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wan II bis Wand I (Bd. 9, Sp. 234 bis 237)
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Artikelverweis  PfWB wan II das Wort, got wans »mangelhaft, fehlend«, ahd. as. wan »leer, mangelnd«, mhd. Lexer wan

[Bd. 9, S. 235]


»nicht voll od. das volle Mass nicht haltend, leer«, mndl., nndl., nd. wan- in Zs., ist Mosfrk (nicht May, Westerw; Siegld in bes. Bed.), Rip (mit Ausnahme von Jül, Aach), Berg, Ruhr, SNfrk bis Geld-Pont Stdt, Mörs-Hülsdonk Pelden Friemersh Rheinbg (in den Orten von Geld, Mörs u. Ruhr in bes. Bed.), u. zwar Mosfrk an der Saar von Saarl an u. n. einschl. Mos u. Goar-Braunshorn, Simm-Laub (1 c) wān, hier u. da seltener -a-; Rip -a-, doch Malm, Aden, Sieg -ā- (Honnef Rhönd Siegbg -a-; May-Kempenich --), ebenso Berg, SNfrk, Geld, Mörs [wānə (absol.) Selfk] Adj.:
1. mangelhaft, von Gegenständen, u. zwar
a. ausgetrocknet, von Holz, bes. von Holzgefässen, wenn die Dauben nicht mehr wasserdicht schliessen. von Rädern, wenn die Reifen sich lösen, von sonstigen Geräten ausgeleiert, aus dem Gefüge, gelockert, wackelig, bes. von Karren, Stühlen, Bänken, Schrauben, Messerklingen, baufälligen Gebäuden usf., diese Bed. Allg. u. allein SNfrk (hier nicht »leck«); de Bitt os su w., dat se ausenannerfällt; stell de B. es aus de Sonn, Sös get se w. Daun, Allg.; et Metz (Messer) es w. en de Nete (Nieten) Berg; das Rad es w. em Gestecks Sieg-ODollend. RA.: Et Fass es su w. wie e Korf Bernk-Kesten. Finf Minude bis harde (wanne) Erbse, wenn se w. sin, esse mer se scherzh. Antw. auf die Frage nach der Uhrzeit Saarbr-Fürstenhsn. — De w.ə Kangkte (Kante) Neckn. für Sol-Herschd. — Leer (übertr. von rinnenden Gefässen), vereinz. in best. Wend.: Mei Bauch as w. ist leer, hat Hunger; eich sei w. am (im) Leif Trier-Fell Kenn Mehring; de Peif es w. Saarl; die Tür stäht weit on w. of sperrangelweit Saarl-Hüttersd Roden; weidewan Saarbr. — Wackelig, schwach auf den Beinen (übertr. vom ausgeleierten Gerät); he es w. zum Umfallen müde Bitb-Kruchten; unsicher auf den Beinen infolge Alters od. Krankheit, he es w. op de Been SNfrk, Geld-Pont, Duisb-Serm, Sol-Hitd, Schleid-Hellenth (he geht gangs w.); et wörd mech w. es wird mir übel, ich werde ohnmächtig Kref. —
b. schwank, biegsam, geschmeidig, z. B. die Ledder (Leiter) ös ärg w.; ein hochaufgeschossenes, dünnes Bäumchen es w.; ene w.ə Steck; ene w.ən Hot (Schlapphut); schmelzendes Speiseeis, Sahne, Butter es w.; de Deg ös ävver w. weich SNfrk in Heinsb-Bocket, Erk-Körrenz Wegbg, MGladb, Kemp, Mörs-Hülsdonk (von Bruchstellen, Stegen). —
c. toll, irre, wahnwitzig, ausgelassen; he es (stellt sech) ganz w. Simm-Laub, Altk-Birken Wildenburg, Sieg-Lohmar Seelschd, Gummb, Wippf, Remschd, Sol, uWupp, Ruhr (he es w. geschockelt), Mörs; he es w. am Koppe Altk-Birken; stell dek nich so w. unbeholfen, einfältig, ungezogen; de bes ävver w. MülhRh-Bensbg; der het son w. Gestell einfältiges Getue, ungeschickte Anstellerei Gummb; et ös ene w.ə Kerl (Deuwel) dummer, sonderbarer Mensch Mörs-Friemersh; da's en w.ə Kerl trotziger K., en w. Dier widerspenstig Mörs-Pelden Rheinbg. RA.: Lege (ledige, leere) Büls (Beutel) gewe w.ə Köpp schlechte Launen Mörs-Rheinbg. —
2. wānə ungeheuer, sehr gross; e w. Dier; e w. Karle; de hät en w. Rēă (Rede) kann tüchtig sprechen; de härr et w. em Kopp ist stolz; w. gross, kalt (udgl.); he sütt w.

[Bd. 9, S. 236]


schlecht us; w. laufe; der Baum dräht w. NSiegld. — Abseits: Ne wanne Block gesundes, kräftiges Kind Düss-Stdt; wānən Dorst grosser Durst Ess.

wan-drissig -ǫ- rip. Wippf Adj.: nicht recht gescheit. Wan-friederich Sülzt m.: verächtl. nicht ganz gescheiter Mensch. Wan-kante -kant Sieg-Ittenb f.: die Baumkante, noch die Rinde tragend, noch nicht behauen, bei einem sonst behauenen Baum. wan-kantig -ant- Daun-Neroth 1860, Sieg, ODollend, Monsch-Witzerath, Köln-Stdt [wak- Köln-Stdt, MüEif]; -ę- Sieg-Ittenb, Gummb-Berghsn Adj.: nicht vollkantig, von Balken, Brettern. wan-rasen wānrzə (s. wand-) Ess-Kupferdreh schw.: unsinnig toben, wüten; nachtwandeln. wan-schaffen wān-, wanafə(n) Wittl, Bitb, Prüm, Daun, Malm, Monsch, Ahrw, Eusk, Rheinb, Bo, Sieg, Dür-Disternich, Neuw-Erpel [wanaftə Eusk-Kessenich; wānaftən Sieg-Fussh; wanaf Dür-Stdt; wantafə Eusk-Stdt; -āfən Wittl-Steinborn; wāntafən Prüm-Leidenborn; wantaf(tiχ) Rheinb-Meckenh MüEif; warafən Schleid-Blankenh; wār- Malm-Bütgenb; walaftiχ Schleid-Wildenbg; wārabiχ MGladb; wārapə, –apiχ Kemp-Stdt) [urkdl. den wanschapesten mynschen Köln 1350 (Orientbericht)] Adj.:
1. waghalsig, leichtsinnig, unüberlegt handelnd, albern, liederlich, schlampig; et as e w.ə Jung, e klimmt op den ewischten Dollen (Gipfel); sef net su w.; fohr mat dem Perd net su w.! Bitb, Allg. [e w. Mädchen sen veränderlichen Sinnes, leichtsinnig Ahrw; verschmitzt, hinterlistig Malm-Vith; roh, falsch, heimtückisch Prüm-Mürlenb 1860; gleichgültig, unüberlegt schwätzend, jedem gefällig schw. Daun-Neroth Strohn, Bo-Geislar, Sieg-Eudenb]. RA.: En w. Mul (loses Maul) kann vell sagen Sieg-ODollend. —
2.
a. gross, ungeschlacht; en w. Frau; ene w.schappige Kerl; e w. Lake (Tuch) Kemp. —
b. tüchtig, gründlich; dat ös ene w. Kerl; mer han en w. dorchgehaue; et hät w. gerent (geregnet) Rip in Eusk, Rheinb, Bo, Sieg, Dür-Stdt. Wan-schaffenheit Bitb, Prüm Sg. t. f.: Waghalsigkeit; mat der W. gäht et och bas op ämol, mer fällt ant Wasser, wenn mer de winnigst Ursach hot. Wan-schlag Sol m.: verächtl. Mensch, der sehr unüberlegt handelt. Wan-sinn wān- Allg. Sg. t. m.: nach dem Nhd.; Unsinn, Unvernunft (nicht Geisteskrankheit); dat es je heller W. wan-sinnig Allg. Adj.: dau bist wul w. übertrieben unsinnig Rhfrk, Allg. wan-tatig wāldtəκ{??A} (s. bal- wozu es vielleicht eher gehört) Klev, Adj.: nichtsnutzig. Wan-trauen Emmerich Sg. t. n.: Misstrauen, ndl. wantrouwen; mndl., mnd. wantrûwen, mhd. Lexer -triuwe [urkdl. wantrauwe Klev Glossar XIV]. wan-trauig Geld, Mörs, Klev, Emmerich Adj.: misstrauisch. Wan-zöger -tjər nfrk. Wippf m.: Pferd, das nicht anzieht, gern zurücksetzt.

wanen -ā- Geld-Stdt Winnekendonk schw.: de Mon want, es ant w. der Mond nimmt ab; et want; wāntə Mörs-Marienbaum.

wanig -ā- Mörs-Marienbaum, Rees u. abseits Monsch Adj.: misstrauisch, launenhaft, von Menschen u. Zugtieren.

wansig -a- Koch-Stdt, Kobl-Stdt Adj.: w. ist der Wein, wenn er wanzt (s. folg.).

[Bd. 9, S. 237]


wanzen wāntsən Trier-Detzem Mehring, Bernk-Neumag, Koch-Ediger schw.: der Wein wanst schmeckt schal, riecht säuerlich bei bald leerem Fass.

Wand I -a- = Wind (s. d.).

 

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