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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Wählbaum bis Wahnfried (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Wählbaum
1. Vom Wählbaum auf den Faulbaum fallen. Frischbier2, 3960.
Durch langes Wählen, namentlich bei der Brautwahl, sich schaden.
 
2. Vom Wählbôm op em Nählbôm, vom Nählbôm op em Fûlbôm. (Friedland.) – Frischbier2, 3961.
Nählen = zögern. (Hennig, 166.)
 
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Wähldâg
He is vuller Wähldâg. (Mecklenburg.)
Voll Lebenslust. Gegensatz von Wehdâg. (Vgl. Höfer, Claws Bur, 73.)
 
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Wähle
1. Nach der Wähle kommt die Quäle.Weinhold, 74.
 
2. Wähle hat die Quäle. (Breslau.)
 
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Wählen
1. Einer wehlet diss, der ander das.Petri, II, 182.
 
2. Wähle eins von den dreien: Geld, Macht, oder trolle dich aus der Stadt. (Türk.)
 
3. Wähle, liebe Seele, den Witten oder den Gêle. (Danzig.) – Frischbier2, 3959.
Weiss oder gelb. Zuruf bei Unentschlossenheit.
 
4. Wehlen ist, als griff man in Glückshafen, vnder hundert ist kaum einer gut.Lehmann, 858, 19.
Frz.: Qui refuse, muse. – Tel refuse, qui après muse. (Gaal, 1656.)
 
5. Wehlen vnnd Wechseln ist schwer auf Achseln.Lehmann, 858, 17.
 
6. Wer da wölet, der faulbeumet.Agricola II, 290.
 
7. Wer lange wählt, bekommt das Schlimmste. Gaal, 1656.
Frz.: Qui choisit, prend souvent le pìre. (Gaal, 1656; Lendroy, 421.)
 
8. Wer lange wählt, betrügt sich oft am meisten.
Frz.: Souvent qui choisit, prend le pire. (Kritzinger, 143a.)
 
9. Wer sich's schlecht wählt, wenn er's gut hat, der klage nicht, wenn's ihm übel geht.
 
10. Willst du wählen aufs Beste, so kaufe das Pferd nicht im Mai und nimm die Frau nicht beim Feste.
Im Mai, wo es überall Futter gibt, sehen alle Pferde gut aus; und bei Festen wirken gar verschiedene Umstände günstig für die Erscheinung einer Person täuschend ein.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
11. Man soll nicht wählen, worin andere fehlen. Feldbausch, 168.
 
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Wähler
Wie die Wähler, so die Wahl.
Kaum dürfte es ein wahreres Sprichwort als dies geben. Das Wahlergebniss ist auf dem Gebiet des öffentlichen Lebens das Urtheil über die politische u.s.w. Reife oder Unreife der Wähler.
 
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Wählerisch
1. Er ist nicht wählerisch, er isst Marzipan auch ungemalt.
Böhm.: Náš panáček není vybiráček: jidá marcipán i nemalovaný. (Čelakovsky, 503.)
 
2. Er ist nicht wählerisch, er isst, was ins Maul geht.
Böhm.: Cokoliv – jen když je v živá ústa. (Čelakovsky, 189.)
 
3. Ich bin nich wählerisch, sagte die Auster, als man sie fragte, ob sie gebraten oder gesotten sein wollte.
 
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Wählig
1. Du bist recht wählig1, dir hat wol lange die Nase nicht geblutet. (Thüringen.)
1) Uebermüthig.
 
2. He öss wählig.Frischbier2, 3962.
In dem Sinne von übermüthig, liederlich.
 
3. So weälich as en Füelen (Füllen), dat se med Aier fäu'erd (gefüttert) hed. (Iserlohn.) – Frommann, V, 164, 178.
1) Wohlig, ausgelassen, feurig, muthig.
 
4. Wählig sein, wie die Laus im Schorf. (Ostpreuss.) – Frischbier2, 2329.
 
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Wahlschaft
Wahlschaft ist keine Freundschaft.Wiener Presse vom 3. Sept. 1871.
 
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Wahn
1. Allein der Wahn ist reich oder arm.Lehmann, II, 26, 8; Petri, II, 5; Eyering, I, 30; Körte, 6407; Simrock, 11121.
»Wie einer ein Wag, Aug, Urtl und Achtung vor ihm hat, also seind ihm all Ding.«
 
2. Allgemeinen Wahn muss man gehen la'n.
 
3. Dem gemeinen Wahn muss man seinen Willen lan.Lehmann, 499, 5.
 
4. Der Wahn hindert viel.Petri, II, 111.
 
5. Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang.
Aus Schiller's Lied von der Glocke.
 
6. Der Wahn macht die gantz Welt zu schelmen.Gruter, III, 20; Lehmann, II, 83, 135.
 
7. Der Wahn macht reich und arm.Günther, 93; Braun, I, 4875.
 
8. Der Wahn regiert die Welt.Petri, II, 111.
 
9. Der wird nur vom Wahne satt, der isst, was er nicht hat.
 
10. Dummen Wahn beachtet man zu Recht nicht.Graf, 455, 474.
Vor Gericht gelten nicht luftige Vermuthungen, dort handelt es sich um Beweise des Behaupteten.
Altfries.: Dyo dume wenynge halt ma naet to riucht. (Hettema, XVI, 1, 92.)
 
11. Ein Wahn, der aufheitert, ist mehr werth, als eine Wahrheit, die zu Boden schlägt.
 
12. Es ist nur ein Wahn, dass man meint, Most schmecke besser auss Krausen als Gläsern.Gruter, III, 34; Lehmann, II, 156, 157.
»Es ist nur ein wohn, das man meint, der Wein schmack bass auss der Krausen, dann auss dem Glass.« (Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 490.)
 
13. Hier, wo mein Wahn Frieden fand, Wahnfried sei dies Haus von mir genannt.
Diese Inschrift trägt das von dem berühmten Tondichter Richard Wagner in Baireuth erbaute Haus în goldenen Buchstaben auf drei Marmortafeln.
 
14. So schrecklich als der Frommen Wahn kein Unsinn jemals rasen kann.
 
15. Wahn erheischt viel, Nothdurft wenig.Simrock, 11120; Körte, 6406; Braun, I, 4874.
 
16. Wahn ist ein blinde Kuh.Lehmann, 512, 23.
 
17. Wer nach dem Wahn lebt, der wird nimmer reich.Petri, II, 738.
 
18. Wer seinen Wahn hochachtet, verehrt einen Oelgötzen.
Lat.: Dum surgunt miseri, nolunt miseris misereri. (Sutor, 929.)
 
19. Zum Wahne taugt der Glaube nicht.Graf, 374, 488.
Wer seiner Sache nicht gewiss ist, soll sie nicht durch einen Eid als zweifellose Thatsache hinstellen. (S. Meinen 1 und Zweifel.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
20. Der Wahn ist der schlimmste Tyrann.
Lat.: Opinio animum saepius quam res premit. (Sailer, Sprüche, 33.)
 
21. Wer den Wahn zum Masstab nimmt, der ist arm im Ueberfluss.
Lat.: Opinione quis dives? (Sailer, Sprüche, 135, 128.)
 
22. Wo viel Wahn, da ist wenig Wahrheit.
Lat.: Ut verax, ne suspicax. (Sailer, Sprüche, 135, 127.)
 
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Wähnen
1. In einem Sack voll Wähnen und Meinen findet man keine Handvoll Wissen und Wahrheit.
Lat.: In modio rendi non est vola plena sciendi. (Reuterdahl, 447.)
Schwed.: Een skoeppa mz waento aer ey hand full mz wisso. (Reuterdahl, 447.)
 
2. Wähnen ist leichter als wissen.
It.: E più facile di presumere, chè di sapere. (Pazzaglia, 306, 1.)
 
3. Was man wähnt, kommt nicht alles in den Beutel.
Lat.: In bursam non det totum quod opinio spondet. (Reuterdahl, 431.)
Schwed.: Waenta kombir ey aal i pungh. (Reuterdahl, 431.)
 
4. Wehnen vnd duncken ist der blinden Kuh spielen.Lehmann, 357, 17.
 
5. Wer wähnt, dass er weise sei, dem wohnt ein Thor sehr nahe bei.Eiselein, 594.
 
6. Wer wehnt, behilfft sich lieber mit Lügen vnd falsch als mit Warheit.Lehmann, 511, 22.
 
7. Wer wohl wähnt, dem ist wohl.Körte, 6408; Lehmann, II, 853, 368; Simrock, 11122.
Frz.: N'est heureux que qui le crait être.
 
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Wahnfried
Wahnfried, s. Wahn.