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zu bis zu-ze (Bd. 9, Sp. 836 bis 842)
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Artikelverweis  PfWB ElsWB LothWB zu der Präposition liegen in unserem Geb. zwei ältere Formen zu Grunde, u. zwar in betonter Stellung (asächs. tô, mnd. tô, mndl., ndl. toe, ahd. zûo, zûa, mhd. Lexer zûo) u. in unbetonter Stellung te (asächs. ti, mnd. te, ahd. zi, za, mhd. Lexer ze); Lautung in betonter Stellung: Rhfrk tsū [Birkf-Idar tsou; Ottw-Gennw Illing ]; Mosfrk tso·u. [Saarl-Felsbg, Merz-Bachem Rimling, Saarbg-Greimerath Wellen tsø·y.; Merz-Merching sø·y.; Saarl-Saarwelling Wadgass, Trier-Mettnich Stdt, Bitb-Dudeld, Prüm-Büdesh tsū:, tsu; Trier-Heidenbg, Bitb-Betting, Prüm-Wetteld Steffeln, NDaun, Koch, May, Kobl tsō:, tso]; Westerw, Siegld tsō:, ebenso Rip [Aach tso·u.]; n. der Benr.-L. stets t-, u. zwar OBerg tū:; NBerg ta·u. [Remschd, Sol tū·o.; Wuppert-Kronenbg Kuchhsn tū·ə.]; Eup tō:; Selfk tū:; SNfrk tō: Grevbr, Rheydt; to·u. MGladb, Erk; tū(·.) Kref, Kemp; tūw, tū Klevld, Ess; in minder betonter Stellung tritt im Süd. Kürzung zu tsu, tso, im Nord. zu tu, to ein [häufig findet sich diese Form auch anstelle des unbetonten ze, te, u. zwar am gleichen Ort, am häufigsten jedoch in den Stadt-MA, bes. vor Subst. u. Adj.]; die unbetonte Präp. südl. der Benr.-L. in der Regel tsə, nördl. [Rhfrk u. häufig auch WMosfrk (bes. beim Infinitiv: sə mache, sə lafe usf.); im tə-Geb. tritt oft Erweichung zu ein: də vöəl zu viel, vör de kike um zu schauen]; häufig entfällt in bestimmten Wend. durch Synkope das unbetonte -ə, bes. vor Vokalen, aber auch sonst, etwa tsi·n.iχt »zuunterst«; tsəntj:n »(zu)entgegen«; tsmǫrjə, tsmidāx, ts:vənt, nfrk. tmęrjə, tvənt; tsrən »zu Herren«, d. h. »Pfarrhaus« (s. Herr 1 e); səsən-, tssəndepən »Zuessendüppen, –topf«; tys »zu Hause« (Mörs, Klev); wie im Nhd. verschmilzt die Präp. mit dem Artikel, allerdings, dem mdl. Gebrauch entsprechend, nur in bestimmten Wend. (ten Ovend, ter Lik, tum tweiden Mol, ter Hangk »zur Hand«, zom Deuvel, zum Dēl usf., s. u.):
I. in mehr oder weniger betonter Stellung.
1. Präp.; das volltonige Verhältniswort ist in der MA selten, meist treten dafür andere Wörter ein, etwa: komm bei mich komm zu mir; für (gen, wider, an, üvver) enem wat (jet) sage zu einem etwas sagen; trotzdem wird gerade in der letzten Anwendung häufig zu bezeugt (er hot zu mir gesot), allerdings eingestreut in Geb. mit sonst anderer Bildung, was auf Anlehnung an das Nhd. schliessen lässt; fest ist die Präp. zo sich kumme aus einer Ohnmacht, Betäubung erwachen Rip, Allg.; ek kann nit tu mek selwes kummen nicht aus der Verwirrung, Erregung herausfinden MülhRuhr, NBerg; losst en heiroden, dan werd hen schons zo sich kommen zur Einsicht Trier-Heidenbg; dat Häi kimmt zou sich das auf dem Speicher liegende Heu wird wieder feucht Bernk-Lieser; anders dä schwätzt vil vun sich wei zou sich Merz-Saarhölzb; et kömmt tu enem ut auf eins heraus Elbf; to der Tid zu der Zeit, damals Sol, uWupp; dazu noch to Tiden Sol, zöu Zeiden Merz, Verbr. (s. Zeit 5 c ν); to prevat zum Trotz Sol; dem kimmt kä wohr Wort zoər Maul eraus Kobl-Bendrf. —
2.
a. in adverb. Stellung; en enem tau fortwährend

[Bd. 9, S. 837]


Mettm-Haan, Allg.; dem geit de Bäbbel (Mund) an einem tu MülhRuhr; af un zo wie nhd., hin u. wieder Rip, Allg.; af un zo kütt e mich besöke ebd.; owieh noch ou on tuə! Ausr. der Verwunderung Wuppert-Kronenbg; ne mar tu! dass. Klev; dat häste noch op den Hop (Haufen) tu noch obendrein Nfrk. RA.: Dä det grad, als wüər ganz Stesse (Grevbr-Stessen) sing zo als gehört der Ort ganz ihm Grevbr. —
b. mit vorausgehendem Ortsadv.; ich kom van vürenzo, van hengenzo von vorn, von hinten uWupp; mat der Maul könnt kän em viererzo mit dem Munde kommt ihm keiner zuvor Bitb-Betting; no (b)ovve zo, no hinge zo, no unge zo Rip, Verbr.; fragend wonotu? wohin? Selfk (vgl. unten zu-ze). —
c. bei Aufforderungen.
α. vorausstehend: tuw, mar (an)! los, auf, fang an! geh zu! tu, mar gau! jetzt aber schnell! tu mar, drop los! los, drauf! tu, gew mej dat! gib es mir! tu, grip tu! auf, greif zu! tu, no goh fortens! los, gehe fort! Geld, Klev, Rees. —
β. nachgestellt: now mar es tu! nun mal zu! ebd. —
3. in der Stellung eines Adj.
a. präd. de Dür, dat Fenster es zo geschlossen (im Gegensatz zu op, open, los, s. d. W.) Rip, Allg.; ek ben tu beengt, ausser Atem Duisb; ech bön to aus dem Spiel ausgeschieden Grevbr-Hochneuk; he es tau van Fett sehr beleibt Lennep-Heidensteg; wenn et Wedder zo es, dann fängt die Winterarbeit an MülhRh-BGladb. —
b. attributiv u. flektiert, vgl. die Beisp.: en zuwener Huf ein geschlossener Hof Nahe; an der zouener Dir (Tür) Birkf-Idar; en zuəne D., en zuənes Schloss Saarbr; die zuə D., das zuə Fenschder Saarbr-Sulzb; en zoue D. Saarl-Roden; en zouene Wun geschlossener Wagen Bernk-Neumag, Bitb-Dudeld; en zu Finster ebd.; e zo Hof (s. o.) Prüm-Steffeln; am zoəne Finster Koch-Hambuch; en zone Diər Siegld; met zoəne Auge, am zoəne Finster Ahrw-Remag; met der zo Fus (Faust) schlon mit der geballten Faust Eusk-Bessenich (met der tu F. Mörs-Kapellen, tuəne Pelden); en zo Dör, Finster, ene zoə Wage, zo Wasser (gefrorenes W.) Köln-Stdt; de zoue Dör Aach-Stdt; de to D. Eup; en tou D. Erk-MGladb; de tu D. Kemp-Stdt; ne toue Wagel, en tou Düər Kemp-Amern-SAnton; wei betalen os möt tuə Täschen wir betreiben Tauschgeschäfte Kemp-SPeter; met tuwe Hand betalen auf Gegenrechnung Geld-Schravelen; dat tuə Fenster Mörs-Hombg; ene tuə Wagen Dinsl; en tuə Dür OBerg; en tuən Laden, tuə Düər, tuə Gaste (Sackgasse) Elbf; de zuə Dör Düss-Stdt; vör de tu Dör komme Ess, Allg. —
4. Subst. den Zo han der letzte beim Kartensp. sein Sieg-ODollend. —
5. in fester Verb. mit Zeitw.
a. etwas schliessend betätigen, wie zubinden, –däuen, –drücken, –halten, –machen, –schlagen usf.; s. die einzelnen Zeitw. —
b. hinzu, herzu; die Duf (Taube) es mir zogefloge, die Katz es mer zogelofe Rip, Allg. (s. die Verben). —
c. hinzufügen; jet zodun, zogevve, zolege usf. (s. die Verben). —
d. bei sinnl. Tätigkeit (in Richtung auf ...), etwa zohüre, zokicke, zulure usf. (s. die Verben). —
e. in einem fort, ohne Unterlass; zofahre, –lofe, –gonn, –renne usf. (s. die Verben). —
f. in anderen Bed. wie zolosse gestatten, zogevve gestehen,

[Bd. 9, S. 838]


zorode zuraten, zoredde zureden usf. (wie nhd.) s. die Grundverben. —
II. in unbetonter od. schwachtoniger Stellung.
1. beim Inf.
a.
α. wie nhd.; mer han luter (immer) jet ze eisse gehat, och en de schlechte Zidde; do kreg ich jet ze hüre; du bruchs doch net emmer ze schänge (schimpfen); hür es, wat mer ze sage han; mer han de Garde ömzegrave, — de Wäsch opzehange, — dat Brett nozemesse, — de Dür zozemache usf. Rip, Allg.; mer han es ze baschte zum Bersten, wir haben davon übergenug Rip, Mosfrk, Nfrk (s. bei barsten). —
β. bei Substantivierung des Inf. wächst ze häufig mit diesem zusammen, etwa et Zeässe das Essen Rip; die gönne sech et Defrete net Geilk-Immend; reck (reiche) mer ens flöck (rasch) et Zeschmirre den Brotaufstrich Bergh-Hüchelhv; et Zesaufe, –suffe das flüssige Viehfutter May, Rip; et Zestauche der Hausbrand Bergh, et Zekauche die zu kochenden Lebensmittel ebd.; in Wirklichkeit handelt es sich hier um das abgeschliffene Gerundivum (das zu Essende, das zu Kochende usf.); beachte die Zs. et Z(ə)ässensdeppen das Essgeschirr WMosfr; anders aber de Zəbingemann (Topf-, Geschirrflicker) Köln-Stdt (veralt.); er zog von Haus zu Haus u. fragte: »Hadd er nix ze binge?«. —
γ. in fester Verb. zedogen ordentl., tüchtig (s. bei taugen); makt et te dögend! macht es ordentl. Mörs-Xanten; zedogen Altk-Birken; auch flektiert he hadde sech en Zedogenen drüwer geschott einen gehörigen Trunk genehmigt; jet Zedogenes etwas Ordentliches ebd. —
b. bei bestimmten Verben (Hilfsverben) steht in der MA im Gegensatz zum Nhd. der Inf. mit zu, bes. bei kommen, stehen, sitzen, dürfen uWupp, Berg, Klevld; he kom lans den Bösch (Wald) ze gohn Wippf-Engeld; he koəm ze Wage ze fahre uWupp; de Vogel koəm ze flege ebd.; dor kom ek an een van die Hüskes te gohn Mörs-Rheinbg; stohn te quateren stehen u. schwätzen Dinsl-Aldenr; hei satt in sine Setel hen en herterutse er sass u. rutschte hin u. her Nfrk; sitte te wachte (warten), sitte te lese Emmerich; dörf ek ow desen hier antebije anbieten? Geld; dat dörft gej nit te sägge (sagen) ebd.; nou dörf nimmes mehr te prote niemand mehr sprechen Klev. —
c. mit Artikel verbunden, wie nhd., hier jedoch meist tsom, tsum, aber auch ts'm; et es zom Kapottgohn! nicht zum Aushalten Rip, Allg.; dat is zum Fortlafe! Simm, Allg.; et es tum Schreien, et es tum Böm-ropklimmen! Gummb, Allg. —
2. bei Adj. u. Adv.
a. bei Adj.
α. steigernd (wie nhd.); zu viel, zu wenig, zu klein, zu gross, zu böse usf. Allg.; ze vil es ze vil Allg.; de is me noch te klein Sol, Allg.; en der Stuf es et mir ze wärm Rip, Allg.; dat es mer vill ze gelihrt zu gelehrt, zu hoch Rip, Allg.; se koəm te lat zu spät Grevbr-Wickrath, Nfrk; dat es enen Zemöd (zu müde) ein Faulenzer Neuw-Unkel. RA.: De hät er enen ze vill (em Kopp) ist nicht gescheit Rip, Allg.; der hat e Rädche ze viel odder ze wenig Saarl, Verbr.; he hät enen ze vill (op) ist bezecht Rip, Allg.; e hat enen te wenig ist nicht gescheit Sol, Allg., — e klane ze viele Trier-NFell, — e bissche ze v. von dem Guts Merz-Bergen. Ze viel zerreisst den Sack Saarbr-Sulzb, Köln-Stdt. Ze viel scharf schneidt net, ze v.

[Bd. 9, S. 839]


spatz (spitz) sticht net Trier-Mehring. Te völ verdirft et Spöl (Spiel) Mörs-Xanten. E bitschen de lat (spät) ös döcks (oft) vüəl de lat SNfrk. —
β. in andersartigen Verb.: jet ze got don Beihilfe leisten Sieg-ODollend; die Arbeit ze guts, ze gutsig dun ordentl., wie es sich gehört Prüm; he mächt neist ze guts Bitb-Rittersd; mer hadden noch net ze guts ze Mettig (Mittag) geəss waren noch nicht fertig mit dem Mittagessen Bitb-Ehlenz; sich jet ze got don wie nhd. Rip, Allg.; do dät ech mer öəntlich jet op mech selfs ze got da gefiel ich mir selber ausnahmsweise sehr gut Sieg-Ägid; eich hon noch ebbes ze gut noch etwas zu bekommen Trier, Allg.; temenste zumindest, wenigstens; gesond es hei temenste geblewe Emmerich; hej had se t. noch nie gesiehn Nfrk; sech de stif freəte sich rund herum satt essen Heinsb-Rurkempen. — Zuerst, zuletzt, zusammen, zugleich u. a. s. bei den Grundwörtern. —
b. bei Ortsadv.; ze innigt, ze evverscht zu unterst, zu oberst Wittl, Allg.; ze matsen mitten; sich ze m. an (in) de Drek setzen Saarbg-Wincheringen, WMosfrk. — Hei on zədo hier u. da, dann u. wann Prüm-Ihren. —
3.
a. mit Subst. in enger u. loser Verb. (man vgl. auch die bezogenen Subst.); Angabe der Tageszeit: haut ze Morge, ze Mettig, z(ə) Ovend heute morgen usw. Merz-Mondrf; e Sonndag ten Ovend vergangenen Sonntagabend Nfrk; mor ze Ovend morgen abend Westerw, Verbr.; mor ze Morge morgen früh, üvvermor ze M. übermorgen früh Jül; ze Noət nachts Merz; Z'owend n. Vesperbrot, Z'owend essen Saarl; auch dat (us »unser«) Z'owendessen ebd., Saarbr; ebenso Z'meddag, Z'nacht essen u. Z'meddag-, Z'nachtessen Verbr. — Berg; de Hor hon sich em ze (zu) Berg gericht (gestellt) Bitb-Dudeld, Allg.; te (tu) Bargen stohn Dinsl-Adenr, Allg. — Bock; ech were (werde) met dir ze B. fahre ich nehme es mit dir auf NEif. — Butz (= Bitz, s. d.); alles ze B. opässen ganz u. gar aufessen WEif. — Dal; ze (zu) Dal gänzl., ganz u. gar Nahe, Hunsr (s. total); nieder Ruhr; ek hau dich (för) de Dal ich schlage dich nieder MülhRuhr. — Dälle; ter Däll darnieder Gummb. — Deih (s. bei deihen); zedę·j., –de·j. tüchtig, gediehen Aach-Stdt. — Erde; zer Eəde, tsərēəts (unten) im Erdgeschoss ebd. — Erdbeere, Waldbeere; moər γönt ver te Erbele, te Worbele morgen gehen wir Erdbeeren, Heidelbeeren suchen Eup. — Feld; he hät e Perd ze Feil gohn er hat so viel Land, dass er ein Pferd halten kann Sieg-Seelschd; ze F. gohn Feldarbeit tun; ebenso ze Böüsch gohn im Walde arbeiten Sieg-ODollend. — Feuer; en moje (schönen) Pott te Für maken sich eine nette Suppe einbrocken Nfrk. — Funke; ebbes as ze (zu) Funken aus ganz erloschen Bitb-Rittersd; die Sach as z. F. aus ist wirkl. abgemacht Wittl-Binsf. — Fuss (s. d. W.); tsə, tə, də F. (auch tso, to); ze F. gohn, — lofe Rip, Allg. RA.: Dat kött ze Peərd on geht ze F. fort die Krankheit kommt rasch, aber heilt langsam Sieg-ODollend. — Gang; ze G. sen; se send schun z. G. sie haben (mit der Arbeit) bereits begonnen Prüm-Ihren, Eif, Rip, Berg; te Gäng Dinsl; (e Spel) te G. maken in Gang bringen NBerg; do makt he sech ne gruten Haupen te G. van allerlei

[Bd. 9, S. 840]


Hoffnung Mettm-Haan; no ner korten Tid es do en Spitakel (Spektakel, Lärm) te G. ebd. — Garten; he däd et tem Gaden (also mit Artikel) heren er ging in den G. Sol, Mettm. — Grab; te (to) Grave brengen beerdigen Geld-Kevelaer. — Grund; de geht ze (zo) Grong macht Bankerott Jül-Langw, auch sonst nach dem Nhd. bekannt. — Hand; ter Hangk gohn wie nhd., helfen Kref, Verbr. — Haufe; te Hop pocke zusammenpacken SNfrk. Ze Hauf, z. H., de Koster (Küster) wiəd verkauf fər ene Botzeknauf (Hosenknopf) Schleid-Blankenheimerd. — Haus (s. d. W.); ze H., te H. Allg. bis SNfrk [doch meist dafür daheim (s. bei Heim, Bd. III, 444)]; tys (< tə hys) NGeld, NMörs, Klev; sech te H. sette einen eigenen Haushalt beginnen Heinsb-Lümb. — heim; ze h., te h., to h. für daheim; Verbr. s. Bd. III, 444. — Herr; ts:rən (< zə Herren) Pfarrhaus (s. Herr 1 e). — Herz; sich eine Menge Schnitten ze (zöü) Herzen schlon verzehren Saarbg-Greimerath; he het et sech rech te Hatte genomen zu Herzen genommen Mülh-Ruhr, Verbr. — Hof; ze Hoff gohn zum Abort gehn rip. Sol. — Jahr; tsə j:r voriges Jahr, vor einem J. NSaarbg, Trier (n. Mos), Daun, Bitb, Prüm, Malm, Schleid, Aach-Stdt; tsər jərnt Siegld; te jrən Gummb; ter j. Sol. RA.: Dat es der Aue (Alte) va Zejohr das sind alte Geschichten Aach-Stdt. Dazu fīər-, fȳər-, –fōărtsəjr, –j:r vor zwei Jahren, ehemals NSaarbg, Trier (n. Mos), Bitb, Prüm, Malm, WSchleid, Siegld. — Kauf; te Kop habbe feilhaben Mörs, Klev. — Kehr; te Kiəhr gonn sich von einer Sache abwenden Düss-Ld. — Kirche; te Kerke goəhn zur K. gehen, bes. von der Wöchnerin zur kirchl. Einsegnung Kref, Kemp, Geld. RA.: Wer schuən geht werken, geht schläət de Kerken ist nicht sparsam SNfrk, Klevld. — Kerl; sich ze Käəl lofe mit geschäftigem Getue hin- u. herlaufen; eigentl. sich leid laufen Eusk-Zülp (s. Kerl 1 b, Schluss). — Kirmes; ze K. gohn Rip. RA.: De löf wie e Hongk (Hund), de ze K. geht er ist freudig, aufgeräumt Dür-Winden. — Kopf; et treckt (zieht) mi te (to) K. der Alkohol Mettm; du trecks dech alles to K. nimmst alles zu ernst Mettm-Neviges, SNfrk; dat kas du dir ze K. nemme hinter die Ohren schreiben Sol-Leichl. — Krieg; do sollste te Kr. goəhn Ausr. der Verwunderung, der Entrüstung Erk-Rath. — Kur; de Kuər goəhn losschlagen, –legen Kemp, Mörs, Geld, Klev; wat hät dat de K. gegonge! war das ein Unwetter! Wat he te K. geht! was er loslegt (mit Schelten usf.). — Lass; ze l·ə.s zur Miete; Vieh ze L. gen (geben) leihweise gegen Bezahlung ein Stück zur Nutzniessung übergeben Bitb-Rittersd, Prüm-Mürlenb. — Leben; zelewe nit, ze Lebdesdag u. ä. s. bei Zeitlebens, Zeit-lebenstag. — Leiche; zer Lich gohn zum Begräbnis gehen Monsch-Hammer; ter Lik g. SNfrk; der L. beə (beten) dass. Heinsb. — Leid; tsə l:ts zu Leide, absichtl.; weiler gehn ich z. L. nit jetzt gehe ich gerade nicht Saarl-Berus. — Mann, man; te ma·n. jeder Wuppert-Kronenbg. — Markt; ze Mat drönkt mer Kaffee Monsch-Simmerath. RA.: Dau mächs e Gesicht bi en Hond, der ze M. gaht ein dummes G. Kobl-Kettig. — Messe; te M. gohne

[Bd. 9, S. 841]


zum ersten Male zur M. gehen, von der Wöchnerin Eup. — Mut; wie is et dir ze Mot? Rip, Allg. RA.: De fette Ferke wesse nit, we de magere ze M. es Köln, Bergh. — Ohr; enem so lang ten Ohren goəhn, bes dat hei et düt einem so lange zureden, bis er willig wird Geld-Nieukerk. — Pfand; ze Pang lofe (in der Not) eilig irgendwohin laufen Schleid-Hellenth. — Pferd; ze Peərd wie nhd. Rip, Nfrk; s. o. bei »zu Fuss«. — Platz; tsə plā:ts; de löf (ärbet) sech noch z. Pl. läuft (arbeitet) sich noch zu Tode Bergh-Glessen. — Pott; jet ze Pott röste etwas zurechtmachen Sieg-ODollend; et brennt di nicks te Potte keine Angst, du bekommst noch etwas mit, du kommst noch rechtzeitig Lennep. — Quist; ze Ques goəh verderben, verlorengehen Aach-Stdt (s. Quist IV). — Schande; ze Schanne gihn verderben, verlorengehen; z. Schanne mache Goar-Weiler, Allg. (s. bei Schande). — Schlag; de kann net reit (recht) te Schlag komme kann keinen rechten Anfang finden, kommt bei der Arbeit nicht zu Rande MGladb. Rheind. — Schulter; de dret ze bedse Schollern trägt auf beiden Sch., sucht allen gerecht zu werden Sieg-Ägid. — Sinn; de makt mi dat (nich) te Sinns (nicht) nach meinem S.; du häs dek nich te Sinns ömgesiəhn nicht gehörig umgesehen Gummb. — Streich; net ze (zu) Streəch kommen nicht zu Rande k. Bitb-Rittersd. — Stuhl; de kann nit ze (zo) Stohl kumme eigentl. er hat schweren Stuhlgang, dann er kann nicht zu Rande kommen mit einer Sache Köln-Stdt. — Tag; hützedag heutzutage wie nhd. SNfrk, Allg. — Tat; tsədā:t Aach-Stdt; et (das Mädchen) es got z. häusl., züchtig. — Tauge; tər (dər) douχ ausgezeichnet, sehr gut Mörs. — Uchte (s. d. W.); zer Uten gohn zu einem Plauderstündchen in die Nachbarschaft gehen Prüm, Malm. — Weg; neus ze Weg kreie nichts zuwege bringen, zustande br. Ahrw-Remag, Allg. — Wehr; ze W. lofe (in der Not) eilig wohin laufen Schleid-Hellenth. — Weile; tsəwęilən Merz-Merching; tswī:lə Monsch; tŏwi·l.ən Sol (auch sonst verbr.) zuweilen, manchmal. — Zeit; zer Zit jetzt; rechtzeitig Aach, Allg.; tətī:dən zuzeiten NBerg. — Zug; ze Zog sen im Gange sein Rip. — S. weiter bei Mal III, Pass IV, nicht II, Recht, Rücken, Teil. —
b. tsə bei Ortsnamen für nhd. in; ze Kölle (Köln), ze Letfe (Litfeld, Siegld), ze Weiler (Goar), ze Asbich (Neuw-Asb) usf. Allg.; ek bön te Örschau (Mörs-Orsoy) t'hüs.
4. mit nachgestellter Präp.: tsə(n)χ:n, tsəntj:n, tsomg usf. s. bei gegen (zu-ent-gegen). Zunach; meist in der Verbr. vür on zenoh (tsən:) vor u. nach, nach u. nach Kobl, Koch, Westerw, Sieg, Ahrw-Remag, Bo, Köln, MülhRh, Bergh, Malm; tənr später Geld. Zuvor (s. S.) Allg.; tsəfīrənst vorhin WMosfrk; zevir un zenoh vor u. nach Bitb.Zuwider; tsə- (s. S.) wie nhd. Allg.; auch als Adj. dat es ene z.ə Mensch Rip; als Subst. tswudər, –a- Merz, Zell-Merl; tswidər Trier-Fell; tsūwīər MGladb-Rheind Querkopf, unsympathischer Mensch; du fläddige (fiese) Zewiər Aach-Stdt, MGladb-Rheind; da's ne Mallichzowidder er wird von allen gemieden, verabscheut Köln-Stdt; zwadderig Adj. eigensinnig, widerspenstig

[Bd. 9, S. 842]


Merz-Saarhölzb. — Zs. Zuwider-bürste tswadərbit widerspenstiges Haar; widersp. Mensch Merz-Saarhölzb; Zuwider-essen sich an etwas leid essen Bergh-Elsd, Aach, Eup, Düss. Zuwider-fressen dass. Aach-Stdt. Zuwider-kopf tswadərkōp Kind, das verwirrtes Haar hat Saarbg-Wellen. S. weiter bei Zwadder usf.

Zu-, zu- (betont) in Zs. (hier sind nur diejenigen Zs. aufgenommen, die bei den Grundwörtern fehlen od. wo die Angaben unvollständig sind; der Abschnitt gilt also als Nachtrag): zu-benannt Merz-Merching Part.: wie nhd.; ech sein Fischer z. ich heisse F. zu-benümt Aach-Stdt Part.: dass.; dat wor der Kaiser Otto, der Dreide zoubenöümpt. Zu-brot n.: s. Bd. I bei Zu-brot; ausserdem noch in Goar-Weiler, Sieg-ODollend. Zu-garten (s. S.) uWupp m.: eingezäunter G. Zu-gebütte -gəbīt Trier-Fell n.: runde Bütte unter der Kelter. Zu-gehängs -he·ŋ.ks Koch-Leienkaul Lutzerath n.: dicker Nebel. Zu-hauerbeil Saarbr-Überhf n.: grosse Axt. zu-kommens tō:koməs Sol; tsō:kumənst uWupp Adv.: zukünftig. zu-kuschen Wittl schw.: sich z., sich gut zudecken, einmummeln. zu-kutscheln Westerw schw.: sich z., dass. zu-kutschen Zell-Briedel, Kobl schw.: sich z., dass. Zu-lach (s. Lach IV) Trier-Mehring n.: lange, dünne Stange, zur Einfriedigung eines Grundstückes verwandt. Zu-leiter -lē:dər Prüm-Willwerath m.: Hauptgraben bei der Wiesenbewässerung. Zu-maul -mul Klev f.: wortkarger Mensch. Zu-name m.:
1. s. Bd. VI. —
2. Schimpf-, Spott-, Spitzname Zell-Briedel, WEif, Eup; der häscht net Kader, dat as nummen su'n Z.ən Bitb-Dudeld. Zu-näs'chen tuwnęskə Geld-Schravelen n.: Fitislaubsänger. Zu-patsche -pat Bergh-Hüchelhv, Düss-Benr f.: Blutegel; ech han Z.ən en der Aptek gehollt. Zu-platz uWupp f. (m.): Pl. hinter dem Hause, von Gebäuden, Zäunen od. Mauern eingeschlossen. Zu-schläger -l:jə m.: schwerer Schmiedehammer Bo-Stdt; s. weiter Bd. VII. Zu-schuckel Erk-NKrüchten f.: gefährl., mit Gras überwachsene Stelle im Sumpf. Zu-seil -zēəl Bergmspr. Wurmrevier n.: zusätzliches Förderseil. zu-träglich -drēliχ Merz-Merching Adj.: wie nhd. zu-traulich -y- Merz-Merching; -o·u.- Köln-Stdt Adj.:
1. wie nhd. —
2. anschmiegsam, vom Kinde Köln-Stdt. zu-tunig -dū:niχ uWupp; tō:dō:niχ Sol Adj.: anhänglich, zutraulich, zu-tunlich -dē:n- Merz-Merching; -dō:n- Kobl-Stdt Adj.:
1. dass. —
2. zudringl. Kobl-Stdt. Zu-verlass -:- Trier-Mehring m.: ken Z. kein Verlass, keine Sicherheit. zu-verlässig, zu-verläss-lich Merz-Merching Adj.: wie nhd. Zu-versicht s. Bd. VIII, Sp. 116f. f.: dazu noch in Simm, Saarbr; Toversecht Barm in nhd. Bed. Du leve Z. nä! Ausr. der Bestürzung Neuw-Kurtschd. Zu-vertrauen Saarbr-Völkl n.: Vertrauen, Zuversicht. Zu-wagen uWupp m.: geschlossene Kutsche.

zu-ze die asächs. tôte, ahd. zuo za, mhd. zuoze, mndl., mnd. tôte, tot, ndl. tot entsprechende Zs. ist in der Form tut (s. auch Abschnitt 2) nur am snfrk. WRand u. Kemp-Stdt bezeugt:
1. Präp. zu, bis; tut gesteren; tut Morschelen haue zu Scherben; et tut nicks brenge zu nichts; he koum weijer (wieder)

[Bd. 9, S. 843]


tut sich erwachte aus der Ohnmacht Heinsb. —
2. wahrscheinl. gehört auch das einigen Ortsadv. nachgestellte -tsūs, –tsus hierher, wie etwa in owe-, unne-, ənen-, ənunner-, (do)əraus-, ənof-, hämzus (in der Richtung nach oben, unten usw.) Rhfrk, Saarbr.

 

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