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Hafer I bis haferzig (Bd. 3, Sp. 57 bis 71)
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Artikelverweis  NRhWB Hafer I Rhfrk -aw- an der Nahe, Wend, Birkf, Ottw, Saarbr, in Saarl mit Ausn. w. Ittersd Karling Guising KerprichHemmersd u. innerh. Rehling Pachten Diefflen Nalb Düppenw, wo -āw- herrscht; im Hunsr -āw- n. u. w. Simm-Mörschb Schnorb Argenth Reisw Tiefenb Mengerschd Ravengiersbg; an der Saar weiterhin von NSaarl aus -āw-, –ā:w- bis Saarl-GrHemmersd Siersd, Merz-Haustdt Hargarten Oppen; innerh. einschl. Saarl-Fürw Eimersd, Merz-Ficking, Saarl-Fremersd Biring -·ə.-; n. Merz-Mond Mechern Menning Merching Rissenth bis einschl. Saarbg-Büschd Tünsd Taben Rodt Hamm OZerf Hentern Lampaden nach O. zum

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trier. Hochw. hin -:w- [Merz-Stdt -·ə.-; Merz-Mettlach Keuching Saarhölzb -ō-]; innerh. einschl. Saarbg-Eft Orscholz Kessl Sinz (ausschl.) -ū·ə.w-; n. u. w. einschl. Saarbg-Sinz Faha Meurich Cahren -:w-; n. Saarbg-Freudenbg Castel Serrig Irsch u. ö. Trassem Saarbg Ayl nach Trier, Bitb zu -·ə.w-; Trier bis Bernk, Wittl, Bitb, WDaun, SPrüm -w-, –ō-; SODaun, uMos von Zell bis Koch-Urschmitt Weiler -ǫw-; dann uMos, Neuw, Altk -aw-; OBerg -ā(ə)v-; Rip, NBerg, SNfrk -ā:v-; Eup -av-; Klevld -āw- Sg. t. f.:
1.
a. Saathafer, avena sativa, zunächst in Fuder- u. Somh. unterschieden; dann Frih- u. Späth. (Hunsr); deitsche H. (Straussh.) der gewöhnliche H. mit allseitwendiger Rispe, Fahneh. (Kletschenh.) russischer H., avena orientalis, mit einseitwendiger Rispe (Hunsr); je nachdem er in den vorherigen Kleedriesch oder in den Kartoffelacker gesät wird, Kleedriesch-, Kleelands- oder Erpelsh., dazu Gabel-, Weiss-, Klotz-, Klungel-, Rispenh., Schilf, Even, Erenkorn (s. d. W.). — H. wird meist in die Felder gesät, die nicht gut gedüngt sind oder nicht gedüngt werden können; häufig in Stoppelrübenfelder (Krutlänger, deshalb Krutlandsh. genannt Kemp); H.land mott dep (tief) gebaut werde, andersch hät me Las met den Dreck (Unkraut) Geld-Kevelaer; schmal un dief, hat de H. lief Prüm-Stadtkyll KlLangenf, Bernk-Neunk, Trier-Schleidw; früher wurde jedes H.feld tief gepflügt und gleichzeitig (von sechs Mann auf ein Pferd) gegraben Erk-Elmpt; ausgangs März et Feld emgemacht, def fahre, got eə (eggen), nass säe Zell-Mastershsn; ein H.feld muss so platt sein wie en Denn (Tenne) durch Walzen Trier-Mehring; op jedem Plätzche moss ene Perdstrett gewes sen MülhRh-Holweide. Im Spätherbst oder Winter wird das H.feld gebaut; wenn die Birken treiben, wird gesät, u. die Saat noch eben geschloff ganz flach untergepflügt Mörs-Wallach; wann de Hegge grün worre, mott de H. geseit worre Klev-Asperden; wenn de Bärken (Birken) ütlope, dann mott H. gesät werde Mörs-Wallach; äs et Lof (Laub) utlöpp (ausläuft, –schlägt) oder de Bösch bongk (bunt) werde, mott de H. gesät werde Kemp; in de Märt (März) wörd H. en Garst (Gerste) gesäjt Klev-Goch; am (im) Frihjohr, wann mer de H. siet, da soll mer se firmeddes (vormittags) sieən; f. as de Bodem mieh ficht (feucht), on de H. hat et ger ficht Prüm-Steinmehlen; wenn't wendstell es, es gut H. seie Geld; bei Stell va Wengk (Wind) es got H. siəne auch übertr. gesagt bei plötzlich eintretender Stille Aach, Verbr. RA.: Pannestelzcher (wenn die Bachstelzen wiederkommen), ka mer H. sijen Trier-Gilzem. — Seist dow in de Märt de H. te fruhch (früh), krieste ok gen Körn genug Geld-Pont. Für St. Görg muss die Kleedrieschh. gesät sin, sos friss St. Görgesperd se op er gerät schlecht Jül-Boslar, Dür-Golzh, Bo-Mehlem,

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Sieg-Scheiderhöhe, Aden-Herschb; Gergendag soll de H. all gesät sein; de mer dann noch sät, os fir dem sei Perd Daun-Tettschd; St. Georgi Perd tritt de H. en de Erd Eif; Georges P. kret noch vell H. Schleid-Dotteln. Et es aller Sachen Rot (Rat), nor kene dicke H.sot Bernk-Hundh. Sät man den H. bei jungem Licht, da geht er aus der Bocks heraus Bitb-Fliessem. Manichen versät sein H., ihr er zum Acker kemmt Mos. Den hat de H. dönn gesiht hat dürftigen Bartwuchs Malm-Dürler. Et Kuər (Roggen) soll mer ennerkehren on de H. soll mer ennerschmeren bei nassem Wetter Merz-NLosh Nunk; et K. engereden (eingesiebt), de H. engekneden Saarl-Hüttersd, Neuw-Etschd; K. engestabt (eingestaubt) un H. engeklabt (-gekleibt) Ottw-Schiffw [auch entstellt: H. onnergereden, Wess (Weizen) onnergekneden Bernk-Neunk; det K. engeschmert, de H. engekehrt Siegld-Freudenbg]; de H. muss mer unnerklenne Goar-Pfalzf; die H. muss gequatscht were Birkf-Bundenb; Bocket (Buchweizen) en der Melm (Mog), H. en der Schlim Heinsb; de H. as e Gek, de wesst (wächst) ger am (im) Drek Saarbg, Bitb, Daun, Rees-Brünen; Koren (Roggen) en der Mölm (Staub), H. en de Schlik Geld-Leutherheide; de Wess an (in) de Moll, et Kor an de Scholl, de H. an de Pull (Pfuhl) Trier-Welschbillig; de H. sicht (sät) mer an (in) de Puhl (Pfuhl, nasser Boden), dohingent dat Wöld (Buchweizen) an de Stepp Prüm-Leidenborn. De Sunne schint, de H. kint (keimt) Gummb-Bergneustdt. De Flass (Flachs) geht met de H. op Geld-Aldekerk. Aprelsh. os Gugucksh. Koch-Laub; Maih. göft Streuh. Mettm-Dornap. H. moss fas sen; mer soll se zehnmol ege (eggen), d. h. oft Schleid-Scheven; e (egge) mich on wälz mech got! Gummb-Harschd; bau mich, wie de wells, äver eg mich jet stolz! Bo-Mehlem, Rheinb-Wald; egg mech, dat dogt (taugt)! Kref-Fischeln; du egs mech net ze vill MülhRh-Overath; et is egal, wie's de mich leggs (legst), wennste mich mär got decks Heinsb-Höngen (eggs Rees-Elten); de H. hät et gern schleit (schlecht) gebaut on got gəegt Sol. De H. mott geschlep (geschleift, gewälzt) werde, wenn se geəl wörd oder se sich weg (wegt) Kemp; sie wird gewalzt, wenn se aus der Melch es Westerw. Breckste mich för Sönt Jann den Nock (Nacken), dann föll ich dich in den Herres (Herbst) de Sock die Saat soll gewalzt werden Geld-Leutherheide, Nfrk; kneckste mech de Nack, dann föll eck dech de Sack Geld, MGladb, Dür, Bergh. Dat geht wie et H. wälzen sehr schnell Waldbr-Hurst. H. mott (muss) sibbemol versupe er verlangt viel Regen Grevbr-Wickr; soll de H. föran krupe (kriechen, gedeihen), mott se em Mai dreimol versupe Düss-NCassel; wenn't völ regent, steck se de Tong (Zunge) ut schiesst sie in den Halm Klev-Üdem; wenn et in't Heuj regent, wäss (wächst) de H. Mörs-Budbg; doch rent et dem Wesch (Krautwisch zu Maria Himmelfahrt)

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en dat Maul, werd de H. faul Zell-Mastershsn. Zenner Veckt (Vit, 15. V.) kennt der H. entzeckt zur rechten Zeit der Regen Prüm-Ihren. Wann et Hei (Heu) kreischt (bei Regen), da lacht de H. WBitb. Gehannsdag de Morge besieht de Bur de H.; es se net gerode, es se och noch net verdorve Sülzt; Jehansdagmorge is de H. gewunne ore verlore Kreuzn-Pferdsf; de H. es bes Gehannsdag net gerot (geraten) on net verdorf Goar-Morshsn; de Gehannsnat (-nacht) steht de H. eam Bedat (Bedacht), of se H. soll gean oder Hawerchen Merz-Nunk; vor Gehannsdag Häwwerchen, no G. H. Wend-Steinb; sint Jann drett (scheisst) of frett (frisst) H. es entscheidet sich, ob es viel oder wenig H. gibt Rees. Wann zint Vincenz schwenk der Hot, gerit de H. allzick (-zeit) got Köln. Lorenzwöngk (-wind) let (lässt) döcks (oft) nit et Sotgut an de H. Kemp. Kemmt de H. en de Schore (Rispen), brecht se aus alle Knore (Knoten) Bernk-Immert. Fängt de H. an se fese, fänge de Wäle (Heidelbeeren) on se räse (reifen) Bernk-Cleinich. Wenn de H. onfängt ze faulen (fohlen), dann fängt det Kore on ze mohle (ka mer et K. m.) Bernk-Hilschd Schönbg Immert. Et es beəter (besser), dat de Renger (Rinder) (Köh) derno sprengen, äls dat de Vögel derno sengen man soll den H. ernten, auch wenn er nicht ganz mürbe ist Kref-Fischeln, Sol. Vom frühen H. sagt man: die frihen Veəl (Vögel) brauche bei de späde keine Ferere (Federn) ze lehne Birkf-Schwarzenb. Koren (Roggen) notripe, H. dotripe (-reifen) Gummb-Dümmlinghsn Berghsn. Wenn de H. hert de Senseklang, da geht se rechten on de Gang Bernk-Talling. Beim H.säe on H.mähe schläft mer geren am längschte weil man in der Zeit sehr müde wird Saarbr, Birkf. Dähste (tätest) doch dat Kore säe, Michelsdag es more schon; dähsde doch de H. mähe, os steht lan (allein) im Feld Goar-NGondershsn. De Enten len (legen Eier) vom H.sän bes H.mähn Merz-Nunk. Vor de 24. Augost mott de H. af sin, anders helt se Bartholomäus fort Klev-Cranenbg. Batelemä, wer Kore hot, der sä, wer H. hot, der rech, wer Äbbel hot, der brech Wend-Baumholder. Wenn de Bardemi on de 1. September schi Werrer ös, dann drönkt der Westerwäller Bauer en Flasch Weng (Wein), dann kreir er noch reife H. Altk-Bachenbg. Wenn de Hochwäller de H. roppen (Zeit der H.ernte), eassen de Muselaner Weinzoppen Trier-Geisf. — Dat Korn moss mer om Denn usdresche, de Wess on de H. om Strüh Sieg-Höngesb; H. mott op ene Sten gedarsche werde Viersen. Dresch du net renlich Kor un H., mach net, dat de Scholdmann dech kret am Krage! Prüm-Ormont. — De H. es en de Schodden (Schouen, Schnadden, Schna, Schnar, Schnodden, Schnoren, Schnojen, Fesen, Feseln; s. d. W.); de H. fängt on se fesen Bernk; de H. geht in den Busch Wippf; de H. as gut geschod sie hat

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Rispen entwickelt Trier-Mehring. Der Waass (Weizen) bleht, der W. bl., de H. geht en Schode, mei Modder sät (sagt), mei Vadder sät, ech därft mech net bestode (heiraten) Neuw-Dierd. — Krankheiten des H.; de H. hat et Für (Feuer, Wurzelbrand) bei der jungen Hafersaat Kemp, Klevld, — de Rött (Röte) Mörs-Vinn Neuk; de H. es gesteken wenn er bald nach dem Aufgehen weisse Spitzen hat Mettm; de Wurm (Maiwurm Sülzt, Mehlworm Trier-Braunshsn) es en de H. Koch-Weiler; daher Wormh. Wittg; de Brand (Schmett Klevld, daher Schmetth.; Rost Wittg) es en de H. Pilzkrankheit, welche die reife Saat befällt Allg.; de Brandstöbb (-staub) es en de H. Neuw-Heimb; se es brandig Siegld, — brandschodig Mosfrk; schwatte (schwarze) H. Geld, Verbr.; de H. es zweizüchtig reift ungleich Wippf-Bechen; de H. geht net aus der Bocks (Hose) heraus wenn er klein bleibt Bitb-Fliessem; de H. ös en de Stock geschlage Kemp; man nennt ihn dann Kitzh. Schleid, Dür; de H. es befallen das H.feld liegt an einigen Stellen darnieder Gummb-Berghsn; de H. es alt (schon) om Hückel (Garbenstand) am wassen (wachsen), dann güt et grüne H.hückeln ebd. — Der H. wird gemäht mit Getreidesensen verschiedener Art, je nach Landschaft, im Rhfrk, Mosfrk, LRip durchweg auch mit einer Sense, die verschieden ist von der Roggensense; bis zur Ahr kennt man nur die Korbsense, an der ein Bogengestell mit Tuch- oder Drahtauffangvorrichtung oder Rechengestell angebracht ist; erstere dient zum Roggenschnitt, letztere zum Hafer(Gersten-)schnitt; wird die Rechensense auch zum Roggenschnitt verwendet, so hat sie zwei Griffe statt eines Gr. bei der H.sense, 3 Eisenzähne statt der 4—5 längeren Holzzähne der H.sense; die Hafersense heisst Räff, H.räff Nahe, Hunsr, uMosel, Mayf, Aden, uAhr; H.rechen Saarbr, Ottw; H.rechen, –korb Merz, Saarbg; H.flaus, –korb, –geschiər, Ewerkorb, Iwerrechen Trier bis Bernk, WEif; Räff, H.gesetz, –gestell, Ewegeschiər Aden; H.gestell Neuw; n. der Ahr, n. Neuw (wo auch Sicht), wo Roggen, Weizen u. lange H., Gerste mit dem Sicht (Sech, Seit) (s. d.), der Schlagsense, gehauen wird, ist für kurze H. die Bügelsense, H.gereid, –gesetz, geschiər, –gestell (Evergeschiər Schleid, Röz Schleid-Floisd, Jül-Stetternich, Fumm Schleid-Reifferschd, Flaster Rheinb) gebräuchlich, u. zwar bis Bergh, Dür, Jül, Aach, auch in Düss-Ld (H.seit oder H.gestell); auch Heinsb verwendet bei niedrigem H. die Sense, u. an der Ruhr ist die Schwad mit Weidenbügel in Gebrauch, von östlichen Erntearbeitern eingeführt; im Berg, wo das Sicht früher galt, ist jetzt die gewöhnliche Grassense geläufig, vereinzelt mit Bügel oder in Waldbr, Wippf mit Ginsterstrauch; Sieg, MülhRh verwendet (nicht allg.) das H.gestell. — Während n. der Ahr, Neuw für Roggen, Weizen, hohe H.

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u. Gerste das Sicht ohne Auffangvorrichtung mit Madhoch (-holt, Piek, Dingel) gilt, ist südl. davon die Roggensense stets mit Auffangvorrichtung (meist Tuch oder Drahtnetz) versehen; sie wird auch bes. genannt, im Geb. der Räff heisst sie Korräff; auch Beihauer, Flatsch Kreuzn; Plätsch Wend, Zell; Blinder-, Flindermaus, Flipp, Flubbert, Flatsch, Flitsch, Flutsch, Plätsch Simm; Flaus Saar, Trier bis Bernk; dazu Korrechen, Flutsch Saarl; Flatsch Merz; Korgeschiər Trier; Plätsch Wittl; Batsch, Wolf Bitb; Flätsch, Fluder, Plätsch Bernk; Bätsch, Flutsch, Gezau Prüm; Korflapp Aden; Fruichtgeschiər Schleid. — Während man den Roggen mit der Roggenkorbsense beihaut (widermäht, flaust), so dass die geschnittenen Halme sich gegen die stehende Frucht legen, u. eine Frau mit der Sichel diese abrafft (aflegt, dervonholt) u. zu Garben hinlegt [beim Sicht besorgt dies der Mäher mit dem Maddhoch, Piek], wird der H. weggemäht (H. schroden Prüm, Schleid; H. enhaue Schleid); er fängt sich im H.korb vor den Zähnen (Spessen) u. wird, nachdem der Sensenschwung vollzogen ist, ausgeworf of Maden (Maren, Schladen); auch geht wohl noch ein Kind mit einer Bohnenstange vor dem Mäher her u. drückt das Getreide zum Mähen nieder, de Bitz leden (leiten) Schleid-Dreiborn, de H.halen Gummb-Rebbelr. — Veralt. aber noch hier u. da im Berglande geübt, ist das Schneiden des H. mit der gezahnten Sichel (Raffsichel); im Kleinbetriebe schneiden bes. die Frauen noch den H. mit ihr. — Verschieden ist auch die Aufstellung der H.garben von der des Roggens (Weizens); noch vielfach wird der H. nach dem Schneiden nicht sofort in Garben gebunden, sondern bleibt in Maden (Gängen) liegen zum Rezen (Rösten); er wird dann, wenn er trocken ist, mit dem Rechen geschor (geschert, gescharrt), in Kloən (Klauen), Gelecker ofgescherrt (jede Garbe hat drei Kl.), of Schorre gerecht (s. d. W.) u. erst kurz vor dem Einfahren in Garben (ein Band um die Spitze) gebunden u. sofort aufgeladen; so noch hier u. da an der Nahe, im Hunsr, Mos von Trier bis Bernk, NEif, Aden. — Auch stellt man den H. noch in einer einzelnen Garbe auf, die dann am unteren Ende verbreitert wird, indem man sie auf den Boden staucht, opstucht; man nennt diese Einzelgarbe Stuche, Windstuche Siegld, Altk, Waldbr, Pickel Lennep-Lüttringhsn, Wesch Schleid-Dreiborn; diese Art noch verbr. Siegld, Waldbr, Altk, Neuw, Prüm; auch in Aach-Gressenich wird der H. gekarst zu 1 Garbe senkrecht, unten ausgebreitet. — Auch die veralt. Aufstellung zu drei (vier) Garben, die dann an den Rispen zusammengebunden werden (oft noch 1 G. als Hut) ist noch bezeugt aus Waldbr, Grummb, Wippf (im OBerg bes.), MülhRh, Sieg, Siegld, Altk, Neuw, Schleid, Monsch, Prüm, Wittl, Bernk; man nennt diese Dreistellung Hückel,

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Hüchel OBerg, Siegld, Wellhäufchen Waldbr-Rossel, Säukasten (zu 4) Schleid-Waldrf, Schöppchen Neuw-Lorschd, Klobben (zu 4) Gummb-Harschd, Männchen Monsch-Rohren, Krieger Prüm, Schleid, Malm. — Verbr. ist dann die Art der Aufstellung, dass man den H. kastet (guppt), indem man 9 Garben (5 über Kreuz, 4 in den Lücken) in Kegelform hinstellt u. noch 3 G. als Decke quer drüber, mit Ähren gegen Windrichtung, legt, zunächst 2 u. oben drauf 1 Verbr. an der Saar, Trier, WEif, Birkf, Simm, Zell, Goar, uMos, Mayf, Neuw; doch findet man 5 (7) G. u. 3 als Hut [5 + 1 oder 3 + 1 Wend, Meis, Kreuzn; 6 = 1 Mitte, 4 drum, 1 Hut Zell]. — In Kreuzn werden dann noch vielfach 10 G. nicht aufgestellt, sondern aufeinandergelegt. — Im Geb. des Sicht (Rip, Nfrk), wo Roggen u. Weizen in Kegelform aufgestellt werden, zu Husten, stehen die H.schobben meist zu 5 Gegenpaaren schräg einander gegenüber in Reihen, auch zu 12, 6, 4, 8; aber auch Rundformen sind nicht ausgeschlossen; im Nfrk bildeten früher 4 G. = 1 Gast; jetzt meist 10—12 (6—8) [12 Schobben = 1 Schilling Waldbr; 12 Schobben = 6 Böngel = 1 Kupp Waldbr; 12 Schobben = 6 Böngel = 1 Kupp Grevbr; 10—12 = 1 Tiele Ess]. — De H. so me van der Sonn weg dreschen sofort vom Felde weg Gummb. — Masse; en Sack H. = 100 Pfd. Allg; e Strich H. Birkf. — Der H. bildete früher die Hauptnahrung der Menschen, zubereitet als H.brei (s. Brei, Breimehl), der so dick gekocht wurde, dass der Löffel aufrecht drin stehen blieb, vor allem war der H.brei das Morgengericht; Kartoffel u. Kaffee haben ihn verdrängt; der H. wurde vor dem Mahlen im Backofen gedörrt, indem 6—10 Viertel in den Ofen eingeschoben wurden, dort 24 Stunden dörrten, einige Male mit der Kratz aufgerührt wurden. RA. über den H. als Menschennahrung sind noch geläufig: Hensch (Buchweizen) on H., Hensch on H., Koren os mer lewer Eif (o. O.). Dat es sin H. sein Lieblingsgericht; das liebt er, tut er gern, gefällt ihm Heinsb-Lümb. Der hat H. in de Knoche er ist stark Saarbr, Allg. Der hät ken H. mih en de Knen (Knien) Köln-Widdersd. Häje H. in de Kneje? zu einem Kind, wenn man es an den Knien kitzelt Geld-Schravelen. Hej dritt (scheisst) de H. ganz von einem kränklichen Menschen Mörs; dann dritts dow de H. ällig wenn man sich anmasst, ein schweres Stück Arbeit zu verrichten Mörs-Neuk. H., H., rit (reisse); do sett er ene en dritt; H., H., rit, do sett er ene en schitt! MGladb. — Noch ist der H. das Kraftfutter für die Pferde. RA.: H. zieht de Koar (Karre) Trier, Bernk; H. mutt de Kar trecke Kemp. Der Fuhrmann het H. en de Schwepp (Peitsche) Rees-Drevenack. Et Perd treckt nit, äver de H. Sol. H. on Weck, do fure (füttern) de Bure de Perd met deck Rees-Elten. E P., dat kän H. kreit, schafft net

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Merz-Losh. Dat P. schleck de H. ganz eraf es ist mager Köln-Merh. Wer arbeit wie en P., es och der H. wert Köln. De H. ziert et P., dat P. ziert den Mann NBerg. Va schwerer Ärbet on liəchter H. frecken de P. Aden-Hümmel. Den duht, wat e P. fer de H. duht Trier. He es so bang, wie en P. för en Spend H. Mörs, Rees. Dat P., dat de H. verdinnt (verdient) (drescht Wermelsk-Tente), dat kregt se nit Klev, Allg.; net all P. bərdienen de H., die se kriən Bitb. Dat P. krit lang H. Schläge mit der Peitsche Rip, Allg.; dem seng P. kreən och mih l. H. wie korz Bitb. De let (legt) och dem P. de Zedong en de Krepp, dann kann et lese, wat de H. kos Köln-Frechen. De H. us de Perdsköttele lese nicht schaffen Schleid-Hellenth. Jonge Jonges voll Tässegeld (Taschen-) en jonge P. voll H., dat konne sej nit all verdrage Klev. Hi, ha, Räss-che (Rösschen), dat Perdche setzt (steht) em Schläss-che (Schlösschen), moər wollen mer H. dreschen, moss dat P. Spetze fresse Koch-Laub, Mosfrk. Tönneken, T. op den Drag (Tragbahre), morgen es et Sonndag, öwermorgen es den Dag, wo dat Perdschen H. mag Mörs. Übertr. auf Menschen: De H. steckt öm er ist übermütig Kref, Allg. Dem Gaul hon se de H. hoch gelet (gelegt) er ist mager Rhfrk. Dem Übermütigen muss me de H. hiher hängke Mosfrk, Allg. — Von anderen Haustieren. RA.: Dat geiht so flott, we de Hehner H. pecken Bernk. En Mäke (Derne) darf nich so lange stille stohn, as en Houhn en H.korn opnemmt. En Huhn frässt irschter en Zentner H. wie en Perd Trier, Schleidw. Dat strickt, do kinne de Gäns H. dorich fresse Simm. Bester, dat de Köh dəvon (vom H.) sprönge, äs dat de Föərsch (Frösche) dervon quake Viersen. En Gesecht maken, äs wenn gej de H. üt de Kern gefreten hett Rees-Ringenbg. — RA. allg. Art: De H. fühlt sek an wie Ris (Reis) so schwer u. dick Gummb. Hät den Bur noch Heu on H. genug, so hät en ok Tits genug. Gerdrut (17. III.), de Plug, de mott den Hof herüt; ös äwer noch H. on Heu genug, hät ok de Plug noch Tits genug Mörs. Wenn un aber, Heu ös ken H. zum Plänemacher gesagt Daun-Beinhsn; wenn en aber ös belleger as H. Mörs. Me micht, dat H. un Sprau beisamme bleiwe Bernk-Bollenb. De Uərssen (Ochsen) deien (drücken) de H. op de Speicher, an de Perd schläfen (schleifen) se eröm (wiederum) herof ein Ochsengespann stellt sich weniger kostspielig Bitb-Seimerich. We noch op den Knian (Knien) kitzelig es, de kann ken H. dregen Elbf. Iəm (einem) en der H. hüəden (hüten) in seinen Bereich kommen, etwa beim Liebchen. Haber die Zocker! Fluch Ottw-Aschb. — Volksgl. H. gehört vielerorts in den Krautwisch. Wurde der erste H. gesät, so warf der Sämann die drei ersten Handvoll H., die er aus dem Sack nahm, nicht aufs Feld, wenn er auch die Bewegung dazu machte, sondern steckte sie

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in seine Tasche; zu Hause legte er in seine Stube einen Reifen von Weidenholz u. streute die mitgebrachten drei Handvoll H. in den Reifen hinein; die Hühner durften den H. auffressen, u. vor dem Habicht waren sie sicher oNahe 1830. Ein Mädchen, das die Liebe eines Burschen gewinnen will, bestreicht sich ganz mit Honig u. wälzt sich dann im H. herum; ein anderes Mädchen kratzt diesen H. sorgfältig ab; jene lässt dieses Getreide mahlen, backt davon Brot oder Kuchen, was sie dem Burschen zu essen gibt NBerg. Wenn in den H.blättern sich ein B zeigt, so bedeutet es ein Blutjahr Koch, — Krieg Bergh. —
b. schwarte H. Taumelmolch Gummb-Berghsn. —
2. übertr.
a. scherzh. Schnaps; H. hole gehn Ottw-Uchtelfang, Gummb-Hesselb. —
b. Schläge; H. kriən (gen) (s. lange H.) Kreuzn, Saarbr, Bitb-Mettend, Neuw; ech setz dir gleich H.! Siegen; trecken (trocken) H. Trier-Mehring. —
c. zehnter Gang im Fangsteinsp. mit Ball Bitb-Ernzen.

Hafer-achtel Bernk-Wolf n.: altes Achtelmaß für Hafer. Hafer-apfel -ab-, –ap- Saarl-Fremersd, Sol-Ohligs, Mettm-Cronenbg m.: A.sorte, die mit dem Hafer reift. Hafer-arn (s. S.) m.: -ernte. Hafer-augst -ǫ·u.s, –:s Selfk m.: dass. NRhWB Hafer-barn (s. S.) m.: -dieme. Hafer-bäu, Hafer-baut SNfrk, Klevld m.: -ernte. Hafer-bausch (s. S.) m.: -bund. PfWB Hafer-birne -bīər SNfrk, Mörs, Geld, Gummb, NBerg, Ruhr f.: frühe B.sorte. Hafer-bitze -bets Dür-Gey f.: ein Feldstück, das gegen die Regel mit Hafer bestellt ist, nachdem es im vorhergehenden Jahre gleichfalls mit Hafer bestellt war. Hafer-bläch (s. S.) n.: kleinere Ackerparzelle mit Hafer. Hafer-bloch (s. S.) n.: -walze. Hafer-brand Sieg, Klev m.: Pilzkrankheit im reifen Hafer. Hafer-brei Allg. m.: Br. aus H.mehl, früher die Hauptkost als Frühstück. RA.: H. on Brut mach de Backe rut Jül. Herbei, herbei zum H.; wer net kemmt, de kret ka Brei! Ruf beim Verstecksp. Trier. Hafer-brot NBerg n.: Br. aus H.mehl, in der Teuerungszeit gebacken. Hafer-bühne -bøn Wippf f.: Raum über dem Stall zum Lagern des Hafers. Hafer-bündel -bø·ŋ.əl Grevbr, MGladb n.: -garbe. Hafer-bürde Heinsb-Erpen f.: dass.; twentig (20) H.bürdes sind ene H.hop (-haufen). Hafer-büssel -ø- Sieg-Scheiderhöhe m.: Bund H.stroh, das durch den Maschinendrusch geknickt ist. Hafer-deien Elbf: im Kinderld.: Kückele, k., Federhahn, treck die göule (goldenen) Sporen an, gang erut freien op de H. usf. hafer-dick Saarbr-Püttl Adj.: mager, vom Vieh. Hafer-dingen -- Altk-Horhsn n.: der eiserne scheffelartige Behälter, worin der Hafer für die Pferde gesiebt wird, ehe man ihn in die Krippe schüttet. Hafer-ende -ę·ŋ.k Eusk-Dirmerzh n.: in der Wend.: Eenen nom H. drage zum Kirchhof. NRhWB Hafer-fahne -fān Simm-Argenth, Rees-Geldern f.: -rispe. Hafer-fass (s. S.) Allg. n.: F. mit Hafer. PfWB Hafer-feld (s. S.) Allg. n.: wie nhd. Wenn't Pengschten rent (regnet), weren de H.ər gesent

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(gesegnet) Trier-Benratherhf. NRhWB PfWB Hafer-fese -fs, –zəl (s. S.) Nahe, Hunsr, uMos f.: -rispe. Hafer-flause -flǫ·u.s Saar, Trier bis Bernk, Wittl, Bitb f.: -sense mit 1 Griff u. Rechengestell zum Auffangen der Halme (4—5 Holzzähne), im Gegens. zur Kornfl. mit 2 Griffen u. meist Tuch- oder Drahtauffangvorrichtug oder mit 3 Eisenzähnen. PfWB Hafer-flocken (s. S.) Allg. Pl.: nach dem Nhd. Hafer-flur Rhfrk, Mosfrk m.: die Fl., die beim Fl.zwang mit Hafer bestellt ist; sie wird im Frühjahr gefahren (gepflügt), darauf mit Hafer besät, u. gleichzeitig sät man Rot- oder Gelbklee. Hafer-furche -fūər Birkf-Bergen f.: F. zwischen zwei H.äckern, aus der man im Frühjahr den Hafer ausrupft, damit die Grenze sichtbar wird. PfWB Hafer-garbe (s. S.) Allg. f.: wie nhd. Hafer-gast Nfrk m.: 4 (10—12) H.garben, zusammengestellt. PfWB Hafer-gaul Ottw-Schiffw m.: schlecht gefüttertes Pferd. Hafer-gaup Saarbg-Irsch m.: -garben, zu einem Kasten zasammengestellt. Hafer-geck Köln m.: störriges Pferd. Hafer-geiss -jēt f.: im Bruch bei Viersen hört man oft seltsame Töne, die dem Meckern einer Ziege ähneln; das Volk sagt: Dat sin de H.geten. Hafer-gereide -jərē:t Schleid, Rheinb, Eusk, Köln, Bergh, Dür n.: -sense mit Rechenauffangvorrichtung, diese selber; dabei fällt der Hafer op Gemade. Hafer-gerste -jrt May-MüMaif f.: G. u. Hafer durcheinander gemischt. Hafer-gerüst -grist, –t Saarbr-Riegelsbg, Simm-Laub n.: oberer Teil der Scheune, in dem der Hafer lagert. Hafer-geschirr -gəīər, –ē- Bernk-Schönbg, Trier, Bitb, Prüm, Schleid, Ahrw, Rheinb, Eusk n.: Auffangvorrichtung mit Rechengestell u. 4—5 Holzzähnen an der H.sense u. diese selber. Hafer-gesetz Aden, Ahrw, Schleid, Rheinb, Eusk, Bo, Köln-Schwadrf n.: dass. Hafer-gestell Neuw, Sieg, Bo-Mehlem, Aden-Engeln Herschb, Gummb-Alsb, Düss, n.: dass. PfWB ElsWB Hafer-grütze Rhfrk, Mosfrk -grits, –e-; Rip -jȳərt [Aach -jət u. -j u. -jots]; SNfrk -jot; NBerg -xǫtə; Klevld -jǫrt; Rees -- (s. S.); hawərdə- Klev-Frasselt, Emmerich; -ərə- Klev-Calcar f.:
1. wie nhd. RA.: Gedold, Vernonft on H. sein ze vielen Dingen netz (nütz) Koch. — Zs. -schlim, –kopp dicker Kopf Düss. —
2. schlechte Buttermilch (Weij) mit Buchweizen, auch Haweregortsepapp Klev-Calcar. Hafer-häcksel , Hafer-häckels , Hafer-gehäck (s. S.) Allg. m.: klein geschnittenes H.stroh als Viehfutter. Hafer-härkels Mettm n.: zusammengescharrte H.halme. Hafer-häuer Schleid-Hellenth m.: Grobian. Hafer-hauf -hōp Heinsb m.: 12—20 H.bürdes = 1 H. Hafer-hausten -hūstχən Waldbr-Lüsbg n.: -schoppen, zu vier aufgestellt. Hafer-hüchel -yχ- MülhRh, Aach-Walh; -yk- Wippf, Gummb m.: drei H.schoppen, je nur einmal gebunden, zusammengestellt u. dann mit einem gemeinsamen Band, das die Spitzen zusammenfasst, gebunden. PfWB Hafer-jahr -:- n.: J., in dem der Hafer gut gerät. RA.: E gut H. es en Glöck för de Perd Klev-Asperden.

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Hafer-kaff -ā- Allg. (nicht Rhfrk) f.: -spreu, ungesiebt. RA.: Alde Mösche fangt me nit met H. Ruhr. Hafer-kamm Grevbr-Wickr m.: Nacken des Pferdes. Hafer-kasten (s. S.) Rhfrk, Mosfrk m.: zwölf H.garben im Rundhaufen, meist zu neun stehend u. drei als Decke drüber. Hafer-keid -keit, –kit, –kik (s. S.) Mosfrk, Rip. n.: -korn. RA.: En bleng (blind) Honn (Huhn) fengt ouch en H.kitt (-kittche) Aach. Dom stecht et H.kiddelche der sich in anspruchsvoller Weise selbst überhebt Aach. H., Sangkkitt (Sandkorn) Köln. Hafer-kipp -kep Sol m.: die Stelle der Scheune, in die der Hafer gelagert wird. Hafer-kirsche (s. S.) Jül, Erk, MGladb, Geilk, Mörs, Geld-Wetten f.: K., die zur Zeit der H.ernte reift. PfWB Hafer-kiste (s. S.) Allg. f.: K., in der der Futterhafer für den täglichen Gebrauch im oder am Pferdestalle aufbewahrt wird. RA.: Hej fällt drop as den Bock op de H. er fällt mit einem Eifer über die Sache her, welcher bis zu Ende nicht standhält Klev; he ös so doll drop wie enen B. op de H. Mörs, Köln. He kickt esuə bedröft wie der B. op de H. Heinsb. He gringt (grimelt dir) wie ene B. op en H. er ist ärgerlich, bei der Arbeit oder im Geschäft gestört zu werden Aach. Su mager sen wie en H. Kref. Hafer-kitze -kits Kref f.: altes, mageres Pferd. RA.: Gönn dem Bur die H.! Hafer-klappe -klap Emmerich f.: in der RA.: Den lett (liegt) die Mensse ok öm en H. op den Back er liegt den Menschen auch jeden Augenblick um eine Kleinigkeit zur Last. Hafer-klee -klī·ə. Kref-Lank m.: Kl., im H.feld gezogen. Hafer-knebel -īw- Hunsr m.: beim Binden der H.garben wird das Strohseil durch Drehen der Enden so fest angezogen, dass die Seilschlaufe nur mit Hilfe eines Holzstückes (30 — 33 cm Länge), des H., unter dem Seil hindurchgezogen werden kann. Hafer-knödel -īd- Bitb m.: Kloss aus H.mehl. Hafer-korb (s. S.) Trier bis Koch, WEif, Rheinb-Heimerzh Stotzh, Ahrw-Blasw m.: Korbgestell mit 4 — 5 der Sense parallel laufenden gebogenen Holzzähnen an der H.sense u. diese selbst. Hafer-korn (s. S.) Allg. n.: wie nhd. RA.: Er micht e Brost wie e H. Birkf-Idar. Dat H.köənche stecht en er erzürnt sich, er wird zu lustig uWupp, Sol, Wermelsk. En rechte Derne darf nich so lange stille stohn, as en Houhn en H. opnemmt Ess. — 1, 2, 3, hicke, hacke, hei, hicke, hacke, H., der Bauer hat sei Fra verlorn usf. Saarbr. — Gegen Sodbrennen soll man eine ungerade Anzahl H. essen Waldbr-Wildbg. In ein Stück Speck steckt man viele ungeschälte H.; darauf zündet man den Speck an u. lässt das abträufelnde Fett auf einen Teller laufen; man verwendet dieses gegen Brandwunden Trier-Gilzem. Hafer-kotten -ǫ- Sieg, Altk m.: -barn; Hafer, auf dem Felde zusammengestellt. Hafer-kräpchen -- Wend-Remmesw n.: e verbackt H. kleiner schwächlicher Mensch. Hafer-kuchen -kūkən Gummb m.: K. aus H.mehl. Hafer-kupp Bitb, Grevbr m.: -garben, auf dem

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Felde zusammengestellt [Bitb-Kyllbgw unterscheidet H. = 5 Garben, 3 quer darüber als Hut vom H.kasten = 5 Garben u. 1 als Hut; Bitb-Wissmannsd H. = 12 Garben, H.kasten = 7 G.]. Hafer-kutten Dür-Rath Pl.: die Erntearbeiter aus der Monschauer Gegend, die ins Dürener Flachland kamen (bis Anfang der 1870 er Jahre). Hafer-land (s. S.) Allg. n.: wie nhd. RA.: H. glik (gleich), dat mek der Bur rik Düss-Serm. H.langkswess Weizen ins H.feld gesät Grevbr-Kapellen. Hafer-läube -l:f Bergh-Hüchelhv f.: Speicherteil, zum Aufbewahren des Hafers. NRhWB Hafer-männchen n.:
1. -mę·n.χə 4 — 5 H.garben zusammengestellt Monsch, Schleid-Dreiborn (8). —
2.
a. -mę·n.əkəs Zwerge, die nachts kommen u. den Zinn putzen Heinsb-Laffeld. —
b. -męnχən, dat klene H. ein Gebetbuch, woraus früher die Leute jeden Tag ein Gebet lasen Gummb. Hafer-mass -:- Mos n.: gutes M.; Hafer wird mit gehäuften Vierzeln gemessen; et as H. Trier-Mehring. PfWB Hafer-maus (s. Wk. Heimelmaus) -mǫus, gern Demin. -męisχə Simm-Buch Biebern Castellaun Hasselb Heyw Holzb Heinzenb Klosterchumbd Kappel Laub Mengerschd Ohlw Reich Riegenr Sargenr Tiefenb Uhler Unzenbg Volkenr Wohnr; Goar-Beulich Dörth NFell Urbar Wiebelsh, Bernk-Horbr, Zell-Altlay Lautzenhsn Lötzbeuren Mastershsn Raversbeuren, Koch-Carden Lieg Lütz, Kobl-Cobern Dieblich Gülz Winning Kesselh Horchh SSebastian Waldesch, May-Gond Hatzenport Kaan Kattenes Kerben Keldung Kürrenbg Lehmen Löf Moselsürsch Polch Rüber Ruitsch Trimbs Welling, Neuw-Malsb [hwəl- (< heiməl- + hawər-) Kreuzn-Catharinen Mandel Strombg; sonst in diesen Geb. Hammel-, Heimermaus (s. d.)] f.:
1. Hausgrille. RA.: Er singt wie en H. schlecht Kobl-Vallendar. Me ment, de kräch (kriegt) alle Karfreidag en H. geback von einem hagern oder schlecht aussehenden Menschen Simm-Laub. —
2. kleines, gelblich gefärbtes Mäus-chen mit kurzem Schwänzchen, das sein Nest zwischen H.halmen, etwa 50 — 80 cm über der Erde baut Grevbr-Belmen, Sieg-Honnef, Bo-Wesseling. PfWB Hafer-mehl (s. S.) Allg. n.: wie nhd. RA.: De es so klän wie H. Simm-Ebschd (hawəl-). Zs. H.mehlsbrei, –kless (-klösse), -kuchen, –blatz Hunsr, -rütsche (-kuchen) Gummb, -schmierbrei (aus H., Eiern, Milch, in der Pfanne gebacken) Wermelsk, -sopp. Hafer-monat -m:nt Prüm-Mürlenb 1860 m.: September. Hafer-older -o·u.lər Sol m.: Raum über dem Stalle (Scheune), in der der Hafer lagert. Hafer-ort Rip n.: -feld. NRhWB Hafer-pferd -pərt Kemp m.: in der RA.: En H., ene Röggekerl (roggene Kuhw Klev-Calcar) on e Bockertsferke (mit Buchweizen gefüttert), det sind de beste. Hafer-plack Geld m.: -feld. Hafer-plätsche -blęt Wend-Urexw f.: -sense. NRhWB PfWB Hafer-praume -brǫ·u.m Saar, Mos bis Bernk, Siegld f.: Spätpflaume, die ungefähr

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mit dem Hafer reift. Hafer-püngel -ø- Sieg, MülhRh, OBerg m.: Bund geknickten H.strohs (Maschinendrusch). Hafer-pungen -o- Sieg m.: dass. Hafer-quack MGladb-Rheind m.: -grützenschleim. PfWB Hafer-räff Nahe, Hunsr, uMos, Mayf, Aden, uAhr n.:
1. Korbgestell mit 4—5 Holzzähnen, zum Auffangen der Halme, an der H.sense u. diese selbst. RA.: De hat Zänn wie en H. Bernk-Commen. —
2. eine Grasart Wend-Baumholder. NRhWB PfWB LothWB Hafer-rechen (s. S.) Saar, Trier (Hochwald), Bitb-Mettend m.:
1. dass. 1. —
2. übertr. prodium cinctarium Merz-Nunk. PfWB Hafer-saat -:- Allg. f.: wie nhd. PfWB hafer-säätig -:d- Schleid-Lückerath Adj.: de h. Flur in der bei dem Fl.zwang der Hafer steht. Hafer-sack (s. S.) Allg. m.:
1. wie nhd. RA.: Voll Nöss-säck (Nuss-), leddig H.säck Schleid-Hellenth. Der eas su voll Flih be en H. May-Pillig. Dem sei Gaul kriet de H. hoch gehängt Rhfrk, Allg.; dem (Übermütigen) muss mer den H. hiher hänken Trier, Mosfrk, Rhfrk. — Enen (Kind) fir'n H. hulle huckepack tragen Zell-Lötzbeuren. Dat Perd hot beim H. gestan es ist mutwillig Trier-Schleidw. — Knupp, kn. (klipp, klapp; knipp, knapp; schnupp, schnapp; jupp, knupp) H., wei vill Herner (Hörner) hät der Bock, wei vill Fangere (Finger) steihn? Fingerratesp. (s. Finger) Trier-Fell, Mos verbr. Klopp, kl. H., wieviel gelt der Pand? mit diesen Worten klopft der Pfandausleiher einem andern, dessen Augen verbunden sind, auf den Rücken Wittl-Manderschd. —
2. übertr.
a. gefrässiges Pferd Eup. —
b. welsche H.
α. Schimpfn. für den Franzosen Bernk; kauderwelscher H. einer, der kauderwelscht Simm-Laub. —
β. kleines Kind Heinsb-Lümb. —
c. linkser H. Linkshänder Wend-OReidenb, Kreuzn-Pferdsf. Hafer-schellchen Waldbr-Morsb Pl.: Schöllkraut, chelidonium. Hafer-scheppe -ęp Dür-Ellen, Neuss f.: eisernes Mass für einmalige H.reichung an Pferde. Hafer-schnadde -nat, –nā:, –nā:r (s. S.) Sol, Lennep, OBerg, Siegld, Altk f.: -rispe. Hafer-schnäppen Geld Pl.: die Grannen der H.ähre. Hafer-schnauze -nǫuts Trier-Mettnich f.: Gründling, der Fisch. Hafer-schnodde -nǫt Mettm, Elbf, Köln-Widdersd; -nǫr Mörs; -n Geld, Klev, Rees (s. S.) f.:
1. –rispe. —
2. -nrə Monbretien Klev-Üdem. Hafer-schodde -ǫt Rip, uMos, Goar; -ōă-, -ūă- uSaar, Bitb; -rə (Pl.) Saarbr, Ottw, Birkf; -ǫ, –u Erk, Geilk, Heinsb (s. S.) f.: dass. Hafer-schoppen -ǫp(ən) (s. S.) Allg. m.: -garbe. Hafer-schor (s. S.) Mosfrk, Rip f.: -ernte. Hafer-sense -z:nts (s. S.) Allg. f.: wie nhd., dort, wo ein Korbgestell aufgesetzt wird; doch meist besondere Namen. Hafer-sicht -zeit Düss-Benr n.: dass. PfWB Hafer-siff -e-, –a- (s. S.) n.:
1. –sieb. —
2. übertr. -zef vergesslicher Mensch Lennep-Radevormwalde. Hafer-söller Aach-Gressenich, MGladb, Neuss m.: S. über dem Pferdestall, wo man den Hafer hinschüttet. NRhWB Hafer-spanien Berg, Bitb n.: der östliche Teil des Bergischen von

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der Sieg bis zur Wupper, weil dort vorzugsweise Hafer angebaut wird, bes. das Homburgische; auch das Bitburgische. Hafer-spatz Simm-Ellern m.: Spatz. NRhWB Hafer-spier NBerg n.: -korn. Hafer-spiess -bes Saarbr-Quierschd m.: -rispe. Hafer-spinde -pe·n. Lennep f.: Seitengefach der Scheune zum Lagern des Hafers. Hafer-spitt Geilk n.: -korn. PfWB ElsWB Hafer-spreu -brǫu, –ęi- (s. S.) Rhfrk f.: -kaff. Hafer-stall Neuw-Dernb m.: Nebenraum der Scheune für Hafer. Hafer-stauche -tux Siegld, Altk, Waldbr f.: -garbe, einzeln aufgestellt. Hafer-stipp  Bitb, Prüm m.: -brei. PfWB ElsWB Hafer-stoppeln (s. S.) Allg. Pl.: wie nhd. RA.: Wenn de Luft (Wend) iwer de H. geht (weht), es de Hirbscht do Birkf, Saarbr, — es de beste Zick (Zeit) fort Erk-Keyenbg, — vergeht dem Schäfer dat Leinegesäss (Leinenhose) un dem Bauer det Vierauhregəäss (Vieruhren-) Bernk-Thalfang; wenn de Fuss (Fuchs) durch de H. löft, es net vill mih los Sülzt. Er mott en de H. biten er stirbt Kemp-SHubert. PfWB ElsWB Hafer-stroh (s. S.) Allg. n.: wie nhd. RA.: Su domm wie H. Allg., — wie H. lang es Neuw-Breitschd. Dat kaut sich wie H. Ottw-Göttelborn. — Bombele, b., H., bivill Finger stih? Fingerratesp. Koch-Poltersd. — Schlofe, min Kend, om H.; stirft din Muder, din Vader es froəh, dann freit e sich wiər en anner Wif, dann giət (gibt) et en löstige Hochzit! OBerg. Man kocht H. ab u. reicht den Absud gegen Schwindsucht Mörs-Neuk. PfWB LothWB Hafer-stück Allg. n.: -feld. PfWB LothWB Hafer-tessel uSaar m.: -barn. Hafer-truf -ū-, Pl. -ȳ:- m. Kemp m.: -rispe. Hafer-waffel OBerg, WEif f.: W. aus H.mehl. Hafer-walle -wāl WEif f.:
1. Ackerwalze, so genannt, weil durchweg nur die H.felder gewalzt werden. —
2. dickes, watscheliges Weib. PfWB Hafer-walze (s. S.) Saarbr, Ottw, Birkf, Bernk (Hunsr) f.:
1. dass. 1. RA.: So deck wie en H.
2. dickster Klicker Saarbr-Quierschd. hafer-wänzeln Birkf schw.: Knabensp.; zwei Jungen, mit dem Rücken aneinandergebunden, werden von einem dritten den Berg hinabgerollt. Hafer-warf -ę- Ahrw-Walporzh m.: Getreidesense, Sicht, mit kurzem Stiel. Hafer-wärmde -wę·r.əmp Sieg-Scheiderhöhe n.: -brei, früher als Morgensuppe. RA.: Wammer sech em H. spegele (spiegeln) kann, da dog et net. Hafer-wäsche -w Geilk, Heinsb f.: Nebenabteilung der Scheune für Hafer. Hafer-wisch -ø- Kref-Oppum m.: -garbe. Hafer-wutschelchen Trier-Schleidw n.: dass.

hafern I -āw- Gummb, Geld; -- Siegld Adj.: aus Hafer bestehend, z. B. h. Busche Bund aus H.stroh, h. Ströh, h. Kleien, h. Gretze Allg.; h. Metsche gestrickte Zipfelmütze Siegld-Eiserf Kreuzth Kromb.

NRhWB PfWB hafern II -w- Bitb-Mettend, Trier-Mehring; -ǫ- Koch-Poltersd schw.: einen h., gehörig prügeln; wat as e gehowert gün (= wat hat et Hower gün)!

be- hafern: -aw-, sich b., sich bezechen Saarbr.ver -hafern: sich v., sich ereifern; die v. sich ebbes

[Bd. 3, S. 71]


met enanner z. B. die Wahlparteien Saarbr-Sulzb.

haferzig hwərtsiχ Merz-Merching Adj.: in der Verb. h. Gerscht Hafer und Gerste gemischt.

 

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