| | Abzwacken Einem etwas abzwacken. (Nürtingen.)
Acceptiren [1.] Wer acceptirt, muss bezahlen. – Eisenhart, IV, 39; Pistor., I, 2; Volkmar, 355. Wechselrecht. Kaufmännisches Sprichwort. Wer einen Wechselbrief einmal angenommen, hat sich dadurch auch verbindlich gemacht, die darin enthaltene Summe zu bezahlen, auch wenn der Trassant mittlerweile gestorben oder fallit geworden, oder die Acceptation aus Irrthum geschehen ist und der Acceptant bei Annahme des Wechselbriefs nicht die gehörige Vorsicht beobachtet hat. Das Sprichwort ist, wie das ganze Wechselgeschäft italienischen Ursprungs. Ueber die Fälle, in denen es seine Anwendung verliert, siehe den oben angeführten Eisenhart, §. 2. | | | [Zusätze und Ergänzungen] Hillebrandt, 172; Hertius, I, 28; Simrock, 45. | | | 2. Ich will acceptiren, aber nicht quittiren. Was man mir gibt, nehme ich zwar als Abschlagszahlung an, behalte mir aber meine weitern Ansprüche vor. Eine jüdische Redensart in Warschau, die den Gedanken ausspricht: »Nimm das Gebotene und behalte dir das Recht vor, mehr zu verlangen«, lautet: »Le Ojlem nemen (einen) tikkech muhn (mahnen). Scherzhafte Uebersetzung der Worte ›le Ojlem‹ mit ›nimm‹ und ›tikkech‹ mit mahnen.« Im letzten polnischen Aufstande hörte man in Warschau bei Veröffentlichung der Concession des Kaisers den Ruf des Volkes: Akceptajemy ale nie kwitajemy, d.h. wir wollen acceptiren, aber nicht quittiren.
Accidentia Accidentia hol die Pestilenzia. Was sind Accidentia (Nebenschlängle)? »Wenn man mit den Leuten umgehet, wie der Gärtner mit dem Buchsbaum, das sind Accidentia. Wenn man die Unterthanen schröpft, wie der Bader eine alte Weiberhaut; wenn man die Handwerker traktirt, wie die Beisszange die Hufnägel; wenn man im Amt so treulich handelt, wie die Maus im Speisegewölbe; wenn man die Ausgabe für die Herrschaft mit einer längern Elle misst, als den Empfang; wenn man keinem Gehör vergönnt, der Opferstock habe denn seine Vision.« (Heinmar, I, 173.) | | |
Accisoren Wer sich Accisoren setzen lässt, bedarf keiner Blutegel. Lat.: Non missura cutem nisi plena cruoris hirudo.
Accisorenaugen Er macht Accisorenaugen.
Accord 1. Besser wohlfeiler Accord als theures Advocatenwort. | | | 2. Ein magerer Accord ist besser als ein fetter Process. | | | 3. Als hätte er's im Accord. | | | [Zusätze und Ergänzungen] 2. Vär Akkord, na gên Kîf (Streit). – Kern, 137.
Accordiren 1. Accordiren ist der erste Gewinn. | | | 2. Er accordirt mit unserm Harjet (Herrgott). (Jüd.-deutsch.) – Tendlau, 664.
Accurat 1. Accurat scheisst kan Bauer. (Niederösterr.) | | | 2. Allzu accurat ist tischlermässig. | | | 3. Allto akkrat is börgerlick. (Oldenburg.) – Firmenich, I, 233, 67. | | | 4. Nu accrâds nich. – Frischbier, II, 23. Nun thue ich's gerade nicht.
Ach 1. Ach und Wehe ist das tägliche Brot in der Ehe. | | | 2. Auf Ach und Weh folgt Glorie. | | | 3. Auf Weh und Ach folgt Freude nach. Frz.: Les pleurs sont suivis de joie; la joie succède aux pleurs. | | | 4. Ein Ach wohnt unter jedem Dach. | | | 5. Ach und Weh über einen schreien (ausrufen). Frz.: Il fit de grands hélas. – Crier haro sur quelqu'un. Zeter über jemand schreien, jemand festnehmen, indem man haro dabei schreit. (Lendroy, 1603.) | | | 6. Mit Ach und Krach durchkommen. Mit genauer Noth, z.B. durch das Examen. | | | [Zusätze und Ergänzungen] 7. Ach steigt aufs schönste Dach. | | | 8. Ach und weh, gibt es aber Mäus' im Bodensee? – Eiselein, 85. | | | 9. Zwischen Ach und Weh, Kummeraus und Klausen, dazwischen liegt Burghausen. (Oberösterreich.) Ach wird mir als ein Pfarrdorf bezeichnet, das der baierschen Stadt Burghausen, von der es durch den Fluss getrennt ist, gegenüber liegt. Die Ortschaften Weh, Kummeraus und Klausen müssen in der Nähe, sollen eigentlich auf baierschem Gebiete liegen. Klausen gibt es in Baiern mehrere, dagegen finde ich in Huhn's Lexikon weder in Baiern noch Oesterreich ein Kummeraus und Weh. | | | 10. Mit Ach und Krach. – Stadler, Fröhlig Palz, 277. Mit Mühe, mit genauer Noth. | | | 11. Mit Ach vnd wehe vnnd Awe Marya. – Mathesy, 201b. | | | 12. Sie ist vor Ach und Pfui bewahrt. – Hackländer, Dunkle Stunden, II, 77. Besitzt nur mittelmässige Schönheit.
Acheln Achele', bachele', bōche', is sein' beschte Melōche. – Tendlau, 531. Acheln = essen, bacheln – bechern, bochen für bofen = schlafen.
Achelpeter Das is e Achel-Peter. – Tendlau, 530. Jüd.-deutsch: Ein Fresspeter, ein Fresser, ein Nimmersatt, vom hebräischen achal = essen. Daher auch: Er achelt gern ebbes (etwas) Gutes. |
| |