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Quirne bis quiserig (Bd. 6, Sp. 1349 bis 1352)
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Artikelverweis Quirne ndl. kwaern, mndl. querne, queerne, quaerne, ahd. quirn(a), ags. cweorn ‘Mühle, Handmühle’ f.:
1. -ī:r, –ē:- Mühlstein aus Niedermendiger Basaltlava, kleiner als 3 Fuss, 6 Zoll Durchmesser. —
2. übertr. Drehbutterfass, meist kī·ə.(r)n, –ē·ə.-, kęrn, kan (s. Kirne); doch noch einige Belege mit kwī·ə.(r)n LRip n Dür-Nörgenich Stdt, Bergh-Blatzh Brüggen Hemmersb Mödr, Köln-Frechen Sinthern Stotzh Widdersd, Eusk-Enzen Stdt; kwī·ə.r

[Bd. 6, S. 1350]


Bergh-Esch Glesch, Aden-Liers (-rə); kwī·ə.l Bergh-Balkhsn Blatzh; kwī·ə.dəl Ahrw-Burgsahr, Aden-Liers (s. Wk. IV 17).

quirnen Verbr. wie bei Qu. 2 schw.: Butter qu., im Butterfass drehen.

quirschelig = schlecht gelaunt s. querschelig bei quer.
 
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Quirzchen (s. Quarz) -īăts-, Pl. -χər vereinzelt OMosfrk in Koch-Poltersd n.: verächtl. kleiner Kerl.
 
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Quisch-chen kwikən, Pl. -kəs SNfrk in Kemp-Süchteln n.: Zweiglein. — Hierhin auch -eən Pl. Anzündholz Mettm-Langenf. S. Schwichelchen.
 
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Quisel das Wort, ndl. kwezel, westf. quiesel, –is- entsprechend, wohl eine Abl. zu quiseln, wiseln ‘sich unruhig bewegen’, ist lrhn. an der Saar n. einschl. Saarl, an der Mos, n. Mos allg., rrhn. n. einschl. kurköln. Neuw, Altk-Horhsn, Siegld-Müsen allg., doch steht gegenüber der sehr verbr. Bed. 1 b bes. rrhn. eine Reihe anderer ursprüngl. Bed.; -iz- [Rip selten -e-; Eup-Stdt, Saarbg, Mos, SMay -īz-; Aach-Stdt, SNfrk in Geilk, Heinsb, Erk, MGladb, Grevbr, Kemp -īəz-; Heinsb-Saeffelen, Geld, Mörs, Klev, Rees, Dinsl -ē-; doch -e- Klev hier u. da; -i- Rees-Wesel], Pl. -ələ, –əln, Klevld -əlts, Demin. -əlχə(n), –əlkə, –əltjə f. [Saarbg-Wellen n.]:
1. persönl.
a. ursprüngl.
α. behender, beweglicher kleiner Mann (m.); bewegliches, lebhaftes Kind, bes. Mädchen uWupp, Sol, Rees-Wesel; emsiger Mensch, meist von Frauen Merz-Saarhölzb. Danz, d., Qu.chən, gen dir en Koh; du sät (sagte) dat lausig Qu.chən: dat Kalf dezo! Danz, d. Qu.chən, gen dir e Perd; du sät dat l. Qu.chən: da's mer net derwert. Danz, d., Qu.chən, eich gen dir e Man; du sät dat l. Qu.chən: dan danzen eich, wat eich kan! Tanzld. Prüm-Waxw, ähnl. Erk. —
β. verächtl.
αα. Frau, die ständig etwas auszusetzen hat, immer klagt, sehr empfindl., bes. im Essen ist (auch von Kindern), unstet ist u. dabei fein u. vornehm tut Barm, Elbf, Düss-Ld, Ruhr, n. Ruhr, Klev, Mörs, Kemp, MGladb-Odenk, Grevbr-Wanlo, Neuss, Sieg-Siegbg, Siegld; übertrieben kleinliche Person Kemp-Hüls; verwöhntes, zimperliches, gerne weinendes Kind (Schreihals) Ess, Dinsl, Siegld-Marienborn Müsen, Kobl-Winning. —
ββ. Frau, die nicht voranmacht, es zu genau nimmt; en alen Qu. (m.) weibischer Mann Gummb-Schwarzenbergisch. —
γγ. Weib, das viel über andere redet Sieg-Fussh, —
δδ. unsauberes Weib Trier-OFell, Bo-Walberbg. —
εε. Geizhals Aden-Langenf (m.). —
b. verächtl. alte Jungfer, die frömmelt; Kirchenläuferin, Betschwester, Scheinheilige, die im Alter viel die Kirche besucht, während sie in ihrer Jugend nicht viel taugte [im Mosfrk auch unbeliebte ältere, unverheiratete Person, ohne dass sie frömmelt; Schimpfn. für die Lehrerin; in Urkunden des SNfrk u. von Geld werden die Beginen Quesels

[Bd. 6, S. 1351]


genannt, bes. die Kempischen Qu.]; die al Qu. leggt de ganzen Dag en de Kerk Kref; en hellig Qu. Saarbg-Borg, Verbr. ist diese Bed. lrhn. allg.; rrhn. kurköln. Neuw, Altk n. Horhsn, Sieg, MülhRh, Waldbr, Düss-Stdt, Duisb. RA.: Alleng (allein) wie en Qu. Eup-Raeren. Brav wie en Qu. Aach-Stolbg. Die Qu. es so fromm, die pesst Weihwater Geld. En Qu. es enen Engel e jen Kerch, en Klappei (Klobott) open Stroəss en ene Düvel e jen Hus Aach, Heinsb. Qu.ən en Beginge sönd net, wie se schinge (scheinen) Aach-Stdt. Wo en Qu. em Hus es, do setz der Düvel om Dach Dür, Bergh, — do sett der D. op de Schorresten Geilk. Die Qu. diht (tut), äs wenn osen Herrgott bländ (blind) wär; en en Wogschall (Waageschale) wirf se fönf Nicksnötzigkeiten, en de andere f. Rusekränz un meint dann, wann osen Herrgott föhlt, dat dei Zong zwöschen de Wogebalken stöhn (stände), wär alles got Neuw-Asb. Violett steəht de Qu.ə nett Aach-Stdt. Ennen Esel, en Qu. on enne Notenbom (Nussbaum) häbben et Schlohn van duhn (nötig), wenn se Dög sallen duhn (taugen sollen) Geld, Kemp. Et Dögt en de Meddse (Mitte), sät den Düvel, doə stong (stand) he töschen twie Q.n Kemp-Süchteln. —
2. übertr.
a. persönl.
α. ale Qu. m. verächtl. alter Junggeselle May-Baar Nachtsh, Daun-NEhe, Aden-Kempenich Lederb. —
β. Art kleiner Käfer, der rasch läuft Merz-Saarhölzb. —
γ. Rind mit anormalem Geschlechtsorgane Neuw-Datzeroth. —
b. sachl.
α. verächtl. sehr kleine Kartoffel, Äpfel; mer mitscht (müsste) bal e Brell op deihn, fir de Qu.n ze seihn Merz-Saarhölzb; -izəlχər Schleid-Blumenth, uWupp. —
β. -izəln Pl. die von Baumzweigen abgehauenen kleinen Schösslinge uWupp 1870.

Quiselant -əlant , Pl. -tə May-Kirchesch m.: verächtl. alter Junggeselle.

Quiseler -izələr Sg. u. Pl. (u. -rə) Bernk-Maring, Koch-Kaifenh Brieden, May-Ditschd Glees Metternich Volkesf m.: dass.

quiselig Adj.:
1.
a. zu Quisel 1 a.
α. lebhaft, beweglich Verbr. wie Qu. 1 a α; ungeduldig Altk-Otterb, Ahrw-Rolandseck, Gummb-Berghsn; kleinlich, auf Angewöhnungen bestehend Kobl-Stdt; empfindl., kleinl. Mettm-Velbert. —
β. stets klagend, nörgelnd, zimperlich, verwöhnt, bes. im Essen, dabei vornehm tuend Verbr. wie Qu. 1 a β αα, dazu Wippf-Wipperf, Lennep-Herbringhsn, Köln-Stdt Brauw, Dür-Nideggen, Eup-Stdt, Erk-Elmpt, Geld-Wetten. —
γ. nicht voranmachend, es zu genau nehmend; en qu.ər Minsch mit dem schlecht fertig zu werden ist Gummb-Schwarzenbergisch. —
b. frömmelnd, skrupulös, scheinheilig Verbr. wie Qu. 1 b. —
2. klein, fein, dicht aufgewachsen, von Obst uWupp u. Sol 1870.

quiseln schw.:
1.
a.
α. vor Erregung unruhig hin- u. herlaufen; emsig arbeiten Merz-Saarhölzb;

[Bd. 6, S. 1352]


emsig arbeiten, basteln Daun-Gerolst; seine Arbeit hastig verrichten Rees-Wesel. —
β. empfindlich sein, bes. wählerisch sein, im Essen manschend, sich geziert benehmen, gehen Verbr. wie Qu. 1 a β αα u. Mettm-Velbert Vossenack, Geld, Bergh-Bedbg; kränkeln Düss-Kaiserswerth, Ess-Borbeck; unzufrieden weinen MGladb-Neuwerk; an allem jet erömqu. nörgeln Jül; schreien von jungen Vögeln Düss-Stdt. —
γ. nicht voranmachen, es zu genau nehmen Gummb-Schwarzenbergisch. —
b. frömmeln Rip, SNfrk, Geld. RA.: Esu lang dunn se (die Mädchen) qu., bis se finge (finden) jet ze wisele zu tuscheln, ein Verhältnis anzuknüpfen Köln. — Ledig bleiben, von Mädchen Aden-Kaltenborn. —
2. übertr.
a. tuscheln Grevbr-Wickr. —
b. absol. sich necken, von Kindern Heinsb-Saeffelen. — Abl.: die Quisel(er)ei das Quiseln [Umschweife, Qu. make Kref-Strümp Fischeln; zu kleine, kaum brauchbare Dinge, z. B. Kartoffeln Elbf; unnütze Arbeit Bo-Friesd], dat Gequisel(s), der Quiseler, die Quiselersch.

ab- quiseln: einem etwas a., abschmeicheln Sieg-Fussh.ver -quiseln:
1. einen v., verzärteln, verwöhnen Geld, Klev, Emmerich, Ess. —
2. etwas v., verschwenden, vertun Bergh.

Quisel-arsch Sieg-Fussh m.: verächtl. (u. so auch die andern Zs.) listiger Mensch. Quisel-galle -·l. Elbf f.: Krankheit des Pferdes, das dabei sehr unruhig ist. Quisel-heiliger -əltshe·l.əjə m.: scheinheiliger Frömmler. Quisel-kram -:- Sol m.: zu kleine Dinge. Quisel-kunte Ess-Rotthsn f.: empfindlicher, verwöhnter Mensch, bes. Kind. Quisel-mamsellchen Schleid-Dollend n.: Zimperlise. Quisel-peter Geld-Wetten m.: zimperlicher, verwöhnter Mensch. Quisel-quast Elbf m.: unruhiger M. Quisel-sterz Neuss-Büderich m.: zimperlicher, verwöhnter Mensch. Quisel-tier -dē:r Bitb-Ernzen n.: al Qu. altes Weib.

Quiselte -əltə, Pl. -tən Remschd, Barm f.: verächtl. albernes, weinerliches Weib, Zimperlise.

Quiselöres -əlrəs , Pl. -əsə Sieg-Ägid, Heinsb-Oberbr m.: verächtl. Betbruder.

quiserig -ēz- Rees-Bislich Adj.: zimperlich, verwöhnt.

 

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