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zobbe bis Zobber-fleisch (Bd. 9, Sp. 818 bis 820)
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Artikelverweis zobbe tsobə Merz-Becking Adv.: durcheinander; die Kenner machen alles z.
 
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Zöbbel dieses Wort gehört z. T. wohl zu Zibbel (s. d.; vgl. auch Zoppel, Zubbel), doch kommt es öfter auch dort vor, wo -i- nicht zu -ø-, –- gesenkt worden ist; aus diesem Grunde muss es hier gesondert aufgeführt werden; Lautung tsøb- u. tsb- (nicht genau zu scheiden), u. zwar in Ahrw-Sinzig, Siebengeb., Sieg-NKassel, Eusk, Köln-Stdt, Dür, Bergh-Glesch,

[Bd. 9, S. 819]


Wippf-Engeld Pütz, uWupp, Erk-Overath, MGladb, Rheydt, Lennep-Dhünn Radevormwald Wermelsk, Remschd, Düss-Stdt; ohne Umlaut, also tsǫbəl Sieg-Felderhoferbrück, Waldbr-Stdt m.:
1. sachl.
a. Herabhängendes.
α. Fetzen, Lumpen, Zipfel, Fransen, Haarschopf Sieg-Ägid Felderhoferbrück, Dür-Birgel, Waldbr-Stdt, Wippf-Pütz; et Könd hät de Z. wider us der Mul hange den Sauglappen Sieg-Ägid; pass op, sons krēn ich dich mem Z.! kriege ich dich beim Schopf Dür-Birgel. RA.: Mädcher met Felangen (Volanten), dronger hant se de Z.ən hangen oben hui, unten pfui Wippf-Pütz. —
β. Pl. Euterzitzen Rheydt. —
b.
α. nachlässiger Gang; bat häste wider en Z. an der! Sieg-Ägid. —
β. in der Wend.: Om Z. sen gut im Gange sein, sich wieder herausgearbeitet haben Eusk. —
2. persönl.
a. gutmütiger Tropf, der sich alles gefallen lässt Dür, Bergh-Glesch, Erk-Oerath, MGladb; ene gode Z.
b. banger, furchtsamer Mensch Rheydt-Odenk, MGladb-Korschenbr; ne bange Z.
c. armer, bemitleidenswerter Kerl Wermelsk. —
d. Mann ohne Energie, ohne Entschlusskraft Sol-Pattschd, Remschd. —
e. Einfaltspinsel, Dummkopf Köln-Stdt, uWupp, Lennep-Radevormwald, Remschd. —
f. schlampiger, in der Kleidung u. auch sonst nachlässiger Mensch Ahrw-Sinzig, Wippf-Engeld, Remschd, Düss-Stdt; du bes en verdammde Z., häs dech de ganze Bocks zerrisse Düss-Stdt. he is en Z. von nem Jongen Wippf-Engeld. —
g. frecher, ungezogener Knabe Düss-Stdt. —
h. ungehobelter, plumper Kerl Lennep-Dhünn. —
i. ene fule Z. Faulenzer Sieg-NKassel. — Abl.: dat Gezöbbels Eusk-Lechenich (zu 1 a).

Zöbbel-sack -a- Sieg-Sieglar m.: steifer, langsamer, unbeholfener Mensch. Zöbbel-tier (s. S.) tsbəls- Aach-Stdt, Bergh, Grevbr-Hochneuk Ökoven Wevelinghv, Rheydt-Schelsen; tsǫbəls- Dür, Aach, Erk; -bəl- Rheydt-Giesenk n.:
1. Schreckgespenst in Gestalt eines zottigen Tieres Allg. —
2. übertr.
a. Angsthase Grevbr-Wevelinghv. —
b. langsamer, träger Mensch ebd.

zöbbelig, zobbelig -ø-, –- Ahrw-Sinzig, Sieg, Rheydt-Odenk, Remschd; -ǫ- MGladb-Hockst, Wuppert-Kronenbg, Remschd-Hasten Stdt Adj.:
1.
a. -ø- ungleichmässig, unordentl., etwa von schief sitzender Kleidung Ahrw-Sinzig, Remschd. —
b. -ǫ- struppig, zottelig Remschd. —
2. dickflüssig, von breiartigen Gerichten Remschd, Wuppert-Kronenbg; klumpig, knotig, von geronnenem Schlachtblut Remschd-Hasten; schwammig, von nassen Hundehaaren Remschd, Wuppert-Kronenbg; gallertartig MGladb-Hockst. —
3.
a. -ø- einfältig Remschd. —
b. -ø- ängstl., bange Rheydt-Odenk. —
c. Adv. -ø-, in der Wend.: De Koh löt de Melch z. komme hält die Milch beim Melken zurück Sieg-Scheiderhöhe.

PfWB LothWB zöbbeln das Zeitw. ist als tsøb-, tsbələ(n) verbr. in Wittl-Dörb (-e-), Sieg-Hennef Mülld ODollend, Bo-Godesbg Volmershv, Eusk-Eschw, Köln, Dür, Bergh-Ahe Elsd, Aach-Eschw Wardeb, Jül-Röding, rip. Wippf, uWupp, Sol; als tsǫb- Saarbr-Stdt, Rheinb-Wald, Waldbr-Bladersb Stdt, Klev-Üdem

[Bd. 9, S. 820]


schw.:
1. langsam, schleppend gehen, fahren, arbeiten Wittl-Dörb, Rip (s. oben die Orte); de zobbelt sech jet biənēn Waldbr (s. o.); de Wage zöbbelte doher, küs de hück net, küs de morge fuhr im Trotteltempo Bo-Godesbg; wat zöbbels de su lang? was zögerst du? Eusk-Eschw; ich z.tən jet eröm, bis et Zick (Zeit) wor schlenderte etwas umher Köln-Stdt; lansam z.t de ganze Gesellschaff op et Hus an Bergh-Ahe; de koəm noch ens gezöbbelt un geflatsch langsam heran Aach-Warden. — Wetterregel. Zöbbeln Hohnder (Hühner) dur de Rän (Regen), es der Sonnesching noch fän (fern) uWupp (RhKlaaf). —
2.
a. -ǫ- zupfen; die Fra zobbelt dem Bu am Ohr Saarbr-Stdt. —
b. Gras, Heu spreiten Rheinb-Wald. —
c. etwas streuend verlieren, etwa Stroh od. Heu aus einem Bund Schleid-Dottel. —
d. dönn drower sobbele dünn aufstreuen Klev-Üdem. —
e. tsǫwələ zappeln Daun-Tettschd. —
f. -ǫ- intrans. herunterhängen, etwa vom Saum des Kleides, der sich gelöst hat Schleid-Vlatten. —
3. verlocken, verleiten durch Rede u. Beispiel Sieg-Hennef ODollend. — Abl.: Zowelerei »Zappelei« Daun-Tettschd.

an- zöbbeln: -ǫ-, einen leise anrühren, antippen abseits Simm-Ellern.auf -zöbbeln: -ǫ-, auflockern, etwa Heu, Gras Rheinb-Wald. nach -zöbbeln: -ø-, –-, langsam, lässig hinterdreintrotten Eusk-Lechenich, Köln-Stdt, Dür-Stdt. PfWB ElsWB LothWB ver -zöbbeln: etwas, einen v.
1.
a. zerstreuen Saarbr-Stdt. —
b. verklüngeln, verschlampen Waldbr-Geilenkausen. —
2. --, verleiten, verführen Bernk-Neumag.

Zöbbelöbb Köln-Stdt m.: gutmütiger, friedfertiger Mensch; do bes doch noch immer dä ale, gode Z.

Zobber-fleisch s. bei Solper.

 

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