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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
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Auf das U folgt das W, das ist die Ordnung im Abc.Schiller in der Kapuzinerpredigt.
 
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Uebel (Subst.)
Uebel (Subst.).
 
1. Alles Uebel kommt von dem, was die Jugend nicht weiss und das Alter nicht kann.
 
2. Alles Uebel kommt von oben.
»Wie der Meister, so der Geselle.« (Briefe aus Berlin, S. 161.)
 
3. Alles Uebel nimmt ein Ende.
Böhm.: Zlého se sprostiš, a i smutku se zhostiš. (Čelakovsky, 196.)
 
4. Alte Uebel sind schwer zu heilen.
Holl.: Eene kwaal, die men heeft laten verouderen, is moeijelijk te genezen. (Harrebomée, I, 461.)
 
5. An dem gegenwärtigen Uebel soll man ein künftiges tragen lernen.
 
6. Anderer Uebel sind uns nur ein Traum, wir bemerken sie kaum.
Frz.: Mal d'autrui n'est que songe.
 
7. Auf ein überwundenes Uebel sieht man leicht zurück.
Böhm.: Přestálé zlé se líbí. (Čelakovsky, 110.)
 
8. Besser dem Uebel zuvorkommen als dann darüber klagen.
Schwed.: Bättre förekommas än sörekommas. (Grubb, 68.)
 
9. Besser Ein Uebel als zwei.Simrock, 1942.
Bei Tunnicius (171): Beter is ein quât to lyden dan twe. (Est unum satius, duo quam mala ferre moleste.)
Lat.: Uni atque geminis praestat in volvi malis. (Aristophanes.)
 
10. Das ärgste Uebel ist ein lügnerisch (ränkesüchtig) Weib.
 
11. Das Uebel führt zur Bibel.
 
12. Das Uebel ist für die, welche es suchen.
 
13. Das Uebel kommt geritten und geht zu Fuss wieder weg.Grubb, 612.
Lat.: Ad mala patrata, sunt atra theatra parata. (Chaos, 166.)
 
14. Dem Vbel soll man entgegen gehn (und stehn).Lehmann, II, 60, 73; Petri, II, 76; Eyering, I, 380; Simrock, 10581; Körte, 6101; Braun, I, 4631.
Frz.: Contre mauvais fortune bon coeur. (Masson, 344.)
15. Der vbel nit strafft, leit es zu hauss.Franck, I, 69b; Gruter, I, 19; Egenolff, 330b; Schottel, 1126b.
Lat.: Invitat culpam, qui peccatum praeterit. (Franck, I, 69b.)
 
16. Die vnbedachten vbel sind am schwersten. Petri, II, 146.
 
17. Drei Uebel schwer sind Feuer, Weib und Meer.
 
18. Drei Uebel seynd in der Welt: der Talmud, Alkoran und der Menschen Satzungen. Chaos, 973.
 
19. Ein Uebel, das man kennt, ist halb geheilt.
It.: Un male ben conosciuto è mezzo guarito.
 
20. Ein Uebel, das man nicht kennt, kann man nicht heilen.
It.: Un male ignoto non può esser guarito.
 
21. Ein Uebel, das man vorgesehen, ist halb überwunden.
Dän.: De skud man har seet tilforn, skade lidet. – Varnet ondt skader mindst. (Prov. dan., 176.)
It.: Liema la doglia la prevision dal male. (Pazzaglia, 94, 4.)
22. Ein Uebel, das morgen droht, muss man heute nicht fürchten.Schlechta, 29.
 
23. Ein Uebel, das nicht schadet, ist so viel, als Gutes das nicht nützt.Winckler, XIII, 5.
 
24. Ein Uebel folgt dem andern.Graf, 306, 163.
Holl.: De eene kwelling volgt somtijds de andere. (Harrebomée, I, 463a.)
Lat.: Gradus est faturi finis alterius mali. (Philippi, I, 169.)
 
25. Ein Uebel gebiert das andere.
Lat.: Aliud ex alio malum. (Egeria, 3.)
 
26. Ein Uebel ist des andern Geschwisterkind.
 
27. Ein Uebel kommt pfundweis und geht lothweis.
Holl.: Het kwaad komt met ponden en het gaat weg met oncen. (Harrebomée, I, 460b.)
 
28. Ein Uebel muss man in der Geburt ersticken.
Lat.: Flamma recens parva sparsa resedit aqua. – Sero clypeum post vulnera sumo. (Ovid.) (Philippi, I, 157; II, 178.)
 
29. Ein Uebel muss man klopfen, weil's klein ist.
Lat.: Principiis obsta, sero medicina paratur. (Ovid.) (Philippi, II, 107.)
 
30. Ein Uebel und ein Mönch kommen selten allein.
Frz.: Un mal et un Cordelier rarement seul en un sentier. (Kritzinger, 431b.)
 
31. Ein Uebel vertreibt das andere.
Holl.: Het eene kwaad verdrijfst het andere. (Harrebomée, I, 460b.)
It.: Un male caccia l'altro.
 
32. Ein unbekanntes Uebel fürchtet man doppelt.
Lat.: Semper plus metuit animus ignotum malum. (Philippi, II, 174.)
 
33. Ein unverschuldet Uebel trägt sich leicht(er).
It.: Qualun que male è lieve dove colpa non è.
 
34. Einem Uebel kann man wol abhelfen, aber nicht der Furcht.
Frz.: On peut bien guérir du mal mais non pas de la peur. (Kritzinger, 363b.)
 
35. Erkanntes Uebel ist gut.Körte, 6102.
 
36. Es ist das alte Uebel, sagte der Bettler, und kraute sich auf dem Kopfe.
Holl.: Dat is het oude zeer, zei Lazarus, en hij kraauwde zijn kop. (Harrebomée, II, 396a.)
 
37. Es ist ein grosses Uebel, kein Uebel ertragen können.
It.: È un gran male il non poter sopportare male alcuno.
 
38. Es ist kein schlimmeres Uebel, als ein Uebel fürchten.
It.: Il mal peggiore – è dei mali il timor.
 
39. Es ist kein Uebel, als was für Uebel halten.
Holl.: Geen kwaad kan ooit ons overkomen, dan dat voor kwaad wordt opgenommen. (Harrebomée, I, 460b.)
 
40. Es ist kein Uebel angenehm zu tragen.
Böhm.: Zlé se zle trpi; ale když přetrpíš, i to dobré. (Čelakovsky, 110.)
 
41. Es kommt kein Uebel und kein Gut ohne Mühe.
Frz.: Nul mal et nul bien sans peine ne vient. (Kritzinger, 431b.)
 
42. Für das Uebel von gestern gibt es morgen kein Mittel.
 
43. Jeder schmiedet ihm sein Uebel selber.
Lat.: Nemo laeditur, nisi a se ipso. (Chaos, 750.)
 
44. Jedes Uebel will seine besondere Arznei.
 
45. Kein Uebel bleibt ungestraft.Volkmar, 167.
 
46. Kein Uebel ohne Trost.Winckler, XVI, 93.
 
47. Man muss dem Uebel beizeiten wehren.
Lat.: Principiis obsta, sero medicina paratur quum mala per longas convaluere moras. (Ovid.) (Kruse, 857; Binder I, 1395; II, 2652; Egeria, 228; Fischer, 181, 91; Frob., 535; Philippi, II, 107; Seybold, 456; Wiegand, 483.) Principiis obstare opus est. (Binder II, 2652; Palingen, 8, 469; Schonheim, P, 20.)
 
48. Man muss ein Uebel mit dem andern vertreiben.
It.: Al mai fagli male.
 
49. Ohne Uebel ist nichts in der Welt.
Dän.: Et fornødent ondt. (Prov. dan., 437.)
 
50. Unter zwei Uebeln muss man das kleinste wählen, sagte jener mit seiner kleinen Frau.Hoefer, 469.
 
51. Vergiss das Uebel, so bist du genesen.Simrock, 10580; Körte, 6103; Braun, I, 4632.
Ung.: A' meg-esett dolognak leg jobb orvossága az el felejtés. (Gaal.)
52. Viel Uebel und danach der Tod, das ist des Lebens Botenbrot.
Frz.: Que de maux, et puis mourir. (Kritzinger, 431b.)
 
53. Vier übel khumen aus dem krieg: zerstehrung der güeter, verzehrung der personen; hinternuss der aufwachsenden manschafft, schand mit weibern.Rasch, B2.
 
54. Vier übel kumen aus beeser zung: vnkrautssamen, schalkhafftige deittung, ehr entziehung, vnterweisung des beesens.Rasch, E2.
 
55. Von zwei Uebeln muss man das kleinste wählen.Bücking, 256; Pistor., VI, 23; Müller, 34, 1; Eiselein, 608; Körte, 6104; Simrock, 10584; Ramann, Unterr., I, 26; Braun, I, 4628; Dove, 196, 314 u. 403.
»Von zwei Uebeln können Frauen so lange nicht das kleinere wählen, bis ihnen das grössere auf den Hals gekommen ist.« (Bogumil Goltz, Zur Charakteristik und Naturgeschichte der Frauen.) Eine jüdisch-deutsche Redensart sagt ironisch: Dus Beste vün die eysser (zehn) Makkes (Plagen), die beste der Plagen Pharao's, d.i. von allen vorhandenen Uebeln das kleinste.
Mhd.: Doch vnder zwein bösen ist eins besser, das weisz got christ, denn das andere. (Hans v. Buhel, Dyocletian's Leben, herausgegeben von Ad. Keller, Quedlinburg 1841, 536-538.)
Dän.: Af to onde udvælg der ringeste, ligesom af to gode det beste. (Prov. dan., 437.)
Engl.: Of two evils chose the least. (Gaal, 1564.)
Frz.: De deux maux íl faut éviter le pire et le moindre d'iceux élire. (Lendroy, 961; Kritzinger, 431a; Masson, 337.) – Il vaut mieux peter que crever. (Kritzinger, 457a.)
Holl.: Van twee kwaden moet men de geringste kiezen. – Van twee kwal moet men de grootste vermijden. (Harrebomée, I, 461a.)
It.: De' cattivi partiti bisogna pigliar in men reo. (Gaal, 1564.) – È meglio cader dal piè, che dalla vetta. – È meglio cader dalla fenestra che dal tetto. – È meglio dar la lana, che la pecora. (Biber.) – Piglio sicuro quel ch' è men duro.
Lat.: E duobus malis minus eligendum. (Cicero.) (Binder I, 394; II, 898 u. 1492; Seybold, 144; Gaal, 1564; Faselius, 71.) – E tribus malis unum. (Faselius, 72.)
Poln.: Z dwojga złego najmniéjsze obieraj. (Lompa, 36.)
Schwed.: Af twänne onda ting wälj det minsta. (Wensell, 5; Törning, 155.) – Bland onda wilkor wälier (wäljer) man gärna det bästa. (Grubb, 46.)
Span.: Del mal, el menos. (Cahier, 3517.)
 
56. Wenn man dem Vbel nicht wehret, so wechst es immer mehr.Petri, II, 663.
 
57. Wer das Uebel ärger macht, wird mit Recht verlacht.Parömiakon, 2239.
 
58. Wer das Uebel flieht, den verfolgt es.Simrock, 10582; Braun, I, 4630.
 
59. Wer das Uebel selbst verkost, der kann geben besten Trost.Chaos, 166.
 
60. Wer das vbel fleucht, dem läufft es nach. Henisch, 1153, 3; Petri, II, 689; Körte, 6100.
 
61. Wer das Vbel nicht straft, ladets nach Hause.Petri, II, 690; Simrock, 10583; Körte, 6099; Braun, I, 4632.
 
62. Wer dem übel entgegen laufft, den fleugt es; wer es fleugt, dem laufft es nach.Gruter, I, 79; Petri, II, 691; Henisch, 1153, 4; Eiselein, 608.
Lat.: Tempestatem praesentiunt, solus homo sua mala non praesentis, neque prospicit. (Sutor, 172.) – Tu ne cede malis, sed contra audentior ito. (Eiselein, 608.)
 
63. Wer ihm selbst übel wünscht, der kan wol dazu kommen.Acerra phil.
 
64. Wer vor dem Uebel zittert, der erliegt.
 
65. Zum Uebel schweigen, bewahrt was dein eigen.
 
66. Das fallend vbel gehe dich an!Agricola I, 475.
 
67. Dem Uebel entronnen und Besser gewonnen.Eiselein, 608.
Lat.: Effugi malum, inveni bonum. (Eiselein, 608.)
 
68. Du machst nur vbel erger.Franck, II, 52a; Tappius, 49b u. 231a; Eyering, II, 401.
Holl.: Dat loopt van kwaad tot erger. (Harrebomée, I, 460a.)
Lat.: Morbum morbo addere. (Tappius, 220b; Erasm., 592.) – Oleo incendium restinquere. (Philippi, II, 64; Tappius, 49b.)
 
69. Ein süss vbel. (S. Mausfalle 4.) – Eyering, II, 189; Sutor, 713.
 
70. Er hät alli Uebel wis 's Nüssli's Hüener.Sutermeister, 44.
 
71. Es ist ein nothwendiges Uebel.Seybold, 331.
Lat.: Necessorium malum. (Philippi, II, 9.)
 
72. Uebel ärger machen.Schottel, 1115a; Eiselein, 608.
Lat.: Oleum addere camino. (Philippi, II, 64; Seybold, 404.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
73. Der sich vor übel hüten kan, den preiss ich hoch ohn allen wan.Loci comm., 203.
Lat.: Est uirtus uere, semper malefacta cauere. (Loci comm., 203.)
 
74. Drei Uebel sind über alle Stück: Feuersbrunst, Wasserflut und Weibertück.
 
75. Ein Uebel ruft das andere.
It.: Un male è vigilia dell' altro. (Giani, 970.)
 
76. Fünf Uebel lassen sich nicht ändern: der Hass, welcher vom Neid herrührt; die Gesellschaft des Verleumders, die Armuth, die aus Faulheit entspringt, Krankheit und Schwäche des Alters und ein Jüngling, der ein altes Weib geheirathet hat.Harssdörffer, 249.
 
77. Kann man ein Uebel nicht verjagen, so muss man's muthig tragen.
Poln.: Czego niemoźesz poprawić, lepiéj cicho w sobie strawić. (Čelakovský, 111.)
 
78. Vier vbel kommen aus dem gailflusse: nieren verstehrung, personen verzehrung, kinderwachs verhindernus, fäl vnd betrug den weibern.Rasch, 77.
 
Artikelverweis 
Uebel (Adv.)
Uebel (Adv.).
 
1. Da geht's übel zu, wo Frevel die Trommel schlägt und Hoffart das Fähnlein trägt.
 
2. Der denkt übel, der das Widerspiel nicht doppelt bedenkt.
Frz.: Mal pense qui ne contrepense et repense. (Kritzinger, 431b.)
 
3. Der ist übel daran, der im Mai verzehrt, was er im September einnehmen soll (erntet).
Holl.: Hij is er kwalijk aan, die zijne renten in Mei verdoet, als ze in September eerst vervallen. (Harrebomée, II, 265a.)
 
4. Der ist übel daran, der nicht weiss, wo er sich hinkehren kann.
Bei Tunnicius (273): He is dar ovel an, de nicht wet, wâr he sik hen keren mach. (Auriculis tenuisse lupum nimis horrida res est.)
 
5. Der macht's übel, der es nicht ausmacht.
Frz.: Mal fait, qui ne parfait. (Kritzinger, 431a.)
 
6. Es gehet wol offt einem vbel, aber es weret nicht ewig.Petri, II, 247.
 
7. Es geht nie so übel, dass es nicht noch übler gehen könnte.
Dän.: Man far ikke saa ilde, man skal jo takke Gud, at man far ikke værre. (Prov. dan., 156.)
 
8. Es geht übel in der Welt, jeder spricht von dem, was ihm nicht gefällt.
Poln.: Tak to bywa na tém biednym świecie, źe każdy o swojéj biédzie plecie. (Lompa, 31.)
 
9. Es ist nicht übel, aber es wird einem übel. Klix, 108.
 
10. Es lautet vbel, wenn Braut vnd Breutigam nach der Hochzeit jhre Ehren Kleider vbers Bierfass breiten oder andern vmb halb Geld lassen müssen.Petri, II, 284; Henisch, 809, 56.
 
11. Es lautet vbel, wenn dass Baur schön ist, vnd der Vogel darin singt nicht wol.Petri, II, 285.
 
12. Es stehet mit dem übel, der ein Strohen Harnisch vor hawen vnd stechen anlegt.Lehmann, 69, 35.
 
13. Es stehet vbel, auss einer Gülden scheide ein Bleyern Schwert ziehen.Petri, II, 298.
»D.i. vnfletige wort auss einem schönen Munde reden.«
 
14. Es stehet vbel, ein Vnflat in einem schönen Hause seyn.Petri, II, 299.
 
15. Es stehet vbel, wenn der Wein dess Mans Herr wird.Petri, II, 299.
 
16. Es stehet vbel, wenn ein junges Megdlein am Tisch viel schwatzt, da alte Matronen still schweigen.Petri, II, 299.
 
17. Es stehet vbel, wenn einer immer Stein feil hat.Petri, II, 840.
 
18. Es stehet vbel, wenn man dem Esel die bürde gross machet vnd das Futter abbricht. Petri, II, 299; Henisch, 943, 36.
 
19. Es stehet vbel, wenn man Leut zu gast bittet, vnnd lest Sew wider zu Hauss gehen. Petri, II, 299; Henisch, 1369, 64.
 
20. Es steht übel, schelten, wo man soll helfen.
 
21. Es steht übel, sich bei seinem abgebrannten Hause wärmen.
 
22. Es steht übel um eine Sache, wenn man sie Gott befiehlt.
Lat.: Quod superis committitur, magna ex porte periit. (Seybold, 513.)
 
23. Et is nix sau üwwel, et is bô gut für. (Waldeck.) – Curtze, 353, 482.
 
24. Gehet es vbel, so bleibt man beym Kübel. Petri, II, 327.
 
25. Geht's heute übel, so geht's morgen besser.
Lat.: Non si male nunc et olim sic erit. (Gaal, 1586.)
 
26. Goht's dem einen wohl, so goht's dem andern wohl. (Luzern.)
 
27. Lasset vns vbel thun, auff das guts daraus komm.Petri, III, 8.
 
28. Mag es noch so übel stehn, von Wuchern und Finanzen, von Schinden und Schaben, von Lügen und Trügen will man nicht gehn. Opel, 372.
 
29. Man muss nicht aus übel ärger machen. Simrock, 10576a.
»Wenn man das Bös woll jagen aus und muss ein Arges folgen draus, so acht man's für das Allerbest, dass man das Bös lass in dem Nest.« (Gerlach, 212.)
It.: Non agguingere male a male, danno a danno. – Non mettere legue al fuoce. (Biber.)
 
30. Mit vielen steht der übel, der allzeit gern keift.
Bei Tunnicius (821): Mit velen steit he ovel, de alle tyt gêrne kift. (Dissidet a multis qui gaudet lite superbus.)
 
31. Nichts ist übel oder gut, wenn man es nicht so nehmen thut.Eiselein, 608; Simrock, 10577; Braun, I, 4629.
Lat.: Nihil grave accidit, nisi tibi vindicas. (Eiselein, 608.)
 
32. Niemand nimmt sich selbst was für übel. Simrock, 10598.
 
33. Nimm 't nich oewel, sä' de Voss, da harr 'e 'ne Gôs bi'n Wickel. (Hildesheim.) – Hoefer, 356; Peik, 116.
»Nimmt nich öäwel, söä' de Voss, do ha'r'ne Gos bi 't Klafittchen.« (Schlingmann, 1431.)
 
34. So übel ist nichts bestellt, dass es allen misfällt.Eiselein, 608.
Lat.: Tam male nil cusum, quod nullum prosit in usum. (Eiselein, 608.)
 
35. Thue übel und wähne nichts Besseres.Simrock, 10528.
 
36. Uebel beritten will immer voran sein.Eiselein, 608; Braun, I, 4634.
 
37. Uebel thun kostet mehr als wohl thun.
Frz.: Plus coute malfaire que bien faire. (Kritzinger, 545a.)
 
38. Wann es einem vbel gehet, so fliehen die freundt all davon.Henisch, 1235, 59.
Lat.: Tempora si fuerint nubila, solus eris. (Gaal, 651.)
 
39. Wann man eim vbel wil, so findt man bald ein vrsach.Franck, I, 64b; Blum, 390.
Lat.: Occasione dun taxat opus improbitati. (Suringar, CXV.)
 
40. Wann man eim vbel will, so findt man der hawen bald einn stil.Franck, I, 87b; Petri, II, 665; Henisch, 1099; Lehmann, 856, 22; Egenolff, 330b; Sailer, 151; Blum, 389; Simrock, 10579; Körte, 6712.
Lat.: Malefacere qui vult, nusquam non causam invenit. (Publ. Syr.) (Philippi, I, 237; Seybold, 294.)
 
41. Was man übel angefangen, ist selten glücklich ausgegangen.
Lat.: Raro bono peraguntur exitu quae malo sunt inchoata principio. (Seybold, 520.)
42. Was übel hergeht, pflegt mit andern auch übel wieder hinzuwandern.
Lat.: Quod male quaesitum est, pejus abire solet. (Seybold, 508.)
 
43. Wem es übel geht, von dem denkt man auch übel.
 
44. Wem man übel will, von dem träumt man auch übel.Winckler, XIII, 8.
 
45. Wem's übel geht, den neidet niemand.Sutor, 569.
Lat.: Miseria invidiam non sentit. (Chaos, 1049; Seybold, 308.)
 
46. Wem's übel geht, den wählt niemand zum Freunde.
 
47. Wem's übel geht, der nimmt auch das Lachen übel auf.
Lat.: In calamitoso risus etiam injuria est. (Seybold, 235.)
 
48. Wem's übel geht, von dem denkt man auch übel.
Lat.: Ad tristem partem strenna est suspicio. (Seybold, 11.)
 
49. Wems vbel gehet, der zornt bald.Lehmann, II, 839, 215; Henisch, 1435, 19; Petri, II, 623.
 
50. Wems vbel geht, bald zornig wirt, ob jhn gleich nur ein strohalm jrrt.
Lat.: Fit cito commotus, cui sors contraria, totus. (Loci comm., 97; Henisch, 1435, 20; Sutor, 58.)
 
51. Wems vbel geht vnd ist ohn Raht, derselb viel böse Gedancken hat.Gruter, III, 103; Henisch, 1435, 13; Petri, II, 623; Lehmann, II, 869, 129.
 
52. Wenn man dir übel will, so bricht man Hader ab vom Zaun.Pauli, Schimpff, VIIIb; Steiger, 234; Eiselein, 268.
 
53. Wenn's einem übel geht, geht's dem andern wohl.Schweiz, II, 213, 47.
 
54. Wer dir übel will, dem träumt von dir nichts Gutes.
Lat.: Qui contumeliis nocere potest, potest etiam prodesse. (Chaos, 152.)
 
55. Wer einmal übel that, der that auch niemals gut.
Dän.: Den som aldrig gjorde ilde, gjør aldrig vel. (Prov. dan., 324.)
Lat.: Qui nunquam male nunquam bene.
 
56. Wer übel denkt, thut Uebles.
It.: Chi mal pensa, mal fa.
 
57. Wer übel geht, fällt über ein Stroh.Simrock, 9983.
 
58. Wer übel redet von einem Abwesenden, mishandelt einen Todten.
Poln.: Ob mawiać nieprzytomnego równie jak bić umarłego. (Lompa, 26.)
 
59. Wer übel spricht, ehe er einschläft, wacht verleumdet auf.Cibot, 166.
 
60. Wer übel thut, der denke dran, die Zeit vergeht, der Tod kommt 'ran.
Frz.: En mal faisant penses-y bien, le tems se passe et la mort vient. (Kritzinger, 431a.)
 
61. Wer übel thut und es geht ihm gut, der hat viel Glück im Hut.
Dän.: Hvo altid gjør ilde, og det gaaer ham vel, maae sige af lykken. (Prov. dan., 233.)
 
62. Wer übel von andern redet, von dem redet man wieder dergleichen.
Lat.: Audit, quod non vult, que pergit dicere, quod vult. (Seybold, 46.)
 
63. Wer vbel thut, der kömpt nicht an das Liecht.Büttner, M, 5b.
 
64. Wo es uns übel ergangen, wollen wir nicht mehr hin.Eiselein, 646.
Lat.: In quibus locis non admodum felix perit homo, ad eos accedere haud suave est. (Eiselein, 646.)
 
65. Aus übel wirs machen.Eiselein, 645.
»Mir wird von all dem Ding ganz wirs (wirsch).«
 
66. Doss mer nich übel wird.Keller, 171b.
In Ernst und Scherz, wenn man sagen will, dass etwas, was gesagt wird, unangenehm berühre.
 
67. Einem übel mitspielen.Lohrengel, II, 214.
 
68. Ich hoasem sihr fîr ibel.Gomolcke, 531.
 
69. Se nimt sick nicks öwel.Dähnert, 334b.
Sie nimmt es mit ihrer Haltung nicht sehr genau.
 
70. Uebel beritten auf Schusters Rappen.
 
71. Es gehe dir übel oder gut, bleib bei deinen Nachbarn.
Bei Tunnicius (1025): It gae dy ovel of wol, blyf by dynen naberen. (Sis miser aut felix, vicinos desere nunquam.)
 
72. Wenn dir's geht übel, nicht viel sag, sonst solchs dein feind erfreuen mag.
Lat.: Infortunium tuum caelato, ne uoluptate afficias inimicos. (Spangenberg, 14.)
 
Artikelverweis 
Uebelhauser
Das ist ein Uebelhauser.Pestalozzi.
D.i. ein Verschwender.
 
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Uebelleb
1. Der Vbelleb kauffet dem Wolleb sein hauss ab.Franck, II, 149b; Petri, II, 110; Eiselein, 608; Simrock, 10585; Körte, 6105; Sutor, 154; Braun, I, 4636.
 
2. Frau Uebelleb und Herr Sparmund werden reich zu aller Stund'.Zinkgref, IV, 356.
Lat.: Magnum vectigat persimonia.
 
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Uebelthat
1. Hüt' dich vor aller Uebelthat, weil alles um dich Augen hat.
Lat.: Nullum puta sine teste locum. – Nullus in his terris est sine teste locus. (Seybold, 392 u. 643.)
 
2. Hüte dich vor Uebelthaten, Feld und Wald (Wand) kann dich verrathen.Simrock, 10586.
»Hüt' dich allzeit vor Uebelthat, die Wand Ohren, das Feld Augen hat.«
 
3. Kein vbelthat bleibt vngestrafft.Franck, I, 151a; Gruter, I, 52; Egenolff, 308b; Eyering, III, 143; Blum, 68.
Die äussere Strafe kann oft ausbleiben, die innere aber nie.
 
4. Kein vbelthat kan lang verborgen bleiben. Henisch, 291, 6.
 
5. Man verzeiht die Uebelthat, wenn sie guten Ausgang hat.
Lat.: Honesta quaedam scelera successus facit. (Seybold, 222.)
 
Lat.: Nulla malefactis fuga. (Seybold, 588.)
 
7. Uebelthat ist leichter gethan als entschuldigt.
 
8. Vbelthat sich selbs verrath.Franck, II, 176; Körte, 6106.
 
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Uebelthäter
1. Der vbelthäter hat dz schelten auff der gassen verloren.Tappius, 25a.
 
2. Der vbeltheter todt ist der frommen gnad – (S. Gewette 2 und Tödten 2.) – Franck, I, 158b; Lehmann, II, 67, 187; Simrock, 10587; Graf, 340, 332.
 
3. So muss es dem Uebelthäter gehen, sagte die Frau, als ihr Mann am Galgen hing.
Holl.: De kwaad doeners moeten gestraft worden, zei besje, en zij zag haar' man op het rad zitten. (Harrebomée, I, 459b.)
 
4. Wo man dem Uebelthäter nicht wehrt, da wird die Tugend nicht geehrt.
Lat.: Semper culpa praeit, sequitur una poena nocentem. (Chaos, 982.)
 
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Ueben
Wer nichts lieber übt als Tadel, hat im Herzen keinen Adel.
 
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Ueber
1. Man muss nicht über sich sehen, sondern unter sich.Günther, 20.
 
2. Mancher kann nicht vber sich. (S. Fuss 86.) – Lehmann, 379, 10.
 
3. Ueber sich hinaus kann niemand.Leben des General Brandes, II, 21.
 
4. Ueber und über, sagt Schulenburg.
Die Bauern der Altmark haben die Gewohnheit, ihren Adelsgeschlechtern Redensarten in den Mund zu legen, die dadurch sprichwörtlich werden. Wahrscheinlich sind sie in den betreffenden Geschlechtern gebräuchlich und kommen von da in den Volksmund, der die Quelle als Autorität hinzufügt. (Vgl. G. Hesekiel, Das Buch vom Grafen Bismarck, Berlin 1868.)
 
5. Was übere-n-isch, isch däne. (Solothurn.) – Schild, 69, 140.
 
6. Wer über sich haut, dem fallen die Späne in die Augen.Günther, 36; Grubb, 940.
Lat.: Calcat adversus stimulum, qui pugnat cui potentioribus. – Cum potentioribus non dimicandum.
7. Dä ess üvver denne, wie ongsen Herregott üvver Zint Petter. (Bedburg.)
 
8. Es ist übere mit Landau.Sutermeister, 97.
 
9. Si händ übern (Hochzeit) gemacht.Sutermeister, 103.
 
10. Ueber – den Högerechten. (Pommern.)
 
11. Ueber und über.
In Pommern: Oewer un döwer. (Dähnert, 334b).
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
12. Darin bin ich dir über.
In Fritz Reuter's: Ut mine Stromtid (Kap. 3) sagt diese Worte Inspector Bräsig zu Karl Havermann und aus dieser Schrift sind sie in den Volksmund übergegangen.
 
13. Ueber dich geht gar nichts als deine Haut.
Scherz- oder spottweise.
 
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Ueberall (Subst.)
Ueberall (Subst.).
 
1. Hans Ueberall ist nirgends.
 
2. Ein Ueberall und Nirgends.Körte, 6107; Eiselein, 608; Braun, I, 4637.
Lat.: Nusquam est, qui ubique est. (Eiselein, 608.)
 
3. Er (es) ist ein (der alte) Ueberall und Nirgends.
Lat.: Nuspiam est, qui ubique est. (Frisius, 315.) – Velut umbra sequitur. (Philippi, II, 242.)
 
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Ueberall
1. Iwarôl is 's guad sain, ôwa dahoam is 's am besten. (Niederösterreich.) – Frommann, III, 390, 8.
 
2. Man kann nicht überall sein.
It.: Per tutto si può vivere. – Tutto il mondo è paese.
 
3. Ueberall is gut, z' Haus aber am besten.
 
4. Ueberall ist eine Hülfe gut, nur nicht in der Schüssel.Blass, 19.
 
5. Ueberall ist gut, daheim ist noch besser; Blass, 19.
 
6. Wer überall sein will, ist nirgends.
»Ein Mensch, der überall sein will, ist an keinem Orte viel.« (Seybold, 397.)
Frz.: On ne peut être partout.
It.: Non è in nessun luogo, chi vuol esser da per tutto.
 
7. Ear is ibarol wia's schlechdi Göld. (Steiermark.) – Firmenich, II, 766, 46.
 
8. Er ist überall gewesen, aber nirgends hingekommen.
Wer viel anfängt, aber nichts zu Ende bringt.
Böhm.: Všudy byl, a nikam nedošel. (Čelakovsky, 557.)
 
9. Er ist überall hinten und vorne drei. (Ulm.)
 
10. Er ist überall und nirgends.Klix, 114.
 
11. Er ist überall wie ein böser Groschen.
Schwed.: Allestädes fram som onda penningen. (Grubb, 17.)
 
12. Er ist überall wie's schlechte Geld.Klix, 114.
»Hä is öüwerall ass quoad't (klein) Geld.« (Schlingmann, 513.)
Dän.: Han er ligesom hoste der er allevegne. (Prov. dan., 25.)