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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Abgehen bis Abgreifen (Bd. , Sp. )
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1. Eck sin vandage affgôn1, un hebbe muinen Heren trotzet, und hebbe nix getten (gegessen). (Lippe.) – Firmenich, I, 269.
1) Ich bin heute aus dem Dienst gegangen. – Wenn jemand zu seinem eigenen Schaden trotzt.
 
2. Es geht noch wohl ab, wenn auch das ganze Dorf niederbrennt, wenn nur des Pfaffen Haus stehen bleibt.
 
3. 't is doch gôd avgan, säd' Riedel, kam von'n Fischen un harr nix krêgen.
 
4. Was abgeht an der Gestalt, ersetzt die Kunst an jung und alt.
Lat.: Ingenio pollet cui vim fortuna negavit. (Cato.)
 
5. Was abgeht, geht am Gelde ab – sagt der Käufer, wenn er den geforderten Preis nicht zahlen will.
 
6. Was an dem einen abgeht, geht am andern wieder zu.
Lat.: Quod alibi diminutum, exequatur alibi.
 
7. Wo abgeht, da geht auch zu.
 
8. Er geht ab wie Seebach. (Marburg.)
Von einem feigen Menschen. Den Ursprung habe ich nicht ermitteln können.
 
9. Er ist abgegangen worden.
 
10. Er lässt sich nichts abgehen.
Lat.: Indulgere genio. (Pers.) (Erasm., 573.)
 
11. Es geht ab wie alte Besen vor Johanni. (Schles.)
In Schlesien, besonders in den Gebirgsdörfern, werden am Johannisabende (23. Juni) Feuer auf Höhenpunkten angezündet. Dazu sammeln die Knaben schon wochenlang vorher so viel alte Besen als sie nur erhalten können. Je näher dem Abende, desto mehr werden dem weiblichen Personal alle Besen abgepresst, die auch nur mit alten Aehnlichkeit haben. Sie werden dann am Johannisabend angezündet und brennend geschwungen.
 
12. Es geht ab wie warme Semmeln.
Frz.: Il y a grande foule. La foule y est.
 
In Schlesien sagt man: Er geht ab, wie Seebach mit den Krebsen. In Köthen: Er geht ab, wie Seebach mit der Bartelmütze. D.h. er drückt sich davon.
 
13. Es geht alles ab, nur das Unsaubere nicht. Kirchhofer, 245.
 
14. Was abgegangen ist, kommt nimmer wieder.Frischbier, II, 12.
 
15. Wer abgod, ist oher.1Tobler, 347.
1) Unherr = besiegt, überwunden.
Frz.: Qui quitte la partie, la perd.
 
16. Wo's einen abgohd, gohd's dem andern uf. (Luzern.)
 
17. Abgehen mit Dampf.
 
18. Abgehen ohne Musik.
 
19. Das geht ab, wie der Weck auf den Laden. (Henneberg.)
 
20. Dâu is alles âfgange, wêi aff der Matthes'n Hâuchzet. (Nürnberg.) – Frommann, VI, 4156.
21. Davon geht wol noch was ab.
Der Preis wird wol noch ermässigt.
 
22. Du gehest ab wie die Kret am Spiess.
 
23. Er geht ab von der Armee.
D.i. er geht fort von der Gesellschaft; auch: er geht schlafen oder stirbt.
 
24. Er geht ab wie der Hund mit den Schwanz mang de Bêne. (Köthen.)
 
25. Er geht ab, wie ein begossener Hund.
 
26. Er geht ab, wie warmes Pech.Waldis, II, 4, 89; Sandvoss, S. 1.
 
27. Geh ab, dass dich die Wache nicht kriegt. Klix, 15.
 
28. Geh' ab (zieh ab) von der Armee. (Schles.)
Abweisungsformel.
 
29. Hei géid af, as wenne Leär (Leder) fréäten hädde. (Iserlohn.) – Frommann, V, 57, 2.
 
30. Es geht ab, wie sauer Bier.
 
31. Es geht ab, wie warme Wurst.
 
32. Es geht ihm nichts ab.
Er leidet in keiner Beziehung Mangel; er besitzt alles, was er zum Leben bedarf.
 
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Abgeloben
Man mütt nicks aflaben, as sick de Näs nich aftaubiten. (Mecklenburg.) – Raabe, 82.
 
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Abgemacht
1. Abgemacht, segt Kapler, abgemacht. (Lüneburg.)
 
2. Abgemacht, Sela, spricht der Berliner.
Lat.: Factum transactum. (Tull.) (Erasm., 232.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
3. Abgemacht mit grossem Knall, sagte der Orgelbauer, als er von der Leiter fiel. (Lausitz.)
 
4. So ist's also abgemacht, sagte die Henne, als sie über's Wasser flog.Hackländer, Illustrirte Zeitung, 1860, S. 91.
 
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Abgemüht
Abgemüht wie eine Accisklinke.
 
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Abgeviert
1. Abgeviert wie ein Würfel.
Tüchtig, zubereitet, erfahren.
Lat.: Homo quadratus.
 
2. Abgeviert wie ein burghauser Würfel.Frank v.W.
Geviaren heisst bei Otfried schon: zubereiten, tüchtig machen.
 
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Abgewöhnen
Du gewöhnst es ihm nimmer ab.
Lat.: Seni citius muta veris linguam.
 
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Abgezahlt
Abgezahlt sin.Minner.
 
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Abgötterei
1. Abgöttern ist ein natürlich Erbe.Petri.
 
2. Abgötterei ist Gottesgespei und bringet Jammer mancherlei.Petri.
 
3. Abgötterei und Blutdurst laufen allezeit miteinander.
 
4. Abgötterei und Gleissnerei will allweg schön sein.Petri.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
1. Abgötterey ist Gottes Gespey vnd bringt immer mannicherley.Henisch, 1690, 36.
 
2. Abgötterey vnnd Blutdurst buffen allzeit miteinander.Henisch, 1690, 34.
 
3. Abgötterey vnd gleissnerey will allweg schön sein.Henisch, 1690, 39.
 
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Abglitschen
1. Es ist ihm abgeglitscht. (Pfalz.) – Klein, I, 3.
Sein Vorhaben ist ihm mislungen.
 
2. He glidd eben achter af. (Holstein.) – Schütze, II, 38.
Er verfehlt seine Absicht.
 
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Abgott
Sein eigener Abgott stecket jhm im Hertzen. Schottel, 1119a.
 
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Abgreifen
Abgegriffen wie eine Accisklinke.Wurzbach II, 4.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Abgegriffen wie ein alter Groschen.Bechstein, Grumbach, I, 31.
 
3. Abgegriffen wie ein Gesangbuch.Schulmeisterspiegel, S. 188.
 
4. Abgegriffen wie ein Sechser.Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863, S. 953.
 
5. Abgegriffen wie eine Badstubenthür.
Zu den ungewöhnlichen, gar nicht vorkommenden Dingen zählt Waldis (IV, 93, 170) »ein Badstüben Thür vnbegriffen.«

 

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