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quitt bis Quittung (Bd. 6, Sp. 1357 bis 1359)
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Artikelverweis  PfWB ElsWB quitt das Wort, frz. quitte, engl. quit, mlat. quitus < lat. quietus, ist allg., u. zwar Rhfrk, Mosfrk bis zur ei/ī-L. zunächst Rhfrk gəwait, –węit, in Bernk, Zell bis an die Mos reichend [-wēd Birkf-Idar], dann gweit lrhn. bis zur ei/ī-L. [-it Zell-Sohren, Bernk-Rhaunen Neumag, Trier-Mos, Saarbg-Wellen, Wittl-Lüxem, Bitb, Kobl-Stdt (u. -eit), Westerw, Siegld]; Rip -īt, –it; doch Rheinb, Bo, Sieg, MülhRh, Köln, Bergh, Dür -ek, –ik [Rheinb-GrBüllesh alt -ik, jetzt -it; Prüm neben -eit auch -ekt; MGladb-Jüchen kek]; Berg -it; Eup, SNfrk -īt [SMGladb, Grevbr, Neuss -it]; Klevld -it (scherzh. -itjəs) [SMörs, SGeld, Duisb -īt]. — Daneben nach der frz. Ausspr. für die Bed. 2 ‘nichts mehr schuldig’ (für Bed. 1 qu.) kit Simm-Spesenr, Birkf-Idar, Wend, Ottw, Saarbr, Saarl, Merz, Saarbg-Greimerath, Trier-Stdt Olk, Kobl-Stdt, Neuw-Rheinbrohl, Aden-Kelbg, Ahrw-Vettelhv, Eusk-Lechenich, Köln-Brück, Jül, Kref-Stdt, Berg, Dinsl; nur gwit u. kit Birkf; kavit  Aach-Eschw; kwit Mülh-Rh-Overath, Lennep-Hückeswg Adj. präd.:
1. los, verlustig, verloren; dat (älter des) bes de qu.; ech sen et (älter əs) qu.; ech ben et ganze Geld qu.; den sen mer bal glöcklich qu. ihn los u. darüber sind wir froh; ech kann die Verkäldong (de Koh udgl.) net qu. werde Allg. RA.: De well net ger jet qu. sen gibt nicht gern etwas ab, der Geizhals MGladb. Wat den nit gern qu. es, helt e fas er sagt nicht mehr, als nötig ist Geld-Schravelen. Wat mer (weg-, fort-)git, es mer qu. sagt der Geizhals Rip, Nfrk; wer vill wegget, wird v. qu. Kobl; guəden Appetit, wat mer weggöt, dat es mer qu.! Mettm-Kuchhsn; wa'j (was du) geft, si'j (bist du) qu., gef gej et an de Köster of an de Pastor Emmerich. We gelt (kauft), wat heə sitt (sieht), deə es gau (schnell) sing Penneke qu. Aach-Stdt. De nit küt zo rechter Zick (Zeit), es et mehrsch sing Molzick qu. Köln-Stdt, MülhRuhr. Sie es ei Rüasken qu. hat ihre Unschuld verloren Elbf. Mann un Wif üs en Lif, un wat et W. frett, üs de M. qu. Meiderich. Hei kann et qu. werden ist freigebig, üppig, verschwenderisch Gummb; he kann net got jet qu. werde ist geizig Rip, Allg.; de kann et net got ut de Häng (Händen) qu. w. arbeitet langsam Heinsb-Dremmen; de kann de Wöərt net qu. w. spricht langsam Kemp-Boish. Öm Neujoəhr ka men alles (durch Geschenke) qu. w. Aach, MGladb, Erk. In Oberstreit werd mer sei Geld geweit Neckspr. auf Kreuzn-OStreit. Wer will sei Sach geweit were un wäss nit wie, der hall Geil (Gäule) un Ferervieh, — heirat Parrersch Dächter un kaf Millersch Vieh! Simm-Schlierschd. Ge Moərge

[Bd. 6, S. 1358]


(guten M.), wer frih ofsteht, muss fr. soərge; wer lang leit (liegt), wiərd ach sei Sach geweit Rhfrk, Daun-Tettschd (— opsteht, sein Sach verdeht). Ber alles sät (sagt), bat (was) e hirt on seiht, wiərd all sein gode Freinde qu. May-Trimbs. Vun der Lung op de Zung, dat sin de beste Lück (Leute); doch ehr Fründ werde flöck se quick Köln-Stdt. Gangk no St. Veckt (St. Vith), do geste des Geldes queckt Prüm. Wen nit kömmp op de rechten Tit (Zeit), dä geiht et Beste van't Eten qu. Mörs. — Qu. sen, enen qu. mache aller Klicker verlustig Köln-Brück, Mettm-Langenbg, Rees-Wesel Stdt, Klev, Kref, Kemp. Fitt, f., f., de Knickers büsse qu.! Ess. Ri, ra, ritt, ech sin se alle qu.! Mettm. Kick, k., k., du bes se alle quick! Aach-Gressenich. — Et Sonndags en Lik (Leiche) schleht er en de Weək (Woche) en quit stirbt einer Sonntags, stirbt noch einer in derselben W. Kemp-Boish, Geld-Schravelen. —
2. hinsichtlich der gegenseitigen Forderungen ausgeglichen seiend; mer sen qu. wir haben keine Schulden mehr untereinander, wir haben unsere Rechnung beglichen; wir sind geschiedene Leute; mer wellen et qu. machen; ech sen nur qu. met dir wenn ich Gutes oder Böses, Gleiches mit Gleichem vergolten habe Allg.; du has mech de Eier gebrait (gebracht), dann könne mer dat jo möt de Schohn qu. make sagt der Schuster SNfrk; sich qu. mache sich selber bezahlt machen, heimlich weggehen Sieg-ODollend.; qu. on glik sen die Rechnung vollkommen beglichen haben Heinsb, NWErk; geweit schlahn ausgleichen Saarbr u. -it, –īt Aach-Stdt, Heinsb; ech schlonn et dech qu. ich erlasse es dir Heinsb; lang geborgt es net qu. geschlage ist noch lange nicht geschenkt Aach-Stdt, Geld-Leuth; dat weər ech dech qu. duəhn vergelten (im Guten wie im Bösen) MGladb, Erk. En gut Heirot maicht alles qu. ersetzt die Verluste Trier-Mehring. Sech erges qu. weərde irgendwo niederlassen Aach-Merkst. — Häufig beim Spielen um Geld oder Geldeswert; qu. ist man mit einem, wenn man wiedergewonnen hat, was man im Spiel verloren hat, oder A. schuldet B. im Spiel 30 Pfg., B. dem A. 10 Pfg., jetzt gibt A. dem B. 20 Pfg. heraus u. sagt: mer send nu qu, ebenso beim Klickern: ich sei qu. bliewen habe nichts verloren u. gewonnen Allg.; der verlierende Teil bietet an: qu. odder noch esu weit! d. h. den noch nicht ausgezahlten Gesamtgewinn (die verlorene Summe) auf das letzte Spiel einzusetzen, so dass er seinen Verlust wett macht oder verdoppelt (frz. jouer à quitte ou double) Bitb, Prüm, Malm; qu. of ens esuə wit! Monsch, Aach, SNfrk, Emmerich; qu. odder dubbel! Düss-Stdt; verdubbelt or qu.! Elbf.

quitten -īt- Eup-Raeren schw.: einem qu., vergelten; he nohm sech ävvel för, et hön se qu.; wart märr, dat kriste gequit!

ab- quitten: :fgweitən, etwas a., nach u. nach abbezahlen,

[Bd. 6, S. 1359]


zurückgeben, abverdienen, absol. die Forderungen gegenseitig aufrechnen Daun-Strohn.

PfWB quittieren Rhfrk, Mosfrk -idī:rən, –dē:rən [kidijərn Saarl-Berus]; sonst -it- schw.:
1. etwas qu., verlassen, aufgeben; et Rauchen moss er qu.; er quittiert nit lässt nicht nach im Essen, isst gierig; ich wollt, de wirscht mich qu. in Ruhe lassen Saarbr, Saarl; ich moss de Knech qu., e es ze ärg an de Mäd (Magd); he hät alles quittiert on es en't Kluster gegange MüEif; en Plätz (Stelle) qu. verlassen, aufgeben ebd. u. sonst nach dem Nhd. —
2. nach dem Nhd., den Empfang bescheinigen; dat Geld, de Rechnongk qu. Rip, Allg.

Quittung -idoŋ, –it-, –et- [-idiən Saarbg-Winchering], Pl. -·ŋ.ə(n) f.: nach dem Nhd.
 
Artikelverweis 
PfWB ElsWB Quitte soweit bekannt -it, –et, Pl. -də(n) [Aach-Stdt 1830 -ejl; Heinsb -ī·ə.; Heinsb-Millen, Kemp-Dornbusch -e·i.; Geld-Schravelen -ej; Mörs -în; Klev, Rees (ndl. kwee), Pl. ] f.:
1. wie nhd. cydonia oblonga. RA.: Ge. (gelb) wie en Qu. Allg. (auch dort, wo die Frucht nicht bekannt ist). —
2. übertr.
a. Kürbis Trier-Mettnich. —
b. -īn Spaltpilz Mörs-Neuk. —
c. Schlammpeitzger (auch Quinool) Mörs-Arbg Neuk Lassfonderich.

Quitten-birne -e'i.pr Heinsb-Millen; -ej- Geld-Schravelen f.: Quitte. PfWB quitten-gelb (s. S.)  Allg., auch da, wo die Quitte unbekannt ist [ketə- Saarbg-Weiten; kotə- Trier-Conz] Adj.: g. wie eine Qu., ganz g.; de Äppel sen qu.; en qu. Gesech Rip, Allg. PfWB quitten-goldengelb -goldegl Wend-Sien; goldegwidəgl Simm-Laub Adj.: dass.
 
Artikelverweis 
quitteln -id- Trier-Stdt, s. quinkeln II schw.: absol. u. met em Af (Auge) qu. zwinkern, blinzeln. — Abl.: die Quittel(er)ei, dat Gequittel(s), der Quitteler (Feinschmecker Kobl-Güls].

quitten, quittieren, Quittung s. o. bei quitt.

 

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