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zünden bis zunderig (Bd. 9, Sp. 867 bis 869)
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Artikelverweis  PfWB ElsWB LothWB zünden das einfache Verb ist der MA. an sich fremd, doch Merz-Merching, Trier-Stdt tsø·n.ən schw.: wie nhd.; de Blötz (Blitz) hot (nöt) gezöndt Trier-Stdt; auch sonst hier u. da aus dem Nhd. bekannt.

[Bd. 9, S. 868]


PfWB ent- zünden: mei Fönger hot sich entzöndt Trier; entzöndete Ogen han Gummb-Berghsn (sonst nicht bezeugt).

Zünd- die Zs. verraten trotz einiger übertr. Bed. nhd. Einfluss; –patrone, –schnur (s. jedoch unten) verstehen sich von selbst; dazu: Zünd-draht -dr:t Koch-Leienkaul m.: -schnur des Sprengmeisters im Steinbruch. Zünd-füttchen -føtχərə Aach-Steinfurth Pl.: eingemachtes Rübstiel (s. –hütchen 2e). Zünd-halm Saar, Siegld (veralt.) m.: eine primitive Art von Zündschnur, aus einem mit Schwarzpulver gefüllten Strohhalm bestehend. — Der Z. muss mindestens so lang sein, dass, wenn er mit dem untern Ende in die Mitte der Länge der Patrone reicht, sein oberes Ende noch 1 bis 2 Zoll aus dem Bohrloch hervorragt Siegld 1843 (aus einer Bergpolizeivorschrift). PfWB Zünd-hütchen (s. S.) n.:
1. Allg. nach dem Nhd. —
2. übertr. scherzh., verächtl.
a. Pl. Achatsteine, die man als Schmuck od. Talisman um den Hals trägt Birkf-Idar. —
b. Zylinderhut Daun-Jünkerath. RA.: Dem steht dat Z. wie er Sau 'n Saddel.
c. Dreschflegelhaupt Aach-Breinig. —
d. Huflattich, Tussilago farfara ebd. —
e. eingemachtes Rübstiel, Stielmus Dür, Rheydt, Berg, Düss-NKassel Stdt, Geld-Hinsbeck, Duisb, MülhRuhr, Rees-Ringenbg; he iss Z.ə alt nit geən Dür; vi hant din Meddag Z.ər geten Gummb, Allg.; öhr kommt ok alldag mit Z.ər Geld-Hinsbeck. —
f. persönl.
α. wilder, aufgeregter Mensch, Hitzkopf Daun-Gerolst. —
β. Neckn. der Oberschüler wegen ihrer Tellermützen Saarbr-Stdt (veralt.). Zünd-hütchens-gemüse -m:s Bo, MülhRh n.: dass. 2e. Zünd-korde -ktχər Gummb-Homburgisch n. Pl.: übertr. Stengelteile des Stielmuses nach dem Schneiden. Zünd-nadel (s. S.) f.:
1. eigentl. nach dem Nhd. —
2. Hermeskeiler Z. dicker eichener Grubenstock, in Trier-Hermeskeil gefertigt; auch derber Knüppel schlechthin Saar (Bergmspr.), Birkf, Trier-Stdt. Zünd-reiser -rę·i.zər Saarbg-Weiten Pl.: kleines Reisig zum Anzünden des Feuers. Zünd-schnur (s. S.) f.:
1. eigentl. nach dem Nhd. —
2. tsøŋk- Wachsfaden zum Anzünden der Kerzen in der Kirche MGladb-Rheind. Zünd-strick m.: Abzugsstrick an den alten Geschützen Trier 1824.

Zündel I in dieser Abl. u. den dazugehörigen Zs. gehen zwei Ablautformen nebeneinander her; auf mndl. tendelen ‘entzünden’, mhd. Lexer zinden ‘brennen, glühen’ weisen (die Zs. eingeschlossen) tendəl- Geilk-Brachelen, Kref (neben ti·ŋ.əl-); tentəl- MGladb, Geld; tintəl- Kemp-Dülken; auf mnd., ndl. tondel, mhd. Lexer zundel, Lexer zündel weisen tsundəl- Köln-Stdt; tsontəl- Düss-Stdt; tundəl, tondəl- Geilk-Birgden, Kemp-Stdt, NBerg; tontəl- Kemp; tøndəl- Elbf, Dinsl-Aldenr, Klev; tøntəl- Mörs-Orsoy, Klev, Rees-Stdt (vgl. auch Tüntel-); das Simpl. ist nur vereinz. bezeugt, u. zwar MGladb, Kemp, Geld m.:
1. Zunder aus angebranntem Leinen Kemp, Geld. —
2. Reibefläche der Zündholzschachtel MGladb.

Zündel-büchse Elbf (-boks), Geld (-bøs) f.: Büchse, Dose, worin man früher angebranntes Leinen aufbewahrte, das man dann mittels Feuerstein entzündete, zum Feuermachen; seit Aufkommen der Zündhölzer veralt. Zündel-dose (s. S.) Köln-Stdt,

[Bd. 9, S. 869]


Düss-Stdt, Geilk-Birgden Brachelen, MGladb, Kemp, Kref, Geld, Klev, NBerg f.: dass. Zündel-holz -holt Mörs-Xanten n.: vermoderndes, im Dunkeln leuchtendes Holz. Zündel-kiste -e- Elbf f.: -büchse. Zündel-pott -ǫ- Mörs-Orsoy, Klev, Rees-Stdt, Dinsl-Aldenr m.: dass.

Zündel II -ø- Saarbg-Wellen, Trier-Stdt; -i- Saarl-Berus m.: Brandglocke; et brennt, den Z. hot geleit Trier-Stdt.

PfWB ElsWB zündeln tsynd- Bo-Godesbg; tøndələn Nfrk schw.:
1. zünden Nfrk. —
2. mit Feuer spielen, von Kindern Bo-Godesbg.

Zünder I -y-, –i-, –ø-, –nd-, ·n.- m.: wie nhd., nach dem Nhd.

Zünder II = Geschlechtsteil des Stiers s. Zinner bei Zinnen.

PfWB ElsWB Zunder -un-, –on-, –ond-, –und- Rhfrk, Mosfrk, Rip vereinz. m.:
1.
a. wie nhd. Allg.; dat brennt, dat hat gebrannt wie Z. Nahe, Allg.; Wasch wie Z. leicht zerreissbare Wäsche Birkf-Idar. RA.: Do es Z. on Zeig (Zeug)! da ist Vermögen Saarbr-Sulzb. Met Zapp un Z. ganz und gar Lennep-Radevormwald. —
b. der an Bäumen wachsende Feuerschwamm (Polyporus fomentarius), aus dem einstens der Zunder hergestellt wurde Nahe, Hunsr, Saar. —
2. moderndes, im Finstern leuchtendes Holz Kreuzn-Seesb, Simm-Ellern.

Zunder-holz Nahe, Hunsr, Saar, Zell-Hirschf m.: Zunder 2. Zunder-krämer Hunsr (nach Rottmann) m.: mit Z. handelnder Hausierer. Zunder-lappen m.: nur übertr. verächtl.
1. persönl. ungeschickter Bergmann Ottw-Eppelborn. —
2. sachl. Zunge; rode Z. Gummb. PfWB Zunder-schwamm Saarbr-Sulzb m.: Zunder 1b.

PfWB zunderig -onəriχ, –u- Saarbr-Sulzb, Ottw-Eppelborn Adj.:
1. du Zonnericher! du Tölpel, du ungeschickter Bergmann! —
2. brüchig, morsch, vom Holz Ottw-Dirming.

 

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