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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
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Artikelverweis I
1. Hei seggt I-jo, wie Stadtkämmerers Pudel tom Bäcker Jackel. (Schippenbeil.)
Jackel war (vgl. Frischbier 2, 1800) ein armer Bäcker in Schippenbeil und hatte oft kein Mehl zum Backen. An einem Sommermorgen stand er früh auf, trat in die Hausflur, kratzte sich hinter den Ohren und sagte: »Wêt öck, ob öck sull backen, awer nich.« Da erhob sich auf der Gasse Stadtkämmerers Pudel, kratzt sich ebenfalls das Ohr und heult: »I-jo.« Jackel, dies als Antwort auf seine Frage deutend, sagte: »Jo, wenn öck man Mehl hedd.« (S. Eigen 10 u. 11.)
 
2. Î, sä de besopen Bûer, da ehne Jürgen in de Hosen schetten harre, Arften getten un Linsen schetten. (Hildesheim.) – Hoefer, 119.
 
3. Auf ein lahmes I ausgehen.Eiselein, 341.
Eiselein bemerkt: nämlich auf das lateinische I, den Imperativ von ire, also: pack dich, scher dich fort. (S. Auslaufen 2.)
 
4. Da fehlt auch nicht das Pünktlein auf dem i. Eiselein, 341; Braun, I, 1608.
 
5. Dat is nich I un nich Fi.Eichwald, 886.
 
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Ich
1. Bist du nicht wie ich, so bin ich nicht wie du. Henisch, 1220, 19.
 
2. Das Ich und mich, das Mir und Mein regiert in aller Welt allein.Winckler, XIII, 79; Simrock, 5210; Körte, 3145; Braun, I, 1633; Petri, II, 64.
 
3. Dat bön ek, sed de Geck. (Meurs.) – Firmenich, I, 405, 320.
 
4. Ehr eck nich kôme, wert'r doch nix ut, sä de Deif, da se den Galgen buën. (Hildesheim.) – Hoefer, 216.
 
5. Erst ich und die Meinen, dann du und die Deinen.
It.: Fa bene a te e tuoi, e poi agli altri, se tu puoi. (Gaal, 1091.)
 
6. Erst komm' ich.
Als Hr. von Pochhammer, der Apostel der Irvingianer, am 12. Oct. 1856 seiner Gemeinde in Magdeburg das Abendmahl austheilte, spendete er dasselbe erst sich selbst und dann den Communicanten. (Vgl. National-Zeitung, Berlin 1856, Nr. 489, Beilage.)
Jüd.-deutsch: Wechipper báadoo. (Tendlau, 286.)
 
7. Erst komm' ich, dann mein Nachbar (Nächster).Reinsberg III, 41.
Die Polen: Zuerst mir, dann dir, ist's möglich. Die Holländer: Zuerst Ohm und dann Ohm's Kinder. Die Bergamasken: Sanct-Franciscus rasirte zuerst sich selbst und dann seine Jünger. Die Kroaten: Jeder streichelt sich seinen Bart. Die Sarden: Gott hat sich selbst zuerst den Bart wachsen lassen. (Reinsberg III, 41.)
Lat.: Optat vicino ut habeat, magis autem ollae. (Tappius, 87b; Erasm., 785.) – Primus sum egomet mihi. (Gaal, 1091.)
 
8. Erst komm' ich, sagte die Frau des Postillons, denn mein Mann geht (sitzt) vor Grafen und Fürsten.
 
9. Erst komm' ich und wieder ich und nochmals ich, und dann kommen die andern noch lange nicht.Simrock, 5213; Reinsberg III, 41.
Ein amerikanischer Pferdehändler im Westen hat neulich seine auf die obige Anschauung gegründete praktische Lebensphilosophie in folgende vier Satze zusammengedrängt, die, wie er behauptet, für das menschliche Bestehen vollständig hinreichend seien: a) Leihe nie einen Thaler, ausser du bekommst zwei dafür als Sicherheit; b) schlage es nie jemand ab, mit ihm zu trinken, denn es kostet dich nichts; c) fordere nie jemand auf, mit dir zu trinken, denn du musst dafür bezahlen und d) bekümmere dich nie um das, was passirt, so lange es nicht dir passirt. (Wächter am Erie, Cleveland 1868, Nr. 37.) Wenn die berechtigte Selbstliebe in herzlosen Egoismus ausartet, sagen die Neugriechen: Bin ich schuld, lasst meinen Namen bersten, ist aber er schuld, lasst ihn selbst bersten. Die Hebräer: Wenn das Wasser der Sündflut kommt, so lege deinen Sohn unter deine Füsse. Der letzte Spruch bezieht sich auf die moslemitische Sage, nach welcher die widerspenstigen Söhne Noah's, als ihnen das Wasser der Sündflut bis an den Mund stieg, ihre Kleinen, die sie zuerst väterlich liebevoll auf das Haupt gehoben, um sie zu retten, nun in dem Entsetzen vor dem eigenen Tode sich unter die Füsse legten, um einige Augenblicke höher zu stehen, als die verschlingenden Wogen. (Reinsberg III, 42.) Die Osmanen haben, um den Egoismus zu zeichnen, das Sprichwort: Ich sagen, ist ein Werk des Teufels. (Schlechta, 159.)
10. Hier kâm ik, säd' Kanter Wulf, dôr full he ût de Lûk. (Holst.) – Hoefer, 1146.
 
11. Ich und der Esel sind zusammen die Treppe heruntergefallen.Simrock, 5212.
 
12. Ich und du und Müllers Kuh.Simrock, 5212a.
 
13. Ich und du und Müllers Su und 's Herre Stier si üsere vier.Schild, 45, 18.
 
14. Ich und mein Herr haben den ganzen Boden voll Hafer, sagte der Junge, als er den Pferden Siede einschüttete.
Holl.: Ik en mijnheer hebben de zolders vol koorn liggen, zei de knecht, en hij was blij, als hij zijn weekgeld ontfing. (Harrebomée, I, 295.)
 
15. Ick und du un du un ick un Nabersjung, sünd dat nich mal vêl?Biernatzki, Volksbuch, 1844.
 
16. Iirst koam ick, seggt de Pujatz. (Strelitz.) – Firmenich, III, 71, 120.
 
17. Iirst koam ick un denn koam 'k noch eens, un denn koam 'k tum drüddenmoal. (Strelitz.) – Firmenich, III, 73, 115.
 
18. Jetzt komm' ich dran, sagt der Hanswurst. Hoefer, 1088b.
Er wirft sich bei seinem Auftreten in die Brust, um auszudrücken, er könne noch schönere und schwierigere Kunststücke machen als bisher geboten seien.
 
19. Ock on du sönd so got wie andre ihrer twei. Frischbier2, 1795.
 
20. Sein Ich, sein Mich, sein Mir, sein Mein den Menschen bringt in grosse Pein.
 
21. So wie ich bin, so ist mein Sinn.Frischbier2, 1794.
 
22. Wo bleib' ich, sagt der Kiebitz. (Köthen.)
 
23. Er kann noch nicht Ich sagen.
Das Selbstbewusstsein fehlt ihm noch. Was die Völker betrifft, so zählen nur diejenigen, welche es besitzen. Daher sagte einst Welcker: »Preisen wir die Völker, welche ›Ich‹ sagen lernten. Es ist mit den Völkern wie mit den einzelnen Menschen. Wenn sie einmal, aus der bewusstlosern Lebensstufe hoch über das Sachliche und Thierische sich erhebend, Ich sagen lernen, dann vergessen sie ihre Persönlichkeit nicht wieder. Hoffen wir, dass unsere deutsche Nation bald Ich sagen lerne.« (Sächsische Vaterlandsblätter, Leipzig 1846.) Seit 1866 ist sie auf dem Wege dazu. Die Engländer stellen ihr Ich voran und schreiben es gross; in Deutschland gibt es noch Leute, die es kaum zu sagen wagen, die es entweder ganz weglassen oder aus einer die gesunde Wortfolge verhöhnenden Höflichkeit in irgendeinen Winkel das Satzes drängen. L. Walesrode (Glossen und Randzeichnungen zu Texten aus unserer Zeit, Königsberg 1842) sagt: »Der niedrigste Engländer in dem Bewusstsein seiner Habeas-Corpus-Acte schreibt sein Ich mit einem ebenso grossen I wie ein deutscher König. Der deutsche Philister verschluckt lieber mit seiner Krämertimidität das Ich ganz und gar. Der geistesstarke Fichte wollte seine Nation zum Bewusstsein ihres Ichs erheben, aber er fand – Deutsche.« Nach L. Börne (Gesammelte Schriften, Hamburg 1840, IV, 52) war es Jean Paul, der es zuerst wagte, das jedem Deutschen so grause Wort »Ich« auszusprechen.
 
24. Sein Ich ist die Hauptsache.
Holl.: Hij draagt veel zorg voor zijn lieve ik. – Hij heeft veel met zijn' eigen' tabernakel op. (Harrebomée, I, 361a.)
 
25. Sie sind beide Ein Ich.Eiselein, 341.
 
26. Und Ich, sagte der Narr.Hoefer, 785; Simrock, 5211.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
27. Sein liebes Ich soll immer oben schwimmen. Klix, 31.
 
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Ichauf
Zuem Ichauf brucht me hundert Auge. (Schweiz.)
 
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Ichts
Ichts (s. Etwas).
 
1. Besser ichts1 als nichts.Simrock, 7539; Petri, II, 37.
1) Icht = veraltet, unbestimmtes Fürwort, altdeutsch iht, abgekürzt et; daher ichtwas = etwas; ichtwan = etwan, für etwas, etwa, irgend. (Vgl. Heyse, Handwörterbuch.) – »So ist's doch besser haben ichts, denn gieng ich ler, het alles nichts.« (Waldis, II, 73, 27.)
 
2. Besser ichts, denn nichts, sagte der Teufel, und ass die Buttermilch mit der Heugabel. Hoefer, 1037; Simrock, 7545.
 
3. Besser ichts, denn nichts, sagte der Wolf, als er nach einem Schafe schnappte und dafür eine Mücke ertappte.Hoefer, 1166a; Latendorf II, 10.
 
4. Besser ichts, denn nichts, sagte der Wolf und verschluckte eine Fliege (Schnake, Mücke).Simrock, 7542.
 
5. Besser ichts denn nichts, sagte die Frau und ruderte mit der Nadel.Hoefer, 304; Simrock, 7543.
 
6. Es ist besser ichts denn nichts.Luther's Ms., S. 4.
 
7. Es ist besser ichts denn nichts, sagte die Mücke und pisste in den Rhein.Simrock, 7544.
 
8. Wo ichts, da ist Ein Teufel, wo nichts, sind zwei.
 
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Ichtsen
1. Besser Ischten als Nischten. (Niederlausitz.)
 
2. Es ist doch ischten1. (Niederlausitz.)
1) Doch ein kleiner Nutzen und besser als nichts.
 
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Idee
1. Das ist eine knille1 Idee. (Breslau.)
1) Knill = betrunken.
 
2. Er hat nicht die blasse Idee davon.Jer. Gotthelf, Jakob, II, 246.
 
3. Es ist eine fixe Idee (von ihm).
Eine irrige, unbegründete Ansicht, die (krankhaft) festgehalten wird. »Wie arme Teufel immer ängstlich ihre paar Groschen überzählen, so sind auch beschränkte Köpfe ganz besonders zu fixen Ideen geneigt.« (Welt und Zeit, V, 264, 487.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
4. Ich habe eine capitale Idee, sagte der Hauswirth, ich will die Miethe erhöhen.
 
5. I, keine Idee.Klix, 31.
 
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Iffland
Iffland und Henke, London und Zwenke.
Iffland gab einmal eine Reihe von Gastspielen in Leipzig zur Zeit, als die königlich sächsische Hofschauspielergesellschaft unter Seconda's Direction dort war. Zu denen, welche das Talent Iffland's nicht in seiner Grösse anerkannten, gehörte der Schauspieler Henke, Mitglied der Hofschauspielergesellschaft und, nach der Versicherung seiner Zeitgenossen, nur von mittelmässiger Begabung. Er suchte denen, die von Iffland's Spiel begeistert waren, begreiflich zu machen, dass man für denselben nur deshalb so eingenommen sei, weil er in Berlin in einigen Rollen gefallen habe. »Glauben Sie mir«, sagte er, »ich dürfte nur ein paarmal in Berlin spielen, und ich würde überall ebenso viel Glück machen als Iffland.« Als man den derselben Gesellschaft angehörenden und ebenfalls anwesenden Schauspieler Thering, einen der beliebtesten Komiker seiner Zeit um sein Urtheil über Henke's Aeusserung bat, sprach er es in obiger Namenzusammenstellung aus, die damals bald von Mund zu Mund ging und sprichwörtlich wurde: »Henke verhält sich zu Iffland, wie Zwenkau (ein kleines Städtchen unweit von Leipzig mit etwa 300 Häusern und 2500 Einwohnern) zu London.« (Vgl. Braun, Bibliothek des Frohsinns, Bd. 3, Hft. 3.)
 
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Igel
1. Der Igel ist ein witzig Thier, ist für vnnd für wider sein feind gerüst.Lehmann, 213, 31.
 
2. Der Igel wird oft von einem kleinen Hunde gefasst.
Dän.: Ofte gribes vild basse af liden hund. (Prov. dan., 563.)
 
3. Der Ijel let sich nit zem Uorschwäsch brochen.Schuster, 1113.
 
4. Ein hungriger Igel fängt die meisten Mäuse.
 
5. Einen zornigen Igel fängt man nicht mit den Händen.
Port.: Nunca se matou ouriço cacheiro ás punhadas. (Bohn I, 287.)
 
6. Igel haben porsten (Stacheln).Lehmann, 895, 15.
 
7. Igel und böse Mäuler stechen von allen Seiten.
 
8. Je länger der Igel die Geburt verschiebt, desto stachliger kommt sie ihm an.
 
9. Man mag den Igel angreifen, wo man will, so sticht er.
10. Wenn man den Igel anrührt, so pörsselt er sich.Eiselein, 341; Simrock, 5233.
 
11. Wer den Igel streichelt, muss sich nicht über die Stiche beklagen.
 
12. Wer einen Igel fassen will, muss gute Handschuhe haben.
Böhm.: Jest vĕru vĕc tĕžká pĕstí zabiti ježka. (Čelakovský, 350.)
 
13. A hot schrecklich vîl Igel ze birschten. (Schles.) – Frommann, III, 416.
 
14. Aus einem Igel ein Stachelschwein machen.
 
15. Da liegt der Igel im Hag.
 
16. Da möcht' ich lieber ann Igel zum Oarwisch nahm'n. (Hirschberg.)
 
17. Einen Igel an jemand zu käwen finden.Luther's Tischr., 207.
Einen Widersacher an ihm finden.
 
18. Er hat einen Igel im Magen.Körte, 3182.
Der will immer schwimmen und stachelt, wenn's trocken ist.
 
19. Er hat Igel im Munde.
Ist stachelig.
 
20. Er hat immer Igel zu bürsten.
Hat es immer sehr eilig, thut sehr geschäftig.
 
21. Er ist wie ein Igel, er sticht, wo man ihn anrührt.
 
22. Wenn die Igel einander küssen.Eiselein, 342.
Lat.: Prius duo echini amicitiam ineant. (Eiselein, 342.)
 
23. Wann de Igel eist in sîinen Loeke sittet, dann weark he sick met sînen Stacheln. (Büren.)
 
24. Zwei Igel werden eher Freundschaft machen.
Und zwar noch, wie Suidas hinzufügt, Land- und Seeigel; von denen, die durch ihre Studien und ihren Charakter so weit auseinandergehen, dass man keine Hoffnung hegen darf, dass sie je ein engeres Freundschaftsverhältniss anknüpfen werden.
 
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Igeln
Es igelt ihn. (Schweiz.)
 
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Igelsbalg
Ueber einen Igelsbalg gehört eine Fuchshaut. Simrock, 5235; Körte, 3184; Braun, I, 1657.
 
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Igelshaut
1. Auss einer Igelshaut macht man kein Brusttuch.Lehmann, 540, 56; Sailer, 148; Eiselein, 341; Simrock, 5234; Körte, 3183; Reinsberg IV, 41; Braun, I, 1656.
»Oft gehen Anschläg fort, als wenn man aus Käsen Kälber brütet, oder auss Igelshäuten will Brusttücher machen.« (Lehmann, 32, 8.)
 
2. Es wäre mir lieber eine Igelshaut, denn im Bett eine widrige Braut.