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Abenteuer bis Aber-günchen (Bd. 1, Sp. 23 bis 26)
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Artikelverweis  NRhWB Abenteuer:
1. ăvəntȳr  Aach, Eup, -kə Eup n.: A. mit mehr schrecklichem Ausgang. Drohung an Kinder, wenn sie beim Obststehlen überrascht werden: A, päiss op! Aventür dech mer Eup. —
2. et Rad van Awentüre Glücksrad, in der Wend.: Et geht op on af (herum) as et R. (Rädsche) van A. wechselndes Geschick Mörs-Xanten, Klev. —
3. en Avendörche mache lustiges Spielchen, sich mit einem Mädchen amüsieren MüEif. Aben-teurer »vəndsrøyter« (im Rhingsch Klaaf) m.: wie nhd.

äbenzig s. äbich.
 
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NRhWB aber Rhfrk awər, ebenso Westerw, Siegld; Mosfrk awər, ęwər, əwər; manche Orte belegen a- und ę- nebeneinander; OMosfrk, bes. May wər, əwər; in der WEif zeigt sich neben awər ę- auch ęwəl (-, ă-), oft im gleichen Ort alle 3 Formen; LRip nur mit Umlaut ęvər, ęvə; daneben in Malm, Schleid, Monsch, Aach, Dür ęvəl [hier und da ęfəl]; auch hier -ər und -əl im gleichen Orte [vər (-əl) Dür-Pier, vəl Geilk-Prummern Würm]; RRip im Kr. Sieg oft im selben Orte avər und evər; MülhRh, Waldbr nur ęvər; Gummb

[Bd. 1, S. 24]


in der Mehrzahl avər; NBerg, Ruhr überwiegend ęvər; SNfrk ęvəl; Klevld ęwəl, - neben seltenerm -ər [avər im Nfrk sehr selten: Düss, Mörs-Hombg Wallach, Rees-Brünen; avəl Heinsb-Höngen; dazu konkurriert hier mār, –- mit ęvəl]; Eup ęəvəl u. ęəl; Heinsb-Süsterseel ęfəl u. ęvəs; Rees-Brünen awər u. wən; Dür-Golzh ęvər u. ęvəts; Goar-Boppard, Saarl awər u. awert. awərdər
I. Conj.
1. adversativ und einschränkend.
a. ohne die Wirklichkeit der vorher angeführten entgegengesetzten Tatsachen zu leugnen. Got es got, ävel beisser es beisser; langsam äver secher; ärm äver ihrlech Rip, Allg. Do es got drop warde (hopen), äwel schleit drop faste Nfrk. —
b. der mit ‘aber’ eingeleitete Gedanke drückt die Behinderung aus. En proper Mädche, awer de Sau secht an't Strih Eif. En ot (alt) Wort, ävel en wohr Wort Nfrk. — Dafür, dass der erste Gedanke nicht zur Ausführung gelangen kann. E well mat de grussen Hunnen sechen gohn, äwer e kregt de Ben net hih genog opgehowen Eif. Dau dihts och ger ebbes guts essen, äwer de hos neist Eif. —
c. eine Bedingung hinzufügend. Jo! Datste mer äwer net ze spät küss. Ech well der helfe, äver destens (indessen) moss de och brav sen Rip, Allg. —
d. eine Verstärkung gegensätzlich hinzufügend. Fett schwömmt ove, ävel der Schum noch derbove Aach. —
e. = nhd. trotzdem, doch. Genotz hät et net, et es äwer got Eif. Hej kömmp ävel nit no Hus doch nicht Nfrk. Et es äwer wohr. Piter sät, e wüərd hirode; dat deht e äver net Rip, Allg. Verstärkt durch all. Ek duhn et all äwel trotzdem Klevld. —
f. Widerspruch einleitend = dennoch. Du kanns sohn, wat de wells; ech dohn et äver. Schrei der eckersch (nur) den Hals af! du krigs et äver net (oder äver du ... net) Rip, Allg. —
g. zweifelnde Antwort beginnend. A: Ech kunn bal. B: Awer sicher!Auf Zusicherung eines andern hin eine verstärkende Aufforderung hinzufügend. A: Ech kunn. B. Awer schnell. — Auch allgemein einen Wunsch einleitend. Du kanns jo gohn, ävel du moss mech net opsetze losse Rip, Allg. —
h. auf eine Aussage, Befehl, Wunsch eines andern die entgegengesetzte Stimmung anknüpfend. A: Du lihns mer doch jet Geld. B: Dat dohn (hän) ech äver net ger Rip. Ech hon mer dat eaver och net aus de Fangere gezoge. Ech kann der et eawer net ausem Sten schlohn WEif. —
i. in der Erzählung neue Tatsachen (ohne den Nebensinn des Gegens.), die ein neues oder überraschendes Moment in sich bergen, anknüpfend. Ech geng su stell doher on dach an nüs. äver do (do äver) sen de Kerls kunn on han mech verhaue Rip, Allg. Und so überhaupt in

[Bd. 1, S. 25]


längerer Rede Gegensätzliches oder Neues copulativ anknüpfend. —
2. emphatisch zum Ausdruck jeglichen Gefühls: des Stolzes, prahlerischen Tuns. Dem han ech äver noch es den Marsch gemach. Den hammer äver es zerpömp geprügelt. Den han ech äver gelurt überlistet Rip, Allg. — Des Unwillens. Dat durt äver lang. Nu salls de aver frecke, sun Frechhet. Nu sall men ävel van en gohn u. so in Selbstverwünschungen bei Unwillen. Ech men ävel och! es ist aber auch an der Zeit Rip, Allg. — Des Mitleids. Dat es ävel te ärg. Dat es mech ävel jet das geht mir zu Herzen. Dat deht mech ävel led Nfrk, Allg. — Des Erstaunens. Awer ne, awer ne! So wat! Mosfrk. De kraut et äver amüsiert sich Rip. Es der äwer schin voll! Eif. — Des fragenden Erwartens. Alles jot! äwer ech? was soll ich anfangen? — Der Ueberraschung. Awer jeh! (usf.). — Bei Drohungen. Nau mach awer! hüte dich! Awer jets! ich komme an dich Mosfrk, Allg. — Bei spannender Erzählung. (Vieles ereignete sich), dor was ek äwer in Alteraze Klevld, Allg. Erzählt Jemand etwas, so sagt der Zuhörer häufig zwischen der Rede äwer als Ausdruck der Verwunderung, nicht des Zweifels Allg. Dat os äwer net wohr! einfacher Ausdruck des Staunens über das Gehörte Ahr, Allg. A: Ech sen äver gelofe. B: äver! — = nhd. So! Ists möglich? Wirklich? A: Ech mot et zerrisse. B: Äver wie konnste dat dohn!
3. Partikel der Bejahung oder ihrer entschiedenen Verneinung. A: Fihrsch de döckes no Kölle? B: Äver net! nein! Hät er dis Johr vil Äppel? — Äver net! Rip. Auch gegenüber Forderungen heisst die abschlägige Antwort äwer nöt Trier. Will einer den andern schlagen, so ruft dieser ausweichend äwer nöt! ebd. — A: Worschte en de Kirch? B: äver! freilich, sicher! Rip. —
4. = oder. Heute noch an der Mos (May-Hatzenp). Han ech recht owa onrecht?
II. Subst. Dat es schin on got, wenn äwer dat Awer net wär. Dat könnt wahl gohn, wenn dat Wenn on Awer net wär Allg. De Wenn on Awer wore zwin arme Bröder Neuw-Dattenbg. Wer et Wenn on et Aber erdach, hät vil Led en de Welt gebrach Eusk-Billig. Wenn un Awer, Heu ös ken Hawer Daun-Beinh. Wenn nn Aber ös belleger as Hawer Mörs. — Im Nfrk., wo äver und mar nebeneinander stehen, scheint lieber bei deutlichen, betonten Gegensätzen mar gebraucht zu werden. Die Frage nach dem Verhältnis von äver und mar bedarf noch einer Einzeluntersuchung.

abern awərə, ęvərə, ęvələ schw.: nur in der Wend.: He hat emmer jet ze avere; he git et nüs ze avere immer ein aber entgegenzusetzen Allg.

[Bd. 1, S. 26]



 
Artikelverweis  NRhWB PfWB ElsWB abere awər und awərə Wend, Birkf Adv.: ab-her, herab, hinunter; eine Bewegung andeutend, die von dem Sprechenden wegführt, während sie bei ərab zu ihm hingeht. Vereinzelt auch sonst ębərə in der Wend.: ä. gohn rückwärts gehn Gummb-Hombg; āvə abwärts Heinsb-Erpen; āvər und āvər nach unten; āvərhər weiter nach unten Erk-Elmpt, Geilk-Brüxgen; ərāvə herunter Heinsb-Lümb.

Äber, Aberhaar s. Augbra; Äberechse s. Eidechse.
 
Artikelverweis 
aberechts awəręχts Geld, Rees-Emmerich (auch hawəręks) Adv.: verkehrt; grundfalsch
 
Artikelverweis 
Aber-glauben das Wort ist noch nich fest aus dem Nhd. eingelautet awər-, abərglōwən, –glwən –ā- usf. nach der Entwicklung von au; auch das Subst. Glauben ist nicht volkstümlich. aus der Kirchenspr. entnommen.
 
Artikelverweis 
Aber-günchen abərjŋənχən Lennep-Wermelsk n.: einfältiges Weib.