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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Ablass bis Abmarkten (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Ablass
1. Ablass ist ein göttlich Betrügen.
 
2. Ablass und Arznei soll man auf gleiche Weise brauchen.
Jener ist überflüssig und diese nur in kleinen Gaben zu empfehlen.
 
3. Es kann nicht jeder um Ablass nach Rom ziehen.
 
4. Wer Ablass verkauft, hat immer guten Markt.
 
5. Zum Ablass und Jahrmarkt muss man mit Gelde kommen.
 
6. Ablass gen Rom tragen.
Etwas sehr Ueberflüssiges thun; es müsste denn Ablass für die Idee des Ablasses sein.
Lat.: Ululas Athenas ferre. (Cic.) (Erasm., 404.)
 
7. Er kommt, wenn der Ablass gegeben ist.
 
It.: Portar indulgenza a Roma. – Menar l' orso a Modena. (Giani, 1868.)
 
8. Der Ablass hilfft so viel, die Seelen auss dem Fegefewer zu erlösen, als der Chrisam, die stiffel vnd schuen damit zu schmieren. Zinkgref, IV, 73.
 
9. Der Ablass ist immer vergeben (ausgetheilt), wenn er kommt.
 
10. Wer wird uns den Ablass ertheilen, riefen die Nonnen, als der Küster fortlief und nur vier Priorinnen absolvirt hatte.Klosterspiegel, 23, 11.
 
11. Der hat Ablass nothwendig, wie die Serviten- Mönche und Nonnen.Klosterspiegel, 58, 24.
Denen gewährte der Papst für jede Viertelstunde Gebet hundert Tage Ablass.
 
12. Ohne Ablass zur Hölle fahren.
Man sollte meinen mit oder ohne Ablass wäre ziemlich gleich. Dennoch sagt Albertus Magnus, ein Dominikanermönch, der später Bischof zu Regensburg wurde, und der, da er es für damalige Zeit in der Physik sehr weit gebracht hatte, für einen Hexenmeister galt, zu einem lasterhaften Menschen, der einen grossen Ablass von Rom mit sich nach Köln gebracht: Zuvor hättet jhr können ohne Ablass zur Hölle fahren; jetzt müsst ihr mit dem Ablass darein fahren. (Einfälle.)
 
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Ablassbrief
Ablassbrieffe sünd Melkbrieffe.Zinkgref, IV, 97.
 
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Ablassen
*[1.] Er wird nicht eher ablassen, bis er auf dem Rücken zur Kirche geht.Agricola, 530.
Von denen, die irgendetwas so leidenschaftlich treiben, dass es zerstörend auf ihren Körper einwirkt.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Holl.: Gij zult niet eer aflaten voor gij-op den rug terkerke gaat. (Harrebomée, I, 393b.)
 
2. Aflâte kömmt ömmer tomât. (Königsberg.) – Frischbier, II, 16.
Im Handel gilt es auf hohe Preise zu halten, ablassen kann man stets.
 
3. Lass nicht ab, taufe die Katze gut.Eiselein, 365.
 
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Ablauern
1. Beter awlûren äs awlôpen. (Westf.)
 
2. Me kann 't better afflûren, o' se aftlaupen. (Waldeck.) – Firmenich, I, 326.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Oldenburg. (Vgl. Weserzeitung, 4097.)
 
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Ablaufen
1. Frisch abgelaufen ist halb gefochten.
 
2. Einen (mit einer Sache) ablaufen lassen.
Ihn beschämen, seine Behauptungen und Einfälle u.s.w. abweisen. Vom Fechtboden entlehnt.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
3. Es ist gut abgelaufen, sagte der Mönch, als die Stadt abgebrannt war, das Kloster ist stehen geblieben.Klosterspiegel, 73, 19.
 
4. Es läuft von ihm ab, wie das Wasser von der Gans.Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.
Ohne Wirkung.
 
5. Wenn das glatt abläuft, will ich's loben.
 
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Ablecken
Löck af on schöck wîder. (Königsberg.) – Frischbier, II, 17.
 
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Ableger
1. Davon bitt' ich mir einen Ableger aus.
 
2. Er ist ein Ableger aus Arkadien. (Altgr.)
Vom Feigen, Faulen, Dummen. Die Arkadier stanvor alters im Gerücht der Dummheit.
 
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Ablernen
1. Wer ablernt, ist ein ehrlicher Dieb.
Mit den Augen stehlen, durch fremde Erfahrungen klug werden, ist erlaubt; denn Paulus sagt: Es ist alles euer.
 
2. So lernt man den Bären (auch: den Bauern) die Künste ab.
 
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Ablidern
Einen ablidern. (Nürtingen.)
D.i. durchprügeln. Vom Metzger hergenommen, der das Schaffell vor dem Abhäuten oder Abledern durch Klopfen vom Körper löset; auch herlidern.
 
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Abmalen
1. Ich will dich recht abmalen.
Lat.: Tuis te pingam coloribus. (Tappius, 133.)
 
2. Sich obmohlen lossen of Leschpapier mit Ehlfarwe, is mer zwämol ze sahn. (Harz.) – Lohrengel.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
3. Dort möcht ich nicht abgemalt hängen.Eiselein, 207; Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.
 
4. Er kann sich abmalen lassen.
 
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Abmarkten
Was me abmautet ist sehr zahlt. (Luzern.)

 

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