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Lamm bis lammig (Bd. 5, Sp. 64 bis 68)
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Artikelverweis Lamm Allg., u. zwar lam, –ā-, –ǫu- [Heinsb-Dremmen lm, Demin. l·m.kə] [älter lamp, –ā-, –ǫ-, –ǫu-, s. Kamm, krumm; Dat. zu -mp ist la·m., –ā:-], Pl. la·m.ər u. -ę-, –e-, –ā-, –ǫu- [Aach-Stdt lam, aber lamp jǫdəs; Monsch-Witzerath

[Bd. 5, S. 65]


nur das Demin. lę·m.χə; Schleid-Einruhr lęiəmp; Köln-Stdt lam, Demin. lę·m.χə u. -ę·i.-]; Demin. lęmχə, lę·m.χə(n), –-, –ē-; lęmkə [NBerg -ęi-] n.:
1. junges Schafl., auch Schof(s)-, Aulamm; Ziegenl., doch meist Lämmchen oder Geissen-, Hippen-, Hittenl., Zickelchen, Hitzchen; beide in der Kinderspr., wie auch Bä-, Mälamm. Die Unterscheidung nach Geschlecht beim Ziegenlamm, L. weibl., Bock (Böckchen) männl. Neuw, OBerg Girm(lamm) weibl., Bock(lamm) männl.; Lockr. Lämm oder Limm; en L. werfen (kriegen) Allg.; Lämmer mache Junge werfen Rhfrk; L. afsette zu früh gebären Klevld; wenn en (Schops)lämmchen im Febewar fällt (geboren wird), dann hät et Mutterschop im October gebockt Gummb. RA.: Esu gedellig (geduldig) wie e L. Bitb, Allg.; dot Perd es brav wie e L. Erk-Elmpt; eso gedom (mürbe, müde) wie e Lämchen Trier-Mehring; so fromm as en L. Gummb-Berghsn; so füt (kleinlaut) we'n L. Wermelsk; he steht we'n L. so dick ist der Rahm Waldbr; he höppt wie e L. Allg.; dat gäht wei em duden Lämmchen sei Schwönzchen er arbeitet zu langsam Bernk-Wintrich. Füəre wie ne Kammp, meddse wie en L., henge wie en Schoətgaffel? der Hahn MGladb-Neuwerk. Der Appel fällt nit wit vam Stamm, so wie dat Schop es auch dat L. Sol, Jül-Linnich. Mattheis (24. II.) könnt net e je Langk, he brengt e jongk Kalf odder e j. L. Monsch-Witzerath. En jong Kriem (Mutterschwein) (Germ) un en alen Ramm (Eber) güt alle Johrsch en L. vom Kinderreichtum eines Ehepaares, bei dem sie jung, er alt ist Gummb; alde Böck on jonge Hippe gewe völ Lammers Mörs, Klev. Mer hirt lever (lieber) e jongk L. schreie be en jongen Hann (Hahn) wenn die j. L. schreien, wirds Frühling, u. wenn die j. H. schr., naht der Herbst May-Kollig. Et hat noch kä Wolf e L. geboren Saarl-Niedaltorf. Wann de Bock Lämmer mächt auf unbestimmte Zeit Neuw-Segend. Zu dem, der sich grade übergibt: Bat hät et dann gegewe, e Kälfche odder e Lämmche? Neuw-Datzeroth. Nasser Aprel frisst der Lämmer vill; awer er es der Bauern Will Neuw-Willr. — Schlof, Kinnche, schl., der Vadder hit (hütet) de Schof, de Mudder hit de Lämmercher met de rore Bännercher (Bändchen), schl., K., schl.! Birkf, Verbr. Rengele, rangele, Rose, Botter in de Dose, Smalt in de Kaste; märge welle wej faste, owermärge Lämmkes schlachte, dat sall rupe: blä, bl., bl.! beim Ringelreigen Geld, Allg. (mit Var.). L., Pamm, P., P.! Spottruf für Reisende Saarbr. —
2. übertr.
a. persönl.
α. Lämmchen (-ken) Kosew. für ein Kind; du bös meng L. Rip, Allg. —
β. e gedöllig L. der sich schon allerlei bieten lässt Allg.; e Lämmche der ganz unschuldig ist, sich nicht zu wehren u. auch nicht anzugreifen weiss (meist verächtl.) Neuw. —
γ. e L. Goddes ein beschränkter u. deshalb unzuverlässiger Mensch, Heuchler Allg. [im übrigen ist der bibl. Sinn u.

[Bd. 5, S. 66]


das Prozessionssymbol allg. bekannt]. —
δ. Lämmcher Pl. Neckn. derer von Goar-Perschd. —
b. sachl.
α. Lämmcher Lämmerwolken Simm-Reich, Siegld-Kromb (sonst Schäfcher). —
β. Lämmkes Schneeflocken Erk-Vossem. —
δ. Lämmchen Hemdenzipfel, der aus der zerrisse nen Hose herausragt, in Wend., wie: Er hot e L. Kreuzn-Allenf; de hat et L. eraushänken Wittl-Dörb, Schleid-Hellenth; er micht e L. Birkf-Idar; he krigt e L. Siegld-Unglinghsn; du kreist en Lamm an Altk-Wissen. —
ε. Lämmchen Blütenkätzchen der Haselnussstaude u. Weide Birke, Erle Trier-Eitelsb, Ahrw-Bengen Ringen, Eusk-Merzenich; Lämmcher, Lämmercher Siegld; -əlχər Kredenb; Lammer oder Lämmcher Kromb; Lammelchen Altk-Köttingerhöhe. —
ζ. er hat en L. an de Bocks den Hosenrand mit Dreck bespritzt Birkf-Mackenr. —
η. e L. Goddes Wollabfälle, Garnenden; handele met L. G. mit gestohlenen u. veruntreuten Wollabfällen Eup.

PfWB Lamm- in der Zs. wie –fell [la·m.s- geringwertige Perücke Kobl 1800], –fleisch, –wolle nach dem Nhd.; dazu: PfWB lamm-fromm  Allg.: wie nhd. Lamm- -j-  Kemp m.: schlaffer, energieloser Mensch, Lamm Gottes. Lamm-löll  Mörs m.: einer, der sich alles gefallen lässt. Lamm-lötschchen -ltkə  Duisb n.: steifer, unentschlossener Mensch. Lamm-schaf -:- Bernk-Gräfendhron n.: Sch., das grade ein Junges hat. Lamm-soterich lam(ə)sdəriχ, –s- Siegld m.: langsamer, entschlussloser, phlegmatischer Mensch, den man darum verachtet u. zum besten hält. lamm-soterig Adj.: träge, entschlusslos.

Lämmer- in der Zs. -ę- u. -a-: Lämmer-bock Bergh-Hüchelhv m.: männl. Schaflamm. Lämmer-dreck Rhfrk, Mosfrk (u. -drecker) m.: Kot, Mist der Schaflämmer. Lämmer-fleisch Prüm-Stadtkyll n.: Zwerchfell der Kuh. PfWB Lämmer-geier May m.: in der Wend.: Er hat en L. eraushänke den Hemdenzipfel aus der zerrissenen Hose. Lämmer-grundbirnen -grumbərn Daun-Tettschd Pl.: in kleine Würfel geschnittene Kartoffeln, mit geröstetem Mehl in Suppe (Kartoffelwürfel mit Hafer gibt man säugenden Schafen). PfWB Lämmer-husten (s. S.) Kreuzn-Oberhsn, Ottw-Aschb, Kobl m.: grober H., Keuchhusten. RA.: Der hat de L., wo die Alden dervan frecken Aschb. Lämmer-junge -ju·ŋ. Koch-Kaisersesch m.: Gehilfe des Schafhirten. Lämmer-kräppchen May-Kollig n.: Lammfell. Lämmer-leid -lāt, –- Koch-Treis, Neuw (nicht kurköln.) n.: in der Verwünschungsformel: Dau solls dat L. krege! Lämmer-sack Bernk-Gräfendhron m.: S., den der Schäfer mit sich führt, in dem er etwa auf der Weide geborene Lämmer nach Hause trägt. Lämmer-schäfchen -:- Aach-Stdt n.:
1. Schaflamm (auch nachgebildet) (kosend). —
2. übertr.
a. Kosew. für ein Kind, Geliebte. —
b. Blütenkätzchen der Haselnussstaude u. Weide Aach-Breinig. Lämmer-schwanz m.:
1. Schw. eines Lammes. RA.: Sei Herz kloppt (jagt,

[Bd. 5, S. 67]


bubbelt) wie en L. Rhfrk, Mosfrk. De L. guckt heraus ein Hemdenzipfel aus der zerrissenen Hose May; der hot e L.schwänzche Kreuzn-Dorsh. —
2. übertr.
a. Pflanzen.
α. Sg. u. Pl. Wiesenknöterich, polygonum bistorta Birkf, Simm, Bernk, Koch. —
β. Wiesenlieschgras, phleum pratense Kreuzn. —
γ. Pl. Blume mit kleinen Glöckchen Wend-Baumholder. —
δ. Pl. spanische Fliederblume, syringa vulg. Wittl-Cröv, Zell-Briedl Enkirch Pünderich Starkenbg. —
ε. Pl. Mondviole, lunaria rediviva Kreuzn-Hahnenb. —
ζ. Rispenamarant, amarantus paniculatus Meis-Medard. —
η. Nachtviole, hesperis matronalis ebd. —
θ. Lämmelschwänzche Blütenkätzchen der Haselnussstaude u. Weide Simm-Michelb. —
ι. Rebsorte, veredelte Amerikanerrebe mit grossen, langgestreckten Trauben, vitis candata Kobl-Dieblich Winning. —
b. persönl.
α. einer, der unentschlossen ist; dau bas en L. Wittl-Binsf. —
β. L.schwänz Neckn. derer von Kreuzn-Hahnenb, Simm-Mengerschd. Hennweiler L. leə Eier wie die Gäns, let se net so dick, dass dei Vater un dei Modder net dran verstrickt (erstickt)! zu denen von Kreuzn-Hennw. Lämmer-spitze -bets, –ø- (doch s. Lammel-) Saarbr-Göttelborn, Merz, Saarbg, Trier, Wittl-Monzel, Bernk, Prüm f.: Schweinefilet. Lämmer-sterz (s. S.) Allg. m.: Schwanz des Lammes. RA.: Et Hetz (Herz) schleiht mer we ne L. Köln, Allg. Dat Kend es so wibbelig wie en L. Merz-Mond. De Beck (Mund) geht em äs en L. Dinsl-Hamborn. De L. hänkt em eraus der Hemdenzipfel aus der zerrissenen Hose Simm-Chümbdchen. Lämmer-tasche -ta Ottw-Eppelborn f.: Rocktasche für Frauen. Lämmer-zagel -ts:l Prüm-Ihren, Sieg, Waldbr m.: -schwanz. RA.: Et Herz kloppt him wie en L. Allg.

Lämmchens-birne lę·m.əlχəsbēr Kreuzn-Daxw f.: B.sorte. Lämmchens-brei lę·m.ərkəs- Düss-Stdt m.: Kinderbrei. Lämmchens-papp lę·m.ərkəspap Barm, Klev; lø·y.mərkəspǫp Heinsb m.: Suppe aus gewässerter Milch, Mehl u. Brotkrusten. PfWB Lämmchens-tag lę·m.ərχəntsdāx Merz, Saarbg m.: of L. Nimmerchenstag.

Lammen la·m.ə Sg. u. Pl. Koch-Kaisersesch f.: noch unberührtes weibl. Schaf.

PfWB lammen -a-, –ā- Bitb, Trier, Wittl, Bernk, Koch, Kobl, Westerw, Siegld, Sieg, Bo, Bergh, Grevbr, Aach-Ld, Erk [Körrenz -aum-; Heinsb-Dremmen -ǫ·m.-], Heinsb, MGladb, Mörs [sonst (Jonge) mache, werfen] schw.:
1. Lämmer zur Welt bringen, von Schaf u. Ziege [nur vom Schaf Bergh-Hüchelhv Glesch, von der Ziege tsickeln; von Ziege u. Kaninchen Neuw-Kurtschd]; et Schof, de Gäss hot gelammt. RA.: Dat ös hatt (hart), sät den Bock, do soll hej l. Mörs. Wenn de Böck l. am Nimmerchenstage Daun-Dockw; Summerustern, wenn de Beck l. Daun-Tettschd, Neuw-Datzeroth. De Hedelesch (Buchweizen) muss esou denn (dünn) gesicht

[Bd. 5, S. 68]


(gesät) gen, dat en Au (Schaf) dro ka l. Prüm-Ihren. Dat äs en Döppen (so alt), do het de Katz at (schon) drän gelammp Neuw-Asb. De sitt us, mer ment (meint), er wär dörch en Röf (Raufe) gelammp er ist sehr mager Rheinb-Hilberath. Et gäht bei dem su leicht af bie beim Schof mem L. dem, der sich beim Übergeben nicht anzustrengen braucht Neuw-Datzeroth. —
2. übertr.
a. he hat gelammt sich übergeben Koch-Lutzerath. —
b. der gäht l. ein Hemdenzipfel schaut aus seiner zerrissenen Hose Wittl-Dörb.

ab- lammen: dat Ai (Mutterschaf) hot ofgelamt, et zielt net meh es hat aufgehört, Lämmer zu werfen Bitb-Dudeld.ver -lammen: zu früh gebären; et Schof, de Gäs hat verlammt Kobl, Neuw, Klev-Rindern.

lämmern Mörs-Asbg schw.: lammen 1; de Geit hät te fruh gelämmert.

PfWB Lämmes lęməs Sg. t., Demin. -əsχə(n), Pl. -əsχər n.:
1. von Tieren.
a. Schaflamm (hier meist Demin.) u. kosend auch das Schaf Saar, Nahe, Hunsr, Trier bis Kobl, Wittl, Bitb, Daun, May, Aden bis Ahrw-Hönning Wershf, Malm-Mürring; Lämmes(chen) dä, dä, dä (bä, bä; hei, hei; bu, bu; komm, k.)! RA.: Den as vom Lämmes (nie Demin.) gebass (gebissen) er ist nicht recht gescheit, hat einen Sparren Allg. (auch Gummb-Linde, MGladb-Rheydt), — gebickt Saarbg-Castel, — gepeckt Bitb-Körperich, Kobl-Bend, — gedutzt (gestossen) Aden-Wershf. —
b. Ziegenlamm Kobl, Neuw (s. auch Limmes). —
c. junges Kalb Wend-Berglangenb Reichenb; -a- Goar-Salzig. —
2. übertr.
a. persönl.
α. Lämmes-che Kosew. für kleines Kind Koch, May; Backfisch, kleines Mädchen Koch; ABC-Schütz Ahrw-Hönning. —
β. Lämmes einfältiger, furchtsamer, zu geduldiger Mensch Trier bis Kobl, May. —
γ. nachlässiger M. Monsch-Kalterherbg (Bed. 1 fehlt). —
δ. junger, ausgelassener Bursche Erk-Elmpt (Bed. 1 fehlt). —
b. sachl.
α. Lämmes-cher Pl.
αα. Tannenzapfen Bitb-Cruchten, Trier-Stdt Welschbillig Mehring Fell, Wittl-Neuerbg Bombog Platten, Koch-Treis Lutzerath, May-OMendig, Neuw-ODreis. —
ββ. Blütenkätzchen der Haselnussstaude, des Nussbaumes Ottw-Merchw, Saarbg-Onsd, Bitb, Trier bis Kobl, Goar, May, Daun, Prüm, Malm, Aden-Kelbg, Schleid-Blankenh, Altk-Wildenbg, Siegld [ę·m.əsχən Trier-Casel, Koch-Clotten (u. lę-)]. —
γγ. Weidenkätzchen ebd. —
δδ. Schilfrohrkolben Wittl-Dörb Monzel. —
β. Pl. Schäfchenwolken Koch-Eller. —
γ. Igeler Lämmes Tuch aus Landwolle, das auf dem grossen Schaf- u. Krammarkt zu Igel gekauft wurde Trier-Stdt.

lämmessen -əsən Trier-Waldrach schw.: lammen 1; et Schof höt gelämmesst.

lammig Koch-Kaisersesch Adj.: nach der Begattung verlangend, brünstig, vom Schaf.

 

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