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bis quackeln (Bd. 5, Sp. 291 bis 293)
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Artikelverweis  Q n.: der Buchstabe Q, Q, q (kū) [verbr.]. Q waar der Quendel, gutriechiger Tee, aus einem Gedicht über die Buchstaben [Birmelin Penns Gezw. 34].
 
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quaak Nachahmung von Tierstimmen u. a., s. PfWB quak.
 
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Quack m.:
1.
a. 'die in Ginster, Laubwerk oder Blüten, seltener in Stroh gehüllte Gestalt, die am Pfingstmontag gabenheischend von Haus zu Haus geführt, bzw. in einem Handwägelchen gezogen wird oder auf einem Pferde reitet', vereinzelt auch vom Quackumzug oder dem Zweigwerk, das den Quack bedeckt, Quack (gwag) [mancherorts WPf SPf, vereinzelt VPf, Becker Vk. 315— 321 Christmann Vk. 20-31 Müller Dietschw 38 Schandein Ged. 246 u. Bav. IV,2 359 W. Kleinschmidt in: Jahrb. z. Gesch. v. Stadt u. Landkreis Kaiserslautern 10/11 1972/73 241-251 Vogelsgesang 13-15 Krämer Gal 169], Quaak (gwāg) [westl. WPf (Kr. WD, HB, IB)], Pl. (selten) Quacke [vereinzelt] ; das Wort lebt am gleichen Orte meist neben Pingschd(e)quack, -quaak, dessen Kurzform es darstellt; Zs. PfWB Papier-, PfWB Pfingsten-, PfWB Gänsequack. Die Verbreitung entspricht dem bei Pfingstenquack 1 angegebenen Gebiet, das anhand einer Befragung aus dem Jahre 1927 ermittelt wurde, auf deren Grundlage auch K. 25b des Pfalzatlasses beruht. Nach einer Erhebung aus dem Jahre 1984 zeigt sich insgesamt eine Ausdünnung der Belegorte und eine Regression der Nordostgrenze um etwa 10 km nach Südwesten. Q. reire (in der Gegend der Sickinger Höhe und in Teilen der Südwestpfalz kommt der Q. geritten, während er sonst zu Fuß kommt oder in einem Handwägelchen gezogen wird) [  KL-Gerhbn  PS-Gersb  Heltbg  Saalstdt Ingb]. Ankündigung des Quacks: Do kummt de Q. un hat nix im Sack [  PS-Hengsbg]. Die Sitte, den Quack verborgen hinter Zweigen auf einem Handwägelchen zu ziehen (s. Abb. 19), von wo aus er mit einem Stock nach Umstehenden sticht oder spuckt, ist erst zu Beginn des Jahrhunderts aufgekommen und nach Kleinschmidt (s. o.) in einem Wechsel der Brauchträgerschaft von den jungen Burschen auf Schulkinder begründet, die körperlich nicht mehr in der Lage waren, die schwere Umhüllung von Zweigen zu tragen. Zum Heischen der Gaben ruft der Quack: Quack, Quack! [  KU-Sand  PS-Vinn] oder es werden Quackverse aufgesagt oder Quacklieder gesungen: Ri, ra, ro, / heit iwwers Johr / sin mer werer hie am Scheierdor. / Stab aus, stab aus, heb die blodde Vechel aus, / die blodde wie die

[Bd. 5, S. 292]


blinne, de Quack soll's gewinne [  PS-Saalstdt]. Quack, Quack owwenaus, / heb die blodde Rabbe (Raben) aus, / die blodde wie die blinne, / de Quack, den wolle mer schinne [  BZ-Böllbn]. Quack, Quack, Quack, / siwe Eier sin geback, / siwe sin gesore (gesotten), / der Quack soll gut gerore (geraten) [  PS-Schopp, ähnl.  ZW-Schmitshs]. Quaak, Quaak, / drei eier gebackt, / siwwe gesott (gesotten), / Budder gebrot (gebraten). / Kommt die liewe Pingschde bei, / han mer nix se koche / als das bißche Katzeflääsch / un die derre Knoche. / Drei Eier orrer e Stick Speck, / sunscht gehn mer selebdaa nimmi vor de Hausdeer eweg [  HB-Nd'bexb]. Quack, Quack, Quack, / Sechs Eier geback, / Siewe gerore, / Acht gebrore, / Neun en de Pann, / Zehn willemer hann. / Gebt uns e Dutzend Eier und e Stück Speck, / Sonscht gehn mer net vor eirer Hausder eweck [KU-Konk (Vogelsgesang 15)]. Quack, quack, quack, / siewe Eier in de Sack, / Eier orrer Speck, / ehnder geh mer net vun de Hausdeer eweg [  HB-Einöd]. Quack, quack, quack, / siwwe Aajer in de Sack; / die wolln mer dann brode. / 's werd alles gut gerode, / in Haus, in Stall un Feld. / Schenken uns kee Geld, / awwer e Schdickelche Schbeck, / dann gehn mer widder weg. / Quack, quack, quack, / siwwe Aajer in de Sack [Krämer Gal 169]. Weitere Texte von Quackliedern, -versen s. PfWB Pfingstenquack, PfWB tellerweich und A. Becker Pfälzer Frühlingsfeiern, Kaiserslautern 1908 47f. Carl Pfalz im Jahr 194-202 Vogelsgesang 14f. Schandein Bav. IV,2 359f. Wilde 72. Ein Quacklied mit Melodie s. Heeger-Wüst Pfälzische Volkslieder, Neubearbeitung v. J. Müller-Blattau 1963, S. 196. Volksgl.: »Das Haus, das keinen Ginsterzweig des Quacks in seinen Mauern birgt, hat Unglück, gewöhnlich brennt es im selben Jahr noch ab« [Vogelsgesang 14]. —
b. 'Kind, das am Pfingstmontag zuletzt aus dem Bett aufsteht', Quack [KU-Krottb (Vogelsgesang 14) BZ-Wernbg]; vgl. PfWB Pfingstenknuttel 1, -knüttel, -lümmel 3, PfWB -quack 2, -schisser, PfWB Pfingstlämmchen 1. In BZ-Wernbg wurde ihm ein PfWB Quackenkranz um die Schultern gehängt und es wurde das ganze Jahr als Quack verspottet, in KU-Krottb wurde ihm ein Ginsterzweig in das Bett gesteckt und es erhielt ebenfalls für ein Jahr den Namen Quack. —
2.
a. 'jüngster, schwächster Vogel im Nest', Quäkelche [Schandein Ged. 246]; vgl. PfWB Nestquack 1a. —
b. 'jüngstes, verwöhntes Kind' [  BZ-Dernb]; Zs.: PfWB Äscher-, PfWB Nestquack 1b. —
c. 'schwächliches

[Bd. 5, S. 293]


Kind' [PfId. 110 Heeger Tiere II 5 Journ. 4/1787 215]. —
d. 'kleiner, dicker Kerl' [KL-Hirschhn, vereinzelt Don Gal (Krämer Gal 169) Buch], Dim. Quackche, [Schandein Sprachsch. 40]; Zs. PfWB Hosenquack. Das gebt grad so e Q. wie seiⁿ Modder [  KL-Hirschhn]. SprW.: In e Q. geht soviel wie in e Sack, d. h. 'kleine Menschen essen so viel wie große' [mancherorts Don Gal Buch]. —
3.
a. 'blühender Ginster', wegen seiner Verwendung im Quackumzug (s. Bed. 1a) [PS-Windsbg, Wilde 71], Quoke, Pl. [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)]; vgl. PfWB Quackblume; Syn. s. PfWB Brimme 1. —
b. Pl. Quacke 'verkümmerte oder in der Entwicklung begriffene Kirschen' [  HB-Höch]. — Das in Bed. 1 angegebene Brauchtum hat wohl seinen Ursprung in einem Rügebrauch der Hirten, die Pfingsten erstmalig zur Weide ausfuhren; (vgl. PfWB Pfingstenquack). Es finden sich sachliche Paralellen in nord- und mitteldeutschen Gebieten (W. Kleinschmidt in: Jahrb. z. Gesch. von Stadt und Landkreis Kaiserslautern 10/11 1972/73 241— 243). — Südhess. IV 1121; RhWB Rhein. VI 1260; ElsWB Els. II 210.
 
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quack 'Schallw.' s. PfWB quak.
 
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Quack-blume f.:
1. 'Pfingstrose (Paeonia officinalis und corallina)', Quackblumm [  IB-Rubh]; vgl. PfWB Quackenblume 1, PfWB Quackrose; Syn. s. PfWB Batonjerose u. K. 41. —
2. 'Knabenkraut (Orchis)' [»Pirmasenser Gegend« (Wilde Notizen)]; vgl. PfWB Wiesennägelchen. — Die Blumen fanden beim Schmücken des Quacks 1a Verwendung. — -boz m.: 'in blühenden Ginster eingehüllte Gestalt, die an Pfingsten gabenheischend von Haus zu Haus geführt wird', Quackboz (-bōds) [HB-Schwarzack (1927)]; vgl. PfWB Boz, PfWB Pfingstenbutz, PfWB Quack 1a. — -buben Pl.: 'junge Burschen, die das Quackfeuer und den Umzug mit dem Quack 1a veranstalten', -buwe [  PS-Schopp].
 
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Quäckel Gen.?: 'jüngster Vogel im Nest', Quäkkel [  FR-Laumh]; vgl. PfWB Quack 2a; Syn. s. PfWB Nestquack 1 a.
 
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quackelig Adj.: 'im Wachstum zurückgeblieben', quackelich [  KU-Kaulb]; vgl. PfWB Quack 2a—d, — PfWB d, PfWB quackeln 1a; e quackelich Ding [  KU-Kaulb].
 
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quäckelig 'munter' s. PfWB queckelig.
 
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quackeln, quäckelnschw.:
1.
a. 'sich (trotz guter Pflege) im Wachstum schlecht entwickeln, nicht gedeihen, dahinkümmern', bes. von Pflanzen, quackele (gwagələ) [  KU-Hundh  Herchw  Patb  Roßb  Roth  WD-Niedkch], quäckele [  KU-Einöll  Haschb/R Kus  Patb  Theisbgstg  ZW-O'hs RO-N'hemsb]; vgl. PfWB kamen, PfWB quacken1; Zs.: aus-, PfWB herausquäckeln 2, PfWB verquackeln 1. —
b. 'im Gehen langsam vorankommen, watscheln', quackele [Kühn Hamet 128], quackle [  LA-Venn], quakle [Heeger Vhk. 99]; Zs.: PfWB anquackeln. —
2.
a. 'mit Mühe und Sorgfalt aufziehen, pflegen, aufpäppeln', von Pflanzen, Tieren, Menschen,

[Bd. 5, S. 294]


quäckele [KU-Einöll Kaulb HB-Kirrbg PS-Geisbg KL-Fischb (Kleeberger 127) Hirschhn LA-Impfl BZ-Dernb Wilms Alph. 43 Journ. 1787 214], quäckle [KL-Nanzdzw Pirmas (Kieffer 60) NW-Haßl LA-Venn Bergz (Kamm 51) PfId. 108]; Zs.: auf- herausquäckeln 1, PfWB herumquekkeln. Do queckelt mer un queckelt mer, un doch bringt mer nix aus'm, von einem schwächlichen Kind [  KU-Kaulb]. Muscht grawe, reche, giese, häckle / Muscht pule, binne, bischbre, quäckle [Räder 18]. —
b. 'ein Kalb künstlich auftränken', quäckele [  KL-Fischb]. — Zu Bed. 2. vgl. mhd. quicken 'beleben, erwecken' ( Lexer Lexer II 325). — Südhess. IV 1122; RhWB Rhein. VI 1261; ElsWB Els. II 211 and. Bed; DWB DWb. VII 2335 queckeln.