeschuldigter nicht vor dem Gericht erschienen oder entflohen war, so konnte, nach altdeutschem Gerichtswesen, der Richter die Verfestung gegen ihn aussprechen. Wer verfestet war, konnte vom Kläger mit Gewalt vor den Richter gebracht, und, wenn er sich widersetzte, straflos getödtet werden. Die Verfestung wirkte aber nur in dem Sprengel des Richters, der sie ausgesprochen. Wurde sie einem höhern Richter angezeigt, so wurde sie von diesem für alle unter ihm stehenden Gerichtssprengel bestätigt und dadurch wirksamer gemacht. Die vom Kaiser durch die kaiserlichen Gerichte ausgesprochene Verfestung hiess Acht und wirkte im ganzen Reiche. Wer über Jahr und Tag in der Acht blieb, wurde, wenn dies gegen ihn gezeugt ward, in die Aberacht gethan »und sein Leib und Gut allermänniglich erlaubt und soll niemand daran freveln können, und soll selbigen Thäter und Friedensbrecher niemand behausen, herbergen, atzen, tränken und keiner ihm Vorschub thun in seiner Obrigkeit Eigenthum und Gebiet«.
 
4. Acht tragen selbst die Schuld, wenn sie beschämt werden: Wer uneingeladen zu einem Gastmahl kommt; wer in eines andern Hause in Gegenwart des Hausherrn befiehlt; wer Ehrerbietung von seinem Feinde fordert; wer Geschenke von einem Geizigen nimmt; wer andern gegen ihren Willen in die Rede fällt; wer hohe Personen schmäht oder gering schätzt; wer einen Platz einnimmt, der ihm nicht gebührt; wer jemand erzählt, der nicht hören will.Löwenheim, 107, 48; Günsburg, 98, 499.
 
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Acht (cura, attentio, aestimatio)
Acht (cura, attentio, aestimatio).
 
1. Acht gegeben, es sind Schindeln auf dem Dache.Steiger, 420.
Empfiehlt Vorsicht im Reden in Gegenwart der Jugend, welche so leicht Feuer fängt, wie ein Schindeldach.
 
2. Besser in der Acht, denn in der Hacht.
Entweder: Besser verbannt als gefangen, verhaftet; oder allgemeiner: Besser mit Vorsicht handeln, als wegen Gesetzesübertretungen Strafen erleiden.
Lat.: Cum licet fugere, ne quaere litem. Philippi, I, 102; Seybold, 101. – In compitis esse praestat, quam in compedibus. – Melius est proscribi, quam carceri includi. – Praestat uni malo obnoxium esse quam duobus. (Tappius, 8b.)
 
3. Gib Acht, dass man aus dir keinen Affen (Narren) macht.
 
4. Gib Acht, gib Acht! ist kein Gift für Ratten.
Mit dem blossen Reden ist's oft nicht gethan, es gilt zugreifen.
 
5. Gib Acht ist mehr als Reue.
 
6. Hab Acht auf die Schanze!
 
7. Hab Acht, dass du dir's nicht versalzest!
 
8. Hab Acht, dass du nicht auf das Maul fallest!
 
9. Hab Acht, dass du nicht an einen Stock fahrest!
 
10. Hab Acht, dass du nicht selbst aus dem Sattel reitest!
 
11. Wer Acht hat, findet, und wer arbeitet, hat auch zu schlachten.
Ist im Wohlstande, im Besitz von Schlachtthieren.
 
12. Wer sich nicht selber nimmt in Acht, bei dem nützt weder Hut noch Wacht.
 
13. Wer sich nimmt in Acht, der braucht wenig Wacht.
Lat.: Mater timidi flere non solet.
 
14. Er gibt Acht wie ein Heftelmacher.
Von jemand, der mit Anstrengung auf etwas merkt.
 
15. Er nimmt's in Acht, wie einen Topf.
Diese Redensart der Litauer ist wahrscheinlich entstanden, als sie den Gebrauch der irdenen Töpfe kennen lernten und diese noch sehr selten waren. Sie umflochten daher dieselben so sehr mit Draht, dass man das Geschirr selbst kaum hindurch erblicken konnte, um es vor dem Zerbrechen zu bewahren. (Wurzbach, I, 34.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Franck, II, 7b; Latendorf I, 6; Simrock, 53. – Ueber die Uebergänge des fl und cht ineinander vgl. Schiller 3b, S. 40b.
 
16. Acht dir nichts, g'schieht dir nichts. (Steierm.)
 
17. Die Acht vnd Macht in der Welt haben, lassen sich nicht gern straffen.Henisch, 1512, 52; Schottel, 1120b; Petri, II, 122.
 
18. Gib Acht, sonst kommst du fremde Hände in die Haar über.Kirchhofer, 179.
 
19. Hab acht, dass du nicht das Maul verfallest. Lehmann, 68, 12.
 
20. Hab acht, dass du nicht das muhs versalst.
 
21. Hab acht, dass du nicht Russ fangest.
 
22. Hab acht vff dich vnd die deinen, du hast nicht, die dich trewlich meinen.
 
23. Hab auff dich selber acht.Petri, II, 368.
 
24. Nehmet euch in Acht vor den Bächen, die von Thieren sprechen.
Spöttischer Zuruf an die Franzosen mit Bezug auf ihre unglücklichen Schlachten bei Rossbach und an der Katzbach. (Illustrirte Zeitung, Leipzig 1859, 137a.)
 
25. Nimm dich in Acht ist ein gut Wort.
Engl.: Take heed is a good read. (Bohn, II, 102.)
Span.: Cuyda bien de lo que hazes no te fies da rapáces. (Bohn II, 102.)
 
26. Nimm dich in Acht, klä Hols is hie. (Oberharz.)
Ermahnung zur Vorsicht bei unberufenen Zuhörern.
 
27. Nimm dich in Acht vor Wetterschaden.
Eine allgemeine Warnung.
 
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Acht (Stand, Amt)
Acht (Stand, Amt).
 
1. Die acht vnd macht in der Welt haben, lassen sich nicht gern straffen.Henisch, 13, 7.
 
2. Ener van der ghestelken achte.
Einer vom geistlichen Stand. Freybe, Redentiner Spiele, 1751: Geordineret to presterliker achte. – 1703: Maket wat korter juwe achte. Macht kürzer euern Dienst, euer Amt (ministerium), d.h. den Altargesang.
 
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Achtel
Ledige Achtel (Fässer) schallen sehr.Herberger, II, 525.
 
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Achten
1. Achte di klên, wes gern allên, denke stedes up den Dag, den nemand vörbigân mag. (Lübeck.)
 
2. Achte du mein, so acht' ich dein.Ramann, Unterr., IV, 24.
Lat.: Vicem pro vice reddam tibi, care amice.
 
3. Einer acht's, der andere lacht's, was macht's!
Jeder folge seiner bessern Ueberzeugung und kehre sich nicht an die widersprechenden Urtheile des Publikums.
 
4. Ich achte nicht des Mondes Schein, so mir die Sonne will gnädig sein.
 
5. Ich achte weder Geld noch Gold, der Ehr' und Treu' bin ich doch hold.
 
6. Man achtet nicht der Seelen, sondern des Seckels.Geiler.
 
7. Man achtet nicht, was die Sau auch schreit.
 
8. Wer es nicht achtet, dem thut es nicht weh.
It.: A chi non pesa, ben porta. – Chi non duol, ben scortica.
 
9. Wie man etwas achtet, so ist es; wie man glaubt, so geschieht einem.
Frz.: Toute chose est comme on l'estime.
It.: Ogni cosa è coma si stima.
Lat.: Proxima remus opinio.
 
10. Er achtet ihn, wie einen Hund.
 
11. Er achtet nicht auf Glanz, trinkt wol aus einem Hafen.Agricola.
 
12. Man achtet ihn nicht höher, als einen Affen.
 
13. Man achtet ihn, wie einen Hund.
Gewöhnlich, besonders im morgenländischen Sinne, bezeichnet man Hass und Verachtung mit dem Worte Hund. So sagt Horaz: Er wird mehr als ein Hund gehasst.
Lat.: Non magis quam canem. (Erasm., 167.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
14. Einer acht's, der Andre verlacht's, der Dritte betracht's, was macht's?Frieske, 16.
Inschrift in der siebenten Nische des Bierkellers im neuen berliner Rathhause; stand auch über der Thür des 1498 erbauten Rathhauses zu Wernigerode; es lautet der Spruch: Einer acht's, der ander veracht's, der dritte betracht's, was macht's?
15. Leichter g'acht, als g'macht. (Steiermark.)
 
16. Wer niemand acht, dess acht niemand wieder.Petri, II, 738.
 
17. Wie ein jeder wil geachtet sein, also sol er sich auch halten.Henisch, 15, 17.
 
18. Wie man sich selbst achtet, so wird man geachtet.
Dän.: Som man agta sig selo, saa agtes man og til. (Prov. dan., 20.)
 
19. Wonach sich zu achten, wie der Herr Schulze spricht.Steffens, Volkskalender, 1855, S. 18.
 
20. Ich achte ihn nicht so viel wie meine alten Schuhe.
Holl.: Ik acht hem als mijn' ouden schoen. (Harrebomée, II, 254b.)
 
21. Sie achtens so wenig als die Sorbonne zu Paris acht, was die newe grusische Akademie zu Leiden beschleusst.Zinkgref, IV, 69.
 
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Aechten
Dai es ächten (hinten) nitt as väören, süss (sonst) könn he met der Fuet (dem Hintern) Nüete (Nüsse) knappen. (Iserlohn.) – Firmenich, III, 187.
 
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Achter (Zahlwort)
Achter (Zahlwort).
 
Er ist der Achte unter den sieben Weisen.Fischart.
Spottweise von denen, die sich sehr weise dünken. »Manch Haupt in der gelehrten Welt sich für den achten Weisen hält.«
Lat.: Sapientum octavus. (Horaz.) (Erasm., 221.)
 
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Achter (d.h. hinten; mundartliches Adverb)
Achter (d.h. hinten; mundartliches Adverb).
 
1. Achter in's Lôg1 wânt (wohnen) ôk Lüde. Frommann, II, 338.
1) Dorf, namentlich Pfarrdorf.
 
2. De van achtern kummt, het kên Geld.Frommann, IV, 142.
 
3. Von achtern is de Koh blind. (Ostfries.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
4. He stickt achter dahl, as Hoffmann bi' n Hund.Körte, 10c.
Er verfehlt seinen Zweck.
 
5. Achter un vör beslan wesen.Eichwald, 1723.
 
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Achterânander
Achterânander her de klen tander Gise.
So sagt man in Hamburg von denen, die ohne Paar und Glied zu halten hintereinander hergehen.
 
Artikelverweis 
Achteräs
Achteräs äs de Hane krasset. (Westf.)

 

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