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o I bis obschon (Bd. 6, Sp. 311 bis 314)
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Artikelverweis  PfWB PfWB o I ō: u. : f., n.: Laut u. Buchstabe o. RA.: Göt (gibt) et ken X, dann göt et en O X- oder O-Beine bei Kindern Mörs. Wat litt medde en Rom? Antw.: O MGladb. — En wandelnde O O-Beiniger Sieg-Uckerath. — De hät O-Ben (-beine) Rip, Allg, — do kan en Bauchbit durchlofen Bitb; de hät O-Schoken NBerg. En O-Bäner(t) Mosfrk.
 
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PfWB ElsWB LothWB o II , ō u. ǫ, o u. ō:, : u. alleinstehend auch o, oō, ǫ, ōo, oō:, o: u. oo, oǫ, ǫǫ () alle diese Formen finden sich in demselben Dorfe, unterscheiden sich aber in der Gefühlsstärke u. Anwendung Interj.: der Verwunderung, des Entzückens u. des Schmerzes, Mitleides.
1. alleinstehend, z. B. einer steht vor den Scherben, die er angerichtet hat, u. sagt voller schmerzlicher Überraschung:  (ō, o, oō) [ mitleidig, mit tiefer Stimme, ō erstaunt, mit hoher St.]; er bedauert das Kind, das sich weh getan hat: (s. d.) (häste der och wih gedohn)? Sehr oft als Erwiderung auf den Bericht oder die Ankündigung eines andern. A.: Ech hätt mech bal ze Dut gefalle! B.:  (ō, o, oō); A.: Ech han düchtig gəerf (geerbt)! B.: ō: (:, oō:, o:) [beim Bedauern also einfache Länge, bei (freudiger) Überraschung geschärfte Länge]. — Als Entschuldigung oder ō (auch  Pardong)! Allg. — Diese alleinstehende Interj. wird dann sehr oft (oder meist) gedeutet durch Sätze, wie (usf.), dat deht mer ävver led, — dat wör ävver arg, — es ävver schad, — dat schad nüs, — nuə es der och alt dut, — dat freut mech ävver, — es dat wohr! Rip, Allg. [ǫăχən na, das wird dir übel bekommen Bitb-Speicher; tsχən bedauernd Bitb-Dudeld]. —
2. in Verb.
a. mit einer folgenden Anrede, mit einem Anruf [alle Formen möglich mit Ausnahme der Doppelungen].
α. kosend; o, du meng lef Nüggelche (udgl. Koseworte)! zu einem Kinde; o, du meng Lefche (Schätzche udgl.)! zur Geliebten Rip, Allg.; tadelnd: o, du Schofskopp; o, du Iərsel; o, eich I.! Merz, Allg. O, dau mei leiwer Klos (Nikolaus), häschde meich verloss; we mäht mei Wies-chen, we feidert (füttert) mei Kis-chen (Schwein); o, dau mei l. Kl., häschde meich verloss! Klage der Witwe Merz-Losh. —
β. in religiösen Formeln, wie o, Gott (Goddet, Göddet; s. Gott); Gott jo noch o! O, Je, noch o! Gummb-Berghsn; o, Jesses (Jösses, Jeres, Je, Jerum,

[Bd. 6, S. 312]


Jümmich, Jemminee usf., s. Jesus); o, Majosebädder (s. Maria); o, himmlischer Vadder; o, Kreiz (Kreuz, s. d.)!
γ. in Ausrufen der Überraschung, des Hilferufens; o, dir Kanner on dir Leit; o, Leit her; o, Hölf her! (s. d. W.). —
δ. in Flüchen; o, Donnerwedder, –kil, Zackerlot (usf.) Rip, Allg. —
ε. u. so auch in Verwünschungsformeln; o, freck (met Verflägong); o, da sollste doch kapot gohn! — Ebenso in Formeln der Ablehnung, einen Widerspruch einleitend; o, geh mer eweg (doch); o, wässte, dat elo gläwen eich (der) net! Mosfrk, Allg.; o, blif mer vam Lif; o, loss mech en Rauh! Rip, Allg.; o, was glabscht du donn eigentlich? Saarbr, Allg. —
b. als Ausruf mit folg. wie u. Adj.; ō (, o, ǫ, ō:, :), wie schün, schad (u. mit allen Adj.)! Allg. —
c. in Zustimmung oder Ablehnung ausdrückenden Antworten, mit Partikeln der Bejahung u. Verneinung; ō (wie bei b) jo; ō, doch; ō, nä (Gegenantw. ō, dä (doch, dät)); ō, wat! nein Allg.; ō, wo! nein Rhfrk; ō, währig! wahrscheinlich WEif [ō(), jo bedeutet
α.  aber sicherlich;
β.  es ist gut so, ich mache es schon, warum nicht?;
γ.  fragend, wirklich, meinst du (spöttisch);
δ. , j j, o j jǫ, ō jǫ jǫ  Ausruf der Verwunderung, des Bedauerns, der Missbilligung Allg.; oə, joə, decke Floəh! übermütiger oder spöttischer Stosseufzer Waldbr-Eckenhg; o, wie Hop! Kemp-Amern SAnton; ǫ dęttǫ! o, dass doch, ach was, ach, nein! Saarl-Berus. — Als leichte Verneinung (du übertreibst, ich glaube es nicht, missbilligend, nicht so) dient ǫa, ōa Bitb, Trier; ǫę Trier-Schleidw Heidenbg, Daun-Strohn; ǫęă! Merz-Losh; ǫęĭ Merz-Conf; uătsol () (o, es soll sein) Bitb-Speicher; otsol Bitb-Neidenb. —
d. mit folg. Interj., die den Hauptton tragen: ō (u. alle Formen, ausser den Doppelungen), je! bei Erstaunen, Überraschung, Schrecken Saarl; o, jou! bei Verwunderung Bernk; o (u. ū), jei! bei Schmerz Aach; o, jō! Drohung der Kinder, wenn eins etwas verbrochen hat Düss-Stdt; o, jeuj! bei Drohung Geld-Kevelaer; ojədau? (-du) nicht wahr? Trier-Welschbillig; o, ha (u. aha)! bei Verwunderung, Befriedigung, Abwehr (nicht doch!) Allg.; o, ha, dat het mannigen aulen (alten) Perd gott gedonn! sagt einer, der sich müde hinsetzt Elbf; du musst esu lang röjig (ruhig) sein, bis dat de Katze möt der Kellerdrappe

[Bd. 6, S. 313]


fortläift, dann säste: o, ha! zu jungen Leuten gesagt, die Alten gern ins Wort fallen Altk-NFischb; o, h u. o, hǫ bei Verwunderung, z. B. o, ho, es dat wohr? Klän, awer o, ho klein aber wacker Saarbg, Trier (Hochw); o, ho u. o, hō: Widerspruch einleitend, z. B. o, ho, dat geht net su, wie de mens! Rip, Allg.; o, hoschte! Saarbr; o, heielei (hier, dort)! bei freudiger Überraschung Saarbg-Wellen; Jann, o, hee, J., o, hee! so tutet der Hirt, wenn er morgens die Kühe abholt zur Weide Eup; o, hi! Ruf beim Betreten eines Hauses, um, wenn keiner sichtbar ist, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken Sieg-Mülld; o, ho! bei Staunen, Zweifeln, Ärger Allg.; o, lau! bei (zweifelnder) Verwunderung Trier-Stdt, Kobl-Stdt (u. o, Laim; o, laudits); o, wih (meist aber u, au w.) wie nhd. Allg.; o, weh deiner! wehe dir Saarbr; o, wiches! Schleid-Hellenth; o, wittes! Sieg-Ruppichteroth (s. weh).
 
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PfWB PfWB PfWB ElsWB ElsWB ElsWB LothWB o III in Rufen zum Zugtier, zum Vieh:
1. ǫǫǫ ! wenn das Pferd über eine gefährliche Stelle leitet Bitb. —
2. , ha (ō, ha) ! zum Anhalten Nahe (u. ō, hä), Saar (u. , ha, hī), Hunsr, Wittl, Bitb (u. (o,) ī, ōha), Mos bis Koch, Siegld; ǫ, hī! dass. Birkf, Ottw-Schiffw, Bernk-Gräfendhron; , har! nach links Ottw-Schiffw; ō, la! langsam! Wittl-SpangDahlem; ōi! voran! Daun-Tettschd; öi, hott! dass. Mettm-Langenbg. —
3. zum Weidevieh; o, wejd, o, wejd; o, dränk, o, dr.; o, no hem, o, no h.! Neuss-Nievenh (s. weiter bei heim).
 
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-o IV -:, –ō:, – (lang gedehnt) als vokativer Anhang an Rufnamen, die den Hauptton tragen Bitb: (o), Mammo, Kannero (Kinder), Piddero (Peter), Hanəso (usf.); Antw.: ho! — O, Mammopappo! Ausr. des Erstaunens Saar; o, Goddo, Mammopabbo! Merz-Saarhölzb; o, Jömmenicho! staunend u. bedauernd Saarbg-Wellen. — Im Heischeld.: O, Vaəro, o, Muəro, geət us en, zwei, drei Eiero! Waldbr-Spichergrund. — S. auch heimo, Feuerio, Mordio.
 
Artikelverweis 
o- V :- negatives Präfix, mhd. Lexer â- entsprechend, vielfach durch o-, ō- (u. ū-) ersetzt, vor Subst. u. Adj. in: bęndiχ aufgeregt Dinsl; :dāx Abdach, an der hintern Giebelseite tief heruntergeführtes Dach Monsch, Eusk, Köln-Ld, Bergh; ōditχə, do es käng O. dra nichts Wahres dran Siegld-oFerndorft; hīərtə, ō- Gehilfe des Hirten, als Beistand dem Dorfhirten von den Besitzern gestellt Siegld (u. wərt), OAltk, Wippf; or-, urhirtə Düss-Ld; :lēwiχ sich schlecht entwickelnd Altk-Weitef; ărif Flachswerg, Schebe Gummb-Homburgisch; :sĭən A-schwinge, gröbstes Werg Saarbg, Trier, Bitb; :pø·n. dass. Prüm, Malm; :mē:sĭχ, ǫməs- unmüssig, fleissig (s. bei müssig); :əriχ (or-, ur-) a-scherig, nicht gut geschoren, unansehnlich, verkommen Eif; :want unter der Mitte der Dachsparren ruhende Pfette zur Stütze dieser Sieg-ODollend, Bo-Vilich.

[Bd. 6, S. 314]


O I = Auge (s. d.).
 
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O II : uWupp 1870 (nur im Rh Klaaf), Sg. t. f.: Adventzeit.

oa s. o II.
 
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PfWB ElsWB LothWB ob I Conjunct.:
1. Rhfrk op [Wend-Dörrenb ęp, hier auch ęs, ęsər ob er (< dass)], das auch WMosfrk die Saar entlang bis Trier w. Mos u. Bitb (NWeis Ehlenz) geht; sonst Mosfrk of, ǫf [ęf Koch-Urschmitt; ip u. int Wittl-Steinborn; ōăr in der Doppelfrage, bei folgendem ōădər Bitb-Rittersd]; Siegld op [nw. øf, Eiserf u. südl. ōăr]; Rip ǫf u. :f (uSieg, LRip auch ǫvf, ǫuf, f) [ęf Monsch-Witzerath]; Berg ǫf [f älter in Lennep, Elbf]; SNfrk, Klevld ǫf [af Dinsl, Geld-Leuth, Kemp-Dülken, Mörs-Friemersh Neuk; ęf Heinsb-Dremmen, Kemp-Amern]; ob du (də) > obstə, ǫfstə.
a. vor Fragesätzen, wie nhd.; ech wollt mol frogen, off du (ofste) net metgings Prüm, Allg.; äff eich ka ku, dat wäss ich noch net Koch-Urschmitt, Allg.; offe (ob er) wahl küt? (also ohne Bestimmungssatz); on off ech dat well, on off dat schün es! freilich Rip, Allg.; offste dat so dehs off (oder) so, dat es ganz egal (Doppelfrage) MGladb, Allg.; et as änerlei, off (oăr) heă matgeht oader dau Bitb-Rittersd; off't de Ruppen freten or de Kewerten, es glik Elbf; off du wahl gehs! strenge Aufforderung Rip. — Zuweilen ohne Fragesatz, der in Gedanken ergänzt wird; on off! freilich (will ich, ist es schön) Rip, Allg.; Her Lährer, ob ich emal darf ich zum Hofe gehen, vom Schulkinde gesagt Neuss. —
b. wenn, in der Formel: Off Gott wellt Eup, Allg. u. in der Verb. als off (doch mehr als (wie) wann) Allg. —
c. wenn auch, obschon, trotzdem; off mer dat all sät (sagt), et ös nüs dran ze ändere (u. ä.) trotz all des Geredes, aller Einwendungen, sehr geläufige Formel der Einschränkung Rip, Nfrk; off me't sät, et ös doch de lat (zu spät) Nfrk; off he sich schott so sehr er sich schüttelte, schauderte Kemp-Süchteln; off er et sät udder off mer at schweg (schweigt), se donnt doch, wat se welle Bergh-Hüchelhv; off ech och Geld genog hatt, et wor mer doch ze dür Sieg-Ägid (u. so Rip in allen concess. Sätzen). —
2. ǫp zeitl. bevor, ehe Saarbr (Sulzb auch ęp), Wend-Stdt 1830; ōp Simm; ōw Kreuzn-Hahnenb; meist ēp (eine Mischung zwischen ob u. eh) Kreuzn, Birkf, Wend, Ottw; ēf Saarl-Hüttersd; ef Ottw-Eppelborn, Saarl; noch ob zwei Da vergehn; un ob et Middag werd.

ob-gleich im Rip ǫfjliχ, im Nfrk ǫfγlīk (s. S.)  aus dem Nhd., aber deutlich als entlehnt empfunden, ebenso Nfrk ǫfwāl  Conjunct.: nach dem Nhd.; die echte MA. umschreibt, etwa: ech hatt (wahl, zwor) Geld genog bei mir, ävver dat wor mer doch ze vill oder wann ech och G. g. bei mir hatt oder off ech och .. hatt .. (s. ob 1 c). ob-schon in einigen rip. MA. aus dem Nhd. ǫfu·n. Altk-Birken; -o·n.ts Eusk-Lechenich; -ø·n.ts Rheinb-GrBüllesh MüEif,

[Bd. 6, S. 315]


Köln-Stdt (-y-), Dür-Stdt, Kemp-Stdt; -ø·n. MüEif; -y·n. Aach-Stdt  Conjunkt.: nach dem Nhd., auch o. dat .. (s. die echtmdl. Umschreibung bei –gleich).