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Zuber bis Zück I (Bd. 9, Sp. 845 bis 846)
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Artikelverweis  PfWB ElsWB LothWB Zuber das Wort, ahd. zuuipar, –bar, mhd. Lexer zûber, zuber, zuober, ist heute in der Hauptsache an der Saar, Mosel u. in der WEif verbr., wird aber sporadisch auch anderwärts bezeugt; es liegen ihm zwei verschiedene Lautformen zugrunde; auf die mhd. Formen weisen tsō:wər Goar-NGondershsn OSpay Weiler; -ow- Wend, Ottw, Siegld; -uw- Zell-Altstrimmig Burg, May-Polch; -ūw- Saarbr-Sulzb, uWupp; -ub- Ottw-Stdt, Trier-Fell Mehring, Koch-Karden; auf ahd. zwibar dürften weisen tsiwər Saarbg-Feching, Trier-Heidenbg; -yw- Prüm-Leidenborn, Aden-Rodder; das übrige Geb. hat -ī(:)w-, u. zwar Trier, Bitb, Prüm, Malm-Aldring Grüffling, Rheinb-Meckenh [-i- ist keineswegs entrundeter Umlaut von -u-]; Pl. wie Sg. [doch -ew- Wend-Dörrenb]; Dimin. -χə(n) [im u/o-Geb. mit Umlaut] m.:
1. ursprüngl. ein aus Dauben hergestellter kleinerer Holzbottich mit zwei festen Tragöhren (im Gegens. zum Eimer < einbar); dies ausdrückl. bezeugt Wend-Werschw, Trier-Fell Karthaus, Bitb-Betting, Siegld; dann auch nur mit einem festen Tragöhr versehen; so bezeugt Saarbg-Zerf, Trier-Heidenbg, SWEif hier u. da, Prüm-Mürlenb, Zell-Altstrimmig, Rheinb-Meckenh; der Verwendungszweck ist verschieden: zum Einsammeln der Trauben Goar-Weiler; Mostschöpfe Koch-Karden; Milch- od. Wasserbehälter, Melkeimer NSaarbg, Trier-Schleidw; Futter- u. Tränkeimer Trier-Aach, Bitb-Weilling, May-Polch, Siegld; Waschbütte Wend-Urw, Ottw-Theley, Trier-Karthaus, Bitb-Wissmannsd, Malm-Grüffling; Spülbüttchen Bitb-NWeis, Einweichbottich für Leder in der Schuhmacherei Saarbr-Feching; zum Einpökeln des Fleisches (Fläschz.) Zell-Burg, Prüm-Leidenborn. —
2. tsewərχən n. Nachtgeschirr Trier-Hochw; breng dat Z.chen erof!

Zuber-bütte -ub-, –ī- Trier-Detzem Mehring f.: B. zum Einsammeln der Trauben.
 
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Zuche tsux Saarbg-Cahren, Bitb-Bollend Körperich f.: Gefässausguss (am Melkeimer, an der Kaffeekanne udgl.); et Wasser spruddelt aus der Z.
 
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zucheln -uxələ vereinz. Schleid-Hellenth schw.: ziehen, bes. beim Klickersp.; vgl. zäuchen.
 
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PfWB ElsWB LothWB Zucht das Wort (wie das vorige zu »ziehen« gehörig) ist vor allem südl. der Ahrlinie bezeugt, während es im N. nur vereinz. begegnet (trotz mnd. tucht, mndl., ndl. tocht), doch gehen die Abl. weiter; Lautung Rhfrk tsuxt; Mosfrk an der Saar tsūt; Hochw -ūχt; Bitb-Badem -uĭχt; sonst -u-, –o-; Rip in Malm-Bütgenb -ūxt; MüEif, Eusk-Lechenich -ux (nach dem Nhd,); Gummb-Homburgisch -ōxt, Schwarzenbergisch toxt; meist Sg. t., doch in best. Bed. Pl. -īχtən (s. u. 3) f.:
1.
a. eine Zucht, ein Wurf junger Tiere, bes. Schweine u. Federvieh Saar, Hochw, Bitb, Malm-Bütgenb, Eusk-Lechenich Mü-Eif, Gummb; esou en ruppig Z. hun ich mei Lewen noch net geseihn solch magere Z. Merz-Saarhölzb.

[Bd. 9, S. 846]


RA.: Ma mant (meint), de hätt de Läus für de Z. Koch-Treis. —
b. auf Menschen (Kinder) übertr.
α. dat es en langsame T. met den Kingern, de Ferkentucht geht geschwinder Gummb-Berghsn. —
β. verächtl. ungezogene Kinderschar Birkf, Malm-Bütgenb; Gesindel, en nette Z. Gummb-Homburgisch. —
2.
a. Drill; die Fra hat ene (ihren Mann) schen en der Z. Saarbr. —
b. ironisch Unordnung, verlodderte Wirtschaft; dat söll wal en Z. sein Waldbr-Morsb. —
c.
α. Lärm, Spektakel uNahe, Hunsr, Saarbr. —
β. Umständlichkeit, Wesen, Getue, Altk, Siegld; bat han die en Z. Altk-Horhsn. —
d. (gehöriges) Betragen Neuw-Dierd, Siegld, Gummb-Berghsn; in den Blagen (Kindern) es ken T. meh keine Disziplin Gummb-Berghsn. —
3. Pl. in bes. Anwendung; aus freien Zichten (-ī-) aus freiem Antrieb, Entschluss Bitb-Stahl, Prüm-Mürlenb; met Z.ən mit Verlaub; en Z.ən in Ehren, mit Anstand.

Zucht- Zs. wie –bulle, –farren, –ochse, –sau, –stier, –vieh, sowie –haus verstehen sich von selbst; dazu: Zucht-geld tōx(t)- Mörs-Neuk n.: festgesetzte Rente für den Töchter (s. u. Züchter 2). Zucht-holz -ux- Kobl-Winning n.: Zweige der Reben, die Frucht tragen sollen. Zucht-kammer tōχ(t)- (s. S.) Mörs-Neuk f.: K. für den Töchter (s. u. Züchter 2); ek well met Gott net hopen, dat ek en T. krig sagt das heiratslustige Mädchen. Zucht-kette -kīrə Simm-Laufersw f.: Zugkette am Pflug. Zucht-melkersche -r Saarbr-Völkl f.: lärmendes, unruhiges Mädchen.

Zuchte tsōxt Trier-Heidenbg f.: Mulde, sanfte Schlucht, kleines Tal.

züchten nur vereinz. bezeugt, u. zwar tsiχtə Saarbr-Sulzb; -īt- Trier-Stdt; -øχtə MüEif, Dür schw.:
1. wie nhd., Tierzucht betreiben Saarbr-Sulzb, Trier-Stdt, MüEif. —
2. se gezöch krige Prügel bekommen Dür.

PfWB Züchter m.:
1. Viehzüchter, nach dem Nhd. bekannt, doch meistens umschrieben mit (op)trecken.
2. tøχtər Hagestolz, alter Junggeselle, der von der Familie in Form einer Rente ausgehalten wird Kemp-Stdt, Mörs. Vgl. auch Leibzucht, –züchter.

Züchter-linge Ess-Werden Pl.: die Strafgefangenen in der Werdener Anstalt.

züchtig Adj.:
1. tsiχtiχ wie nhd., sittsam, dann auch behutsam, bedächtig Bernk-Neumag; de gäht esu z.; de trett z. of.
2. brünstig, von der Kuh; tøχtiχ Mörs [Bliersh -tøkt-], Duisb-Meiderich; tøks Dinsl-Löhnen Möllen; toygs MülhRuhr-Styrum; dies Synonym fehlt auf der Karte VI 3 (öchsig). — Vgl. mndl. tochtig in derselben Bed.

züchtigen nur vereinz. schw.:
1. tsiχt- erziehen Saarbr-Sulzb. —
2.
a. strafen, nach dem Nhd. Mü-Eif. —
b. einen Baum z., mit einer Rute schlagen, zur Anregung des Safttriebes, ein Volksbrauch Waldbr-Morsb.

Zuck I, zuck I = Ruck, rasch u. ä. s. zücken; Zuck II, Zück I = Ziege s. folg.