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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Aas bis Abbeeren (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Aas
1. Aas ist keine Speise für den Adler.
 
2. Aas lässt sich nicht vor Geiern (Raben, sagen die Wenden) verbergen.
 
3. Auch ein Aas scheint fett, wenn es voll Luft ist.
 
4. Ein Aas, das der Rabe nicht riechen soll, muss tief liegen.
 
5. Kein grewlicher ass, denn von menschen. Agricola, 208.
 
6. Man muss ein Aas legen, so man fangen will.
 
7. Wenn das Aas abgefleischt ist, fliegt der Rabe davon.
 
8. Wer ein Aas schüttelt, macht den Gestank ärger. (Arab.)
 
9. Wo Aas ist, da sind Fliegen.
 
10. Wo Aas ist, da versammeln sich die Raben.
 
11. Wo Aas ist, werden bald auch Krähen sein. (Lit.)
 
12. Wo Aeser sind, da schwirren die Eulen.
 
13. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Hiob, 39, 30; Matthäus, 24, 28; Schulze, 27; Zehner, 266; Venedey, 166.
Richtiger die Aasgeier. Ein altes, schon in der Bibel vorkommendes Sprichwort, das jetzt in sehr mannichfacher Bedeutung gebraucht wird. Man wendet es an auf vornehme Herren, die viel Bedienung halten, bei Glücksrittern, die gewinnsüchtige Leute zum Spiel verlocken, auf feile Dirnen.
Lat.: Sequitur perca sepiam. – Ubicumque cadaver fuerit, statim adest aquila. (Erasm., 848.)
 
14. Das Aas an die Angel stecken.Seybold.
Einen mit List reizen, fangen.
Lat.: Escam hamo circumponere.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
»Wo ein ass, ist der Vögel kein Zal noch mass.«
Dän.: Hvor aadslater, der samles örnem. (Prov. dan., 1.)
Holl.: Waar eenen dodlichaam is, daar vergoderen de arenden. (Harrebomée, II, 29.)
Schwed.: Der åtelen är, dit samlas ock örnarna. (Marin, 10; Grubb, 1.)
 
15. Das Aas lockt die Würmer herbei.Altmann VI, 503.
Schwed.: Aas lockar örnen ut. (Wensell, 8.)
 
16. Das Aas stinkt über sein Lager hinaus.
Dän.: Aadslet stinker laenger bort, end den sted der ligger. (Prov. dan., 532.)
 
17. Dat Aas hett was lehrt, seggt Coord van Hallen, de kann dör de Welt kamen.Kern, 106.
Der Witz liegt darin, dass das Wort »Aas« hier durchaus nicht verächtlich sein soll, wie es sonst ist. Aehnlich sagt man in Ostfriesland: 'T is 'n gelehrter Hund; 't is 'n Fûlpûp, 'n kloken Bengel, 'n gelehrten Racker u.s.w., ohne damit etwas Schlimmes ausdrücken zu wollen.
 
18. Ein Aas bleibt ein Aas.
 
19. Es git niche schäinikjer Ôs, mä vun Mäinjtschen. (Siebenb.-sächs.) – Schuster, 1124.
 
20. Wo ein Aas ist, sammeln sich Raubvögel, wo ein hübsches Weib ist, Schmarotzer.
 
21. Et äs e fel Ôs. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 36, 86.
 
22. Je is 'n Aas up sin Clarnette.Pommersche Geschichten.
 
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Aasseite
Stöt em in de Aasside.Dähnert, 2a.
Gib ihm einen Stoss. Aasseite ist die innere Seite der Haut, die auf dem Fleisch gesessen hat.
 
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Aaser
Man muss ihm den Aaser drucken.Kirchhofer, 240.
 
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Aasgeier
1. Der Aasgeier hat keinen Wunsch, als dass das Pferd sterben möchte. (Surinam.)
Jeder ist auf seinen eigenen Vortheil bedacht.
 
2. Der Aasgeier hatte immer einen übeln Geruch, und nun er todt ist, erst recht. (Surinam.)
Von denen, die den schlechten Ruf ihrer Jugend mit den Jahren gesteigert.
 
3. Der Aasgeier liebt das Aas. (Surinam.)
Jeder bewegt sich gern in seinem Elemente.
 
4. Der Aasgeier sieht den Hinrichtungen zu und kommt, abends die Augen auszupicken. (Surinam.) – Wullschlägel.
Der Dieb ersieht sich erst eine günstige Gelegenheit.
 
5. Des Aasgeiers Schimpfreden bringen das Pferd nicht um. (Surinam.)
 
6. Wenn man den Aasgeier schimpft, fühlt sich der Truthahn beleidigt. (Surinam.)
 
7. Wer den Aasgeier sieht, spuckt aus, wer aber das Tjotjo-Vögelchen (ein Singvogel) sieht, pfeift. (Surinam.)
Man richtet sein Verhalten nach der Person ein.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
Aus einem Aasgeier wird kein Adler (Falke).
Engl.: A carrion kite will never make a good hawk. (Bohn II, 108.)
Frz.: D'un buse on ne peut faire un épervier. (Cahier, 272.)
 
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Aasig
Er ist ganz aasig.Frischbier, I, 2.
Ihm ist aasig zu Muthe. Aasig = krank, aber auch träge, faul.
 
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Ab
Ab Sephe (Sophie oder Joseph).
Eine sprichwörtliche Redensart in Gera, um zu sagen: Fort, weg damit.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Weit abe ist gut für schiessen.Tappius, 195a.
Lat.: Extra telorum jactum. (Erasm., 830; Tappius, 195a; Philippi, I, 146.)
 
3. Ab und einen Walzer.Klix, 15.
 
4. Ab und zu, d.i. manchmal.
 
5. Ab – von der Magd auf die Tochter.
 
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Abackern
Sich mit einem abackern müssen.Frischbier, II, 1.
 
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Abar
Abar (s. Storch).
 
1. De Abar is sîn Feeren nett so gôd nödig als de Lünick (Schatz).Kern, 564.
 
2. De Abars nögd, mutt Poggen hebben.Kern, 562.
Wer Störche (grosse Gäste) einladet, muss Frösche (entsprechende Speisen) vorzusetzen haben.
 
3. Dat sünd mehr Abars als Poggen.Kern, 163.
Mehr Brotesser als Brotverdiener.
 
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Aebär
1. De Aebär ( Storch, s.d.) is sin Feddern eben so god nödig, as de Lüning (Sperling).
 
2. De Aebärs nögt, mutt Poggen hebben.
 
3. Wor Aebärs sünt, dar sünt ok Poggen (Frösche).
 
4. Dar sünt mehr Aebärs as Poggen.
 
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Abbadan
Ueber Abbadan geht kein Dorf.Burckhardt, 664.
Von der lächerlichen Eitelkeit mancher Leute, die von ihrem Geburtsort, wäre er auch nur das elendeste Nest, nur mit den grössten Lobeserhebungen sprechen.
 
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Abbeeren
Einen abbeeren (abprügeln).

 

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