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Zote I bis zottig (Bd. 9, Sp. 833 bis 835)
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Artikelverweis Zote I das Wort ist nur vereinz. aus dem Nhd. bekannt, u. zwar Saarbg-Beurig, Sol-Stdt f., meist Pl.: wie nhd., schlechte, unanständige Witze.

Zoten-reisser -rītər Sol-Stdt m.: wie nhd.
 
Artikelverweis 
Zote II tsō:t Saarbg-Beurig; -ō·ə.- Prüm-Waxw f.: Hebel zum Losheben von Lasten; auch Stelle, wo man den Hebel ansetzt.

zoten Prüm-Waxw schw.: eine Last z., loshebeln.
 
Artikelverweis 
Zoter -:d- Trier-Stdt m.: einer, der mit seinem langweiligen Geschwätz nicht fertig wird.

zotern ebd. schw.: viel u. langweilig schwätzen.

zötern = matschen s. zäutern bei Zäut.

Zotte I = Ausguss s. Zute.
 
Artikelverweis 
Zotte II das einfache Wort ist nur vereinz. bezeugt, u. zwar tsǫt, Pl. -tə Wend-Dörrenb u. nördl. Benr.-L. tǫdən (Pl.) Dinsl-Aldenr f.:
1. Haarzotte, –büschel Dörrenb. —
2. Lumpen, Fetzen Aldenr.

PfWB ElsWB LothWB Zottel die Abl. ist Rhfrk, Mosfrk (rrhn. nur Neuw-Kurtschd); Rip in Ahrw, Schleid-Udenbreth, Aach-Merkst; OBerg in Waldbr-Geilenkausen; SNfrk in Kref-Stdt, u. zwar Rhfrk, Mosfrk tsǫtəl, –ǫd- [Wend-Erzw Weierb -ǫ·r.əl, May-Polch -ǫ·r.lə Pl.

[Bd. 9, S. 834]


(neben -ǫtəl in Bed. 2 b); Trier-Mehring tsū:dəl]; Rip tsǫdəl [Schleid-Udenbreth -ū·ə.l]; Waldbr-Geilenkausen -ǫt-; Kref-Stdt tsø·ə.l; Pl. -ələ(n), Dimin. -əlχə(n) f.:
1.
a. wirres Haar Bernk-Dhron, Waldbr-Geilenkausen. —
b. Lumpen, Fetzen, auch verächtl. für Kleider Saarbr, Ottw, Saarl, Ahrw; änem immer de Z.ə flicke misse Saarbr. —
2. persönl. übertr.
a. ungekämmtes, unordentl., schmutziges, streunendes, leichtsinniges Frauenzimmer; auch Schimpfw. Rhfrk, Mosfrk, Schleid-Udenbreth. —
b. wildes, ausgelassenes Mädchen Saarbg-NLeuken, Zell-Raversbeuren, Koch-Karden, May-Polch. —
c. langsam arbeitender Mensch Kref-Stdt. — Zur ganzen Gruppe vgl. oben Zoddel.

PfWB Zottel-bart Ottw-Dirming m.: zerzauster B. u. Träger eines solchen. PfWB Zottel-bock (s. S.) m.:
1.
a. Schimpfw. für einen schlecht u. ärml. gekleideten Mann Saarbr-Sulzb. —
b. Zuruf an den, der ein Loch im Strumpf hat Saarbr-Ludw. —
2.
a. der Knabe, der beim Bockspringen den Bock, die Brücke macht Saarbr-Sulzb, Merz-Lockw. —
b. in Liedern ohne klare Bed. Birkf-Baumholder, Saarbr-Heusw. Heissa, hopsa Zwiwwelebrih, lauder schēne Mäd sin hie, Mädcher wie die Rosesteck, Buwe wie die Zorrelbeck Baumholder (vgl. weiter Zs. f. rhein.westf. Volkskunde VI, 90 u. VII, 209). zottel-haarig -- Saarbr Adj.: wirr, vom Haar; e Zoddelhoriger. PfWB Zottel-klee (s. S.) tsǫtəl- Nahe, Merz-Nunk, Saarbg-Beurig; -ǫrl- Birkf-Herrst, Simm-Schwarzerden, Wend-Berschw; tsǫl- Wend-Mittelbreidenb m.:
1. Hopfenluzerne, Medicago lupulina Nahe. —
2. Serradella, Ornithopus sativus Allg. (s. o.). Zottel-kopf -əl- Saarbr-Fürstenbg; -əlts- Köln-Stdt m.: K. mit wirrem, wuscheligem Haar. PfWB Zottel-krämer Saarbr-Sulzb m.: verächtl. schlecht gekleideter Mann; auch Schimpfw. Zottel-lumpen -lombə Saarbr-Sulzbach m.: das Hemd, das aus der Hose hängt. Zottel-mensch ebd. n.: Schimpfw. Zottel-pack Merz-Conf n.: Gesindel, Pöbel. Zottel-rock Birkf-Baumholder m.: ausgefranster Rock, im Kinderld.: In de Linsegass steht e Eckhaus, guckt e Fra eraus, die hässt Gret; hat e Lockekopp un e Zorrelrock un e Nas wie e Trombet. Zottel-sack Saarbr-Sulzb m.: -krämer. Zottel-volk Saarl-Berus n.: Lumpenpack; et is Z., die kennen kän Gott un kän Gebott.

Zotteler -ǫd- Merz-Haustdt m.: = Zottelklee 2 (s. o.).

PfWB ElsWB zottelig -ǫd-, –ǫt- Saar, WMosfrk, Neuw-Kurtschd [-ǫr- Ottw-Landsw Sotzw; -ad- Saarbg-Hamm]; abseits tstəliχ Duisb (s. u.) Adj.:
1. wirr, struppig, von Haar u. Bart Saarbg, Ottw-Landsw, Merz-Bessing Merching, Saarbg-Hamm, Bitb-Neuerbg, Wittl; er hot en zorreliche Bart Allg.; en z.ən Bär ein Zottelbär Merz-Merching; auch verwirrt von Garn, Wolle udgl. Saarl-Hüttersd, Trier-Braunshsn. —
2.
a. unordentlich, abgerissen, liederlich, verkommen, vom Äussern, aber auch in bezug auf die Moral Allg.; wie bischt du so z. angezoh Saar, Allg. —
b. z. strēken fehlerhaft stricken Prüm-Stdt. —
c. wild, ausgelassen; e z. Kand (Kind) Trier-Olewig. —
3. -- steif, langsam; en stiwer un z.ər Mensch Duisb.

[Bd. 9, S. 835]


PfWB ElsWB LothWB zotteln lautend wie Zottel schw.:
1. sich bei jeder Kleinigkeit aufhalten, zaudern, zögern, hinterherschlendern, langsam sein bei seinen Handlungen Saarbr, Duisb-Stdt; z. doch net so lang erom Saar. —
2. zerren; die Tischdecke eronnerz. Prüm.

an- zotteln:
1. anzetteln; en dreissigjährigen Kreig a. einen langanhaltenden Zwist Saarl-Roden. —
2. angezottelt komme langsam, schlendernd herankommen Neuw-Datzeroth. ver -zotteln:
1.
a. etwas verwirren, in Unordnung bringen, durcheinanderwerfen Saarbr, Saarbg-Wellen, Trier-Olk; verz. doch die Zeidung net so! Saarbr-Sulzb, Allg.; verzottelt mit wirrem Haar Köln-Stdt (abseits). —
b. die Kleidung v., sorglos abnutzen Kobl-Stdt. —
c. verzottelt verkommen, elend Simm-Kastellaun. —
d. verzottelt in Zwischenräumen, nach u. nach Saarbr-Stdt. —
2. etwas durch Unachtsamkeit, Leichtsinn, Mutwillen vergeuden, verlieren, verschwenden, verschlampen Rhfrk, Mosfrk einschl. Neuw; dou bəzoddelscht et Bescht du schälst die Kartoffeln zu dick u. vergeudest das Beste Merz-Saarhölzb; er hot alles verzollt sein Vermögen vergeudet Birkf; die Nolebichs (Nadelbüchse) is kä Spielzeig, dou host mer schun genug Nole verzoddelt Simm-Laub.

zotterig -ǫt- Malm-Neiding Adj.: dick, geronnen, z. B. von der Milch; vgl. aber zäuterig bei Zäut.

zottern vereinz. Sol-Stdt schw.: etwas ungeschickt tun, unentschlossen sein, mit der Arbeit nicht vorankommen.

zottig vereinz. Düss-Stdt Adj.: dickflüssig; vgl. o. zotterig.

 

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