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Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm WanderLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Ebbe bis Ebrach (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis Ebbe
1. Auf Ebbe folgt Flut.
Holl.: Na de ebbe komt de vloed en de vrienden met het goed. (Harrebomée, I, 169; Bohn I, 334.)
 
2. Aus mit der Ebbe, heim mit der Flut.Graf, 41, 128.
Von der Wehrpflicht der Bauern, die, um ihr Haus zu wahren, und, Reichsgebot ausgenommen, nur so weit vom Hause wegziehen durften, dass sie mit demselben Sonnenschein, unter dem sie wegzogen, auch wieder heimkamen. Fort mit der Ebbe, heim mit der Flut.
 
3. Ebbe oder Flut, wer sich nicht rührt, bekommt kein Gut.
Holl.: 'T mag vloed zijn of ebben, die niet waagt, zal niet hebben. (Harrebomée, II, 392.)
 
4. Ebbe und Flut warten auf niemand.
 
5. Man mag der Ebbe eher trauen als der Flut.
 
6. Was die Ebbe nimmt, bringt die Flut zurück.
Alles schon dagewesen.
 
7. Er lässt Ebbe und Flut verlaufen.
Die günstige Gelegenheit unbenutzt vorübergehen.
 
8. Er weiss Ebbe und Flut wol zu benutzen.
Gute Ueberschläge zu machen und schlau auszuführen.
 
9. Es geht wie Ebb' und Flut.
Holl.: Het komt als ebbe en vloed. (Harrebomée, I, 169.)
 
10. Seine Ebbe und Flut ist verlaufen.
Sein Leben, Vermögen u.s.w. geht zu Ende.
Holl.: Het ebt bij hem. – Hij is aan het ebben. (Harrebomée, I, 169.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
11. Hei geit mit Ebb' un Flôt.Schütze, I, 282.
Er geht ohne bestimmtes Ziel.
 
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Eben (Adj.)
Eben (Adj.).
 
1. Allzu eben hat weder Leck noch Schmeck.
 
2. Eben und gerecht, das ist des Reiches Recht. Graf, 17, 211.
 
3. Eben zu masse, das hat ein gelasse.Henisch, 784.
 
4. Wo es eben geht, da ist gut Fuhrmann sein. Simrock, 1906; Steiger, 103; Kirchhofer, 214.
Lat.: In tranquillo gubernator quilibet esse potest. (Binder II, 1476; Eiselein, 215.)
 
5. Eben wie ein Teller. (Nürtingen.)
 
6. Es ist eben, wie der Weg nach Rom.Simrock, 8498.
 
7. Es ist mir eben, als wenn's in Rom donnert.
D.i. sehr gleichgültig.
 
8. Es ist so eben wie der Weg nach Dornstedt.
 
9. So eben wie der Weg über den Sanct-Gotthard.Simrock, 1753; Eiselein, 130.
 
10. So eben wie der Weg über die Berge.Eiselein, 130.
Alle diese Redensarten tragen das Gepräge der Ironie. Wenn die Engländer ausdrücken wollen, dass etwas einfach, klar und offen daliege, so sagen sie: Eben wie die Strasse nach Dunstable. (Reinsberg V, 119.)
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
11. Alto äben, half un äben. (Seehausen.) – Firmenich, III, 122, 7.
 
12. 'S isch so äbe wie nen-alte Bärntatze. (Solothurn.) – Schild, 80, 251.
 
13. 'S isch so äbe wie-n-e Topf. (Solothurn.) – Schild, 80, 258.
 
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Eben (Subst.)
Eben (Subst.).
 
Der Eben und der Uneben händ mit enand es Brod g'esse. (Luzern.) – Kirchhofer, 353.
 
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Ebenbürtig
Wer nicht ebenbürtig ist, der mag kein Erbe nehmen.Graf, 210, 182; Sachsenspiegel (Berlin 1827), I, 17.
Die wichtigsten Bedingungen der Erbfähigkeit sind Freiheit und Ebenbürtigkeit. Nur der Ebenbürtige geht zum Erbe. (S. Echter.)
 
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Ebene
1. Die Ebene kann wol einen See gebären, aber keinen Fluss.
 
2. Die Ebenen rechnen sich eher zu den Bergen als die Hügel. (Russ.)
 
3. Es sind die Ebenen, welche die Berge tragen. Altmann V.
 
4. In der Ebene gilt (dünkt sich) der Maulwurfshaufen für einen Berg.
In Abyssinien sagt man: In der Ebene gilt jeder Berg für einen Namera.
Holl.: Op een vlak land noemt men een' kleinen heuvel al een grooten berg. (Harrebomée, I, 48.)
 
5. In der Ebene sehnt man sich nach den Bergen und auf den Bergen lobt man die Ebene.
 
6. Wer auf der Ebene bleibt, fällt nicht tief. Kirchhofer, 143; Steiger, 20.
 
7. Wer auf der Ebene fällt, steht leicht wieder auf.
 
8. Wer auf der Ebene stolpert, wie soll's dem auf den Bergen gehen.
 
9. Eine Ebene hat Augen und ein Strauch hat Ohren.Lausitzer Magazin, 30, 252.
Im Freien kann man bemerkt werden, und hinter dem Strauch behorcht.
 
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Ebenmass
Ebenmat is tau allen Dingen gaut. (Hannover.) – Schambach, 82.
Lat.: Ne quid nimis.
 
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Ebenso viel
Dat is even so veel as kumm her un do'tnog mol un schêt mi wat. (Hamburg.)
Von vergeblichem, nichts wirkendem Thun oder schlechter, unbrauchbarer Arbeit.
 
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Ebenteuer
1. Ebentewr bringts vortheil.Petri, II, 158.
 
2. Ebentewr ist selten allein.Petri, II, 158.
 
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Eber
1. Wenn dem Eber der Hauer nur etwas länger wächst, hält er sich gleich für einen Elefanten.Altmann V.
 
2. Wenn der Eber den Elefanten gesehen hat, preiset er den eigenen Rüssel. (Abyssinien.) – Altmann II.
 
3. Wer vorm Eber flieht, eh' er verfolgt, reizt ihn.
 
4. Wer wie ein Eber prahlt, der soll auch einen Hauer haben.
 
5. Er vertreibt den Eber, wie die Ellikaner.
Ellikan ist ein Dorf im Canton Zürich, dessen Bewohner den Spitznamen Schweine führen, was daher kommen soll, dass sie einmal einen Eber, der in ihren Feldmarken gehaust, auf eine sehr sinnige Weise vertrieben. Sie hatten erfahren, dass diese Thiere gern Eier frässen, und beschlossen zu versuchen, ob er damit zu fangen sei. Man war nur noch darüber in Zweifel, wie die Sache auszuführen sei, ohne das Getreide noch mehr zu zertreten, als bereits durch den Eber geschehen war. Endlich kam ihnen ein kluger Gedanke. Ein Mann musste sich in einen Korb setzen, vier andere trugen ihn an Stangen durch das Getreide. Bei jedem Schritte warf er ein Ei aus. Der Eber wurde wirklich vertrieben, ohne dass der im Korbe sitzende Mann das Getreide zertreten hatte.
 

 

[Zusätze und Ergänzungen]
6. Wer einen Eber jagen (tödten) will, muss erst einen muthigen Hund gefunden haben.
 
7. Wer einen fetten Eber tödten will, findet bald eine Ursach.Reuterdahl, 114.
 
8. Der Aeber hat den Teiwel bedrijen.Schuster, 117.
Bezieht sich auf eine unbekannte Anekdote.
 
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Eberhard
Was Herzog Eberhard fing an, blieb, wie die Ceder, lange stahn.
Zum Lobe des am 11. December 1445 geborenen Herzog Eberhard von Würtemberg.
 
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Ebrach
In dem Kloster Ebrach liegt der Teufel und seine Mutter begraben.Pistor., IV, 12; Simrock, 1755; Zeiler's Reichs-Geographia, 699; L. Friess, Würtzburger Chronik.
Ebrach war ein Mönchskloster in Oberfranken. Nach den Historischen Nachrichten von dem Ursprung und Wachsthum der Stadt Nürnberg (S. 253) ist im Jahre 1451 »Hannss Teufel wohl betagt, der letzte seines geschlechts und stammes verstorben; und weilen man vorhero seine mutter, eine Schürstabin, in das closter Ebrach begraben, ist er auch dahin gelegt worden«, daraus das obige Sprichwort entstanden ist.