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Aal II bis Aasrabe (Bd. 1, Sp. 6 bis 8)
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Artikelverweis  NRhWB Aal II ·ə.l, Pl. ·ə.l MGladb, Kref, Kemp, Geld m.: Firstpfette, der oberste Dachbalken.
 
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Aar Aach m.: Adler auf Münzen, nur in dem Losespiel Aar of bleng (blind) losen durch Münzwurf, ob Adler- oder Schriftseite nach oben fliegt.

aaren ārən Aach schw.: mit Geldstücken werfen. Nachdem die Reihenfolge durch das lötschen bestimmt ist, wirft der erste die von

[Bd. 1, S. 7]


jedem Mitspieler ratierlich beigetragenen Geldstücke, vorher in beiden Händen wohl durcheinandergeschüttelt, in die Luft und gewinnt diejenigen, welche, auf den Boden gefallen, die Aarseite zeigen. In derselben Art verfährt der zweite usf., bis alle Stücke ausgespielt sind. Auch aren of blengen oder nach dem Aufforderungsruf Aar of bleng genannt.
 
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NRhWB PfWB ElsWB Aas Rhfrk, Saar-Trier s (:-), Pl. zər, (:-), hier und da an der Nahe auch stər, an der Saar wechselnd :zə, :zən, :zər, :zər.Trier, Wittl, Bernk, Zell u. die Hunsr.orte bis zur rhfrk-mosfrk. Grenze :ts, Pl. :tsər (daneben :tstər, :stər). — Koch, Kobl, May :tst, Pl. :tstər. — In der Eif kein klares Bild: Bitb, Daun, Prüm :s, ·ă.s, ō·ă.s neben seltenerem :ts. [Daun hat :s, aber den Pl. :tstər, :tsər, ō:stər; Prüm :s, Pl. :stər, :zər; Aden :ts] — Siegld :s, Pl. :zər.Waldbr, NBerg :st, Pl. :stər [seltener daneben :s, ā:s, ā:st]. — Rip einheitlich :s, Pl. :stər [neben :s; Schleid-Ahrhütte :stər; Eusk-Antw, Bo-Volmersh, Dür-Mariaw :stərə]. — SNfrk ·ə.s, ·ă.s, Pl. ·ə.stər. — Klevld s, stər. — Neben - erscheint im ganzen Gebiet hier und da ā:s, ā:st, besonders für grobe Schelte; manche Orte, bes. im Mosfrk, überliefern ·zwei bis drei Formen. — n.:
1. Speise, Atzung.
a. Äsung, Weide. Et as noch O. do fir en ganz Woch Bitb-Kyllb, aber schon 1840 veralt. —
b. Fischköder, Köderfisch, in der Form tsən Saarl-Dilling, wo sonst s gilt. S. auch Sprockos Klev; Otsmehl.
c. Biertreber, als Viehfutter dienend Köln, Monsch-Höfen, Rheinb-Meckenh, Grevbr-Kapellen, MGladb-Kleinenbr, Düss-Hucking (:t). Treber, die beim Krautpressen übrig bleiben Grevbr-Wickrathh. —
d. Kaffeesatz Rip, Nfrk. He hät at jet op et O. geschott heisses Wasser auf den alten Satz aufschütten ohne frische Bohnen. Wenn de Lü bejiərlek weərde, da schödde se sech op et O. op Heinsb-Dremmen. —
2. verendetes Tier, Kadaver. In der heutigen MA. nur noch in Vergleichen. Du stenks wie en O. und daraus übertr. auf faule, träge Menschen: Du stenkeg, ful O. Dat fulle O. had ik liever in de Mest as in de Kost Klev. Dann kös do ful O. röheg lige blive on stenke MGladb. Hef gestern dem Schinner twei Penning gegewen, he sall meck de Öster vam Balg haulen (von lästigen Kindern) Barm. Dech vertrack O. söll der Schinner hollen Rip; ausserdem in Zs.: Schindaas, Aaskaule, Aasknochen, die aber auch nur in übertr. Bed. gebraucht werden. — Ein alltägliches Wort ist es als Schelte = Luder. Du ful, falsch, verlogen, versoffen, verfresse, verdammt, schneppig, fis, domm, dof, schlampereg O. (aber auch m.: Du dommen, dover O.), und so mit allen Fehlern

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möglich. — Auch auf Tiere angewandt, die den Aerger des Fuhrmanns erregen. Du kromm O. vam Perd. Dat es en muckig, stüppeg, verswacktes O. Ech wönsch, datstu alt O. mol frecks. — Vergleiche: Frech, ful wie en O. Dau michst e Gesicht bi e doll O. Neuw-Rheinbrohl. Beliebt die Form: Dat es en O. van em Kerl, van em Wecht. En Osblag, –jong, –weit Elbf. RA.: Ful os Pos (Kind) werd en O. MülhRuhr. Der Deiwel hot dich O. gemacht. Dat os (ist) moss sonem O. dem Bengel geschieht recht Schleid-Hellenth. Du bes en O. en der Blos Dür-Niddeggen. Du rut O. bes va Gott gezechent Eup-Raeren. Öster streckt (strickt) oder verreckt Malm-Weywertz. Selbst in gar nicht nahe liegenden Vergleichen. Et ös su kalt bi en O. Rip. Dat Veh schlach sech bi en O. on git en Zupp bi en Donnerkil (Ausspr. eines Metzgers) Sieg-Aegid, und so bei allen möglichen Gelegenheiten. — Doch bezeichnet das Wort auch oft widerwillige Anerkennung einer Schlauheit, Gerissenheit, Raffiniertheit eines Menschen. Dat es en onduneg O., dat brengt alles ferdeg Altk-Wissen. Süch ens dat O., dat hät e wider klok angefange; selbst ‘tüchtiger, famoser Kerl’ kann es bedeuten. Dat O. es dem Deuvel ze gau. Dat O. hät mech geköllt hintergangen. Ehr Öster! ihr Schalke, Schelme, ihr habt mich angeführt, darüber muss ich selber lachen Rip, Allg. Mä O. Verwunderung Eup. — Bei Frauen jedoch meist in üblem Sinne. En O. van em Frauenmensch, besonders wenn sie es verstehen, die Jungen an sich zu locken. — Aber auch Kosewort für Geliebte (derb) u. Kind. Lecker Ösken, lef O. Komm an mein Herz, dat ech dech pasch, dat de frecks, du O. scherzhaft Rip. Herzen Ösche schelmisches Mädchen Dür. Zum Kinde: Du bes use Dierken em Papierken, use Ösken em Blösken Barm. —
3. Aasseite einer Tierhaut Verbr. — Zs.: Schind-, Sau-, Sauf-, Maulenaas. — Lautlich und in der Flexion ist mit A. zusammengefallen
4. ·ă.s, Pl. ·ə.s m.: Knoten im Holz, wo ein Ast gestanden NRip, SNfrk, und hier und da
5. :s, Pl. :s m.: Ass im Kartenspiel (s. Ass).

Aas-hinkel Ottw-Illing n.: Aashuhn. PfWB Aas-kasten s. –mehl. NRhWB PfWB Aas-kaule Bernk-Graach f.: hinterlistiges Frauenzimmer. Die eigentliche Bedeutung fehlt, dafür Schindkaule. Aas-kind ·ə.stəkenjd Heinsb-Süsterseel n.: K. mit Unarten, das einen ärgert. Aas-knochen :sknǫuxən Sieg-Mühld: -knăkən Barm m.: grobes Schimpfw. Aas-mehl :tsmēl Simm-Ebschd n.: Mehlabfall, zur Fütterung dienend, im Otzkasten aufbewahrt. NRhWB Aas-rabe :tsrā:p Simm-Laub f.: Rabenkrähe.