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Pfingsten bis Pfingsten-lämmer (Bd. 1, Sp. 835 bis 838)
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Artikelverweis   Pfingsten Pl.: wie schd., Pingschde (piŋgdə) [fast allg.], Pfingschde (bfiŋgdə) [Südostecke der Pfalz, vgl. PfWB Pfund]. Das Wort wird sowohl mit als auch ohne Artikel gebraucht: an P., uf P., an de P., uf die P., in de Woch vor P., noh P. In historischen Belegen ist der Gebrauch der gleiche. a. 1298: an dem mandage vor den pingesten [OttbgUrkb. 217]. a. 1301: an dem fritage in den pingesten [VeldLUrk. n. 56]. a. 1360: des nesten dinstags vor pingsten [ebd. n. 173]. a. 1448: zu winahte, zu ostern, zu pingsten [Grimm Weist. V 598 (Rechte der Abtei Limburg)]. a. 1566-87: alß mir den Dauff han zu pfinsten gesegent [SSp, Kirch. Rechnungen Nr. 63 (BZ-Wernbg)]. a. 1721: 24 kr von Rößge Jüdin, die uff Pfingsten Garn geklobt [Niedhammer 246]. Das auf P. bezügliche Verb steht gew. im Pl., selten im Sing. (s. weiter unten die Volksreime aus HB-Nd'Bexb und Gal-Waldd). — RA.: Er kummt norre alle P. 'selten' [  BZ-Dernb], alle Roure P. (Rhodter Pfingsten) 'kommt später' [ebd.]. Zur Erklärung der RA. Rhodter Pfingsten: Die Rhodter

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feierten das Pfingstfest in den Jahren 1690, 1693 und 1698 vier Wochen später als ihre katholischen und reformierten Nachbarn, weil im Herrschaftsbereich des lutherischen Markgrafen von Baden-Durlach, zu dem Rhodt gehörte, damals noch der Julianische Kalender in Geltung war. Diese Verspätung der Rhodter ist seit damals sprichwörtlich. (Alfred H. Kuby in der Pfingstnummer der Edenkobener Rundschau 1964.) — Er kummt die dick Woch noh P. 'sehr spät' oder 'niemals' [Kaislt], an de Peer (Pferde) ihre P., dass. [ Don-Gottlob], zwische P. un Hagenaa (Hagenau im Elsaß), dass. [Südostpfalz (»Bienwalddörfer«)]. Bei dem kummt Oschdere noh P. 'Er ist verrückt' [  KU-Wolfst]. Ich schlaan der an de Kopp, daß de määnscht, P. kommt vor Oschdere [KU-W'mohr, verbr. WPf]. SprW.: E Weißrieb zu Weihnachte, en Appel noch P. un e Mädel vun dreißig Johr, die hän alle drei de Geschmack verlor! [Feierowend 1954 Nr. 6 S. 1]. BR.: An P. müssen die Wingert iwer de Rheiⁿ scheine [VPf]. WR.: Oschdere im SchneeP. im Klee [  LU-Altr]. Wanns uf die P. regert (regnet), regerts siewe Sunndag hennedran [Fogel Beliefs Penns Nr. 1246]. VR.: ...Kommt die liewe Pingschde bei, hann mer nix se koche als das bißche Katzefleesch un die derre Knoche ... (aus dem Quacklied) [  HB-Nd'bexb,  KU-Frohnhf]. Bimbalam, Pingschde geht an; bimbalam, schlof net lang; bimbalach, werscht ausgelach [ Gal-Waldd]. — Pfingstbräuche: In LU-Fußgh flocht man früher am Pfingstsonntag Kränze, in deren Schmuck dann am Pfingstmontag Pferde, Kühe, Rinder, Ziegen, ja auch Hunde stundenlang durch die Ortsflur getrieben wurden. Nach dem Umzug mengte man die Blumen und Blätter der Kränze dem Vieh unter das Futter. In FR-Hettldh wurde bis um 1900 am Pfingstsamstag aus Gras und Feldblumen ein Kranz gewunden; ihn bekam am Pfingstmorgen dasjenige Familienmitglied um den Hals gehängt, das am längsten geschlafen hatte; vgl. PfWB Pfingstlämmchen. Ähnlich war es in RO-Imsb, nur flocht man hier den Kranz aus Brennnesseln. Der Viehumtrieb durch sämtliche Feldwege der Ortsflur wurde auch in LU-Alsh/Gr geübt, wohl um Gedeihkraft für die Frühlingserde zu erlangen. Der ursprünglichen Bedeutung ihres Tuns sich nicht mehr bewußt waren die jungen Burschen in FR-Flomh, wenn sie am Pfingstmontag ins Feld ritten. Über das Setzen von Pfingstbäumen s. den Artikel Pfingstbaum. In NW-Lambr wurden in der Nacht vor Pfingsten auf den höchsten Bäumen der umliegenden Höhen rote Fahnen gesetzt. Am Pfingstmontag treffen sich die Bewohner von KL-Weilb Rodb Schwedb Erzhs Pörrb Nd'sulzb O'sulzb Hirschhn auf dem Eulenkopf zu einem Volksfest mit Tanz und allerlei Volksbelustigungen

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für jung und alt. In RO-Winnw gab es den Pfingstbrauch des Fäßchensuchens: Ein Fäßchen Bier wird von einem Wirt in einem geschmückten Schubkarren in den Wald gefahren und dort heimlich vergraben oder sonstwie versteckt. Nur spärliche Papierschnitzel weisen auf das Versteck hin. Es ist Aufgabe der jungen Burschen, das Fäßchen zu finden und es heimzuholen; zuvor wird es noch mit Ginster und bunten Bändern geschmückt. In KL-Reichb zog die männliche Dorfjugend mit blühendem Ginster geschmückt durch die Straßen und sammelte Eier. — Weitere Angaben zum Pfingstbrauchtum s. unter PfWB Pfingstbraut, PfWB -butz, PfWB -dreck, PfWB -knecht, PfWB -knuttel, -lamm, PfWB -lümmel, PfWB -quack, -ochse, -reiter. — RhWB Rhein. VI 746 ff.; Saarbr. 155; LothWB Lothr. 44; ElsWB Els. II 137; Bad. I 202; Hess.-Nass. II 609.
 
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Pfingst(en)-blume f.: 'Flieder (Syringa vulgaris)', Pingschdeblumm [ Gal-Siegenth Obersd Buch-Illisch Tereblestie], Pingscht- [Horne Penns 27]. Syn. s. PfWB Nägelchen.
 
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Pfingsten-butz m.: in Gesträuch gehüllter Knabe oder Bursche, der am Pfingstmorgen durch das Dorf geführt wird; mit einem Stecken bedroht er die ihn neckenden Begleiter; noch um 1900 geübter Brauch, Pingschdebutz [  GH-Vollmw  Scheibhdt], -butzel [  GH-Schaidt  Schwegh]; vgl. auch PfId. 106, Wilde 296 und PfM 1895, S. 21. VR.: De Pingschdebutz, de Pingschdebutz hot de Gail ehr Hawre (Hafer) gfresse, hot sei Frää im Stall vergesse [  GH-Vollmw]. Der P. soll wohl den beim Erscheinen des Frühlings kraftlos und dadurch zum Gegenstand des Spottes gewordenen Dämon des Winters darstellen. — ElsWB Els. II 128; Bad. I 201.
 
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Pfingsten-dreck m.: vermummte Knaben, die noch um 1880 zu Pfingsten mit Stöcken und Prügeln auf den Gassen umherliefen, Pingschdedreck [  LA-Herxh]. Bezeichnung und Brauch weisen ins Alemannische, vgl. ElsWB Els. II 749; Bad. I 101/02. Es könnte vermutet werden, daß das Grundw. von Recke 'Held, Krieger' käme. Ochs (s. Bad. a. a. O.) stellt aber fest, daß die alemannischen Lautformen nicht zu Recke, sondern durchweg zu Dreck passen; zu Dreck stimme auch die vorwiegend leidendlustige Rolle des »Pfingstdrecks«.
 
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Pfingst(en)-gackel f.: 'Pfingstrose (Paeonia corallina)', Pingschdegackel [  LA-Ilbh], Pingscht- [Pirmas]. Syn. s. PfWB Batonjerose. Das Grundw. gehört zu PfWB gackeln, einer Nebenform von gaukeln 'hin und her schwanken'.
 
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Pfingsten-gaul m.: 'das Pferd, auf dem der am Pfingstritt teilnehmende Knabe sitzt', Pingschdegaul, in der RA.: ufgebutzt wie e P. [ Gal-Dornf]; vgl. PfWB Pfingsthammel, -ochse.
 
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Pfingsten-knecht m.: früher ein mit blühendem Besenginster herausgeputzter Bursche, der

[Bd. 1, S. 838]


am Pfingstsonntag im Dorf herumgeführt wurde, Pingschdeknecht [PS-O'simt Lembg (seit 1961 nicht mehr) Ruppw L'mühl Glashtt Lu'wink Hintwdth]; vgl. PfWB Pfingstenbutz, PfWB -quack. In PS-O'simt gingen drei P. von Haus zu Haus und sangen das Heischelied: Es kamme drei arme Pingschdeknecht, die hätten so gere das Pingschderecht. Sie schaue nach de lange Stange, wo laurer (lauter) Speck un Wärschde hange. Gebt Eier heraus, gebt Speck heraus, es isch e scheni Jungfrau im Haus. Wohl net so klein, wohl net so groß, so daß das Messer in Speck neinstoß. Wurden die P. beschenkt, dann dankten sie mit den Worten: Ihr habt uns auch ein Gackerlein geben, drum schenk euch Gott das ewige Leben. Hatte man ihnen aber die Gabe verweigert, dann sangen sie: Ihr habt uns auch kein Gackerlein geben, drum soll eich 's Hemd am Arsch ankleben. ElsWB Els. I 503.
 
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Pfingst(en)-knuttel m.:
1. gew. Pl., 'in grüne Zweige gehüllte Burschen, die am zweiten Pfingsttag durchs Dorf ziehen', Pingschtknottel [  GH-Hatzbühl]. —
2. 'Langschläfer an Pfingsten', Pingschdeknottel [  GH-Hay]; vgl. PfWB Pfingstenlümmel 3.
 
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Pfingsten-knüppel m.: 'wer am Pfingstsonntag als letzter in der Familie aufstand', Pingschdeknippel [ Gal-Biczyce]; vgl. PfWB Pfingstenlümmel 3.
 
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Pfingst(en)-kranz m.: 'aus Ginster geflochtener Kranz, mit dem am Pfingstsonntag das schönste Kalb im Stall geschmückt wird', Pingschtkranz [KL-Fischb (Kleeberger 32)]; in Gal-Dornf 'der dem Pfingstenlümmel umgehängte Kranz', Pingschdekranz.
 
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Pfingsten-lämmer s. PfWB Pfingstenlümmel.