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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Abstand bis Abtei (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Abstand
Der Abstand zwischen den Augen der Wölfe und den Gedanken der Diebe sind (untereinander) gleich. (Finn.)
 
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Abstechen
'T stekt of, as Dälers Laken.Hauskalender, III; Bueren, 1158.
 
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Abstecher
Einen kleinen Abstecher machen.
 
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Absteigen
Ich stieg (obgleich bei seinem Hause) in einem wüsten Thale ab. (Arab.) – Burckhardt, 690.
Von einem unwirthlichen Hause. Das Thal, welches hier gemeint wird, ist das von Mekka.
 
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Absterben
Man hat jhm weiss abgestrelet. (S. Ast 15.) Lehmann, 780, 96.
 
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Abstossen
Er stösst sich die Hörner ab.
 
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Abstrafen
Abstrafen (am Leibe) und dabei schelten, ist zu viel.
 
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Abstreicheln
Was sich nicht abstreicheln lässt, das muss man abstriegeln. (S. Abbürsten.)
 
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Abt
1. Besser Abt sein als Mönch.
 
2. Der Abt ist auch zuvor ein Diener gewesen.
 
3. Der Abt von St.-Hilarii schläft bei der Königin.Berckenmeyer, 55.
Der heilige Hilarius ist Schutzpatron von Poitiers. Der König selbst ist nämlich, nach einem alten Schriftsteller, Abt in dem Colleg der dasigen Kanoniker; daher der sprichwörtliche Scherz.
 
4. Der Abt wird gewählt, wenn auch ein Mönch fehlt.
It.: Per un sol monaco non si lascia di far l'abbate.
 
5. Der heilige Abt Gallus ist den Schweizern gewogen, der Hahn hat gekräht, als Petrus gelogen, und alle wissen, dass die Franzosen sind betrogen.
Sprichwörtliches Wortspiel mit dem Worte Gallus, das a) einen Abt, b) einen Hahn und c) einen Franzosen bezeichnet.
 
6. Es sind nie auf einmal so viel Aebte erschlagen worden, als in der Schlacht mit den Ditmarsen.Berckenmeyer, 274.
Ditmarschen, Landschaft im Herzogthum Holstein, die Bewohner kühn und freiheitliebend. Ihre Nachbarn versuchten lange sie sich zu unterwerfen. Obiges Sprichwort verdankt seine Entstehung einer Schlacht (1495) zwischen ihnen und dem Könige von Dänemark.
 
7. Legt der Abt die Würfel dar, so spielen die Mönche ohne Gefahr.
 
8. Non credo, sagte der Abt, als man ihm das Kind gab.Fischart.
 
9. Non sequit, sagt der Abt.Fischart.
 
10. Sieh dich vor, dass dir's nicht geht wie dem Abt von Fulda.
Er sah der lützener Schlacht vorwitzig zu und musste seine Neugier wie seinen unzeitigen Glaubenseifer mit dem Leben büssen. Er ward durch einen Schuss getödtet.
 
11. Singt der Abt gut, gibt ihm der Messner nichts nach.
So sagt im »Don Quixote« der eine eselsuchende Schöffe zum andern, als er von diesem wegen des musterhaften I-a-ens gelobt wurde.
12. So der Abt Würfel auflegt, mögen die andern Brüder küenlich mitspielen.Spielteufel, Frankfurt 1564, Bl. D, 8b.
 
13. Wenn der Abt das Geld zum Schmause gibt schmeckt's den Mönchen doppelt.
 
14. Wenn der Abt die Würfel legt, sich auch der Durst der Brüder regt.
 
15. Wenn der Abt ein Gläschen trinkt, so trinken die Mönche volle Flaschen. (Moskau.)
 
16. Wenn der Abt von Reichenau nach Rom reist, so kann er all Nacht in einem seiner Landgüter herbergen.
 
17. Wenn der Abt Würfel gibt, so spielen die Brüder (Mönche).
Das Spielen mit Würfeln war besonders streng den Geistlichen verboten; wenn aber der Abt selbst die Würfel gab, konnten die Mönche unbedenklich spielen. Vom Beispiel der Grossen und Hochgestellten. (Sprenger IV, 15; Grimm, I, 136.)
Frz.: Quand l'abbé danse à la court, les moines sont en rut aux forêts.
Lat.: Forte cubos primum posuit cum futilis Abbas, tunc sese Monachi ludere jure putant. – Futilis in medium cubos (talos) cum projicit Abbas, tunc quoque se fratres ludere posse putant. – Ludendum licite, talos abbate ferente.
 
18. Wenn der Abt zum Glase greift, so greifen die Mönche zum Kruge. (Kleinruss.)
 
19. Wer möchte das nicht, sagte der Abt von Bosau (Bosa).Agricola, 160; Latendorf, 90, 220.
Bosau, im Regierungsbezirk Merseburg, jetzt preussisches Kammergut, war früher Benedictinerabtei. Der Abt dieses Klosters hatte mehrere Nonnenklöster zu untersuchen. Einst ward eine Nonne vor ihm berüchtigt, dass sie mit dem Klosterschreiber in einem unklösterlichen Verhältnisse lebe. Er verhörte die Nonne und fragte sie, ob der Schreiber zu ihr in die Zelle gekommen sei, sich, und zwar entkleidet, zu ihr ins Bett gelegt habe, was sie bejahte, worauf der Abt die Umstehenden ansah und ausrief: »Ei, wer möchte das nicht!« Alle sahen ihn verwundert an und wiederholten bei sich den Ausruf, der mit dem Zusatz »sagt der Abt von Bosau« in ein Sprichwort überging, um eine annehmliche Sache damit zu bezeichnen.
 
20. Wo der Abt die Würfel auflegt, da ist dem Convent erlaubt zu spielen.Simplicius, 2, 353.
 
21. Wo der Abt die Würfel gibt, da dobbeln die Mönche (da spielt der Convent gern).Pistor., II, 3.
 
22. Den Abt reiten lassen.Wurzbach II, 1.
Sich bei mangelnder Aufsicht gehen lassen.
Frz.: Voyage du maître, nôce du valet.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Holl.: Waar de abt herbergur is, mogen de monniken wel beir halen. (Harrebomée, I, 9.)
 
»Und wo der Apt lesst Würffel walten, mögen die Brüder wol schantzen halten.« (Waldis, IV, 83.)
Mhd.: Doch haben die alten war gesait: wenn der abt die würfel trait, so spiln die Münch alle geren. (Vintl.) (Zingerle, 28.)
Dän.: Naar abbeden baer taerningen maae brödrene (munchene) leege. (Prov. dan., 5.)
 
»Legt der Apt die würffel dar, so spilen die Münche ohn gefâhr.« (Loci comm., 110.) Bei Tunnicius (153): Als de abbet steine drecht, so mogen de monike dobbelen. (Tesserulas monachi colludunt patre ferente.) In Frankreich ist Chartres wegen seines Domkapitels (il cler Nostre Dame de Chartres), von dem es heisst: Der Domherr von Chartres kann mit Würfeln und mit Karten spielen, berühmt.
Frz.: Quand l'abbé tient taverne, les moynes peuvent aller au vin. (Leroux, I, 25.)
Holl.: Als die abt terlinghe draecht, moghen moniken dobbelen. (Tunn., 5, 3.)
Lat.: Tessero tunc licite decios abbate ferente. (Fallersleben, 101.)
Poln.: Kiedyby opat kostek przy sobie nienosił, tedyby mnisi w nie niegrali. (Masson, 11.)
Schwed.: När Abboten bär tärning, har munken godt att spela. (Grubb, 1.)
 
Holl.: Wie mogt dat niet? vroog de abt van Bosen.
 
Frz.: Quand l'abbé taverne, les moines peuvent aller au vin.
23. Abt und Kloster sind Ein Ding.
Frz.: Abbé et couvent ce n'est qu'un, mais la bourse diverse. (Leroux, I, 1.)
Holl.: Een abt en zijn konvent zijn een, maarde beurzen zijn verschillend. (Harrebomée, I, 9.)
 
24. Aebte und Mönche sind des Teufels täglich Brot.Klosterspiegel, 42, 16.
 
25. Aebten und Bischöfen wäre gut Peterle um Kanzel und Altäre säen, sie vertreten ihn nicht.Klosterspiegel, 37, 23.
 
26. Dem Abt Fische, den Brüdern sawren Kohl. Petri, II, 73.
 
27. Der Abt erbt Frommen und keinen Schaden.Graf, 223, 298.
Die Kirche und was dazu gehört ist bekanntlich sehr begierig, Erbe zu nehmen; damit ihr nun aus der fertigen und geprüften Annahme von Erbspesen (vgl. Heller 51 u. Graf, 226) kein Schade erwachse, erhielt sie das Vorrecht, vor den übeln Folgen einer solchen Erbesantretung befreit zu bleiben.
Mhd.: Ain apt der erpt, nemen vnd keinen schaden. (Grimm, Weisthümer, I, 379.)
 
28. Der Abt frisst das Kloster.
Frz.: L'abbé mange le couvent. (Leroux, I, 1.)
 
29. Der Abt ist ein Mönch, kein Herr.Graf, 535, 9.
 
30. Der Abt lebt besser als die Mönche.
»Es ist billich, dass der Abt besser lebe, denn die Mönche.« (Theatr. Diabolorum, 242b.)
 
31. Der Abt lobt sein Kloster nicht.
It.: Monaco vagabondo non loda mai 'l suo monastero. (Pazzaglia, 231, 2.)
 
32. Der Abt macht das Kloster nicht theuer.Altmann VI, 495.
 
33. Der Abbt so selber ein Mönch gewesen, weiss am besten, was im Kloster herumb gehet. Winckler, V, 65.
 
34. Der Abt von Schwarzach hat das Recht, vierzehn Tage lang gangbare Münzen zu prägen, ob er anders das Silber dazu hat. Gierke, Humor im deutschen Recht.
 
35. Der Abt wollte den Pater auf die Finger klopfen und hat dann selber in die Milch gelangt.Klosterspiegel, 60, 22.
 
36. Die meisten Aebte stammen aus der Familie Trinckler.
 
37. Ein Abt, der von unten gelernt hat, weiss, was die Jungen hinter dem Altar treiben.
Frz.: Homme ne connaît mieux la malice que l'abbé qui a été moine. (Bohn I, 20.)
Span.: El que fué monacelo, y des jenes abad sabe lo que hucen los moros tras et altan. (Bohn I, 220.)
 
38. Ein geiziger Abt verliert um Ein Opfer hundert.
Span.: Abad avariento por un bodigo pierde ciento. (Bohn I, 193.)
 
39. Ein guter Abt lobt sein Kloster.Altmann VI, 411.
 
40. Ein schelmischer Abt macht schurkische Mönche.Altmann VI, 394.
 
41. Ein strenger Abt macht bussfertige Mönche.Altmann VI, 495.
 
42. Es bräche einem Abt kein Bein, wenn er seinen Mönchen schon mit einem guten Beispiel vorginge.Klosterspiegel, 42, 14.
 
Frz.: Il n'y a pire abbé que celui qui a été moine. (Kritzinger, 2.)
 
44. Es ist nicht jeder ein Abt, der aus dem Kloster kommt.
Die Russen: Nicht jeder ist ein Archimandrit, der im Kloster wohnt. (Altmann VI, 395.)
 
45. Was der Abt nicht essen kann, schenkt er dem armen Mann.
Span.: El abad de Bamba, lo que no puedo comer, dalo por su alma.
 
46. Wenn der Abt gähnt, so schlafen die Mönche.Altmann VI, 418.
 
47. Wenn der Abt nicht Gottes ist, so sind die Mönche des Teufels.Altmann VI, 483.
 
48. Wenn der Abt nicht zu Hause, tanzen die Mönche in der Klause.Klosterspiegel, 24, 15.
 
49. Wenn der Abt spielt, so mögen die Mönche zechen.Lehmann, 266, 18; Petri, II, 632; Graf, 286, 19.
 
50. Wie der Abt ist, so sind die Brüder.Petri, II, 287.
 
51. Wie der Abt singt, so antwortet der Mönch. Graf, 536, 33.
Frz.: Le moine répond commo l'abbé chante.
It.: Come canta l'abbate risponde il sagrestano. (Giani, 1.)
Span.: Como canta el abad, responde el sacristan. (Bohn I, 209.)
 
52. Wie der Abt, so die Mönche.Simrock, 35.
 
53. Wie der Abt, so ist's Convent.Eyering, III, 553.
Dän.: Som Abbeden, saa Conventet. (Prov. dan., 518.)
 
54. Der Abt ist ausgeritten.
So sagt man in katholischen Ländern, wenn es in einem nicht beaufsichtigten Hause buntüber hergeht. »Wenn sich das Gesinde wegen eines fröhlichen Tages für die nächste Abwesenheit der Herrschaft beredet; so heisst es: Wir wollen den Abt reiten lassen. Auf diese Redensart gründet sich das geräuschvolle Gesellschaftsspiel: Der Abt ist nicht zu Hause, er ist auf einem Schmause u.s.w.« (Faselius, 200.)
 
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Abtakeln
Er fängt an abzutakeln.Sprenger I, II.
Abnahme von Gesundheit, Kraft, Vermögen. Ein Schiff wird abgetakelt, wenn es seines Tauwerks beraubt, also für die See untüchtig gemacht wird. In dem Sinne von abtakeln wird in Holland auch »abzeugen« (aftuigen) sprichwörtlich gebraucht. (Sprenger II.)
 
Artikelverweis 
Abtei
1. Abteien sucht man lieber als das viertägige Fieber.Fischart, Prakt.
 
2. Abteien und Maulwurfshaufen muss man auf keinem Kiesboden suchen.

 

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