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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Aasgeier bis Abbetteln (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Aasgeier
1. Der Aasgeier hat keinen Wunsch, als dass das Pferd sterben möchte. (Surinam.)
Jeder ist auf seinen eigenen Vortheil bedacht.
 
2. Der Aasgeier hatte immer einen übeln Geruch, und nun er todt ist, erst recht. (Surinam.)
Von denen, die den schlechten Ruf ihrer Jugend mit den Jahren gesteigert.
 
3. Der Aasgeier liebt das Aas. (Surinam.)
Jeder bewegt sich gern in seinem Elemente.
 
4. Der Aasgeier sieht den Hinrichtungen zu und kommt, abends die Augen auszupicken. (Surinam.) – Wullschlägel.
Der Dieb ersieht sich erst eine günstige Gelegenheit.
 
5. Des Aasgeiers Schimpfreden bringen das Pferd nicht um. (Surinam.)
 
6. Wenn man den Aasgeier schimpft, fühlt sich der Truthahn beleidigt. (Surinam.)
 
7. Wer den Aasgeier sieht, spuckt aus, wer aber das Tjotjo-Vögelchen (ein Singvogel) sieht, pfeift. (Surinam.)
Man richtet sein Verhalten nach der Person ein.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Aus einem Aasgeier wird kein Adler (Falke).
Engl.: A carrion kite will never make a good hawk. (Bohn II, 108.)
Frz.: D'un buse on ne peut faire un épervier. (Cahier, 272.)
 
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Aasig
Er ist ganz aasig.Frischbier, I, 2.
Ihm ist aasig zu Muthe. Aasig = krank, aber auch träge, faul.
 
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Ab
Ab Sephe (Sophie oder Joseph).
Eine sprichwörtliche Redensart in Gera, um zu sagen: Fort, weg damit.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Weit abe ist gut für schiessen.Tappius, 195a.
Lat.: Extra telorum jactum. (Erasm., 830; Tappius, 195a; Philippi, I, 146.)
 
3. Ab und einen Walzer.Klix, 15.
 
4. Ab und zu, d.i. manchmal.
 
5. Ab – von der Magd auf die Tochter.
 
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Abackern
Sich mit einem abackern müssen.Frischbier, II, 1.
 
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Abar
Abar (s. Storch).
 
1. De Abar is sîn Feeren nett so gôd nödig als de Lünick (Schatz).Kern, 564.
 
2. De Abars nögd, mutt Poggen hebben.Kern, 562.
Wer Störche (grosse Gäste) einladet, muss Frösche (entsprechende Speisen) vorzusetzen haben.
 
3. Dat sünd mehr Abars als Poggen.Kern, 163.
Mehr Brotesser als Brotverdiener.
 
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Aebär
1. De Aebär ( Storch, s.d.) is sin Feddern eben so god nödig, as de Lüning (Sperling).
 
2. De Aebärs nögt, mutt Poggen hebben.
 
3. Wor Aebärs sünt, dar sünt ok Poggen (Frösche).
 
4. Dar sünt mehr Aebärs as Poggen.
 
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Abbadan
Ueber Abbadan geht kein Dorf.Burckhardt, 664.
Von der lächerlichen Eitelkeit mancher Leute, die von ihrem Geburtsort, wäre er auch nur das elendeste Nest, nur mit den grössten Lobeserhebungen sprechen.
 
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Abbeeren
Einen abbeeren (abprügeln).
 
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Abbeissen
1. Bitj a Nöös uf, do as at Aanliat skeand.Lappenkorb.
Beisse die Nase ab, so ist das Antlitz geschändet. Sinn: Schädige ein Glied deiner Familie, so beschimpfst du sie ganz.
 
2. Der beisst dem lieben Gott die Zehen ab.
 
3. Er beisst ab, was er in den Mund bekommt.
 
4. Er beisst sich lieber einen Finger ab.
Der Knauser.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
5. Du musst so abbeissen, wie du schlucken kannst.
Masurisch: Tak nmsisz kąsać, ja połkniesz. (Frischbier, I, 4234.)
 
*[6.] Ar beisst korz o (ab). (Franken.) – Frommann, VI, 319.
Das Essen schmeckt ihm.
 
*[7.] Er muess churz abbysse. (Solothurn.) – Schild, 76, 214.
 
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Abbellen
Etwas abbellen müssen.
Zwangsweise eine Aussage, eine Verleumdung widerrufen müssen. Die Redensart gründet sich auf einen vor fünfhundert Jahren stattgefundenen Vorgang. Hedwig, die Gemahlin Jagello's, des Königs von Polen (der nach seiner Taufe Wladislaus hiess), war durch den Vicar Komorick von Krakau, Genevoss Dalewicz, bei ihrem eifersüchtigen Gemahl dahin verdächtigt worden, sie habe heimlich eine Zusammenkunft mit dem Herzog Wilhelm von Oesterreich, ihrem frühern Verlobten, gehabt, und sie wäre ohne Dazwischenkunft der Umgebung von ihrem Gemahl ermordet worden. Als ihre Unschuld bald bewiesen ward, wurde der falsche Angeber verurtheilt, seine Aussage – abzubellen. Der Schuldige legte sich unter den Sessel der Königin auf den Boden nieder und erklärte laut: »Ich habe gelogen wie ein Hund, als ich die schmählichen Worte gegen die Königin sprach.« Darauf musste er dreimal das Gebell des Hundes nachahmen. (Dunker, Sonntagsblätter, Berlin 1873, Nr. 2, S. 23.)
 
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Abbetteln
Er wird mir schon noch eine abbetteln.
In Wien, um zu sagen, mich so reizen, dass er eine Ohrfeige bekommt.

 

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