Wörterbuchnetz
Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
bis Obenhin (Bd. , Sp. )
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis O
O hält Ross und Wagen auf.Chaos, 567.
»O ist der stärkste Buchstab, er hält Ross und Wagen auf.«
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
2. Das ist O.K.
Den amerikanischen Brauch, etwas recht Gutes, ganz Tadelloses mit O.K. zu bezeichnen, erklärt eine neuyorker Zeitung so: Vom Präsidenten Andrew Jackson, bekannt unter dem Beinamen Old Hickory, der sich ebenso wenig wie der alte Blücher um die Orthographie bekümmerte, erzählt man sich folgende Anekdote: Als er einmal ein ihm zur Durchsicht und Genehmigung vorgelegtes Schriftstück dem Secretär zurückgab und dieser ihn fragte, was denn die daruntergesetzten Buchstaben O.K. zu bedeuten hätten, antwortete Jackson: »Was denn anders als die Abkürzung von ›all correct.‹« Davon soll der obige Sprachgebrauch in Nordamerika herrühren. (Philad. Sonntags-Journal vom 20. October 1878.)
 
Artikelverweis 
Oase
1. Iss in der Oase und faste in der Wüste.
 
2. Wer sechs Tage in der Oase lebt, wird sich am siebenten nach der Wüste sehnen. (Aegypt.)
 
Artikelverweis 
Obdach
Ein Obdach auff ein Sonnenuhr setzen ist Narrheit.Lehmann, 817, 15.
 
Artikelverweis 
Obduction
Ich beantrage sofortige Obduction, denn es ist reine Verleumdung, sagte der Mann zum Richter, als dieser ihm vorhielt, seine Frau habe ihn angeklagt, sie mit Arsenik vergiften zu wollen.
 
Artikelverweis 
Oben
Oben (s. Baven).
 
1. Buawen (oben) glatt un bunt, un unnen (unten) nicks as Strunt. (Münster.) – Frommann, VI, 428.
 
2. Immer oben ist nicht zu loben.
Die Türken empfehlen: Setze dich oben hin und sieh nach unten. (Cahier, 2727.)
 
3. Îwe, wä en Pô, angde wä en Krô. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 359; Frommann, V, 31, 11.
Oben wie ein Pfau, unten wie eine Krähe. Wenn unter den prunkenden Oberkleidern schmuzige oder zerrissene Unterkleider getragen werden.
 
4. Mancher will nur oben schwimmen wie ein Ganss auffm Wasser.Lehmann, 379, 14.
 
5. Me fahd oben a, wenn me will d' Stege wasche. (Luzern.)
Die Verbesserungen im öffentlichen Leben müssen von den höhern Ständen ausgehen.
 
6. Oëben fix un unnen nicks. (Driburg.) – Firmenich, I, 363, 38.
 
Im Plattdeutschen: Bawe hei, unde fui.
 
8. Oben zu wenig und unten zu viel.
»Gestern fand der erste diesjährige Subscriptionsball im Opernhause statt. Die Frauentoilette leistete an Glanz und dem bekannten Oben zu wenig und Unten zu viel das Mögliche.« (Niederschles. Zeitung, Görlitz 1872, Nr. 24.)
 
9. Von oben gebissen, von unten beschissen. (Ostpreuss.)
 
10. Von oben geleckt, von unten bedreckt.
 
11. Von oben nimmt man nicht, was übrigbleibt.Bertram, 41.
Bescheid für den Borger.
 
12. Wer nach oben sägt, muss die Augen nach unten kehren.Altmann VI, 410.
 
13. Wer oben wohnen will, muss Treppen steigen können.Altmann VI, 507.
 
14. Der da oben hat alles in seiner Hand.Eiselein, 498.
 
15. Der da oben hat's gethan.Eiselein, 498.
 
16. Er ist obe'n ûs und nieme-n a.Sutermeister, 68.
 
17. Oben schwimmen.
»Die Tugend ist wie ein Oel; man schütte es ins Wasser oder sonst wohin, überall schwimmt es oben.« (Abrahamisches Wintergrün.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
18. Nach oben schau, auf Gott vertrau, nach Wolken wird der Himmel blau.Weingärtner, 92.
 
19. Von oben herunter kann jeder fallen.
 
Artikelverweis 
Obenan
1. Obenan und nirgends aus.Eiselein, 498.
 
2. Wenn ein jeder Hans Obenan sein will, dann ist's mit dem Frieden aus.
 
Artikelverweis 
Obenan setzen
Er wird obenan gesetzt wie der Rathsherr von Buchhorn.Eiselein, 101.
Ein Rathsherr von Buchhorn ward zu Constanz bei den Metzgern ganz unten an den Tisch gesetzt, wo er beständig ihm gegenüber den Zunftmeister anlächelte. Als dieser endlich fragte, dass er ihn, den Unbekannten, immer so freundlich anblicke, erwiderte er: Weil ich zu Hause in eben dem Ansehen stehe, wie du hier. Der Zunftmeister ordnete sofort an, dem fremden Gast einen Platz obenan zu bereiten.
 
Artikelverweis 
Obenan sitzen
1. Wer obenan sitzt, auff den sihet alle Welt. Agricola II, 310.
 
2. Er sitzt obenan wie der Teufel unter den Pfaffen.
 
3. He sitt babnan un stippt nedden in't Fatt. Eichwald, 472.
 
Artikelverweis 
Obenauf
1. Das liegt klar obenauf, wie Schinken auf dem Butterbrot.
 
2. He is dar babnup.Eichwald, 73.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
3. Allenthalben obenauf sein, wie ein Pantoffelzapfen.Gotthelf, Geldstag, 179.
 
Artikelverweis 
Obenaus
1. Oben 'naus und nirgend 'nein. (Schwäb.) – Körte, 4621a.
 
2. Obenaus vnd nirgend an stürtz gern ein stoltzer Mann.Petri, II, 501.
 
3. Obenaus vnd nirgends an hat noch nie (wol selten) guts gethan.Petri, II, 501; Körte, 4621; Simrock, 7622; Chaos, 104; Braun, I, 3106.
 
4. Obenaus vnd nyrgent an.Agricola I, 217; II, 169; Egenolff, 119b; Eyering, III, 273; Lehmann, II, 489, 4; Theatrum Diabolorum, 368b; Geiler, Vsslegung des Paternoster (Strasburg 1515), Bl. LXXXIIII, 1a; Schottel, 1116a.
Die Hexen sollen mit diesen Worten zum Schlot hinausfahren. Vor der Welt prahlen und in seinem Hause darben, oder: durch sein Aeusseres zu hohen Erwartungen berechtigen und nichts leisten, oder: zornig, leicht ins Feuer zu bringen und schwer zu besänftigen. (Der Brausekopf.) »Die hoch oben auss wollen, und wie gemeiniglich geschiehet, nirgends ankommen, verglich Liv. Finck von Grätz mit einem Feuerwerk oder Raketelein, das hoch in die höhe fährt und doch weder den Himmel erreicht, noch wieder auf die Erde kommt, sondern in der Lufft zerknellt.« (Zinkgref, I, 252.)
Holl.: Boven uit en nergens aan. (Harrebomée, I, 86a.)
Lat.: Asperitas odium movet. (Binder II, 264.)
 
5. Obenauss stöst den Kopff, wer zur Thür aussgehet.Lehmann, 654, 36.
»Wer billiche mittel braucht, der stöst nicht an.«
 
6. Obenauss trifft vberall an.Petri, II, 848.
 
7. Obenus und niene a. (Luzern.)
Auf leeren Stolz.
 
8. Viel seynd allzeit oben aus und nirgends an. Sutor, 49.
 
9. Wer obenauss wil, der stösst sich an den Kopf.Petri, II, 746; Grubb, 316.
 
10. Wider das Obenaus ist ein Mittel: Sackum per nacum (Sack auf dem Nacken), sagen die (Bettel-)Mönche.Eiselein, 498; Klosterspiegel, 37, 18.
 
11. Wo man will obenauss, da mangelt brot im hauss.Henisch, 524, 22; Petri, II, 813.
 
12. Er isch der Obe-n-use-n und Niene-n-a. (Solothurn.) – Schild, 89, 363.
Ein Grosshans.
 
13. Er ist immer obenaus und nirgends an.
Von Hochmüthigen und Hitzköpfen.
 
14. Vor war er Hanss Obenauss, jetzt ist er Herr Kleinlaut.
Lat.: Irus et est subito, qui modo Croesus erat. (Chaos, 736.)
 
Artikelverweis 
Obenhin
1. Du laufst obenhin als ein han uber die glühende kolen.Nas, 13b; Körte, 4622.
Frz.: Faire quelque chose à boule vue. (Lendroy, 1559.)
 
2. Etwas obenhin thun.
Lat.: Levi brachio aliquid agere. – Opus perfunctorium. (Seybold, 277 u. 420.)
 
3. Obenhin wie die Hunde aus dem Nil trinken.Parömiakon, 287.
Von denen, die alles flüchtig, ohne Gründlichkeit thun. Schilderung der Oberflächlichkeit.
Lat.: Ut canis e Nilo. (Hanzely, 113; Philippi, II, 235; Seybold, 655.)
 
4. Obenhin, wie man die Grindigen laust.Gruter, III, 73; Lehmann, II, 489, 5; Eiselein, 258 u. 498; Simrock, 4050; Körte, 4622; Braun, I, 3107.
 
5. Obenhin wie man die Hund schiert.Lehmann, 161, 15.
Lat.: Summo pede. (Binder II, 3241; Buchler, 86; Philippi, II, 205; Seybold, 587; Erasm., 445.)
6. Von obenhin besehen.
Lat.: Per transennam inspicere. (Cicero.) (Philippi, II, 94.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
7. So vberhin wie die Gans den habern.
 
8. Vberhin wie die Nonne den Psalter.Fischer, Psalter, 255, 3.