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Ranzen bis ranzenieren I (Bd. 7, Sp. 79 bis 82)
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Artikelverweis  PfWB ElsWB Ranzen das Wort, dessen sachl. Grundlage durch Tornister, Tasche vielfach verdrängt ist, ist für Bed. 1 als rantsə Sg. u. Pl. Rhfrk allg., dann im Anschluss daran an der uMos von Zell an, in May, Aden, in Altk, Siegld (m., f.), dann Elbf, Mettm; dann als rantsəl, Pl. -ələ in Monsch, Eup, Aach, Dür-Weisw, MüEif, Köln-Stdt [u. rants für ‘Bauch’ 2 a rantsə]; dann rants, Pl. ręnts f. Eusk-Lechenich, Köln, Bergh, SGrevbr; dann rantsəl, Pl. -əlts Mörs, Rees; für Bed. 2 a ist das Wort Rhfrk, Mosfrk, Rip, Berg allg. (s. d.) m.:
1. Rückentragsack aus Tuch oder Leder, Schulranzen

[Bd. 7, S. 80]


(s. Tornister, Tabel), Jagdtasche (Jagr.) [Tragtasche Siegld; Tasche in männl. u. weibl. Kleidern Grevbr-Hochneuk]. Vielfach noch im Lied auch in andern Geb.: Eich on mei alt Weib kenne gut danze, eich mer em Berelsack, ihnt mer em R. Bernk-Crummenau. Seht eich mol de R. an, was der R. d. kann; hinner'm Owe an de Wand steht e grosser R. Saarbr. Hingerm Uwen, h. U. liet en alen R., süh doch ens den R. an, wat de R. danzen kann! Gummb. Hopp, h., h., mei Geld es fort, se Kassel (Fischbach) leit mei R.; buckelig Männche, scher dich fort, ich will nit mit der danze! uNahe. Hopp, Mariännche, h., M., loss de Peppche danze; der Schäfer kemmt, der Sch. k., der steckt dech en sei R. May-Monreal, Birkf, Bitb-Hütting (-danzen; eich kann net mih, eich hon neist am R.). Get os jet en der Rommelspott, get os jet en der R.! aus dem Fastnachtsheischeld. Aach-Vicht. — RA.: De Männer dregen (tragen) en R. hengen, de Frauen dr. en vören Elbf. Wann mer so oft de R. angehongk hat, is mer gewiss kä Fille meh ist man alt Saarbr. Der hot zwanzig Deiwel im R. er ist wild, aufgeregt; s Unglick im R. drihn dass. Goar-Trechtingshsn. Aussen Franzen (Franjeln), nicks öm R.! Altk-NFischb. —
2. übertr.
a. sachl.
α. scherzh., verächtl. Bauch, Balg des Viehes; scherzh. oder kosend zu Kindern Räntzelchen u. Ränzche Rhfrk, Mosfrk, Rip, Berg; der hot en R. einen dicken Bauch Goar, Allg.; en hot et Ränzchen voll Trier, Allg.; er hot en Ränzchen wie en Fass Saarbg-Kreuzw; der hat sich de R. geflickt hat tüchtig gegessen Rhfrk, — gestoppt Birkf. Stopp der de R.! iss Köln-Stdt. Meat em hungerege R. eas net got danze May-Trimbs; et es net got d. met leddigem R. Köln-Stdt. Einen öm de R. schlonn um den Leib Köln-Stdt. —
β. verächtl. Rücken, Buckel; nemm et op de R.! Köln-Stdt. —
γ. eine tüchtige, fingerdicke Schnitte Brot Sieg-Rhönd. —
δ. Narrenzwetsche, kernlose Zw. Kreuzn. —
ε. Ränzche Tannenzapfen Köln-Sinthern. —
ζ. Ränzelchen kleinste Wurst, mit dem letzten Wurstfüllsel gefüllt, für die Kinder Aden-Nohn. —
η. Ranzel Prügel; aff un tu kreg hej ock wäll es R. van Vader; der hät orndlich R. gekrege Rees, Klev, Mörs; Ranzen Wittl-Olkenb. —
b. persönl. verächtl.
α. Ränzche dicker Kerl Koch-Weiler. —
β. Ranzel mutwillig ausgelassenes Mädchen Aach, Heinsb; Ranze Sieg-Ägid; Ranz, Pl. Ränz f. (für Kinder m.) Rheinb-Meckenh, Bo-Walberbg, Köln-Gleuel Sürth, Bergh-Heppend, Grevbr-Elfgen, Dür-Disternich Frauwüllesh; en doll, well, wöste R.; es die lang R. (das grosse Mädchen) noch op de Stross um mit den Kleinen zu spielen. —
γ. en imgewander (umgewendeter) R. unbrauchbarer Mensch Simm-Laub.

Ranzen-bohnen Altk-NFischb Pl.: Wollbohnen. Ranzen-knebel -īw- Birkf-Idar m.: Doppelknöpfe, zwei sechseckige Achatstäbchen,

[Bd. 7, S. 81]


durch ein Kettchen verbunden, zum Schliessen des Herrenrockes (vor 60 Jahren) oder der Manschetten. Ranzen-kor Neuw-NBieber n.: verächtl. Pack, Gesindel. Ranzen-korb -ntsəl- Goar-Trechtingshsn m.: hoher, bauchiger Korb mit Deckel. Ranzen-mann m.: Quartiermann, Bergmann, der im Quartier wohnte (wegen der Taschen, die er trug) Saargeb. Ranzen-männer Bergleute vom Westerwald, die in Siegld-Gosenb arbeiteten; sie gingen Samstags mit ihrem Rucksack, gefüllt mit ihren Bedarfsgegenständen u. Ware heim u. kehrten so Sonntags zurück Siegld-Gosenb.
 
Artikelverweis 
NRhWB PfWB ElsWB ranzen die Gruppe, zu mhd. Lexer ranzen ‘ungestüm hin- u. herspringen’, ist verstreut bezeugt schw.:
1. intrans. umherlaufen, sich herumtreiben Siegld-Kromb OSetzen, Birkf-Herrst; ausgelassen sein, von Kindern Bo-Walberbg. —
2. trans.
a. einen r., prügeln uMos 1808. —
b. absol. schnauzen, anfahren Barm. —
c. auskaufen Lennep-Hückeswg. — Abl.: die Ranzerei, dat Geranz(e).

ab- ranzen:
1. einen a., gehörig ausschimpfen, derb anfahren Malm-Vith, Neuw-Rosb, Gummb-Homburgisch, Mettm-Neviges, Rees, Klev. —
2. sich a., sich müde arbeiten Ahrw-Remag. an -ranzen: einen a., grob anfahren, anschnauzen Allg.; -rantsələ Kreuzn-Wallhsn; -nələ Klev-Calcar; -raŋgsə Ottw-Illing; de hät mech groff ageranz, als wenn ech ene domme Jong wär Rip, Allg.; de ranz enen an, als wenn mer vom Galgen heraf käm Schleid-Glehn; woröm ranz du mech (wegen einer solchen Kleinigkeit) su ān? Rip, Allg. — Bes. von unhöfl. Beamten gesagt. — Auch hier u. da weniger grob, einen unerwartet anreden, anfragen, unbescheiden fordern.

Ranze rantsə Sg. u. Pl. Siegld-Kromb f.: verächtl. Herumläuferin, Klatschweib.

Ranz-eule -ȳ:l Bo-Walberbg f.: verächtl. wildes, ausgelassenes Kind.

PfWB ranzeln, ränzeln schw.:
1. -a- intrans. umherlaufen, sich müssig umhertreiben, viel auf der Strasse sein, bes. abends von Mädchen, auch erumr. Birkf-Idar (--), Zell-Trarb, Koch-Poltersd, Bitb-Ehlenz Badem. —
2. trans.
a. -a-, einen r., verhauen, prügeln Rees, Klev, WSelfk, Sieg-ODollend; sech r. sich balgen MGladb. —
b. -a- Kreidetücher ausklopfen Eup-Stdt. —
c. -ę- tauschhandeln Heinsb-Karken 1880. — Abl.: die Ranzel(er)ei, dat Geranzel(z).

ab- ranzeln, ab- ränzeln: einen a., tüchtig ausschimpfen, gehörig verprügeln WSelfk, Geld, Klev (-sələ).

ranzelig, ränzelig Adj.:
1. -ę- brünstig, von der Katze Zell-Briedel. —
2. -a- ungeduldig hin- u. hertrippelnd, unwillig Saarbg-Serrig, Trier-Clüsserath.

PfWB ranzig -a- Adj.:
1. brünstig, von der Katze Bernk-Mülh, Koch-Gillenbeuren Hambuch. —
2. gerne schnuppernd, vom Hunde MGladb-Korschenbr.

[Bd. 7, S. 82]


ranzenieren I rantsənī:rən  Elbf schw.: anranzen.

 

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