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Scherbe bis Scherbeien-müsche (Bd. 7, Sp. 1051 bis 1054)
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Artikelverweis  PfWB ElsWB LothWB Scherbe das Wort ist nur in einem rhfrk. u. lrip., sndfrk. Geb. bezeugt, sonst gilt Scherbel, Schirbel, u. zwar uNahe ęăp, Pl. -wə f. in Bed. 2 a (in allg. Bed. noch īərp, Pl. -wə Birkf-Idar, rp, Pl. -wə Wend-Pfeffelb u. ęrbχə Bed. 2 b Ottw); sonst LRip in Malm, Monsch (hier auch rəf), Eusk-Lechenich Zülpich Weiler, Köln, Bergh, Dür, Jül, Aach, in Eup, SNfrk bis einschl. Heinsb, Kemp, Kref, Mörs ęrf, –e-, –i-, Pl. ę·r.vər, –e- n., dies auch noch rrhn. an der uWupp u. Düss-Stdt u. rəf, Pl. -wə f. Emmerich:
1. wie nhd.; de Scherver floage op de Erd MGladb, Allg.; de Kul (Grube) leggt voll Sch.ər Kref, Allg.; dat send bloss noch Sch.ər Bergh, Allg.; jet ze Stöcker on Sch.ər schlage MGladb, Allg.; en Kickescherf Scherbe mit rundem Loch, um dadurch zu sehen Bergh, Dür; Scherfke(s) werpe eine Sch. über eine Wasserfläche hüpfen lassen Grevbr-Hochneuk, Erk-Stdt; Scherfche w. Aach-Alsd; beim Hinkeln (Hüpfsp.) wird ein Sch. mit einem Fusse vorangestossen Allg. RA.: E Sch. duərt (dauert, hält) et längs Dür. Sch.ər brenge Glöck Mörs, Allg. Wo geng Sch.ər sönd, es auch geng Kermes Aach-Stdt. Sch.ən on Spön (Späne) ete schlecht essen Mörs-Xanten. Ökover (Grevbr-Ökoven) esse us em Teller, Dialer (Delhv) e. us em Sch., Öckekovver (Ückinghv) e. us em Trog Neckspr. Lässe (lassen) mer de Krom (Kram) zesameschlohn on gohn mäət de Sch.ər fel (feil)! lasst uns (Junge u. Mädchen) ein Verhältnis anknüpfen, das zur Ehe führt Malm-Bütgenb. —
2. übertr.
a. sachl.
α. Blumentopf uNahe. —
β. irdener Topf Aach-Warden. —
γ. Gerät zum Abschrappen der Borsten des geschlachteten Schweines. —
δ. alt Sch. verächtl. ein Altertümchen MGladb. —
ε. verächtl. Zahnstumpf LRip, SNfrk. —
ζ. verächtl. alt Sch. altes, stumpfes Messer, alter gebrechlicher Gegenstand uWupp, Köln-Kalscheuren. —
η. verächtl. alt Sch. alte Karre uWupp. Bergh, Aach, Monsch; ęrbχə Ottw; schlecht brennende Lampe

[Bd. 7, S. 1052]


Sol-Langend. —
θ. Pl. -vən die Verbindungshölzer der Braggen der Mistkarre MülhRh-BGladb. —
ι. scherzh. Neumond Kemp-Dülken; dat Sch. Grevbr-Neuenhsn. —
b. persönl. verächtl.
α. schwächliches, kleines, naseweises Mädchen, en Sch. van em Mädche; en alt Sch. altes Weib, dazu böse, zanksüchtig, auch en kodd Sch. LRip, SNfrk, Düss-Stdt, uWupp; geck Sch. n. katziges Mädchen Sieg-Ägid (abseits); ęrbχə Ottw, Saarbr-Sulzb. —
β. hageres, geiziges Weib, das zu geizig ist, sich satt zu essen Heinsb; ein mageres Weib, auch en mager, ärm Sch. Heinsb, Erk, Eusk-Zülp. —
γ. oət Sch. alter, spassiger Mann Aach-Merkst. —
δ. alt Sch. alte, magere Kuh LRip, SNfrk u. Bernk-Merschd.

Scherben-küche -e·r.vəkχə Aach-Stdt f.: verächtl. K. mit zerbrochenem Geschirr; et sohch use je Zömmer wie en en Sch.

Scherbel, Schirbel das Wort ist im ganzen Geb. verbr. da, wo nicht Scherbe herrscht (doch kann hier u. da auch Schirbel stehen, u. Scherbe beschränkt sich nur auf die übertr. Bed.), u. zwar Rhfrk an der uNahe ęăwəl; sonst rwəl, –ē-, in Birkf -īərw-; an der rhfrk. Saar irwəl u. -ę- u. in Saarbr-Stdt auch -u- [Saarbr-Völkl -irb-]; in Saarl, Merz -i·r.w- u. -ę- oft im gleichen Orte [Saarl-Stdt -irb-; Bous Holzmühle Hostenb Lisd Schaffhsn Wadgassen -irm-]; Saarbg -i·r.w- [-ø·r.b- Wellen]; in Trier-Mos, n. Mos, Wittl, Bitb īă(r)b-, in OBitb -īărw- [Trier-Stdt -ø·r.w –u. -ø·r.b-]; Bernk-Mos -ērb-; Zell, Koch, May -i·r.w-, Kobl -ę·r.w-, dies auch Neuw (nicht kurköln.), Altk; Siegld -iərw-, sonst in der Eif -i·r.b- (auch Bernk-Rhaunen, Bitb-Hütting) bis einschl. Prüm, Schleid, Aden, Ahrw-Sinzig u. noch in kurköln. Neuw; Rip u. SNfrk (wo nicht Scherbe) -i·r.v- u. -e-; OBerg in Waldbr -īə(r)b-; Gummb-Homburgisch -ēə(r)w-; Gummb-Schwarzenbergisch, Wippf (nfrk.) -ęrw-, dies auch NBerg in Lennep, Barm, Mettm; Elbf, Sol, Düss -irw-, –e-; Klevld -ęrw-; Pl. -ələ, –əln [Klevld -əlts]; Demin. -əlχə(n), -əlkə, –əltə, –əltjə f. [n. in Schleid, Aden-Liers, Rheinb, Eusk; sonst Rip m. (auch f.), Daun-Tettschd, Lennep, Elbf, Klevld; vielfach da, wo Sch. 1 f. ist, herrscht für die übertr. Bed. n.:
1. Scherbe; Glas-, Pottsch.; bass uf, sust gir et gleich wiere Sch.ə Rhfrk, Allg.; hei hät et jo dichtig Sch.ə gen Koch, Allg.; Sch.ə machen bes. im Streit alles kurz u. klein schlagen Saarl, Allg.; du wells wall Sch.n maken! Unheil anrichten Elbf; de Krog (Krug) as an (in) dausent Sch.n gangen Bitb, Allg.; et es alles e Sch.n Merz, Allg.; ohne Sch.ə gehr et bei us net ab, wann ebbes ze duhn es; do dervor sorge scho die ongezoəne Kenn Bernk-Crummenau, Allg. RA.: Er singt (so schlecht) wie en Sch. Goar-Wiebelsh. Wann zwei hart Deppe ofenanner stussen, get et Sch.ə übertr. von eigenwilligen Menschen Koch. Schirwln on grachig (Wagen) hāl drlängst Siegld. Wenn mr Schirwln macht, dā lacht dr Mäcks (der mit irdener Ware u. dgl. hausiert) Hilchenb. —
2. übertr.
a. sachl.
α. verächtl. ken

[Bd. 7, S. 1053]


Sch. em Haus han kein Küchengeschirr, Ausdr. für Armut Trier, Allg. —
β. Zahnstumpf; al Lü hant bloss noch Sch. en der Mongd (Mul) Gummb, Allg.; ech han eckersch (nur) noch en paar Sch.ə en der Mul Rip, Allg. —
γ. verächtl. jedes verschlissene Werkzeug, ech han nur noch en Sch. –schöpp; Sch.ə altes Gerümpel; en al Sch. altes, stumpfes Messer; en Sch. eingekerbter Klicker Ottw-Merchw, Goar-O Heimb, Schleid, Eusk, Bo, Sieg; pack dein Sch.n, on da gähschte! dein Lumpenzeug Merz-Saarhölzb. —
δ. Stück einer zerschlagenen Luppe; Pl. Schlacken, die aus den alten Hochöfen kamen und in der Bochmēl zu Sand zerstampft wurden, ehe die schottischen Hochöfen die Schlacke durch eine Schlackenform abliessen und gleich mit Hilfe von Wasser zu Sand granulierten Siegld. —
ε. Rest eines Apfels Köln-Weiss, Sch.n Abfall beim Behauen des Schiefers Koch. —
ζ. vertrocknete Blätter, die bei der Berührung in Stücke zerfallen Bergh-Blatzh. —
η. Schale von Früchten, z. B. die Nosssch. Bitb-NWeis; leeres Schneckenhaus Malm-Grüffl. —
θ. verächtl. Kopf, auch Hirnsch., in folg. Wend.: Hen hat ebbes em Sch. hat etwas vor, führt etwas im Schilde, — vill em Sch. hat viel Grütze, Verstand, ist begabt, — neist em Sch. ist dumm; wat mag den em Sch. hon? vorhaben; (wat dau en der Sch. host, dat h. de dren du bist eigensinnig; him ös et nöt en der Sch. geht es nicht nach seinem Willen; den hat änen em Sch. er ist bezecht; dem es et em Sch. net richtig; et rappelt dem gewaltig em Sch. er ist nicht recht gescheit; den hot ebbes em Sch., — et huh em Sch. er ist stolz, eingebildet Mosfrk, Rhfrk, Siegld, Waldbr, Sieg; et es mer durch de Sch. gang ich habe es vergessen Merz; äm än (Ohrfeige) iwer de Sch. haue Birkf. — fer et Sch. h. Bernk, Daun; ech stige (steige) der op det Sch.! Siegld-Hilchenb; ech kommen der an det Sch.! Neuw-Rodenb. —
b. persönl.
α. verächtl. alt Sch. alte Frau, die nicht mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte ist, auch die verkommen ist Rhfrk, Saar bis Merz, Köln-Stdt; dat Sch. mecht och net mih lang met Merz. Bas Bärwel (Barbara), alt Sch.! Neckr. Saarbr-Sulzb. —
β. verächtl. dumm Sch. dummes Weib, das etwas nicht recht begreifen kann ebd., Köln-Stdt, NBerg. —
γ. verächtl. mageres Weib ebd. u. Saarbg. —
δ. bewundernd, eine kleine, emsige, kluge Frau, besonders Mädchen Kobl-Kettig, Prüm, Schleid, Ahrw. —
ε. verächtl. ein gerissenes, durchtriebenes, verschmitztes, zanksüchtiges Weib; ungezogenes, dreistes kleines Mädchen Prüm, Schleid, Ahrw, Rheinb, Eusk, Sieg, MülhRh, auch e verkihrt Sch., e Secksch. (Seich-) Neuw, Altk; e huffärdig Sch. hoffärtiges Mädchen Schleid, Wippf-Dohrgaul; e verröckt Sch. gefallsüchtig Altk-OLahr; e geck (doll) Sch. mannstolles Weib Rip; e faul Sch. träges Weib ebd.; du ärm Sch. armes Würmchen, Kind (kosend) Bo-Volmershv. —
ζ. verächtl. Mann mit krummen Beinen Dür-Geich. —
η. Sch.ə Neckn. derer von Simm-Uhler. —
θ. verächtl. Schwätzer Barm. —
ι. verächtl. Besitzerin eines Porzellangeschäftes

[Bd. 7, S. 1054]


Kobl-Stdt. —
κ. verächtl. Grandsch. leicht erregbarer, nörgelnder Mensch WMosfrk (s. Grind-). —
λ. alt Sch. verächtl. alte, magere Kuh Rhfrk, Siegld. — Abl.: dat Geschirvel(s) verächtl. Haufen Scherben kleiner minderwertiger Dinge [Geschervel Steinsplitter, z. B. von Schieferstein Malm].

Scherbel-apotheke irwəlabədēkə Siegld-Siegen f.: im Spr. zu Nikolaus: Klos, wo kommsde her? Sewe Meile hennerm Mond us der Sch. Scherbel-bodem īă(r)bəlbōdəm Bitb-NWeis m.: Schieferboden. Scherbel-ding i·r.wəltsteŋk Sol. n.: fehlerhaftes D. Scherbel-feld e·r.vələ- Sieg-Siegbg n.: Acker hinter dem Nordfriedhof in der Aulgasse, mit Resten der ehemaligen Siegburger Töpferei. Scherbel-gasse i·r.bəl- Saarl-Stdt f.: Töpfergasse, Scherbel-guppen Merz-Saarhölzb m.: Schutthaufen. Scherbel-häus-chen i·r.vələ- Ahrw-Remag n.: scherzh. das römisch-fränkische Museum der Stadt. Scherbel-karre e·r.vəltskā:r MüEif f.: scherzh. der Wagen des durchs Land fahrenden Händlers mit Porzellan udgl. Scherbel-kätt (-katharina) īăbələ- Wittl n.: im Neckr. hinter einem Fastnachtsnarren: Hiringsnos, botz dei Nos (Nase), räderäde rätt, Sch., fress dein Grombern ohne Fett! Scherbel-krämer i·r.wəl- Saarl-Berus m.: verächtl. der nur wertloses Zeug besitzt. Scherbel-nest -nēăs Siegld n.: gern schimpfendes Weib. Scherbel-stein (s. S.) īrwəl Bitb-Rittersd; -i·r.w-, –i·r.b- Prüm m.:
1. kleiner, dünner, platter St., mit dem man auch über eine Wasserfläche wirft. RA.: Den hat Geld wie Sch. er ist reich. —
2. ę·r.əvəlte·i.n Eup Pl. t.: verächtl. für alte trockene, harte Brötchen esu drü wie Sch. Scherbel-stück e·r.vələtøk Sieg-Siegbg n.: -feld.

scherbelig Adj.:
1.
a. -e·r.v- scherbenartig, muschelig Köln-Stdt; en hot alles kraus on schīrbelig geschlohn zu Scherben Trier-Mehring. —
b. -i·r.w- steinig vom Ackerboden Koch, May; -ę- Kobl-Cobern; -i·r.b- Ahrw-Rodder; -iərw- Siegld. —
c. -iərw- zerbrechlich Siegld; kranke Zähne sind ęrwəliχ Gummb-Schwarzenbergisch; -i·r.v- Sieg. —
d. -irw-, en sch. Gesicht mit Ausschlag Saarl-Hüttersd. —
2. übertr.
a. -ę·r.w- dreist, frech, von kleinen Mädchen Neuw, Altk; -i·r.v- Sieg. —
b. -ęrw- geschwätzig Barm; -iərw- schwatzhaft schimpfend Siegld. —
c. -iərw- kläffend, vom Hunde ebd.

PfWB scherbeln schw.:
1.
a. -ęrw- mit flachen Steinen so über eine Wasserfläche werfen, dass sie mehrfach aufhüpfen Barm, Mülh-Ruhr; -e·r.v- Aach-Eschw. —
b. -ęăw-, sch. gehn vor dem Hause der Braut Scherben werfen, von jungen Burschen Kreuzn-Simmern unter Dhaun. —
2. übertr.
a. -ęăw- tanzen Kreuzn; -ę·r.w- Kobl-Stdt. —
b. -ęrw- schnell u. hastig schwatzen MülhRuhr. —
c. -e·r.v-, et schervelt mir es ist mir duselig, nicht recht im Kopfe Köln-Stdt. — Abl.: die Schärwel(er)ei, dat Geschärwel.

Scherbeien-müsche = Meise s. Schar-.

 

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