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Besem bis abbesemen (Bd. 1, Sp. 625 bis 630)
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Artikelverweis  NRhWB Besem Rhfrk bēzəm; OMosfrk -ę-; WMosfrk, Siegld --; Bitb -ēā-; RRip -ę-; LRip bęsəm, –ęzs-, –ęizs-, –ęis-; Nfrk bęsəm. Pl. -əmə(n) [Nfrk -əms] [bęsən Gummb-Harschd, Waldbr-Geilenksn. Lennep-Dhünn, Ess-Kettig; bęsmən Gummb-Hesselb] m.:
1. Kehrbesen mit

[Bd. 1, S. 626]


langem Stiel, dem die Reiser oder Borsten parallel laufen im Gegens. zum Stöver, zur Stabberscht Handfeger; im übrigen aus verschiedenem Material, meist aus Glockenheide, der Stall- oder Hofb. aus Birkenreisern. seltener aus B.ginster. S. Heiden-, Birken-, Reiser-, Rehheiden-, Ginster-, Bremmen-, Worzel-, Haarb.; hinsichtlich der Verwendung s. Kammer-, Stall-, Stuben-, Staub-, Schruppb.; in der Küche Brei-, Supe-, Wäschb. — In Vergleichen. Strack (gerade) wie en B WEif. De es su stif wie ene B. Nfrk, Rip. De geht last de Leit wie en B. ohne zu grüssen Trier-Kenn. De hat Hor (en Bart) wie ene B. Allg., — ene struppege B. May-Bell. De Kerl ös so borschtig wie enem B. Mörs-Hombg. De hat e Gesicht, als wär em met em B. drin erumgekehrt Kreuzn-Weinsh. Er is ufgerobbt wie e stumbe B aufgeputzt Kreuzn-Boos. — en gebotzten B. Bernk-Neumag. Dat Metz ös so stupp wie enen B. Mörs-Vennikel. Der is derr (mager) wie e B. (scherzh. su deck wie en B.) Mosfrk. De kann sich hennerm B. ausdohn Kobl. Er schreibt met em B. ungelenk Ottw-Wiebelsk. E hät e Maul wie e B. frech Neuw-Dierd. De es ze domm. för mem B. ze danze Erckörrenz. — B. binden. Dann well ech doch lever gohn B.ə bengen als diese schwere oder schmutzige Arbeit tun Gummb-Harschd. En Afegat es gewess en gescheide Mann, ower e kann kene B. benne Kobl-Bend. Op jedder Amboss gehürt ne Hammer, ze jeddem B. ne Stel MGladb-Rheind. — Der B. kehrt, fegt. Neu B.ə kehre got (scharp), se fege äver net de Hötte (Hucke). Neue B ə k. schärp, neue Herre rechte streng Kemp-SHubert, Allg. Neu B.ə k. got, äver ale fege de Hötte Rip. Neu Mäde un neu B ə, de k. got Köln. Su lang wie de B. nei as, kehrt e gut Wittl-Dierschd. Neu B.ə k. got, ävver döcks kratze sei ouch de Färf af Aach. Et as net alles Dreck, wat enner dem B. leit Trier-Mehring. He moss mer de B. en der Hand hale hier hat man viel zu fegen Rip. Der B. an de Wangk stelle den Dienst kündigen Erk-Keyenbg. De soll mot dem B. geschrubbt gen so schmutzig ist er Wittl-Kinh, Allg. Et kehrt möm B. op ener Platzen sie kommt nicht von der Stelle Sieg-Seelschd. Ech sen deine B. doch net! tu es selber Goar-Camp. Steək der ene B. en de Fott, dann fegt die de Strot! ruft man den Mädchen nach, die geziert, unnatürlich gehn Kref Fischeln. Et as neist iwer de Propertät, sot de Fra, da hot se den Dösch mam B gekehrt Bitb-Geichl. — Stumpfer B. En stumbege B. kəhrt nit Koch-Düngenh. Do stohn wie en stombege B. WEif. Wenn de neu B. all verbrucht sing, nemmste den stuppigen wiər z. B. der Verkäufer stellt

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dann auch veraltete Ware zum Verkauf Waldbr. — Du häs der B., äver noch net der Stiəl das Schwerste kommt noch MGladb-Rheind. — Der B. und die Hausfrau. Der hat gennen guje B. int Hus keine gute Frau Geld-Pont. De Frau un der B. gehüren en et Hus Lennep-Dhünn, Düss-Rath Rating. De Frau hürt en et Hus, on der B. derfür Sol-Höhschd. De Pantoffel un de B. krigt de Frau, un du krest Hau Malm-Manderf. Die schwengt de B em Hus sie hats Regiment Bo. Wu der B. net dog, do bat et net wo die Hausfrau nicht taugt, hilft aller Fleiss des Mannes nicht Nfrk. — B. und Hexe. Wollte einer erfahren, wer ihn behext, so legte er zwei B. kreuzweise übereinander vor die Haustüre, und wer dann des Morgens zuerst ins Haus kam, war die Hexe Hunsr. Zwei kreuzweise übereinander gesteckte B., vor der Tür aufgestellt, bewahren das Haus in Abwesenheit der Bewohner vor bösen Einflüssen Mörs-Rheinbg. Erscht Mainacht komme de Hexen om B. Saar. — Verschiedenes. Nau fress ich ower en B.! Beteuerung Saarbr, Hunsr, Kobl-Bend, Altk-NFischb, Waldbr-Geilenkausen, Siegld, Köln, Düss. Ech well en B. fressen, wann et nit wohr es, — dann fress ech en B. mat siwe Ring May-Pillig, — met dreizehn Ring MüMaif, — bed dem Stiel Siegld, — von he bös do an de Dür! Düss-Rath. Der hat e B. gefress steifes Wesen Saarbr-Pflugschd. Du bös Mester, wuə de B. steht sagt die Mutter zum eigenwilligen Kind Heinsb-Lümb. Kenger Well steht henger der Dür, wo der B. steht MGladb. Du häs der Well an der B. MGladb-Rheind. Der B. steht für de Dür! es drohn Prügel Schleid-Hellenth. Der B. ömdriəhne um damit zu schlagen MGladb. Eich trere der en vor de B.! Zell-Sohren. Ich krin dich emol zwische Licht on B. zwischen Tag und Dunkel Ottw-Saarbr. Kess (leck) mech am B.! abschläg. Antw. Mosfrk. Kess de Katz am B.! ebd. Ower dem B. pesse (speie) den Zorn, Unmut, Verzweiflung, Aufregung besänftigen Nfrk, Aach, Dür, Bergh. Pesst mar es ower dem B., dann geht et wer ower! Klev. Gerät ein zankendes Weib in Wut, dann ruft ihr seine Partnerin höhnend zu: Wart, ech rek dech der B., dann pischsde ens drop, dann vergeht dech der Gef! Kref-Linn. Wer mürrisch ist: Halt es enem B. on lot öm es drower pesse, dann kregt hej andere Senn! Klev-Calcar. Lot em op de B. speie, un alles is got Ess. De moss me ens en de B pesse losse Dür-Vettweiss, — op ene B. secke l. Bergh-Hüchelhv. Enem e B. ufbinne anlügen Kreuzn-Warmsr. — Den B. ausstippen, herausstechen, aushangen = allein im Hause sein. Früher steckten die Dienstboten, wenn die Herrschaft ausgegangen war, aus dem

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Küchenfenster den B. mit einer blauen Schürze heraus; sie hatten nun geruhsames Leben und luden zu Besuch ein. Der Brauch selbst ist ausgestorben, aber die RA. lebt im ganzen Nfrk fort: de B. utsteke lustig drauf los leben. Den Herr (de Frauw, den Bur) is nit t' Hüs, wej willen äs den B. ütsteken zechen, die Aufsicht fehlt. Send de Eldere net te Hus, steəke de Kenger der B. erut MGladb. Auch zum Strohwittwer sagt man scherzend: Du kanns dem B. utsteəke (utstipen, uthange) Geld. We för Dag opsteiht, dä kann am Dag auk es den B. rutstecken einmal ausruhen Ess. — Was haben wir gekocht? Ausweichende Antw.: Stretzgebäcks, dorch den B. geschess Trier-Höfchen; Stritzel de Backs, durch de B. geschlä Siegld. — Rätsel. Et steəht wat e der Enke, hat honnert dousend Zenke (Besen) Siegld. Et steht ebbes hinner de Dehr un motzt Simm-Horn. — Volksbr. Einem Mädchen, das nicht taugt, stecken die Dorfjungen einen B. vor das Haus; ähnlich einem alten Manne, der nochmals ein junges Weib nahm; bes. in der Neujahrsnacht dass. demjenigen, der im Laufe des Jahres Ärgernis erregte Erk, MGladb. —
2. übertr.
a. sachl.
α. ene gläuhnege B. Meteor, Heerbrand Mörs. —
β. Spinngewebe Ess-Bredeney. —
γ. dinger Bom bingt B. krankhaftes Zweigengewirr Gummb-Berghsn. —
b. persönl.
α. von der Frau gesagt. En statsen B. schönes Frauenzimmer Mörs-Neuk; en fassen B. strammes Fr. Saarl-Berns; dat es en B. eine Hexe von einer Frau Klev. Du olle B. Mörs-Rumeln. S. auch Dorf-, Gassen-, Stadt-, Höllenbesen. —
β. dat es uk en höltenen B. ungehobelter Kerl Gummb Hesselb; schlechter B. verdorbener Mensch Kreuzn; gemane B. gemeiner Kerl Trier.

Besem- in der Zs. meist -əms-, Nfrk -əmə-. Besem-bauer -msbūr Köln m.: B., der B. feil bietet. NRhWB Besem-binder -ms-; Nfrk -əmə- [-əməm- Mörs-Xanten] m.: wie nhd., doch meist - krämer genannt. RA.: Et moss alles geloart wearn, on wenn et e B. es Siegld. Den sit aus wie e B. Merz-Morscholz. De hät Hor om Kopp wie en B. Waldbr. E schändt wei e B. Merz-Saarhölzb. Liever ennem B. äs ennen doən Justizrat Mörs-Neuk. B.ərsch Buwe un Scherenschliffersch Mäde sind, wenn sie emporkommen, de schlemmste (im Befehlen) Saarbr. — Bönnekartse B.ərs Neckruf für Mörs-Bönninghardt. — Schereschlipers Gritje, B.ərs Sohn hadde sech versproken, se wollen tesammegohn Kindervers Mörs-Orsoy. Besem-fackel Aach f.: F. aus alten B. Besem-fäse -fęs Prüm-Ihren f.: -reis. Besem-gegend Kemp f.: ärmliche Gegend. PfWB Besem-heide f.: Glockenheide, calluna vulg., die vorzüglich zum B.binden dient. Besem-hütte f.: die Ecke, in der der B. gewöhnlich steht. RA.: De Will

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steht in de B.! zu Kindern gesagt Kemp-Breyell. Besem-karre -əməkār Mörs-Pelden f.: eine Schürreskarre, über das Rad übergebaut, mit der die B.binder von Bönninghardt ihre Ware bringen. Besem-krämer -ī:- Rip, Nfrk m.: Hausierer, der B. feil hält. — Vielfach Spottn. für Bewohner armer Gegenden, z. B. Rheder B. Bo. Eine arme Gegend wird spöttisch mit Bessemskrimərschlangk bezeichnet Bergh-Hüchelhv. NRhWB Besem-kraut bęsəmkrūt MGladb-Rheind n.: B.ginster. Besem-küff Nfrk m.: hen hät ene Bessemeküff einen Schopf wie ein B. Besem-kül Geilk-Würm m.: -stock. Besem-land n.: arme Gegend; so et Bessemeland Eup-Hergenr. Überhaupt wird zur Kennzeichnung ärmlicher Gegenden, wo nur Besenbinder hantieren können, B. verwandt: Besem-Lindlar (Wippf); B.hau Dür-Grosshau; B.loch Nahe-Lauschd. NRhWB PfWB Besem-litze -əmlitz Bitb-Dudeld, Trier-Fastrau f.: L. an Frauenröcken. Besem-mächer Koch, Bitb m.: -binder. besem-rein Adj.: bloss gekehrt, nicht aufgewischt. RA.: Bei os ös et mar schottelplacks- on bessemsrein es wird nur abgewaschen und gekehrt, nicht geputzt Kemp-SPeter. PfWB ElsWB LothWB Besem-reis n.: wie nhd. RA.: De hät Hor wie B.ər straff Rip, Allg. Dat is wie mit em B. geschrive Rip, Allg. Went Glöck wahl wöll, de fährt op en B. öwer de Rhin einigen Menschen gelingt alles Mörs-Gerdt. Besem-schien -ə- Aach n.: -band. Besem-schürger -ø- m.: -binder, –hausierer. RA.: Die togge (zanken) sech wie de B. Heinsb-Erpen. Besem-stöver Barm m.: Handfeger. PfWB Besem-steck(en) LRip m.: -stiel. RA.: Die Kleder hangen em öm de (et) Lif, wie öm ene B. Rheinb-Meckenh. De geht, als wenn e en B. em Röck hätt Allg. De Mann es brav! De B. es och brav d. h. er kann nicht anders Bergh-Hüchelhv. Mach, dat ech den B. erömdrihe! Androhung von Schlägen. Dinge Welle stech em B.! Rheinb-Stotzh. Dat es für B.steekele ze secke (pissen) eine sehr schmerzliche Sache MüEif. Extrapos op ene B. langsam tun Aach. — In Kinderreimen. Ovendsklock, di Kenger nom Bett, söns kömmt de Frau (Motter) möt de B. MGladb, Köln-Frechen, Bergh-Ahe, Monsch-Witzerath Strauch. Aprel es geck, der Vaər es geck; de Modder löpt met (rit op ene) jene B. Eup, Aach, — köt mom B. Schleid-Hellenth; s. April. PfWB ElsWB LothWB Besem-stiel m.: wie nhd. RA.: Hen es esou steif wei en B. Saar, Allg. De hät Ärme wie ene B mager Neuss. De hot e Bort wie B. Kreuzn-Bretzenh. He schrift wie mem B. MGladb, Allg. De (Magere) kann sech hinnig em B. e frösch Himd andohn Kobl-Weissenth. De Kinder ehre Welle stich (lig) em B. Köln. Dinne Well steht (sett) in de B. (bei den, achter den, henger der ..) Nfrk. Sall ek di es met dem B. kommen? Ess. Modder, B. schleht de Blagen vell te vell Scherzlied Gummb.

[Bd. 1, S. 630]


En Hoər kittelt (kitzelt) mih als ne B. Dür. Ene Strohhalm kettelt mehr as enen B. ein Unscheinbares wirkt oft am besten Mörs. En dreht sang (sein) Frönn all op der Spötzt vun em B. er hat keine Freunde Bitb-Mettend. Eweile han eich mei Del, sot de Frau, do hatt se de B. of de Kopp kregt Koch-Urschmitt. Was haben wir gekocht? Ausweichende Antw.: Stritzgebackenes iwer de B. Saarbr-Camphsn. Adelheid hät Flöh gefange (2 ), opgehange an dem B. Geld-Issum. Mechel mat dem B. schlet de Kanner viel ze viel; viel ze viel as ongesond; Mechel as en Schweinhond Bitb-Feilsd. NRhWB PfWB Besem-strauch Köln m.: Heidekraut. PfWB Besem-stump -o- Prüm, Malm m.: -stiel. Besem-tal -əmdāl n.: zwischen Simm, Castellaun, Kirchbg sich hinziehend; die Bewohner sind die Besemdaler Gugugge, auch allg. Schimpfwort = Spitzbube. Besem-tanz Neuw, Siegbg, Ottw-Wiebelsk m.: ein Tanz. Besem-wasser n.: Überreste von Schnaps, Bier, Wasser (im Spülbottich der Wirte) Köln. Besem-zinken -əmtsiŋkə Simm-Buch Sargenr, uNahe m.: -reis. Mer ment, der hätt mir em B. geschrieb.

besemen Allg. schw.:
1. kehren (selten) Bitb-NWeis. —
2. übertr.
a. intrans. rennen, schnell laufen. Wat der besemt! Rip. Wat könnt gej b.! Nfrk. [Ebenso ‘fegen’ gebraucht]. — Hin- und her gehn im Dorfe, in den Häusern, bes. zum Klatschen Saar, Eif. De do Fra besemt de ganze Dag von am Haus ens anner Ottw-Schiffw, Saarbr-Sulzb; b. gehn Saarbr. Die besemt am (im) Duarf erem WEif. S. Dorfbesem. —
b. trans. einen b.
α. zum Laufen bringen, davonjagen Klev-Calcar. —
β. einen verhauen Aach-Merkst, Sieg-Ägid. ab -besemen: ein Dorf a., ablaufen, abklopfen Geld.

 

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