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t I bis Tabaksblume (Bd. 8, Sp. 1015 bis 1017)
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Artikelverweis  PfWB t I f., n.: Buchstabenzeichen und Name dieses Buchstabens. En Hus met en half T. wenn ein Bauernhaus quer zu den anliegenden Stallungen liegt u. diese zu ⅓ überragt Mörs. De Vadder, de Modder, de Breidigam han't in de Mitt, de Braut horr et hinne? das T Bernk-Rorodt Thalfang. — T-Stück Rohrstück, durch welches an eine Hauptleitung zwei Nebenleitungen angeschlossen werden, in der Handwerkerspr. Tī:letterke Bankwerk in Form eines T Mettm, Sol.
 
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t II Schallwort:
1. tt! Lockruf für Schweine bei der Fütterung. —
2. ttt! macht man vor Staunen u. Verwunderung Berg.
 
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ta ta u. neben da u. Rip Schallw.: zum Heranlocken der Tiere bei der Fütterung; Nügges-chen ta-ta!

Taal = Sprache s. Tahl.
 
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Tabak das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk tuwak, tū-  [im Hunsr vielfach tūak; Saarbr tuwak u. tūak]; Mosfrk in Saarl, Merz, Hochw tuwak  [Saarl-Diefflen, Trier-Neuhütten tuak]; sonst Mosfrk tubak  [Saarbg, Trier, Bitb tūwāk, –wā:k]; Siegld, Altk (Sieg) duwak ; OAltk dubak ; Rip, Berg ta-, tu-, to-, təbak  u. auch ta-, tu-, tobak  [um Sieg-Leuschd dəbak ; Köln-Widdersd tybęk ]; Eup tubak ; SNfrk tu-, to-, təbak  [im Trübungsgeb. -bǫk]; Klevld ta-, tu-, təbak  Sg. t. m.:
1. die Tabakpflanze, angepflanzt an der Nahe, um Wittl in Klev, Rees; de T. tute den Boden um die Pflanzen harken u. häufeln; nach einem Monat müssen die Pflanzen gegeizt, d. h. die sich neu bildenden Ausschläge an der Wurzel entfernt werden; ist der T. ausgewachsen, so darf man ihn nicht zum Blühen kommen lassen, deshalb wird er gegippelt, die Spitze einer jeden Pfl. wird mit Daumen u. Zeigefinger abgepetscht; im Sept. z. Z. der Tabakernte wird geblad; wenn er vor Fastnacht vom Trockenschuppen geholt wird u. die Blätter von der Schnur befreit werden, wird er abgestrippt Nahe; der T. wird afgeblajd, gespillt, gedrögt, gebosst (gebündelt) Klev, Rees; früher war es Sitte, eine bes. schöne blühende Pfl. mit Goldfähnchen u. buntem Papier geschmückt an hervorragender Stelle des Hausflurs aufzuhängen; bei Überreichung dieser Pfl. sprach der Knecht: Hier breng ek ow de Plant van et Land; ek sin mor klein, et Hart es noch rein; häbt gej nou mehr Verstand, gef min de Fläss (Flasche) met Fusel in de Hand! Klev, Rees; bei der Fabrikation des Kau- u. Schnupftabaks kommen die Blätter in en Zauss (Brühe);

[Bd. 8, S. 1016]


dann werden sie für Kautabak gesponne zu fingerdicken, auch dünneren Schnüren gewunden; die Bl. für Schnupft. werden in Karotten gebunden, annähernd 40 cm lang u. 8—10 cm dick, mit Kordel umwickelt, und dann auf einem Reibeisen gerieben Klev. — An Rauchtabak unterscheidet man: schwarzen, ruden, decken (Strangtabak) T., Pife-, Päckelches-, Rollen-, Strangt., T. en Tute, Strolles, Apehör (Affenhaare), Feinschnitt (Emmerich), ABReuter, Kanaster, Böninger, Kipenkerl, Varinas, Porterico usf.; Kautabak ist Kau-, Prümm(ches)t., Schick; Schnupftabak ist Schnufft. (s. d. W.); schwere (starke, kräftige), lechte T. Rip, Allg.; Freiersch T. schlecht brennender T. (weil der Betreffende, ohne Argwohn zu erregen, in das Haus seiner Auserwählten gehen kann u. sich Feuer ausbittet, so oft er will) Rheinb-Meckenh; T. (en die Pif) stoppe, — roche (qualme, paffe, flatsche usf.) [alt T. trinken Neuss 1665 u. 1680; T. sugen Köln 1612]; — prümme (schicken), — schnuffe (schnuve) Rip, Allg. RA.: Sou drecke (trocken) wie T. Zell-Briedel. Dat lig durchēn (durcheinander) wie Kappes on T. Rip, Nfrk; dat es mi K. un T. ist mir gleich Wippf-Dohrgaul. Was haben wir gekocht? scherzh. Antw.: K. met T. Mörs-Rumeln. Dat es des T., wumat mer de Flege verdreift schlechter T. Bitb-Bickend. Dat as storken T. eigentl. u. übertr. etwas Ungeheuerliches, eine starke Zumutung Bitb, Allg.; dat es schworen T., den geiht nit in min Pip Mörs. Schnaps u. T. mot sin, Broət un Eərpel (Kartoffeln) sind ok nöədig Gummb-Peisel. Et äs noch bal besser kä Brut em Haus wie kän T. Merz-Bergen. Kaffee ohn T. ös wie ne Vesper ohne Magnificat MGladb. Sorgen, Gram un Grillen kann T. un Jagen stillen (nach dem Nhd.) Berg. We (T.) schnuv, de süht us wie e Ferke; we (T.) käut, dat es e Ferke; we (T.) rauch, de stink wie e Ferke Köln-Stdt. De geht T. holle er hat Angst, zieht sich bei Streitigkeiten zurück; das Pferd geht unter ihm durch Bo-Stdt, Köln-Stdt, Dür-Gürzenich, Heinsb-OBruch. Bur, B., holl T. te Kölle en de Stadt; tribbel erop, tr. eraf, schlonn de Mon (Mann) de Pip af, lott em noch e Stömpke dran, dat he noch ens roke kann! Kemp-Breyell. Der hat Brot met T. ist in guten Verhältnissen Saarbr-Güding. Dem armen Mann fählt emmer jet; hät he T., dann hät he gein Pipe Sol. Schmit ens jet T. op de Plate, dann rückt ei no Mannslüt, Elbf. Ein Mädchen, das nicht zum Tanz geholt wird, moss T. schneire Zell-Briedel, — spenne Koch-Lutzerath; T. weckele das Schlangensp. der Kinder Aden-Virnebg.

[Bd. 8, S. 1017]


Der Dumme wiər nach (noch) got, fir an (in) Afrika de Afen aus dem T. ze jogen Prüm-Mürlenb. Et (he) geht durch Kappes un T. querfeldein, geradeaus, ohne Rücksicht auf anderes Gummb, Rip, Nfrk. De verdent noch net fer den T. Malm-Aldring. — Noch kä Peif T. gen ich defor; noch net for e P. T.! Saarbr, Allg.; jo, Peif T.! abschläg. Antw. Merz-Mondrf; he an as kän P. T. mih wert zu nichts mehr zu gebrauchen, verschlissen, schwach Bitb, Allg.; wit wie en P. T. wie eine Pf. T. reicht Gummb-Homburgisch. Wej wollen ens no de Gosdonk (Gaesdonk) gohn en hale en Pond T. (en Pip T.), en wenn de grisen Kerl es kömmt, den steckt ons in de Sack, öm en Ühr nij, öm twej Ü. n. usf., öm twelf Ühr wäll von einer Gruppe von Kindern wird eines zum grisen Kerl auserwählt, das sich irgendwo versteckt; die andern singen das Lied u. ziehen an dem Versteck vorbei; beim letzten Vers kommt der gr. K. hervor u. sucht die Kinder zu fangen Klev, Geld (de grise Wolf). Ene Kerl (so schwach) wie en Päckske T.; en Gesech maken wie en P. T. verblüfft Mörs; Schuster, lapp, l., gi me en P. T.! Mülh-Ruhr. Den ös so klein, dat hei knapp en Katt in de Fott (Gesäss) kiken kann, wenn hei op en P. T. steiht Mörs-Asbg. De setzt (huckt) of em Gaul (Rad) wie e Aff of em Päckelche T. Rhfrk, Saarl, Merz. — Anno T. in früheren Zeiten; achzehnhonnert T. Verbr. — Scherzfragen. Häj (hast du) de Pip an? Nä, den T. Klev-Üdem. Warom schnufft mer der T.? Wenn de Nas no oəve stöng (stünde), da kösch me (könnte man) der T. drefriəmele (reiben) Heinsb. —
2. übertr.
a. sachl.
α. welle Duwwak Huflattich, Tussilago farfara Siegld; T. Jül-Schaufenbg. —
β. in den Wend.: Dat Hor es ēn T. wirr Lennep-Remlingr. —
γ. sein T. hon, — kreien, — gen in einem Streit od. einer Schlägerei abgeführt, zum Schweigen gebracht oder bis zur Kampfunfähigkeit verprügelt werden Mosfrk, Saargeb. —
b. persönl. verächtl. (hier auch Pl. -kə[n]).
α. Schwachkopf, Feigling (auch von Hunden) Saarbr, Ottw. —
β. Nichtsnutz, Lausbub; freche T. Saarbr-Heusw Sulzb, Saarl. —
γ. schulpflichtiger Junge, böser J. MGladb. —
δ. Neckn. für einen aus Wend-Reitschd.

Tabaks- in den Zs. wie –asche, –blase, –brühe, –dampf, –dose, –klöbchen, –lauge, –messer, –pflanze, –pott, –präume, (-schick) –qualm, –raucher, –rippe, –saft, –satz, –schwamm, –suddel, –sudder, -stengel, –strang; dazu: Tabaksbauer -kbaurə uNahe Pl.: B., die T. anpflanzen. PfWB Tabaks-beutel (s. S.) Allg. m.: wie nhd. RA.: Du kris en Guf (Ohrfeige), dat du meinst, Himmel un Eərd wär ēn T. Sieg-Menden. PfWB Tabaks-birne -bīr Saarbr-Völkl f.: eine gelbschalige B.sorte. PfWB Tabaks-blatt (s. S.) n.:
1. wie nhd. Allg. —
2. übertr.
a. grosse Klette, d. h. ihre grossen Blätter (Lappa major) Aden-Nürbg. —
b. -blędər Pl.
α. Pestwurz, Petasites offic. Koch-Kaisersesch. —
β. Huflattich, Tussilago farfara Neuw-Dierd, Altk-Horhsn, Dür-Birkesd. Tabaks-blume (s. S.) f.:
1. Bergwohlverleih, Arnica montana Simm-Laub Schlierschd, Zell, Saarbg-Beurig, Merz-Nunk, Prüm-Enschd, Malm-Amel. —
2. Huflattich May-Kehrig, Koch-Leienkaul.

[Bd. 8, S. 1018]



3. Königskerze, Verbascum Saarbr-Kölln. —
4. Nachtviole, Hesperis matronalis Geld-Schravelen. —
5. Kuckuckslichtnelke, Lychnis flos cuculi Bo-Witterschlick. —
6. Hederich Trier-Beuren.