| | Abfluss 1. Vom Abfluss wird kein Meer voll. »Immer heraus und nimmer hinein, wird man bald am Boden sein.« | | | 2. Wo kein Abfluss ist, wird das Wasser faul. Bewegung erhält Leben, auch Schätze sind todt, die nicht wirken.
Abfragen 1. Du fraachst ja de Koh dat Kalw af. (Holst.) | | | 2. So fragt man den Bauern die Künste ab. Wenn man sich nicht will ausfragen lassen: »Ich bin kein Bauer, der leicht auszufragen ist.« | | | [Zusätze und Ergänzungen] Die Russen: Einer Schwangern das Kind aus dem Schose fragen. (Altmann VI, 524.) | | | 3. Ich will's jm wol abfragen. – Agricola II, 48.
Abführen 1. Abführen und Beichten muss man nicht verschieben. | | | 2. Besser abgeführt, als angeführt. | | | 3. Einen abführen. Ihn mit Beschämung abschicken. | | | [Zusätze und Ergänzungen] Die müssen abführen, die zuletzt zugreifen. (S. Eingewinnen, Einschiffen 2 u. Zugreifen 1.) – Graf, 281, 339.
Abfüttern Was man abfüttert, das zehntet man nicht. – Graf, 123, 337. Da von den Hausthieren ein Zehent gefordert ward, so wurde von dem, was als Futter für das Vieh gebraucht ward, keiner gegeben, weil sonst doppelt gezehntet worden wäre. Nordfr.: Was man abfüttert an grazs, daz zehent man nicht.
Abgabe Es ist keine schlimmere Abgabe als die Magensteuer. | | | [Zusätze und Ergänzungen] 2. Abgaben und Steuern sind keine Ehrgeschenke, sondern Pflicht. Dän.: Skat og skyld er ingen aeregaer, man en pligt. (Prov. dan., 14.) | | | 3. Wenn ik mie Afgaben betal, denn kann mi so'n nakten Kêrl kin floh afstarben laten. – Goldschmidt, 94. Ausdruck unabhängiger Gesinnung Beamten gegenüber.
Abgang Der Abgang von einem verachteten Amte verlacht den Stolz des Herrschers. – Burckhardt, 287. Wer seine Stellung verlassen hat, sieht das Lächerliche derselben ein. | | | [Zusätze und Ergänzungen] 2. Der abgang des einen ist des andern ufgang. – Zimmerische Chronik, IV, 743. | | | 3. Vier abgang schaden sehr vil: mangel der nahrung, notigkeit der zinss güldten; zerrinnung der witz vnd sinn; wo kein freund vorhanden. – Rasch, 191. | | | 4. Bei seinem Abgange (Tode) wird man keine Trauerlieder singen.
Abgeben 1. »Gīb ăb ăb, gīb ăb ăb« klappert's in der Mühle. | | | 2. Er gibt einen guten Constabler ab, wo man Schelmstücke abbrennt. Von einem Betrüger. | | | 3. Er gibt einen guten Kriegsmann ab, aber hinter dem Ofen. Von Furchtsamen, Feigen, welche dies Wort geiselt. | | | [Zusätze und Ergänzungen] 4. Ick gäv' mi off van1 de Säk', es Jan Lüüg van 't olde Pärd. – Stürenburg, 166a. 1) Sück van vat ofgüven = sich von etwas abmachen, lossagen. | | | 5. Da gewt 't wat af. – Frischbier, II, 10. Es setzt Hiebe. | | | 6. Giv em wat af, dat em nich 'n Blôtsdruppen up 't Hart fällt. Wenn die Mutter dem Vater ein Extragericht bereitet hat und ein Kind lüstern darnach hinsieht; wird die Begierde nicht durch einen Schmeckhappen gestillt, so fällt den Kindern ein Blutstropfen auf das Herz.
Abgebrannt Ganz und gar abgebrannt sein. | | | [Zusätze und Ergänzungen] 2. Er ist abgebrannt. Dän.: Han er afbraende, tör ei komme igien. (Prov. dan., 88.) | | | 3. Ik bin ganz aftbrannt. – Danneil, 106. Ganz ohne Geld, die Sache ist mir vollständig abgegangen; ich leide Mangel daran.
Abgebrannter Es ist ein Abgebrannter.
Abgebrüht Er ist abgebrüht. – Frischbier, II, 4. Er ist ein abgebrühter, gegen Tadel unempfindlicher Mensch, ohne Gefühl und Verständniss für edlere Regungen.
Abgedörrt Das ist eine abgedörrte. (Nürtingen.) Nämlich Erfindung, Faunt, Lüge. |
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