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bis Haar-band (Bd. 3, Sp. 527 bis 530)
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Artikelverweis  h: reiner Hauchlaut, nur im Silbenanlaut vor Vokal, s. z. B. den Zungenbrecher Hinnich Hannesse Hasehaus hocken hunnert Hase hauß bei hintig. Etymologiewidrig erscheint anlautendes H in Wörtern wie PfWB Aberwachs, PfWB Achat, PfWB Andivie, PfWB Andudel. Geschwunden ist anlautendes h in PfWB herab, PfWB herauf, PfWB heraus, PfWB herbei, PfWB herein, PfWB herüber, PfWB herum, PfWB herunter, PfWB hinab, PfWB hinauf, PfWB hinaus, hindurch, PfWB hinein, PfWB hinüber, PfWB hinweg. Im Wortinnnern fehlt das h in Wörtern auf -heit, z. B. in PfWB Krankheit, PfWB Wahrheit. Südhess. III 1, RhWB Rhein. III 1; Bad. II 513.
 
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ha1 Interj.:
1. Ausruf der Freude; ha, das schmackt! [vereinzelt]. —
2.
a. ha joo! Ausruf der Beteuerung [verbr. mittl. u. südl. VPf]. —
b. ha loß (laß)! Ausruf der Geringschätzung [SOPf (Nachlaß Heeger)]. —
c. ha na (ha no, ha nuⁿ)! 'sei es!' [VPf]. Ha na, wann de net witt, so hoscht g'hatt [  LA-Venn]. So, der redt nix? Ha, noⁿ, der denkt halt seiⁿ Deel [Zahn Pläsier 266]. —
3. im Quackvers: Quack, quack, owwenaus, ha, ri, ro, heit iwwer's Johr simmer werrer do [  KL-Lind]. Quack, quack, quack, siwe Eier sin geback, siwe sin gesoore (gesotten), ha, hi, hore [  ZW-O'hs]. —
4. in der Wiederholung als Ausdruck des Lachens: ha-ha-ha [verbr.], ha-ha-ha-jux [  BZ-Hofstätt]. — Südhess. III 1; RhWB Rhein. III 1; Bad. II 513.
 
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ha2: Fuhrmannsruf, s. PfWB har.
 
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ha3: Fragepartikel 'wie (bitte)', 'was (bitte)', ha? [verbr. Don Gal Buch], haⁿ [  RO-Dörnb]. Südhess. III 1.
 
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Haa s. PfWB Haue; Hää s. PfWB Heu; Hääbel s. PfWB Haupt.
 
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Haackische n.: 'das Gebiet um KL-Trippstdt, das vor der Französischen Revolution den Freiherren von Haacke gehörte'; s Haacksche [  PS-Geisbg].
 
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Haar n., f.:
1. 'H. am menschlichen Körper'.
a. 'Kopfhaar', Hooʳ, s. F. [fast allg.], Haaʳ (hʳ) [lothr. SWPf]; lange (korze, dicke, dinne, lokkiche, krussliche, struwweliche, schwarze, rode, grooe, schneeweiße) H. [  PS-Dahn, allg.]; struppiches H. [Frankth]; kohlraweschwarze H. [  KB-Kriegsf], goldiche H. [  NW-Geinsh], falsche H. [  LU-Opp]. RA. u. Vergl.: H. wie e versääfdi (ersäufte) Ratt [  LU-Oggh], wie vun de Mais abgefress [Pirmas]. Die hot nor drei H. [  LU-Opp]. Dem seiⁿ H. kann mer zähle [RO-Semb, verbr.]. Der Haarlose hot e Kopp voll gar käⁿ H. [  BZ-W'rohrb]. Ich krie erscht meiⁿ H., sagt der Glatzköpfige [  KB-Albish]. Es is kaⁿ gut H. an'm [  KB-Kriegsf]. Er loßt kee gudes H. an'm [verbr.

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Don Gal Buch]. Des geht dich käⁿ H. aⁿ [  GH-Schwegh]. 's hot'm kaⁿ H. gedun 'nicht das mindeste geschadet' [FR-Bockh, PfId. 175]. Die Uhr geht uf's H. 'ganz genau' [  RO-Obd Rockhs Pirmas  FR-Grünstdt]. Um's H. wärscht drunne gelege [GH-Zeisk, verbr.]. Um e H. wär ich an dem Beerewein verstickt [Feierowend Nr. 28/1965 S. 5]. Do reiß ich mer käⁿ H. raus [GH-Schwegh, verbr.]. Ropp e H. raus, wu käns isch [  NW-Geinsh]. Er hot e H. drin (in de Supp) g'funn [ZW-L'wied, verbr.]. Die Kinn (Kinder) fresse aam noch die H. vum Kopp [  KU-Kaulb  Kreimb  ZW-Gr'bundb]. Er hot H. losse misse, von einem erlittenen Verlust [NW-Wachh, verbr.]. Der Betrüger dut die H. schneide [  KU-Rutsw/G Kus]. Er hot sich die H. schneire losse 'Er war im Bordell' [  PS-Rodalb  LU-Opp  GH-Zeisk]. Er stellt die H. 'ist aufgeregt' [  RO-Dielkch  GH-Zeisk]. Der Sorglose loßt sich kaⁿ grooe H. wachse [FR-Hettldh, verbr.]. Do stehn ääm die H. geje Berg [Kus, verbr.]. Der Geizhals zählt die H. [  ZW-Bechhf]. Er hot mehⁿ Schulde wie H. uf'm Kopp [  FR-Bockh]. Die Streitenden leien sich in de H. (sin sich in die H. kumm) [FR-Ebertsh, verbr.]. Er hat ihm in die Haare geschissen 'seine Hoffnung vereitelt' [Klein Prov. 176]. Er is mit Haut un H. verlore [  LU-Opp]. Der geht mich vun Haut un H. nix aⁿ 'ist nicht verwandt mit mir' [  LA-Gommh]. Die Frucht steht so dick wie H. uf'm Kopp [  FR-Bockh]. Dem Toten dut kääⁿ H. mehⁿ weh [Hebel 27]. Wann se nor lange H. hot, dann verliebt er sich sofort in sie [  GH-Zeisk]. SprW.: Du kannscht ken H. roppe, wo's keni hot [Reichard Penns 292]. Korze H. sin ball gebärscht [NW-Geinsh, verbr., auch Don Gal Buch]. Lange H. un korzer Sinn (un korzer Verstand) [KU-Diedk, verbr.]. Roore H. hän die Kränk, darum hüte man sich vor den Rothaarigen [  NW-Geinsh]. Roode H. un Erleholz wachsen uf kääm gude Bodde [GH-Schwegh, verbr., auch Don Gal Buch]. Besser grooe H. un H. als schwarze H. un käⁿ H. [  GH-Zeisk]. Rechter e Glatz wie gar kaⁿ H. [  KB-Bischh]. Wann der Verstand kummt, müssen d' H. Platz mache [Zahn Pläsier 196]. Volksgl.: Wann die Braut rauhe H. hat, werd des Ehepaar reich [PS-Geisbg, verbr.]. Wer dinne H. hat, macht e reichi Heirat [  KU-Diedk]. Ausgestrählte H. därf mer net verbrenne, schunscht werd mer dumm [Fogel Beliefs Penns Nr. 1807]. a. 1790: Kein ausgekämmtes Haar darf auf die Straße geworfen werden, wenn man für Hexereien sicher seyn will [Journ., 7. Jahrg. S. 142-44]. Die H. schneidt mer im

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Zunemmende (im zunehmenden Mond) ab [Fogel Beliefs Penns Nr. 1820]. Sie henn halt de Fehler gemacht, Ehr H. bei zunehmendem Mond schneide zu losse [Zahn Pläsier 106]. Den Mädchen soll man die Haare bei abnehmendem Mond stutzen [  NW-Frankeck]. Aus einem KR.: Blott geschor, die H. verlor [  ZW-Bechhf]. Zs.: Augenbrauen-, PfWB Augen-, PfWB Flachs-, PfWB Frauen-, PfWB Kopf-, PfWB Krussel-, PfWB Locken-, Mädchen-, PfWB Männer-, PfWB Manns-, PfWB Milch-, Nasen-, Naupen-, PfWB Schnurres-, PfWB Sieben-, Sonntags-, PfWB Steh-, PfWB Strubbel-, Süß-, PfWB Weiber-, Weibsleute-, PfWB Weiß-, PfWB Wimper-, PfWB Wirr-, PfWB Wuschel-, PfWB Zimmermanns-, PfWB Zottelhaar. —
b. sonstiges Körperhaar. RA.: Er hot H. uf d'r Bruscht 'ist ein kräftiger, energischer Mann' [  LU-Neuhf Don-Gottlob Gal-Brotschk]. Er hot noch kaaⁿ H. unner de Nas [  FR-Kindh]. Er hat e Eisebahnerschnorres: alle Station emol e H. [Kaislt]. Der Heranwachsende steht noch im Gansprozeß: gebt's H. oder Flaume [  PS-Steinalb]. Dem muß ich mol d' H. aus de Ääge mache 'die Meinung sagen' [LA-Venn, verbr. SOPf]. Er hat Hoore en de Hänn 'Schwielen in den Händen' [  WD-Niedkch]. Die hat H. uf de Zähⁿ [KU-Obw/ Tiefb, verbr., auch Gal], uf de Zung [KB-Weihf, verbr.]. —
2. H. bei Tieren, vgl. PfWB Borste 1. Zs.: PfWB Pferds-, PfWB Draht-, Fang-, PfWB Gauls-, PfWB Geißen-, PfWB Glatt-, Hasen-, Hunds-, PfWB Kamel-, Kamm-, PfWB Katzen-, Kühe-, PfWB Kurz-, PfWB Lang-, Maus-, PfWB Roß-, Samt-, PfWB Sau-, PfWB Schnauz-, PfWB Schnurr-, PfWB Schwanz-, PfWB Stichel-, PfWB Stirnhaar. Vergl. u. RA.: Er hot H. wie e Maulwelfer (Maulwurf) [  GH-Schwegh]. Der Wald steht (so dicht) wie die H. uf'm Hund [  KU-Schmittw/O  Reichsth  GH-Büchbg]. Er hot Geld wie e Krott H. [  LA-Mörzh]. Bezeichnung für eine weitläufige Vewandtschaft: vun hunnert Kihschwänz ee H. [  HB-Brenschb]. Beim Jahresende sagt man: Noch e Monat, dann gehn der Katz die H. aus [Kaislt, NPf GH-Schwegh]. SprW.: De Wolf verliert die H., awwer net die Naupe [LA-Edh IB-Bliesmg verbr. Don Gal Buch]; dass. vom Fuchs [HB-Kirrbg, verbr.]. Die Fichs hän all ee Sort H. [Penns Don Gal Buch]. 're Krott kann mer kee H. ausroppe [ Don-Schowe Gottlob]. Rätsel vom Spinnrad: Was is des for e Katz: Mer roppt ehr die Hoore raus, un sie schnorrt weider [ Gal Buch]. VR. s. PfWB Frosch I. —
3. 'Haarähnliches'.
a. 'dünne Wurzeln', Hooʳcheʳ [  FR-Bockh]. Zs. PfWB Wurzelhaar. —
b. 'Härchen an der Unterseite der Blätter'. 's Blaat vun de Rewe hot unne H. [  LU-Alsh]. Zs. PfWB Blatthärchen. —
c. 'die Fasern im Schimmel'. Das Brot hat schun H. [  ZW-Bechhf]. Antwort auf die Frage, was es zu essen gibt: Schnitz mit H. draⁿ [Kaislt]; vgl. die RA. bei dahinter 1 b. —
d. Pflanzennamen: Jungfrau-, Liebfrauen-, Muttergotteshaar.
e. s. PfWB Engelshaar. — F.: hōʳ [verbr.], hʳ [  FR-Bockh],

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hōÄʳ [verbr.], hʳ [lothr. SWPf], hōr [Penns Don Gal Buch Rußl]. Der Pl. ist dem Sing. gleich, vereinzelt Hoore. Dim.: hēʳχə, hēʳə, hʳχə [verbr. WPf NPf nördl. VPf], hōʳχə [vereinzelt WPf NPf nördl. VPf], hʳχə [vereinzelt SWPf], hēʳlχə, hēʳlə [Ost-PS SOPf]; dem Sing. -che/-sche entspricht im Pl. -cheʳ/-scheʳ; das Dim. hēʳl(ə) der mittl. u. südl. VPf hat im Pl. hēʳlə, um Land hēʳliχ, in SP-W'see hēʳlīn; GH-Neubg hat hāʳlə. Genus f. nachgewiesen für KL-Fischb, s. Kleeberger 117. — Südhess. III 2 ff.; RhWB Rhein. III 3 ff.; LothWB Lothr. 249; ElsWB Els. I 364/65; Bad. II 513/14.
 
Artikelverweis  
Haar-amsel f.:
1. 'Laus', scherzh., Hooʳamschel [verbr. SOPf Heeger Tiere II 18]. —
2. 'ungepflegtes Haar' [  NW-Kallstdt]; vgl. PfWB Haareule 2 b. — Südhess. III 5; ElsWB Els. I 41; Bad. II 514. — -band n.: 'Haarschleife', -band [  ZW-Gr'bundb  NW-Wachh]; vgl. PfWB Haarschlupf. Südhess. III 6; RhWB Rhein. III 10; LothWB Lothr. 249. —