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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis Rabenfutter (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis R
1. Drei R Gott allein geziemen: Rächen, Richten, Rühmen.Petri, II, 154; Henisch, 1712, 49; Simrock, 8044; Schottel, 1141b; Sailer, 382.
In Ottow's Ms. heisst es: »Drey R R R gebüren Gott allein: Rum, Rach, Richter ich mein.« Begleitet von dem Reimspruch: »das Gericht, die Rach, wie aller Ruhm, die drey seindt Gottes Eigenthum. Die Rach befihl nur Gott allein vnd stell im all dein Sach anheim.«
 
2. R gehört vor den Hund.Eiselein, 517.
Engl.: The dogs letter. (Shakspeare.)
Lat.: Irritata canis, quod rho quam plurima dicat. (Eiselein, 517.)
 
3. R., R.R., G.I.H., D.D.K.: Richter, richt recht, Gott ist Herr, du der Knecht.Aarg. Taschenbuch.
Steht am Balkenkopf im Kronenwirthshause zu Hornussen im Aargau.
 
4. Wenn ein R im Monat ist, man nicht gern Krebse isst.Lehmann, II, 831, 87.
Holl.: Als de R in de maand is, mag men een spelletje maken. – Eet geene schol voor de R uit de maand is. (Harrebomée, II, 206a.)
Lat.: Mensis cum habet R, noli comedere cancer.
 
5. Wenn en R in den Monat kummt, dögt de Krêvt (Krebs) nig. (Holst.) – Schütze, III, 264.
Vom September ab.
 
6. Wenn en R in den Monat kummt, wart et slecht Wedder. (Holst.) – Schütze, III, 264.
 
7. Wenn en R in den Monat kumt, den sün wi schreven.Schütze, IV, 72.
Mit September ist's mit unserm guten Wetter zu Ende. Die Redensart: denn sün wi schreven, bezeichnet in Altona und Hamburg: dann ist's aus mit uns. Von Schreve (s.d.) = Strich, Grenze.
 
8. Wenn kein R im Monat ist, so lass die Frau hübsch ungeküsst.
Holl.: Als gij geene R vindt in de maand, dan dient u geene vrouw maar een glas. (Harrebomée, II, 206.)
 
9. 'N Arre (r) in de Kopp hebben.Kern, 1300.
Etwas wissen und stolz darauf sein.
 
10. R, e, re, flöten wêr he. (Holst.) – Schütze, III, 264; für Lübeck: Deecke, 12.
Volksreim, womit man ein schnelles Verschwinden bezeichnet.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
11. Drei R müssen kluge Leute können: Rathen, Reden und – Rechnen.Harssdörffer, 2196.
 
12. Vier R muss haben, wer jetzt in der Welt fortkommen will: Reden, Rechnen, Rathen und Reiten.Wirth, I, 124.
 
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Raatje
1. Raatje is dod. (Holst.) – Schütze, III, 267.
Es fehlt an Rath, Ueberlegung, der Rath ist fort, es geht zu viel auf. Ratj erscheint in der holsteinischen Mundart personificirt.
 
2. Ik will Raatje mal fragen.Schütze, III, 267.
Ich will's in Ueberlegung ziehen, daher noch Geduld!
 
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Rabbi
Rabbi (s. Ruw).
 
1. A fetter Ruw (Rabbiner) ün a mugerer Gallech (Pfaffe) taugen nit. (Jüd.-deutsch. Warschau.)
 
2. Bi der Rewi esst nix Grünes, es muss belese sein.Tendlau, 329.
Spottweise vom Frömmler, besonders in Bezug auf den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. Die strengfrommen Juden essen nämlich kein grünes Gemüse, ohne dass es vor dem Kochen wegen der verbotenen Insekten, die sich darauf befinden könnten, sorgfältig »belesen« worden ist.
 
3. Der Rebbe mög (darf). (Jüd.-deutsch. Warschau.)
Wenn sich jemand als Stärkerer das zu thun erlaubt, was er an andern rügt. Gar mancher Rabbi glaubt als heiliger Mann das Recht zu haben, Dinge zu thun, die er andern nicht erlaubt.
 
4. Rabbi ehrt die Reichen.
Als Entschuldigung, wenn an einem Rabbi getadelt wird, er nehme zu sehr auf die Reichen Rücksicht.
Jüd.-deutsch: Rebbi mechabbed Aschirim. (Tendlau, 44.)
 
5. Rabbi Jehudah erlaubt's.
Jehuda war ein berühmter Schriftgelehrter, der in mehrern Anordnungen weniger streng als seine Vorgänger war.
Jüd.-deutsch: Rewi Jehuda matter. (Tendlau, 43.)
 
6. Rabbi, vielleicht umgekehrt.
Vielleicht ist oder geschieht gerade das Gegentheil von dem, was du glaubst oder erwartest.
Jüd.-deutsch: Rewe, toomer (tomar, du magst sagen) umgekehrt. (Tendlau, 843.)
 
7. Rewe, toomer jo (ja) hat die Goje (Nichtjüdin) Büchsen (Hosen) an.Tendlau, 843.
 
8. Rewi hot's nit gelernt, woher soll's Chije haben?Tendlau, 45.
Woher will oder soll der Schüler oder Jünger es wissen, wenn der Lehrer es nicht vorgetragen hat oder es selber nicht weiss.
 
9. Unsere Rabbis (Chachonim, Weise) waren aach kaan Narre!Tendlau, 922.
Es ist hier von Talmudisten die Rede, die der orthodoxe Jude den Ansichten der »Aufgeklärten« gegenüber in Schutz nimmt.
10. Was will Raschi?Tendlau, 996.
Zur Bezeichnung eines armen, wandernden Rabbi, der Besuche macht und gelehrte Bemerkungen auskramt, im Grunde genommen aber nur eine Unterstützung wünscht.
 
11. Willkommen, Rabbi! – Faule Birnen, antwortete er.
Zur Bezeichnung von Verwechselungen und arger Misverständnisse. Ein tauber Mann, Namens Seligmann kam mit Obst in die Stadt. »Scholem aleechem (willkommen), Rewe Seligmann« (Rabbi das im gewöhnlichen Leben als Ehrentitel, wie Herr gebraucht wird), rief ihm eine Frau zu; ›Morsche Biere‹, antwortete der taube Seligmann.
Jüd.-deutsch: Schōlem aleechem Rewe Seligmann! Morsche Biere. (Tendlau, 1015.)
 
12. Das mag ein jüdischer Rabbi glauben.Philippi, I, 96.
Lat.: Credat Judaeus Apella. (Horaz.) (Binder I, 244; II, 601; Faselius, 52; Seybold, 93; Wiegand, 516.)
 
13. Er darf Rav sein in ganz Jisrôel.Tendlau, 142.
So tüchtig ist er in der rabbinischen Wissenschaft.
 
14. Es is e sehr geschickter Rav, er darscht (liest) vom Blatt.Tendlau, 1007.
Zweideutig von einem Rabbiner, der seinen Vortrag (daraschah, daher darsche) abliest, mit der Anspielung auf Notenlesen in der Musik.
 
15. Es ist dem Rebbens Eidam (Schwiegersohn). (Jüd.-deutsch. Warschau.)
Wie sich der Rabbi manches gestattet, was er andern nicht erlaubt, so geht sein Ansehen auch auf die Familie über. Der Schwiegersohn desselben deckt seine unerlaubten Handlungen mit der Stellung seines Schwiegervaters.
 
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Rabbiner
1. Ein fetter Rabbiner und ein magerer Prälat taugen beide nicht viel.
Vom Rabbiner wurde nicht nur Entsagung gefordert, man setzte auch infolge seines Studiums Mangel an Wohlbeleibtheit voraus. Die Prälaten dagegen haben nie in dem Rufe gestanden, sich mager zu studiren.
Jüd.-deutsch: E fetter Rav und e magerer Gallech is nix werth. (Tendlau, 921.)
 
2. Ein Rabbiner wie eine Gemeinde.
Beide sind von gleichem Werth. Wie der Abt (s.d.), so die Mönche.
Jüd.-deutsch: E Rav wie e Kachel. (Tendlau, 672.)
 
3. Man schickt ihn zum Rabbiner, und er geht zur Rabbinerin.Blass, 160.
 
4. Wo der Rav wird, schmadt sich die Kille. Tendlau, 671.
Wo der Rabbiner wird, lässt sich die Gemeinde (Kille) taufen (schmadden). Von einem Candidaten des Rabbinats, der sich zu Neuerungen hinneigt.
 
5. A Ruw (Rabbiner) is güt ubzüklauben (aufzufinden, zu wählen), ober schwer ubzüsugen (loszuwerden). (Warschau.)
Die Wahl ist leicht, aber das Kündigen schwer.
 
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Rabbinerin
1. A Rebbizin hot a korz Ohjer (Ohr) ün a lange Hand. (Jüd.-deutsch. Warschau.)
Es wird in dem Sprichwort behauptet, die Rabbinerin höre die Parteien nicht und nehme gern Geschenke, wie es auch wol andere Beamtenfrauen thun, die keine Rabbinerinnen sind.
 
2. Die Rewezen von Kelterschbach (Kelsterbach?) geht vormittags Schule (Synagoge) und nachmittags in die Tipfle (Kirche).Tendlau, 975.
Wer schwankend zwischen zwei (religiösen) Parteien steht, und, sei es aus Zweifel, Unentschlossenheit oder irgendeinem andern Grunde es mit beiden hält, vormittags Jude und nachmittags Christ, heut Freigemeindler, morgen Kirchenmitglied u.s.w. ist, der ist die »Rewezen von Kelterschbach«.
 
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Rabbinos
Will einer eitel Rabbinos und Gelahrtheit predigen, so steht das Volk da wie eine Kuh.
 
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Rabbûs
Rabbûs, s. Rappuse.
 
 
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Rabe
1. Alt rappen seyn böss weis zu machen.Gruter, I, 4; Lehmann, 7, 27.
Lat.: Difficile est assueta derelinquere. (Sutor, 549.)
 
2. Aus dem (einem) Raben zieht man keinen Falken.
 
3. Beim Raben hilft kein Bad.Gaal, 1267; Simrock, 8054.
 
4. Besser vnter Raben, denn vnter Schmeichler gerathen, die die lebendigen fressen.Petri, II, 40.
Lat.: Praestat in corvos quam adulatores incidere. (Seybold, 454.)
 
5. Böse raben, böse eyer.Gesner, III, 335; Tappius, 9b; Lehmann, II, 48, 54; Sailer, 31.
Böhm.: Pod zlým krkavcem zlé vejce. – Zlý pták zlé vejce. (Čelakovský, 405.)
It.: Di mal corvo mal ovo. (Pazzaglia, 72, 1.)
Lat.: Mali corvi malum ovum. (Tappius, 9a.)
Span.: Da mal cuervo mal huevo.
 
6. Dei Râwen, den man tüt, hacket einen in'n Older de Agen ût.Schambach, II, 84.
Wer ein böses Kind oder Rabenkind zieht, der wird im Alter schwer von ihm zu leiden haben.
 
7. Dem Raben hilft kein Bad.
Böhm.: Nepomůže havranu mýdlo, ani mrtvému kadidlo. (Čelakovský, 223.)
Engl.: A crow is never the whiter for washing herself often. (Gaal, 1267.)
It.: Chi lava il capo all' asino, perde il sapone. (Gaal, 1267.)
Lat.: Balnea cornici non prosunt, nec meretrici, nec meretrix munda, nec cornix alba fit unda. (Binder II, 312; Neander, 268; Eiselein, 517.)
Poln.: Niepomože krukowi mydło, ani umarłemu kadzidło. (Čelakovský, 223.)
Ung.: Ha fördik is a' csóka, nem lesz fehér galambbá. (Gaal, 1267.)
 
8. Den Raben lässt man fliegen, die Taube muss es kriegen.
Lat.: Dat veniam corvis, vexat censura columbas. (Juvenal.) (Seybold, 113; Henisch, 1036, 29.)
 
9. Den Raben up'n Dacke un den Fos vor der Döhr is nich to truen. (Göttingen.)
Denen, die das Haus umschleichen. (S. Haar 110.)
 
10. Der Rab badet sich offt vnd wird doch nicht weiss.Lehmann, 541, 65.
 
11. Der Rab frist Diebsfleisch, darumb ist er diebisch.Lehmann, 191, 26.
» ... Vnd darumb ist der Storck fromm, dieweil er Frösch isst, gleichwie der Rapp diebisch, weil er Diebsfleisch frisst, und die Charthuser dumme vnd stumme vnfläter, weil sie flegmatisch Fisch fressen u.s.w.« (Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 395.)
 
12. Der Rab verendert seine Stimme nach dem Wetter.Petri, II, 104.
 
13. Der Rabe geht nicht umsonst zur Krähe, sondern weil sie seiner Gattung ist.
Umgang mit seinesgleichen.
 
14. Der Rabe hat der Krähe nichts vorzuwerfen (nichts aufzuheben).Simrock, 8047.
 
15. Der Rabe ist nicht schwärzer als seine Flügel.
 
16. Der Rabe kann nicht schwärzer sein als er ist.
 
17. Der Rabe lässt das Stehlen nicht.Parömiakon, 2522.
 
18. Der Rabe schilt die Krähe, dass sie schwarz ist.
Die Kleinrussen: Der Rabe verspottet die Krähe wegen ihres schwarzen Gefieders.
 
19. Der Rabe schnappt nach Aas, der Bär nach Honig.Graf, 35.
Weil Art nicht von Art lasse, sollten auch nach mittelalterlicher Ansicht die edeln Eigenschaften eines Ritters (des Adels) wie die unedeln des (Leib-)Eigenen, Unfreien im Blute fortwallen; so war angeblich dem Edelmann Weisheit, dem Knechte Schalkheit angeboren. De Bahre schnappet na dem Honnige, de Rave na dem Ahse. (Normann, 221.)
 
20. Der Rabe singt nicht schön, aber er hebt den Kopf, wenn er geschrien.
Er bildet sich was darauf ein. Die Russen: Auch ein Papagai freut sich seiner Stimme. (Altmann V, 78.)
 
21. Der Rabe stiehlt, und der Taube würgt man den Kopf ab.
Dän.: Duen maa bøde og ravnen stiel frit. (Prov. dan., 84.)
 
22. Der Rabe sucht die Augen, der Hund frisst das Gedärm, und der Wolf verzehrt den Rest.
Lat.: Effossos oculos vorat alto gutture corvus, intestina canis, caetera membra lupi. ( Chaos, 305.)
 
23. Der Raben Bad und der Huren Beichte sind unnütz.Körte, 4868; Simrock, 8055.
 
24. Die jungen Raben brauchen Futter.Simrock, 8050.
 
25. Die jungen Raben sind geschnäbelt wie die alten.Simrock, 8048.
Holl.: De jonge raven zijn als de oude gebekt. (Harrebomée, II, 208a.)
 
26. Die Raben kommen nach Pennsylvanien, in Neujersey finden sie kein Futter und müssen verhungern. (Philadelphia.)
So sagte man in Pennsylvanien, namentlich in Philadelphia, wenn vor etwa 25-30 Jahren in der Winterzeit die Raben zu Tausenden aus dem Staate Neujersey über den Delaware nach Pennsylvanien geflogen kamen. Neujersey galt damals noch als armer Hungerstaat. (Wochenblatt der Neuyorker Staatszeitung vom 21. Nov. 1863, S. 7.) Wer ihn jetzt besucht (ich habe es 1851 gethan), wird über die bedeutenden Culturfortschritte, die seither noch mehr hervorgetreten sein werden, staunen.
 
27. Die Raben lässt man fliegen und den Tauben dreht man den Kopf ab.
 
28. Die Raben müssen einen Geyer haben.Petri, II, 141; Eiselein, 527; Simrock, 8052.
 
29. Die Raben sind frey, die Täublein müssen Federn lassen.Petri, II, 141; Henisch, 1036, 28.
 
30. Die Raben sind oft gelehrter als die Nachtigallen.
 
31. Die Raben volgen den Wölffen.Lehmann, 852, 2.
Sie verzehren, was diese morden; saubere Compagnie.
Böhm.: Krkavci sobĕ lítají, holubi v léčkách váznou. (Čelakovský, 147.) – Krkavci tam létají, kde padlinu čenichají. (Čelakovský, 42.)
Poln.: Kruki się tam zlatają, gdzie ścierw jaki poczuwają. (Čelakovský, 42.)
 
32. Die schwartzen Raben nisten gern auff grossen Bäumen.Lehmann, 154, 33.
»Etliche wolten gern grosse Bäume sein, dass jedermann bei jhnen möcht Schatten suchen, aber die schwartzen Raben nisten gern auff grossen Bäumen vnnd brüten jhre Eyer stoltz vnd vbermuht auss.«
 
33. Die schwarzen Raben schreien cras, cras (morn, morn), aber ehe das Gras gewachsen, ist Graumann todt.Eiselein, 517.
 
34. Ein Rab, ein Loch im sack, ein katz, ein Mauss seynd vier gewisse dieb im hauss. Zinkgref, IV, 401.
 
35. Ein Rab erzieht keine Canaren.Chaos, 717.
 
36. Ein Rab heckt keine Taube auss.Petri, II, 220.
 
37. Ein Rab zeugt keinen Distelfink. (Pfalz.)
 
38. Ein Rabe frisst nicht alles, was er stiehlt.
 
39. Ein Rabe hackt dem andern die Augen nicht aus.Mayer, II, 80; Lohrengel, I, 437.
In Ostfriesland: Een Rave bitt de ander gên Ooge ut. (Bueren, 411; Hauskalender, I.)
Dän.: Een ravn hugger ikke øyet ud paa den anden. (Prov. dan., 468.)
It.: Un corvo non caccia l'occhio all' altro. (Pazzaglia, 72, 2.)
Lat.: Corvus corvo oculum non eruit. – Esquilla non nascitur rosa. (Seybold, 92 u. 148.)
 
40. Ein Rabe heckt keine Zeislein (Tauben) aus.Birlinger, 512.
Holl.: Eene raaf broeit geen' sijsje (Kanarievogel). (Harrebomée, II, 208a.)
 
41. Ein Rabe kann lange wünschen, ehe ein Gaul (davon) stirbt.
 
42. Ein Rabe schwärzt den andern nicht.
Böhm.: Koba koby neučerní. – Lotr na lotra nebude žalovati. (Čelakovský, 39.)
 
43. Eng Râf beckt den anger gen Og (Auge) us. (Aachen.) – Firmenich, I, 492, 26; hochdeutsch bei Petri, II, 250.
 
44. Erziehst du dir 'nen Raben, so wird er dir die Augen ausgraben.Eiselein, 517; Simrock, 8049.
It.: Tal nutre un corvo, che gli caverà pol gli occhi.
Lat.: Ale luporum catulos. – Pasce canes, qui te lanient catulosque luporum. (Eiselein, 517.)
 
45. Es beist kein Rab dem andern die Augen auss.Lehmann, 165, 10.
 
46. Es ist ein träger Rabe, der den Schnabel erst wetzt, wenn der Braten da ist.
 
47. Es ist noch kein Rabe Hungers gestorben.
So wenig er sich mit seinem Gesange empfiehlt und verdient.
 
48. Es zeugt kein rap ein zeisslein auss.Franck, II, 8b u. 56a; Gruter, I, 40.
 
49. Es zeugt kein Rapp ein Kanari Vögelein. Lehmann, 168, 2.
 
50. Fliegt der Rab' auch noch so hoch, er erreicht den Adler nicht.
In Habesch: Der Rabe spricht gern von den Wolken, aber der Adler wohnt in ihnen. Die Russen: Der Rabe zählt sich nicht zu den Adlern, aber die Dohle thut es.
 
51. Grosse Raben kleben selten am Kloben. Petri, II, 543.
 
52. Grosse Raben fahren mit gewalt.Petri, II, 361; Henisch, 976, 31.
 
53. Man findet eher einen weissen Raben, einen beherzten Schwaben, trocknes Wasser, einen mässigen Prasser, einen schwarzen Schimmel, einen viereckigen Himmel, bei den Schnecken das Blut, als einen Geizhals, der Gutes thut.Parömiakon, 3241.
 
54. Man mag den Raben waschen wie man will, er bleibt doch schwarz.
Poln.: Myj jak chcesz kruka, on jednak czarny zostanie. (Lompa, 21.)
 
55. Möcht der Rab schweigen, so het er mehr speiss vnd minder Zancks.Petri, II, 482.
 
56. Nach einem Raben darf man nicht mit Ackererde werfen.Auerbach, Dorfgeschichten, IV, 149.
 
57. Rab' auf dem Dach, Fuchs vor der Thür, hüt' sich Mann und Ross dafür.Simrock, 8051.
 
58. Raben baden sich alle Tage und bleiben doch schwarz.Steffens, Volkskalender für 1859, S. 36.
 
59. Raben baden vnd Huren Bichten sind Ding von nichten.Petri, II, 508.
 
60. Raben brüten keine Tauben (Pfauen).
»Weil das alt sprichwort sagen thut, wie was von einem schwartzen Raben, nicht werde ausbrüt gespiegelt Pfaben.« (H. Sachs, III, CCCCX, 2.)
Lat.: Colubra restim nou parit. (Masson, 76.) – Neque imbellem feroces progenerant aquilae. (Seybold, 343.)
Poln.: Nieurodzi sowa sokoła. (Masson, 76.)
Span.: No pidas peras al olmo.
 
61. Raben fressen keine Raben.
 
62. Raben kommen vngestraft davon, die Tauben müssen büssen.Lehmann, 730, 45.
 
63. Raben nisten gern auf hohe Bäume und brüten ihre Eier mit Stolz und Uebermuth aus.
 
64. Raben reissen sich vom Leime, Kolmeisen vnd Rothkelchen bleiben behängen.Petri, II, 540.
 
65. Raben seynd diebisch, dieweil sie Diebsfleisch essen.Gruter, III, 75; Lehmann, II, 534, 1.
 
66. Raben sind Bileams Esel vnd pflugende Ochsen oder trewer Prediger feind, aber den füchsen sind sie nicht geneigt.Petri, II, 508.
 
67. Raben sind geschätzter (beliebter, geehrter) als Nachtigallen.
Klage, wenn man Ungelehrte den Gelehrten, Schurken den Braven und Edeln vorzieht.
68. Raben tragen kein Brot ins Haus.
Wol eher hinaus.
 
69. Raben und Huren lassen sich nicht weiss waschen.
 
70. Raben und Tauben haben nicht Einen Glauben.
Mhd.: Des raben stimme ich fliehen wil; sîn âtem toetet vederspil. (Freidank.) – Raben und Tauben gehören nicht auff ein Hauffen. (Zinkgref, 115.)
 
71. Raben zeugen keine Tauben (Schwalben, Lerchen), Dornen bringen keine Trauben. Simrock, 8045; Gaal, 88.
Zwar erzählt Abraham a Sancta-Clara (Erzschelm, II, 405), dass, ehe Titus Jerusalem zerstört habe, sehr wunderliche Sachen geschehen seien, und unter anderm am Passahfeste ein Ochs ein Lamm geworfen habe. Das würde aber, so es geschehen, nichts gegen das obige Sprichwort beweisen, sondern nur ein neuer Belag dafür sein, dass sich die Ochsen um Naturgesetze nicht bekümmern.
 
72. Schlechte Raben, schlechtes Ei.Acerra philol.
 
73. Schwarze Raben brüten keine weissen Schwäne.Parömiakon, 2611.
 
74. Selbst der Rabe sucht für seine Jungen.
Gegen das Verhalten gewissenloser Aeltern.
 
75. Ueble Raben, üble Eier.Birlinger, 123.
 
76. Vom schwarzen Raben kommen keine weissen Tauben.Parömiakon, 2765.
 
77. Was den raben gehoret, ertrincket nicht. Agricola I, 53; Petri, II, 588; Lehmann, II, 832, 104; Schottel, 1129a; Blum, 502; Eiselein, 517; Körte, 4867; Gaal, 575; Simrock, 8053; Grubb, 296; Sprichwörterschatz, 181.
»Dan was zu theyl soll werden den Raben, wie wir ein altes Sprichwort haben, das ertrinckt nicht in Wasserwalgen, es geh denn hoch vber den Galgen.« (H. Sachs, III, XXVI, 2.)
Dän.: Hvilken ravne skulle æde drukner ei.
Frz.: Le gibet ne perd pas ses droits.
Holl.: Wat der raven toebehoort (Ravenkost) verdrinkt niet. (Harrebomée, II, 208a.)
Lat.: Furcifer non evadit furcam.
 
78. Was den Raben gehört, ertrinkt nicht und sollt' es zehn Tage im Rhein schwimmen. Storch, Freiknecht, III, 6.
 
79. Was den Raben gehört, fressen die Wölfe nicht.
It.: Chi è nato per la forca mai s'annegherà. (Masson, 303.)
Poln.: Co ma wisieć, nie utonie. (Masson, 303.)
 
80. Was der Rabe fressen soll, kriegt der Todtengräber nicht.
 
81. Was hilffts, dass der Rabe offt badet, er bleibt doch schwartz.Petri, II, 598; Henisch, 170, 49; Lehmann, II, 834, 143.
 
82. Weisse Raben und treue Freunde findet man selten.
Holl.: Witte raven vindt men zelden, al zoo zelden vindt men trouw. (Harrebomée, II, 208a.)
Lat.: Rara avis in terris nigroque simillima cygno. (Seybold, 520.)
 
83. Wenn der alte Rab die jungen verlest, so speiset sie Gott in jhrem Nest.Petri, II, 632.
 
84. Wenn der Rab schweigend frässe, so bliebe ihm das Aas allein.
»Wenn der Rab schweigend essen könt, so vermeid, ders jhm vergönnt.« (Henisch, 948, 8.) »War ist das Sprichwort: Wenn der Rab schweigend essen könt, so wer niemand, ders ihm vergönt.« (Froschm., K, IIIb.)
 
85. Wenn der Rabe Richter wäre, so würde niemand mit einem Pferde fahren.Bertram, 59.
 
86. Wenn der Rabe schwiege, er hätte mehr Aas und weniger Zank.Eiselein, 517.
 
87. Wenn die alten Raben Aas fressen, fliegen die Jungen nicht zum Schweizerbäcker.Parömiakon, 740.
 
88. Wenn die Raben schreien, folgt Regen.
Holl.: Als de raven krassen, zal het regenen. (Harrebomée, II, 207b.)
 
89. Wer ein Raben ernehrt vnd erzeucht, dem werden zu danck die Augen aussgegraben.Lehmann, 910, 37; Steiger, 396.
Böhm.: Vychovaný krkavec i pánu oči vyklove. (Čelakovský, 50.)
Engl.: Nourish the raven that will pick out thine eyes.
Poln.: Kruk chowany i panu oczy wydłubie. (Čelakovský, 50.)
 
90. Wer ein Raben will baden weiss, verleurt all sein Müh und Schweiss.
91. Wer ein Raben will baden weiss vnd darauf leget sein fleiss, vnd schnee will an der Sonnen dörren vnd meint in eine kisten sperr'n, vnd Wasser binden an ein seil, vnd ein kahlen will beschern, der arbeit vnnütz ding gern.Zinkgref, IV, 333.
»Wer baden will ainen rappen weiss vnd daran ledt sein gantzen fleiss, der tut, das da vnnutz ist gern.« (Keller, Schwänke, 5, 1.) »Ja, wann ein Mensch verbieten wolt, das im winter nit schneien solt, vnd das im meyen nit solt floren, der wer ein narr für allen thoren, vnd der ein rappen weiss wolt baden, thut vnnütz arbeit auff sich laden.« (Waldis, II, 60, 65.) (S. Arbeit 76.) Ein ähnlicher alter Vers lautet: Wer einen Raben will baden weiss, und darauf legt sein'n ganzen Fleiss; wer an der Sonne Schnee will dörren, die Winde in ein' Truhen sperren und Ungelück will tragen feil und Narren binden an ein Seil und einen Kahlen will beschern, der thut unnütze Arbeit gern.
Lat.: Litus arare. (Ausonius.) (Binder II, 1685.)
 
92. Wer jung wie ein Rabe schreit, wird alt nicht wie eine Nachtigall singen.Parömiakon, 3068.
 
93. Wo der Rabe sitzt auff dem Dach vnd der fuchs vor der Thür, da hüte sich Ross vnd Mann dafür.Petri, II, 8010; Henisch, 1275, 37; Sailer, 86; Körte, 4869; Masson, 169.
Keine Empfehlung für den Schwarzkopf, der zugleich ein Rothbart ist.
 
94. Zeuchst du dir einen Raben, so wird er dir die Augen ausgraben.Eiselein, 517.
Die Russen: Es zog schon mancher eine Krähe auf, die ihn dann die Augen aushackte. (Altmann VI, 414.)
 
95. Dass dich die raben fressen!Agricola I, 55; Tappius, 44a; Henisch, 1213, 28; Eiselein, 517.
Sprichwörtlicher Fluch.
Holl.: Dat u de raven picken (schenden, vreten, beschijten). (Harrebomée, II, 207b.)
Lat.: Ad corvos. (Tappius, 44a; Erasm., 456.)
 
96. Dem rappen den brei oder muss einstreichen.Franck, III, 107b.
 
97. Den Raben zur Beute werden.Eiselein, 517.
 
98. Die alten Raben fliegen noch.
Die alten Feinde, Widersacher, Gegner u.s.w. sind noch da und thätig. Der Pfälzer Kurier vom 23. Sept. 1870 wendet die Redensart auf die der Einheit Deutschlands feindselige Partei an.
 
99. Die Raben mit offenem Schnabel (schon ihrer Beute gewiss) betrügen.
Von dem, der pfiffig und schlau seine Auflauerer täuscht.
 
100. Die Raben um ihr Mahl bringen.
Dem Galgen auf eine schlaue Weise entgehen.
 
101. Die Raben werden bei ihm Freitafel haben (halten).Parömiakon, 12.
Er wird am Galgen sterben.
Holl.: Hij is van de raven gezalfd. (Harrebomée, II, 208a.)
 
102. Die Raben werden ihm kein Brot bringen.
Es wird seinetwegen kein Wunder geschehen, wie es in Betreff des Propheten Elias erzählt wird.
Holl.: De raven zullen hem geen brood brengen. (Harrebomée, II, 208a.)
 
103. Einen Raben baden (waschen).
»Vnd der ein rappen weiss wolt baden, thut vnnütz arbeit auff sich laden.« (Waldis, II, 60, 69.)
 
104. Er kann wie der Rabe nicht einmal ruhig fressen.
Von denen, die, wenn sie etwas Gutes haben, sogleich sich gross machen und es so dahin bringen, dass andere ihnen entgegentreten und ihnen den Gewinn vor der Nase wegfischen.
 
105. Er wird die Raben noch am Kreuze füttern.
Lat.: Corvos in cruce pascis.
 
106. Er würde keinen Raben sehen in einem Eimer Milch.
Holl.: Hij zou geene raaf merken in eenen emmer melk. (Harrebomée, II, 208a.)
 
107. Es ist der Rabe, der Feuer in sein Nest gebracht.
Um sich zu wärmen und so das Nest anzündete.
 
108. Es ist der Rabe, der sich mit fremden Federn schmückt.
Holl.: Ziedaar de raaf, die zich met anderer vogelen pluimen versiert. (Harrebomée, II, 208a.)
 
109. Es ist der Rabe Noah's.
Untreuer Diener, Bote u.s.w.
Lat.: Corvus Noe. (Bovill, I, 56.)
 
110. Es ist ein hungriger Rabe.
Holl.: Het is eene hongerige raaf. ( Harrebomée, II, 208a.)
 
111. Es ist ein weisser Rabe.
»Ein weisser rappen vnd schwartzen schwan, wer mag den je gesehen han!« (Waldis, I, 94, 33.) Von etwas sehr Seltenem und schwer zu Findendem oder sich Widersprechendem. Die Franzosen bezeichnen das Seltene durch: weisse Amsel, die Italiener durch weisse Fliegen, die Korsen durch grüne Pferde, die Wallonen durch blaue Hunde. (Globus, XVIII, 16.)
Mhd.: Selten wir gesehen haben swarze swanen und wize raben. (Renner.) (Zinkgref, 115.)
Holl.: Het is eene witte raaf. (Harrebomée, II, 208a.)
Lat.: Albus corvus. (Bovill, I, 12.) – Coelum immobile. – Corvus albus. (Faselius, 52; Philippi, I, 95.) – Cygnus niger. – Frigidus ignis. – Lac nigrum. – Sanguis albus. – Sol obscurus. – Nix nigra. – Pulex albus.
 
112. Es wird ihm wie dem Raben gehen, der mit den Enten fliegen wollte.
 
113. Gelbe Raben aus Ungarn fliegen lassen. Schuppius, Schriften, I, 874.
Es sind Goldstücke, Dukaten gemeint.
 
114. Ich wolt, dass dich die Raben fressen.Eyering, III, 75.
 
115. Man würde eher einen Raben weiss waschen, als ihr das Keifen abgewöhnen.
Holl.: Men zou eer eene raaf wit wasschen, eer men haar het krassen beleth. (Harrebomée, II, 208a.)
 
116. Merks, Rap im Sack.Nas, 356b.
 
117. Wie der Rabe Wasser pumpt.
Wenn jemand nicht ohne Mühe und Scharfsinn das erreicht, was er haben will, oder wenn er es durch ganz neue Mittel versucht. Aus der bekannten Fabel vom Raben, der das Wasser vom Grunde eines engen und ihm unzugänglichen Gefässes dadurch heraufbrachte, dass er eine Menge Steinchen hineinwarf.
 
118. Den Raben kann man nicht weiss waschen.
Bei Tunnicius (530): Den raven kan men nicht wit waschen. (Nigrorem corvi nequicquam candidat unda.)
 
119. Des Raben Junge werden immer schwärzer.
 
120. Die Raben hacken nur den Todten die Augen aus, die Schmeichler den Lebendigen. Kornmann, VIII, 206.
Ein Wort Epiktet's.
 
121. Einer macht den Raben zur Nachtigal, der andere die Nachtigal zum Raben.Merx, 220.
 
122. Es ist ein unverschämter Rabe, der sich auf ein lebend Thier setzt.
Von Leuten, die den Tod derer nicht erwarten können, die sie einst beerben.
Holl.: 'T is een stoute kraig, die een levendigh beest in 't lijf picht. (Cats, 222.)
 
123. Ist der Rabe dein Führer, so kommt deine Nase nimmer aus dem Kothe.Merx, 232.
 
124. Sind die Raben um Georgi (23. April) noch blind, kann sich freuen Mann, Weib und Kind.Wunderlich, 25.
 
125. Weisse Raben sind seltene Vögel.
 
126. Wie der Rabe nach Aas, so lechzt der Soldat nach Geld (Sold).
 
127. Zehn Raben machen keinen Winter und Eine Schwalbe keinen Frühling.Fliegende Blätter, 1859, 103a.
 
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Rabenaas
1. Ich bin ein wahres Rabenaas, ein rechter Sündenknüppel, sang der Mucker bei seinem Tippel.
Sprichwörtlich gewordener Anfang eines alten kirchlichen Kernliedes.
Holl.: Het is een raven-aas. (Harrebomée, II, 208a.)
 
2. Es ist ein altes (verschlagenes) Rabenaas.
Gemeines Scheltwort.
Frz.: C'est une fine matoise. – C'est une petite rusée. (Kritzinger, 445b u. 627b.)
 
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Rabenfeder
Wer eine Rabenfeder findet, hat Glück.Montanus, 172b.
 
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Rabenfutter
Es ist Rabenfutter.
In Bezug auf gefallenes Vieh, auch von Dieben. Als ein ähnliches Schmähwort, wie Rabenaas oder Rabenfutter, hatten die alten Römer das Kreuz, das, als die äusserste Strafe unter Sklaven, Veranlassung zu Lästerreden gab. Wie wir sagen: »Geh zum Henker!« sagte man damals: »Packe dich ans Kreuz!« Bei Petron findet sich nebeneinander: offula crucis = ein Bissen ans Kreuz, und cibaria corvorum = Rabenfutter. Auch die bei Plautus und Terenz sehr oft angewandten Anreden: dierecte, d.i.: »Emporgespreizter«, steht mit der Kreuzigung im Zusammenhang. (Vgl. Römische Schimpfwörter im Ausland, 1871, 169.)
Dän.: Ravn-mad. (Prov. dan., 468.)