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Zitter II bis Zitterinchen (Bd. 9, Sp. 813 bis 816)
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Artikelverweis  PfWB ElsWB LothWB Zitter II die folgende Gruppe, die hier nach Bildungsformen getrennt aufgeführt wird, ist zu vgl. mit ags. teter, engl. tetter, ndl. teter (bei van Dale), ahd. zittaroh, mhd. Lexer ziteroch, –roche, –troche, –trach; ausser Nfrk ist das Wort sonst in den nd. MA. nicht bezeugt; Verbr. u. Lautung: tsīrər Simm-Schlierschd, Goar-Weiler; tsidər Simm-Laub, Goar-Herschwiesen; -tər Goar-Karb Liesenf OWesel, Neuw-Datzeroth, Westerw; tsatər Trier-Fell, Wittl-Sehlem, Daun-Pützborn; tsotər Daun-Strohn Tettschd; -etər Koch-Ulmen, Jül-Hasselsw Tetz, Heinsb-Lümb; -ø- Daun-Beinhsn, Koch-Leienkaul, Bo-Godesbg, Eusk-Derkum Frauenbg; tsēdər Koch-Gevenich; -ed- Neuw-Dierd; Nfrk tētər in Geld-Schravelen Winnekendonk Sg. t. m.:
1. Hautkrankheit bei Mensch u. Tier, u. zwar trockene Flechte Simm-Laub, Wittl-Sehlem, Koch-Gevenich, Neuw-Datzeroth, Westerw, Bo-Godesbg; nasse Fl. Geld-Schravelen; Fraisem Koch-Leienkaul; Räude, auch beim Rind Daun-Pützborn, Heinsb-Lümb, Jül-Hasselsw Tetz, Geld-Winnekendonk; Krätze Goar-Herschwiesen Karb Liesenf, Geld-Winnekendonk; Schweineflechte Geld-Schravelen; wildes Feuer Trier-Fell; Grind Koch-Ulmen; aufgesprungene Haut Neuw-Dierd; den Z. (die Flechte) versuchte man ehedem durch Besprechen (Brauchen) zu heilen Hunsr. Heilspr.: Zitter, de best bitter; wie de Jure (Juden) kei Schweinefleisch esse, sollst de ach net ent Fleisch nen fresse Goar-Liesenf. Gegen die Schweineflechte: Abends sagt man: »Guje Märge, Teter!« Morgens sagt man: »Guje Nowend, T.! Goht loope, ek well ow nij mer sihn!« Wenn man das einige Tage hintereinander spricht, sollen die Flechten verschwinden Geld-Schravelen. Volksmedizin: Beim Aufstehen morgens nimmt man etwas Kondensschweiss von der Fensterscheibe u. reibt die betroffenen Stellen damit ein, sprechend: Gemorge. Z., was bischt eso bitter! Goar-OWesel. —
2. sētər an Körperteilen u. Kleidern festsitzender Schmutz Klev (das Wort entstammt hier mit nachträgl. Bedeutungsveränderung anscheinend den Pfälzer Kolonien bei Kleve).

Zitters, Zittarse diese Form ist im wesentlichen an der oNahe, an der Saar u. Nfrk verbr., u. zwar tsitər Birkf, Bernk-Rhaunen, Saarbr (lebendig Z.), Saarl; tsedə(r) Merz-Bergen [Losh tsetiən],

[Bd. 9, S. 814]


Trier-Heuhütten, Kobl-Mallendar; tsetərā  vereinz. Erk-Bellinhv; detā  Rheydt-Odenk, Neuss; dȳədā Grevbr-Kaarst; tētă(r) Mörs; tētərsə Duisb-Meiderich; Geschlecht Rhfrk, Mosfrk f., Nfrk m.: Zittermal, schorfartiger Gesichtsausschlag, Art trockener Flechte, besonders bei Kindern auftretend, häufig in der Gegend des Mundes Allg.; auch trockene Rinderflechte Mörs. An der Nahe versuchte man früher, die Z. durch das Brauchen (Besprechen) zu heilen.
 
Artikelverweis 
PfWB ElsWB LothWB zittern das Zeitw., in den MA. jünger als das einheimische beben (s. d.), ist mit Ausnahme des Nfrk allg., u. zwar Rhfrk an der uNahe, Birkf-Idar, Simm-Laub tsīrərə; Hunsr tsęrərə; Saarbr tsidərə, Ottw tsi·r.ərə; Mosfrk an der Saar tsidərə(n); Trier, Wittl, Bitb, May-Trimbs tsīd-, sonst -id-; Altk tsi·r.ərə; Siegld -erərn; Rip tsedərə [Köln-Stdt Sürth, Dür-Winden, uWupp 1860 -i-]; Eup, Heinsb, Kemp-SPeter -e-; Gummb-Schwarzenbergisch, Düss-Stdt -i- schw.:
1. zittern, beben, vor Angst, vor Aufregung, vor Kälte; sachl. von Pflanzen im Winde, vom schwankenden Moorboden usf.; woröm z. du esu, ös et dir kalt? Rip, Allg.; de z.t van Kält met de Zäng (Zähnen) Köln; oft ziddere un bevve Rip, Verbr.; meist in Vergleichen: de zirrert wie Esbelab Hunsr, Allg., — wie e Hond of ere Brämm (Ginster) uNahe, — we ne Jumfernhungk Köln-Stdt, — wie e Heck Verbr. Saar, Mos, Eif, Rip, — bie en Gas (Gans) May, — wie en Auto (dessen Motor zu laufen beginnt) Wittl-Meerf, — we ne Schnider op er Isscholl Rip (o. O.). Bauernregel: Bletzt et üver ene döəre Wald, z.t Jong on Alt Kemp-SPeter. —
2. dröhnen, z.ə on schalle Heinsb-Aphv.

PfWB ElsWB Zitter das Wort, nachträgl. aus dem Zeitw. abgeleitet, hat je nach Bed. verschiedene Verbr.; Lautung s. bei zittern:
1.
a. m. das Zittern, durch Kälte, Furcht, Nervenkrankheit usf. verursacht Bitb-Ehlenz Rittersd, Prüm-Ihren, Rip, SNfrk, Düss-Stdt Unterb; ich han de Z. in de Ben, en de Häng usf. Rip, Allg.; sich verschrecke, dat mer de Z. op et Lif krit Sieg-ODollend; mer krit der Z., wemmer en de Kälde rusgeht Rip, Allg.; der Z. un Bivv krige Köln-Stdt. —
b. m. sachl.
α. Fleischgericht aus den Ohren, dem Rüssel u. den Füssen des Schweines, Schweinekäse, Sülze, Gallerte, Fleischgelee Goar-Weiler, Merz-Harling, Trier, Wittl, Bernk-Mehring, Bitb, Zell-Briedel, Prüm-Ihren, Malm-Aldring Amel, Schleid-Dollend, Ahrw-Walporzh, MGladb. —
β. Wildwachs im Fleisch Wittl. —
2.
a. f. tsedər Pappel, Espe (wohl kaum zu Zeder) Schleid-Heimb. —
b. Pl. tsīdər Trier-Detzem, Wittl-Piesport, sonst stets Dimin. -χə(n), –χər Zittergras, Briza media (s. Wk. VII 3, Rasselchen) Wend-Erzw, Saarbg-Ayl Irsch, Trier-Krettnach, Koch-Leienkaul, Altk-Selb, Neuw-Erpel Unkel, Ahrw-Sinzig, Waldbr-Lichtenbg Morsb. RA.: Et es ke Z.chen zu klan, et brengt en Zentner Heide an Koch-Leienkaul. —
c. Zitterches spille ein Rundtanz der Kinder Koch-Stdt.

Zitter-ader tserər- (s. S.), gern Dimin. Siegld-Bühl Kredenb f. (n.): empfindl. Stelle am Ellbogen;

[Bd. 9, S. 815]


gecke Z. Siegld-Bühl. Zitter-asche -a (Esche) Sieg-Honnef f.: Espe. Zitter-asdorn -āstər Aden-Kirmutschd m.: Pappel, Espe. zitter-bang Simm-Laub, Neuw-Dattenbg  Adj.: bange im höchsten Grade; et es mer z.bang wor, so war ich verschrock Simm-Laub. Zitter-baum (s. S.) Aden-Herschb, Schleid-Holzh, Malm-Bütgenb, Aach (o. O.) m.: Espe, Pappel. Zitter-bies-chen -ī:- Saarbg-Köllig n.: Zittergras, Briza media. Zitter-bizchen -ī- Saarbg-Wellen n.: dass. Zitter-blume (s. S.) Trier-Wasserliesch f.: dass. Zitter-brei Westerw m.: Schweinesülze (s. Zitter 1bα). Zitter-bruch (s. Bruch II) Altk-Dickend, Siegld, FreierGrund, Sieg-Fussh m.: schwankender Sumpfboden, nasse Stelle in einer Wiese. Zitter-brühe (s. S.) Zell-Enkirch, Neuw-Dernb Rengsd f.: = Zitter 1 b α. Zitter-fink Goar-Braunshorn Liesenf m.: dass. Zitter-gittchen -χīn Saarl-Fraulautern n.: -gras. Zitter-göbbel Schleid-Wildenbg m.: einer, der das Zittern in den Gliedern hat. PfWB ElsWB Zitter-gras (s. S.) im ganzen Geb. verbr. n.: Briza minor u. media. Zitter-hähnchen (s. S.) Merz-Bardenb Biel Büschf Pl.: dass. Zitter-halm Bergh-Manh m.: dass. Zitter-häns'chen , Zitter-hännes'chen Trier, Kobl-Neuend n.: dass. Zitter-immes -e·m.əsχən Trier-Heidenbg n.: dass. zitter-kalt Merz-Saarhölzb, Trier-Trittenh, Daun-Tettschd, Koch-Lutzerath, Aden-Hümmel u. auch sonst möglich  Adj.: sehr kalt. Zitter-käse (s. S.) Saarbr-GrRosseln Heusw Lauterb, May-Namedy m.: = Zitter 1 b α. Zitter-käss -ę- Saarl-Bous Wadgass m. (?): -gras. Zitter-knäuelchen Aach-Atsch n.: -ader. Zitter-knochen , gern Dimin. (s. S.) Siegld-Eiserf Freudenbg Kreuzth, MülhRh, Heinsb, Geilk, Sol-Burschd, Duisb-Ruhrort m., n.: dass. Zitter-knürzchen -knts- Geilk-Puffend n.: dass. Zitter-könig kønejəlχə Dür-Abenden n.: Zaunkönig. PfWB Zitter-kraut (s. S.) Trier-Klüsserath Pluwig, Bernk-Cues Dhron Graach, Koch verbr., May-Ochtendung, Kobl-Bendrf Mülh, Neuw-Isenbg, Altk-Hilgenr, abseits Düss-Benr n.: -gras. Zitter-läbbes -ę- um Simm-Kastellaun, Goar-NGondershsn m.: = Zitter 1 b α. Zitter-laub (s. S.) Altk-Herdrf, Schleid-Dollend n.: Espe. Zitter-madam -madę·m.χən Saarl-Fremersd, Trier n.: -gras. Zitter-maus , meist Dimin. (s. S.) nach Wk. III 16 (Heimelmaus) verbr. Trier-Trittenh, Ahrw, Schleid, Bo, Rheinb, Eusk, Bergh, Köln, Dür, Grevbr-Wevelinghv f. (n.): Hausgrille, Heimchen. PfWB Zitter-michel -e- Wittl m.: -göbbel. PfWB Zitter-pappel Bitb-Rittersd, Altk-Herdrf, Köln-Stdt, Rees-Haldern f.: Espe, Populus tremula; ihre Wurzeln sollen nach Menschenkot riechen Rees-Haldern. Zitter-pappelbaum Köln-Stdt m.: dass. Zitter-peter -pitər Köln-Brühl m.: -göbbel. Zitter-register Koch-Leienkaul n.: = Zitter 1 b α. Zitter-resser -ē- Merz-Lockw m.: -gras. Zitter-rös'chen (s. S.) Saarl-Bupprich, Trier-Hermeskeil Pl.: -gras. Zitter-saat -s:t Gummb-Bomig f.: -gras (s. auch unten Zitter III). Zitter-samen -s:m(ə) Neuw-Altenhf, MülhRh-Herrenstrunden Langel m.: -gras (s. auch unten Zitter- III). Zitter-schmiele -ī:l Altk-Dauersbg, -i·l.ə Pl. Köln-Brück f.: -gras. PfWB Zitter-schwänzchen Bitb-Preist n.: Rotschwänzchen. Zitter-tier -dī·ə.rχə Dür-Arnoldsw n.: Hausgrille. Zitter-witz -χə Kobl-Stdt n.: -gras. Zitter-wochen Pl.: in der RA.:

[Bd. 9, S. 816]


No de Flitterwoche komme de Z. Kreuzn. PfWB Zitter-weide (s. S.) Dür-Merzenich, MülhRh-BGladb f.: Espe.

PfWB Zitterich -riχ, –reχ, –rəχ m.:
1. das krankhafte Zittern, Nervenzittern Wittl-Dodenbg, Daun-Scheuern, Aden-Hümmel, Sieg-Ägid, Eusk; den Z. han; den hät den Z. an sech; den hät de Z. en de Häng (Hände). —
2.
a. = Zitter 1 b α Wittl-Eisenschmidt, Prüm-Ihren. —
b. (auch Dimin.) Zittergras Ahrw-Gönnersd Sinzig Westum, Neuw-Dattenbg.

PfWB zitterig Verbr.
1. Adj. wie nhd., das Zittern in den Gliedern habend; de hät z.ə Häng (Hände); so en z., alt Männche Allg.; de hat de z. Krankhät Saarbr-Dudw; met z.ə Ben gingk et Tringche de Trapp eraf Köln; en z.ə Stemm bebende Stimme MüEif. RA.: En z.ə Jäger gericht (gerät, trifft) och ees (mal) en Has Prüm-Ihren. —
2. Adv. et es z. kalt; z. schreibe Allg.

Zitterinchen -idərīnχən Saarbg n.: verwöhntes Kind.

 

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