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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Achse bis Acht (Stand, Amt) (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Achse
Die Achse ist gebrochen.
Der Fortgang des Unternehmens ist auf unerwartete Weise gestört, gehemmt worden.
 
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Achsel
1. Auf beiden Achseln tragen, steht keinem Biedermann an.
 
2. Auf vielen Achseln ist gut tragen.
 
3. Lass dir auf die Achsel sitzen, so will man dir auf den Kopf.
Lass dir ein Recht ohne Widerstand rauben oder verletzen – man wird immer weiter greifen; dulde eine kleine Ungerechtigkeit, du wirst bald grosse zu dulden haben.
Lat.: Post folia cadunt arbores. – Veterem ferendo injuriam, invitas novam.
 
4. Man muss nicht auf beiden Achseln Wasser tragen.
Man muss es entweder ganz mit der einen oder mit der andern Partei halten; was man ist, muss man ganz sein.
Frz.: Il faut être tout un ou tout autre.
 
5. Wer andere über die Achsel ansieht, verdirbt sich die eigenen Augen.
 
6. Wer auf beiden Achseln trägt, sitzt zwischen zwei Stühlen (in die Asche) nieder.
 
7. Alles uf di leicht Achs'l namma. (Franken.) – Schleicher, 80; Frommann, VI, 163.
 
8. Auf beiden Achseln tragen.
Lat.: Duos linis parietes. (Tappius, 20a.) – Prolixius sic effertur.
 
9. Auf beiden Achseln Wasser tragen.
Es mit keiner von verschiedenen Parteien verderben, beiden dienen.
Frz.: Nager entre deux eaux.
Lat.: Chordas geminas ferire. – Duabus sellis sedere. (Tappius, 60b.)
 
10. Bis an die Achsel schwören.Grimm, I, 164.
D.h. bis auf einen gewissen Punkt.
 
11. Die Achsel zucken (ziehen).
Bedenklichkeiten bei einer Sache, Bedauern über etwas äussern oder dadurch zu verstehen geben, dass man etwas Unabänderliches geduldig tragen müsse.
 
12. Einen auf den Achseln tragen.
Ihn ungern sehen, weil er lästig ist.
 
13. Er treibt nur das, was unter den Achseln geschieht. (Altgr.)
Von Schmeichlern. Die Ausübung der Schmeichelei ist sehr sinnreich unter die Achseln verlegt, weil diese Stellen vorzüglich kitzelig sind. Also: Er scheut jede Beschäftigung und sucht von der Schmeichelei zu leben.
 
14. Etwas auf die leichte Achsel nehmen. Grimm, I, 163.
Etwas leichtsinnig behandeln, für unbedeutend ansehen. Lässt sich der Ausdruck »leichte Achsel« rechtfertigen?
Frz.: Faire peu de cas de quelque chose.
 
15. Etwas auf seine Achseln nehmen.
Frz.: Charger quelque chose sur son cou.
 
16. Jemand über die Achsel ansehen.
Ihn verächtlich, von der Seite ansehen, verachten.
Frz.: Il regarde les gens par-dessus l'épaule.
Lat.: Alto supercilio contemnere.
 
17. Mit einem über die Achsel sein.Grimm, I, 164.
D.h. gespannt.
 
»Sie sah mich unter ein Achsel an, sie sprach: du bist kein edelmann.« (Ambraser Liederbuch, Nr. 69, 12.) – »Darum pin ich oft naschen aussgegangen; man hat mich vber die achsel empfangen.« (Fastnachtsspiele, 321, 25.)
 
»Die Edomiter waren der Juden Brüder, wie Moses sagt; noch waren sie jmmer mit den Israeliten vber einen Achsel von wegen des uralten Hasses.« (Fischer, Psalter, 749, 1.)
 
18. Wer jhm auff die Achsel sitzen lässt, dem sitzt man zuletzt gar vff den kopff.Lehmann, 242, 40; Petri, II, 720; Braun, 15.
 
19. Ar thuat alles uf die leicht Achsel namma. (Franken.) – Frommann, VI, 163; Schleicher, 180.
 
20. Auf einer Achsel Feuer, auf der andern Wasser tragen.
 
21. Die Achsel einziehen.
»Hierüber zogen etliche die Achsel ein und entschuldigten sich.« (Simplic., 864.)
22. Du kanst wol auf beiden achseln tragen. Tappius, 20a, 60b.
Lat.: Duos binis parietis. (Tappius, 20a.)
 
23. Die Achsel schupfen.Schöpf, 4.
Bedenken äussern.
 
24. Einem auf den Achseln sitzen.
»Sie sind vns auff die achslen gesessen, oder sie seind vns gar auff gugen gehocket.« (In capite atque ceruicibus nostris restiterunt.) (Henisch, 10, 64.)
 
25. Einem unter die Achsel greifen.Schöpf, 4.
Ihm aus der Noth helfen.
 
26. Er kan vff zwuen Achseln tragen.Eisenhart, II, 379.
Lat.: Esse hominem duplici animo. – Ex eodem ore calidum et frigidum efflare, duabus sellis sedere, duos linere parietes. (Henisch, 10, 58.)
 
27. Es fehlt ihm unter der Achsel.Schöpf, 4.
Er ist faul, arbeitsscheu.
 
28. Etwas (nicht) auf die hohe Achsel nehmen. Henisch, 10, 60.
D.h. es nicht zum besten, es unfreundlich u.s.w. annehmen.
 
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Achselschmalz
Sein Achselschmalz sparen.
»Spar den Achselschmalz nicht so.« (Rott. Thal.)
 
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Achselsitzen
Wen Achselsitzen frey erlaubt, dem sitzt man letztlich gar auffs Haupt.Eisenhart, I, 492.
 
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Achselträger
Ein Achselträger sein.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Ein Achselträger trägt auf beiden Achseln Wasser.
 
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Achselzucken
Zehn Achselzucken sind leichter als ein Handaufthun.Altmann VI, 410.
 
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Achsennagel
Der Achsennagel ist ein kleines Ding, aber (und) er hält einen grossen Wagen zusammen.
 
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Acht (die)
Lieber dreimal in die Acht, als einmal ins Stockhaus.Altmann VI, 505.
 
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Acht (Zahlwort)
Acht (Zahlwort).
 
1. Acht haben nicht grossen Lohn und werden doch reich davon: Förster und Jäger, Amtleut' und Häger, Tutor und Procurator, Verwalter und Curator.
 
2. Acht is mehr as Dusend. (Ostfries.)
Wortspiel zwischen dem Zahlwort acht und dem Dingwort Acht (Achtung, Aufmerksamkeit). Acht geben ist besser als Tausende besitzen.
 
3. Acht und aber Acht macht sechzehn.Pistor., II, 5; Körte, 23.
Ein Wort des Markgrafen Albrecht des Jüngern von Brandenburg. »Habt keine Sorge«, sprach er lächelnd, als man ihn warnte, der Kaiser werde ihn in die Acht (Land- oder Unteracht) und Aberacht (Oberacht) erklären, »Acht und aber Acht macht sechzehn; mit denen will ich schon fertig werden.« Der Ausspruch wurde Sprichwort, um damit die kaiserliche und Reichsacht zu verspotten. Das Wortspiel liegt theils in »aber«, das in Aberacht soviel wie Ober bedeutet, aber von Albrecht im wiederholenden Sinne genommen wurde, theils in »Acht«, das er als Zahlwort gebrauchte. Wenn ein Angeschuldigter nicht vor dem Gericht erschienen oder entflohen war, so konnte, nach altdeutschem Gerichtswesen, der Richter die Verfestung gegen ihn aussprechen. Wer verfestet war, konnte vom Kläger mit Gewalt vor den Richter gebracht, und, wenn er sich widersetzte, straflos getödtet werden. Die Verfestung wirkte aber nur in dem Sprengel des Richters, der sie ausgesprochen. Wurde sie einem höhern Richter angezeigt, so wurde sie von diesem für alle unter ihm stehenden Gerichtssprengel bestätigt und dadurch wirksamer gemacht. Die vom Kaiser durch die kaiserlichen Gerichte ausgesprochene Verfestung hiess Acht und wirkte im ganzen Reiche. Wer über Jahr und Tag in der Acht blieb, wurde, wenn dies gegen ihn gezeugt ward, in die Aberacht gethan »und sein Leib und Gut allermänniglich erlaubt und soll niemand daran freveln können, und soll selbigen Thäter und Friedensbrecher niemand behausen, herbergen, atzen, tränken und keiner ihm Vorschub thun in seiner Obrigkeit Eigenthum und Gebiet«.
 
4. Acht tragen selbst die Schuld, wenn sie beschämt werden: Wer uneingeladen zu einem Gastmahl kommt; wer in eines andern Hause in Gegenwart des Hausherrn befiehlt; wer Ehrerbietung von seinem Feinde fordert; wer Geschenke von einem Geizigen nimmt; wer andern gegen ihren Willen in die Rede fällt; wer hohe Personen schmäht oder gering schätzt; wer einen Platz einnimmt, der ihm nicht gebührt; wer jemand erzählt, der nicht hören will.Löwenheim, 107, 48; Günsburg, 98, 499.
 
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Acht (cura, attentio, aestimatio)
Acht (cura, attentio, aestimatio).
 
1. Acht gegeben, es sind Schindeln auf dem Dache.Steiger, 420.
Empfiehlt Vorsicht im Reden in Gegenwart der Jugend, welche so leicht Feuer fängt, wie ein Schindeldach.
 
2. Besser in der Acht, denn in der Hacht.
Entweder: Besser verbannt als gefangen, verhaftet; oder allgemeiner: Besser mit Vorsicht handeln, als wegen Gesetzesübertretungen Strafen erleiden.
Lat.: Cum licet fugere, ne quaere litem. Philippi, I, 102; Seybold, 101. – In compitis esse praestat, quam in compedibus. – Melius est proscribi, quam carceri includi. – Praestat uni malo obnoxium esse quam duobus. (Tappius, 8b.)
 
3. Gib Acht, dass man aus dir keinen Affen (Narren) macht.
 
4. Gib Acht, gib Acht! ist kein Gift für Ratten.
Mit dem blossen Reden ist's oft nicht gethan, es gilt zugreifen.
 
5. Gib Acht ist mehr als Reue.
 
6. Hab Acht auf die Schanze!
 
7. Hab Acht, dass du dir's nicht versalzest!
 
8. Hab Acht, dass du nicht auf das Maul fallest!
 
9. Hab Acht, dass du nicht an einen Stock fahrest!
 
10. Hab Acht, dass du nicht selbst aus dem Sattel reitest!
 
11. Wer Acht hat, findet, und wer arbeitet, hat auch zu schlachten.
Ist im Wohlstande, im Besitz von Schlachtthieren.
 
12. Wer sich nicht selber nimmt in Acht, bei dem nützt weder Hut noch Wacht.
 
13. Wer sich nimmt in Acht, der braucht wenig Wacht.
Lat.: Mater timidi flere non solet.
 
14. Er gibt Acht wie ein Heftelmacher.
Von jemand, der mit Anstrengung auf etwas merkt.
 
15. Er nimmt's in Acht, wie einen Topf.
Diese Redensart der Litauer ist wahrscheinlich entstanden, als sie den Gebrauch der irdenen Töpfe kennen lernten und diese noch sehr selten waren. Sie umflochten daher dieselben so sehr mit Draht, dass man das Geschirr selbst kaum hindurch erblicken konnte, um es vor dem Zerbrechen zu bewahren. (Wurzbach, I, 34.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Franck, II, 7b; Latendorf I, 6; Simrock, 53. – Ueber die Uebergänge des fl und cht ineinander vgl. Schiller 3b, S. 40b.
 
16. Acht dir nichts, g'schieht dir nichts. (Steierm.)
 
17. Die Acht vnd Macht in der Welt haben, lassen sich nicht gern straffen.Henisch, 1512, 52; Schottel, 1120b; Petri, II, 122.
 
18. Gib Acht, sonst kommst du fremde Hände in die Haar über.Kirchhofer, 179.
 
19. Hab acht, dass du nicht das Maul verfallest. Lehmann, 68, 12.
 
20. Hab acht, dass du nicht das muhs versalst.
 
21. Hab acht, dass du nicht Russ fangest.
 
22. Hab acht vff dich vnd die deinen, du hast nicht, die dich trewlich meinen.
 
23. Hab auff dich selber acht.Petri, II, 368.
 
24. Nehmet euch in Acht vor den Bächen, die von Thieren sprechen.
Spöttischer Zuruf an die Franzosen mit Bezug auf ihre unglücklichen Schlachten bei Rossbach und an der Katzbach. (Illustrirte Zeitung, Leipzig 1859, 137a.)
 
25. Nimm dich in Acht ist ein gut Wort.
Engl.: Take heed is a good read. (Bohn, II, 102.)
Span.: Cuyda bien de lo que hazes no te fies da rapáces. (Bohn II, 102.)
 
26. Nimm dich in Acht, klä Hols is hie. (Oberharz.)
Ermahnung zur Vorsicht bei unberufenen Zuhörern.
 
27. Nimm dich in Acht vor Wetterschaden.
Eine allgemeine Warnung.
 
Artikelverweis 
Acht (Stand, Amt)
Acht (Stand, Amt).
 
1. Die acht vnd macht in der Welt haben, lassen sich nicht gern straffen.Henisch, 13, 7.
 
2. Ener van der ghestelken achte.
Einer vom geistlichen Stand. Freybe, Redentiner Spiele, 1751: Geordineret to presterliker achte. – 1703: Maket wat korter juwe achte. Macht kürzer euern Dienst, euer Amt (ministerium), d.h. den Altargesang.

 

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