| | Abwesend Lang abwesend ist bald vergessen. Engl.: Long absent, soon forgotten. (Bohn II, 66.)
Abwesende 1. Der Abwesende muss Haare lassen. Engl.: The absent party is always to blame. | | | 2. Die Abwesenden haben unrecht. | | | 3. Kein Abwesender ohne Vorwürfe (Schuld, Beschuldigungen), kein Anwesender ohne Entschuldigung. (Span.) | | | 4. Von Abwesenden soll man nicht Böses reden. Lat.: De absentibus nihil nisi bonum. | | | [Zusätze und Ergänzungen] Frz.: Les absents ont toujours tort. (Bohn I, 33; Cahier, 15; Gaal, 136.) – Les os sont pour les absents. (Cahier, 17.) It.: Gli assenti hanno sempre torto. (Marin, 7.) Schwed.: De frånvarande ha alltid orätt. (Marin, 7.) | | | Frz.: Absent n'est point sans coulpe ni présent sans excuse. (Bohn I, 2.) Holl.: De afwezigen krijgen altijd de schuld. (Bohn I, 303.) It.: Non c' è assente senza colpa, nè presente senza discolpa. (Giani, 174.) Span.: Nunca los absentes se hallaron justos. (Cahier, 3177; Bohn I, 233.) | | | Bei Tunnicius (910): Van dem veren sal men alle gût seggen. (Absentem quamvis inimicus rodere noli.) | | | 5. Ueber Abwesende geht kein Recht. (S. Urtheil 16.) – Graf, 571.
Abwesenheit Abwesenheit ist eine Feindin der Liebe. | | | [Zusätze und Ergänzungen] Kurze Abwesenheit heilt oft viel Leid. Engl.: Absence is a foil to love. (Bohn I, 204.) Frz.: Un peu d'absence fait grand bien. (Bohn I, 62.)
Abwischen 1. Man muss sich selbst erst dreimal abwischen eh' man andre putzen will. Lat.: Ter abstergere. (Erasm., 633.) | | | 2. Sie wischte dem Monde die Hörner ab, wenn sie ihn erreichen könnte. Sie übertreibt es mit Scheuern, Waschen, Putzen u.s.w.
Abzählen Man kann es an den Fingern abzählen.
Abzahnen Sie hat abgezahnt. – Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953. D.h. Sie ist bejahrt.
Abzickeln Er wird bald abzickeln. – Frischbier, II, 22. D.i. sterben.
Abziehen 1. Entweder ziehe ab, oder ziehe dich aus. – Erasm. Aus dem Griechischen. Bei den Lacedämoniern war es Sitte, dass bei den öffentlichen Zweikämpfen niemand zum Angriffe gezwungen ward, sondern es wurde das Gesetz vorgelesen: Geh fort, oder ziehe dich aus (d.h. bereite dich zum Zweikampfe vor). Verwandt ist damit das Sprichwort: Trinke oder geh fort! Nimm an der Gesellschaft u.s.w. theil, oder entferne dich. | | | 2. Er muss abziehen wie er gekommen. Seine Bemühungen sind erfolglos geblieben. Frz.: Il s'en est allé comme il etait venu. | | | 3. Er zieht ab, wie der Hund ohne Schwanz. Sehr beschämt. Frz.: Il s'en va la queue entre les jambes. | | | 4. Er zieht ab mit Kind und Kegel. | | | 5. Er zieht ab, wie der Fuchs (die Katze) vom Taubenschlage. (Schles.) – Frischbier, 1914. | | | 6. Er zieht ab, wie ein begossener Hund (Pudel). – Frischbier, 349. | | | 7. Er zieht ab, wie eine gebadete (nasse) Katze. – Weinhold, 42; Grimm, 283.
Abzug 1. Beim Abzug nimmt man einem, was er hat. (S. Einzug.) – Graf, 43, 160. | | | 2. Abzug blasen. – Henisch, 405, 31. Vom Streit abmahnen.
Abzwacken Einem etwas abzwacken. (Nürtingen.)
Acceptiren [1.] Wer acceptirt, muss bezahlen. – Eisenhart, IV, 39; Pistor., I, 2; Volkmar, 355. Wechselrecht. Kaufmännisches Sprichwort. Wer einen Wechselbrief einmal angenommen, hat sich dadurch auch verbindlich gemacht, die darin enthaltene Summe zu bezahlen, auch wenn der Trassant mittlerweile gestorben oder fallit geworden, oder die Acceptation aus Irrthum geschehen ist und der Acceptant bei Annahme des Wechselbriefs nicht die gehörige Vorsicht beobachtet hat. Das Sprichwort ist, wie das ganze Wechselgeschäft italienischen Ursprungs. Ueber die Fälle, in denen es seine Anwendung verliert, siehe den oben angeführten Eisenhart, §. 2. | | | [Zusätze und Ergänzungen] Hillebrandt, 172; Hertius, I, 28; Simrock, 45. | | | 2. Ich will acceptiren, aber nicht quittiren. Was man mir gibt, nehme ich zwar als Abschlagszahlung an, behalte mir aber meine weitern Ansprüche vor. Eine jüdische Redensart in Warschau, die den Gedanken ausspricht: »Nimm das Gebotene und behalte dir das Recht vor, mehr zu verlangen«, lautet: »Le Ojlem nemen (einen) tikkech muhn (mahnen). Scherzhafte Uebersetzung der Worte ›le Ojlem‹ mit ›nimm‹ und ›tikkech‹ mit mahnen.« Im letzten polnischen Aufstande hörte man in Warschau bei Veröffentlichung der Concession des Kaisers den Ruf des Volkes: Akceptajemy ale nie kwitajemy, d.h. wir wollen acceptiren, aber nicht quittiren. |
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