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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Ja bis Jaffa (Bd. , Sp. )
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1. Da noch blos Ja, blos Nein im Brauche ging, stand's mit der Welt nicht so gering. Körte, 3104 u. 3880.
 
2. Der eine sagt Ja, der andere Nein.
Frz.: Hippocrate dit oui et Gallien dit non. (Leroux, II, 38.)
 
3. Ein hastig Ja macht gern ein Lügner.Petri, II, 196.
 
4. Ein Ja ist besser als zwei Nein.
Holl.: Beter enkel ja dan dubbel neen. (Harrebomée, I, 348b.)
 
5. Ja an dachin an gid dugh egh, hed as an Skeet. (Amrum.)
Ja und doch und gid (gid ist unübersetzbar) taugen nicht; hätte ist ein Schiss.
 
6. Ja gesagt zu rechter Zeit, ist gar gescheit.
Holl.: Het is eene kunst, in tijds ja te seggen. (Harrebomée, I, 348b.)
 
7. Ja ja, ja ja, segt Thomas, da lêwe noch. (Hildesheim.) – Hoefer, 1071.
 
8. Ja ja, seggt de Bûr, denn wêt he nich mehr. (Ostfries.) – Hauskalender.
 
9. Ja, ja, sied de Bûr, wan hä nix mä wëit. (Hagen.) – Frommann, III, 258, 85; für Jever: Frommann, III, 39, 45.
 
10. Ja oder Nein, sagte der Pfaffe zur Braut, der Bräutigam hat nicht Zeit.
Holl.: Bij ja en bij neen, zei de factoor, kooplui zweren niet. (Harrebomée, I, 348b.)
 
11. Ja sagen zu rechter Zeit ist (auch) eine Kunst.
 
12. Ja, segt de Bûr, je höger de Âp stigt, desto mîer wist he den Niers.Hoefer, 196.
 
13. Ja und Nein ist ein langer Streit.Körte, 3102; Simrock, 5159; Braun, I, 1610.
Besonders zwischen zwei entgegenstehenden Principien und Systemen.
Frz.: De oui et non vient toute question. (Bohn I, 15.)
Holl.: Jae ende neen is een langhe strijt. (Tunn., 15, 3; Harrebomée, I, 348b.)
Lat.: Est longum bellum non non, est estque duellum. (Fallersleben, 427; Sutor, 45.)
14. Ja und Nein macht oft Pein.
 
15. Ja und Nein scheidet die Leute.Eiselein, 344; Simrock, 5160; Körte, 3102; Graf, 227, 8; Petri, II, 409; Braun, I, 1609.
Frz.: De oui et non vient toute question. (Kritzinger, 497b.)
 
16. Ja und Nein sind für ehrliche Leute nicht zu klein.
Holl.: Uw ja zij ja, uw neen zij neen, zoo acht en mint u iedereen. (Harrebomée, I, 348b.)
 
17. Ja und Nein sind kleine Wort und treiben grosse Dinge fort.
»Den kleinsten Worten ist im Leben die absoluteste Macht gegeben; das Wenn und Aber, das Ja und Nein werden immer Despoten sein.« (Schücking, Welt und Zeit, 17, 67.)
Frz.: De oy et non vient toute question. (Leroux, I, 212.)
 
18. Ja vnnd Nein ist eins so balt zu sagen als das ander.Lehmann, 649, 96.
»Aber mit Ja kan man sich bald verschnappen; dass Nein wollen hinauss führen, ist ein gewagtes stücklein.«
Dän.: Ja og ney ere snart sagde men have tit meget at betyde. (Prov. dan., 321.)
19. Je, je, seggt dei Bûr, dann wêt he nicks mîr. (Mecklenburg.) – Hoefer, 180; Raabe, 185; für Lippe: Firmenich, I, 270.
1) Mit kurzgesprochenem e.
Span.: Habló el buey y dijó mu. (Bohn I, 223.)
 
20. Je, je, sied de Bûr un krassed sick hinger den Oaren, wan de Bäckere1 op sind. (Plettenberg in der Grafschaft Mark.) – Frommann, III, 256, 59.
1) Für Bäckede, Gebäck, ferner Kornvorrath. Gar mancher Bauer ruft: Je, je! wenn dieser erschöpft ist.
 
21. Jèu (ja), sach se, twäi wol se un drai brach se. (Iserlohn.) – Frommann, III, 256, 51.
 
22. Jö, sei Jan, do fiel Trine op de Fott (Hintern). (Meurs.) – Firmenich, I, 407, 413.
 
23. Joa, sagte Henrik Halfmann, hä mainere (meinte) oawer nëi (nein). (Lüdenscheid.) – Frommann, III, 257, 62.
 
24. Mit Ja und Nein schliessen die Kaufleute grossen Handel.
Holl.: Ja en neen is kooplieden voer, koot en bikkel der kinderen. (Harrebomée, I, 348b.)
 
25. Na ja, ja, segt Vatter Rusch, harr nich dacht, dat ik 'n Nachtwandler wîer, dâr dröp sîn Frû 'n nachts bî de Diern. (Hamburg.) – Hoefer, 880.
 
26. Was vber ja vnd nein, das ist vom vbel. Petri, II, 611.
 
27. Wenn das ja vnnd aber zugleich vffziehen, so ist nicht vil dahinder.Lehmann, 930, 41.
 
28. Wenn Ja und Aber beisammen stehen, ist nicht viel dahinter zu sehen.Körte, 3100; Lohrengel, I, 768.
 
29. Wenn sie sagt Ja, neigt er den Kopf.Parömiakon, 1478.
Abraham a Sancta Clara von Ehemännern, die ihren Frauen allen Willen thun. Von einem solchen sagt er auch: »Er tanzt, wie sie pfeift. Er liest, wie sie buchstabirt. Er malt, wie sie weisst. Wenn sie trinken will, schenkt er ein; wenn sie den Kopf schüttelt, so sagt er nein.«
 
30. Wer bald Ja sagt, sagt auch bald Nein.
 
31. Wer gut Ja sagt, wird gut fett.
 
32. Wer heut sagt Ja vnd morgen Nein, der kompt mit Niemand vberein.Petri, II, 718.
 
33. Wer zu allem ja sagt, der hat das Pulver nicht erfunden.
 
34. Zwesch'r jâ oan nä schtît d'r Golja.Peter, I, 447.
 
35. Zwischen Ja und Neh is der Galgen. (Oberlausitz.)
 
36. Zwischen Ja und Nein eines Weibes lässt sich keine Nadelspitze stecken.Eiselein, 634.
 
37. Ach ja, Herr Amtmann, ja.
Ist als Schlusswort einer Gellert'schen Fabel sprichwörtlich geworden, in der es auch seine Erklärung findet.
 
38. Bei ihm ist alles Ja und Nein, Ja im Versprechen und Nein im Halten.Einfälle, 216.
Von unzuverlässigen Leuten.
 
39. Bei Ja und Nein.Eiselein, 344.
 
40. Das Ja von einem erpauken.Eiselein, 344.
 
41. Dazu sag' ich weder Ja noch Nein.
Holl.: Ik wil er neen noch ja op zeggen. (Harrebomée, I, 348b.)
 
42. Der kann nit Ja sagen.Tendlau, 352.
Vom Unentschiedenen oder dem, der sich stets eine Hinterthür offen hält.
43. Entweder Ja oder Nein.
Wenn man auf einen kurzen, entschiedenen Entschluss dringt.
Frz.: Ou un beau oui, ou un beau non. (Kritzinger, 497b.)
 
44. Er sagt immer Ja, dass ihm 's Maul nicht krumm wird.Simrock, 12342.
 
45. Er sagt weder Ja noch Nein.
Es gibt eine ausweichende Antwort. Die Franzosen nennen eine solche zweideutige Antwort eine normandische, wie sie unter einer normandischen Aussöhnung eine geheuchelte verstehen. (Reinsberg V, 132.)
 
46. Es ist Ja und Amen.Herberger, I, 2, 175; Eiselein, 343.
 
47. Ja ja, nein nein.Eiselein, 344.
 
48. Ja oder nein will ich.Eiselein, 344.
 
49. Ja und Nein an Einem Spiesse braten.Parömiakon, 1657.
Er ist alle Augenblicke andern Sinnes. Was er heute verspricht, nimmt er morgen zurück, bald will er weiss, bald schwarz.
Dän.: Som siunger ja og amen til alting. (Prov. dan., 269.)
Frz.: Il a son dit et son dédit.
 
50. Ja und Nein sind lang, wenn er sie ausspricht.
Boileau sagte von einem faulen Menschen: »Diese beiden einsilbigen Wörter werden in seinem Munde zu Perioden.« (Einfälle, 59.)
 
51. Ja vnd Amen dazu sagen.Luther's Werke, VII, 111a.
 
52. Mein Ja ist so gut wie sein Nein.
Holl.: Mijn ja is zoo goed als zijn neen. (Harrebomée, I, 348b.)
 
53. O jo, sed Baum. (Meurs.) – Firmenich, I, 425, 322.
Um zu sagen: Es geht so nicht.
 
54. Wenn er Ja sagt, spricht sie nein, will er aus, so will sie ein; will er Bier, so will sie Wein; will er dies, so will sie das; singt er Alt, so brummt sie den Bass; greift er zum Prügel, so nimmt sie die Schlüssel; wirft er die Tiegel, so wirft sie die Schüssel.Simrock, 5161; Parömiakon, 2581.
Von Eheleuten ganz entgegengesetzter Denkungsart, die stets miteinander im Kampfe sind. Es ist dies auch in folgender Weise ausgeführt: Sagt er ja, so sagt sie nein; trinkt er Bier, so trinkt sie Wein; will er sauer, will sie süss; will er Mehl, so will sie Gries; schreit er hu, so schreit sie ha; ist er dort, so ist sie da; will er essen, will sie fasten; will er gehen, will sie rasten; sagt er Spatzen, ruft sie Finken; will er Wurst, so will sie Schinken; will er Suppe, will sie Brocken; will er Strümpfe, will sie Socken; will er dies, so will sie das; singt er Alt, so brummt sie Bass; steht er auf, setzt sie sich nieder; schlägt er gar, so schlägt sie wieder. Will er tritt, so will sie trott. 'S ist ein Leben, erbarm dich Gott. (Eiselein, 344.)
Jüd.-deutsch: Wenn er sagt jo, sagt sie loo. (Tendlau, 600.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
55. Dein Ja sei stets bedächtig, dein Nein ein Nein gerechtig, sei deines Worts gedächtig, von Mund und Grund einträchtig.Hertz, 64.
 
56. Ich will einst bei Ja und Nein guter Bückeburger sein.
 
57. Ja sagen und nein meinen.
Lat.: Nolens volens. (Binder II, 2119.)
 
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Jabruder
Er ist ein Jabruder.Frischbier, 354a; Hennig, 107.
Ein gedanken- und willenlos Beistimmender.
Holl.: Het is een jabroer. (Harrebomée, I, 348b.)
 
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Jacere
En jacet in Drecko, qui modo Reuter erat. Frischbier, 354.
In Linemann, Deliciae calendariograph. (Bg. Bb, 4) beim Jahre 1645.
 
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Jach
1. Wer zu gech ist zu vnzeiten, der soll eitel Esel reiten, die gehen gemach.Henisch, 944, 14.
 
2. Lass dir nit so gach sein.Franck, I, 50a.
Uebereile eine Sache nicht.
 
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Jachem
Jachem hat den Mantel um.Petters, 20.
 
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Jäckchen
Ea hod a rods Janggadl aun. (Steiermark.) – Firmenich, II, 6.
Er hat ein rothes Jäckchen an, d.h. er ist ein Denunciant.
 
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Jacke
1. Pua Modders wil niin ruad Knappe sii haa, an dat hi niinen fo küd. (Sylt.)
Paul Moders wollte keine rothe Jacke haben, weil er keine bekommen konnte.
 
2. Wea z'an Janggar geboren is, kimp za kuanen Rouk. (Steiermark.) – Firmenich, II, 764, 1.
Wer zur Jacke geboren ist, kommt zu keinem Rock.
 
3. Wer zur Jacke geboren ist, kommt zu keinem Rock und wenn er 's Tuch beim Schneider hat. (Eifel.)
 
4. Dat öss ên Jack, ên Pack.Frischbier2, 1777.
 
5. Dat öss Jack wie Hos'.Frischbier2, 1777.
Eins wie das andere.
 
6. Dat öss Jack wie Pigg.Frischbier2, 1777.
Pigge = Wams, Jacke.
 
7. Einem die Jacke ausklopfen.
Holl.: Iemand het jak afsehuijeren. (Harrebomée, I, 352a.)
Span.: Zurrar á uno la badana.
 
8. Einem die Jacke flicken.
»Vnd schelten vns vor Ebriacken, wie wol wir jn jetzt recht die jacken mit gottes wort gar weidlich sticken.« (Waldis, IV, 17, 22.) – »Die Walen schelten uns Deutsche als ›ebriacken‹, und doch haben wir ihnen die zerlöcherte jacke ihrer kirchenlehre mit Gottes Wort eben erst durch das Werk der Reformation gestickt.«
 
9. Einem etwas auf die Jacke geben.
 
10. Enem de Jacke utwaschen.Dähnert, 203b.
 
11. Enem de Jacke vull schellen.Dähnert, 203b.
Einen sehr heftig scholten.
 
12. Enem de Jacke vull slan.Dähnert, 203b.
Einen derb durchprügeln.
 
13. Er hat die Jacke voll und sieht den Bock für den Gärtner an. – Für Detmold: Firmenich, I, 360, 12.
Ist betrunken.
 
14. Er soll die Jacke voll haben.
Wenn u.s.w.. nämlich Prügel; Drohung.
Dän.: Holde ham en trøie. – Jeg skal være dig god nok. – Møde dig paa halv-vegen. (Prov. dan., 254.)
15. Es ist eine abgetragene Jacke.
Bekannte Sache, veraltete Geschichte, abgedroschene Rede u.s.w.
 
16. He hett sick de Jack begaten.Dähnert, 203b.
Er hat sich betrunken. (S. Ansehen 29 und Boden 38.)
 
17. He hett sick de Jack vull freten.Dähnert, 203b.
Er hat sehr viel, hat übermässig gegessen.
 
18. 'S ist Jacke wie Hose und Strumpf wie Niederschuh. (Schles.) – Lohrengel, II, 268; Reinsberg IV, 43.
Gleichviel, ein wie das andere. (S. Gurr 4.)
Frz.: C'est bonnet blanc et blanc bonnet. – C'est tout un. – C'est jus vert et vert jus. (Gaal, 1017; Reinsberg IV, 43.)
Ung.: Szür dolmán, vagy dolmán szür mind egy. (Gaal, 1017.)
 
19. 'S îs Jacke wi Plänte.Peter, 448.
Um zu sagen, dass mehrere Dinge oder Personen von einerlei Werth sind, hat man ausser der obigen in Oesterreichisch-Schlesien auch die Redensart: Der Kessel (s.d.) straft den Ofentopf. Ae Nischo gülts wî d'r and'rt 's îs hock m'r d' Hôse oan fleck m'r d' Meze.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
20. Wem die Jacke passt, der mag sie anziehen.
Wer glaubt, dass er getroffen sei, der beziehe die Rede auf sich.
 
21. Das ist eine alte Jacke.
Eine längst bekannte Geschichte.
 
22. Es geht noch einmal in der alten Jacke.
Die Sache hat sich noch einmal ermöglichen lassen.
 
Artikelverweis 
Jäckel
1. Jäckele von Stoine ka' lache und woine. (Ulm.)
 
2. Ueberall Jäckel und Aschenbrödel. (S. Hans 104.) – Eiselein, 280.
 
3. Wenn der Jäckel in Ofen muss, so schickt und bückt er sich.
Bezieht sich auf eine Historie vom Pfaffen von Kahlenberg.
 
Artikelverweis 
Jäckster
1. 'N Jäckster hüppelt, all wâr he geht. (S. Heckster.)Lyra, 23.
 
2. He wuol de Jäcksters up'n Neste fangen. Lyra, 24.
 
Artikelverweis 
Jactus
Jacta est alea, ich hab's gewagt.Simrock, 5164.
 
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Jaffa
He ligt in Jaffa. (Ostfries.) – Bueren, 551; Hauskalender, II.
Er ist bereits in Jaffa. Ohnmächtig, krank, todt. – Aus den Zeiten der Kreuzzüge, wo man in Jaffa landete und in der Regel starb, umkam. Wenn man nach dem Schicksal eines Kreuzzüglers fragte, hiess es: »Wo wird er sein? Er liegt in Jaffa.«
Holl.: Hij gaat naar Jaffa. – Hij is al (ligt) in Jaffa. (Harrebomée, I, 351.)