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bis Tabakchens (Bd. 2, Sp. 1 bis 4)
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Artikelverweis  D n.: vierter Buchstabe im ABC, dee (dē) [allg.]. Südhess. I 1281; RhWB Rhein. I 1195; Els. II 637; Bad. I 394.
 
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T n.: Buchstabenname, tee (tē) [allg.]. RhWB Rhein. VIII 1015; Els. II 637; Bad. I 394.
 
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d' Art. s. PfWB die, PfWB der.
 
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da1:
I. Adv.
1. örtlich, wie schd., do (dō, dou, lō), s. F. [allg.]. Friher isch do en Weg niwwergange [  GH-Kand]. 's war so schee, wie du net do warsch [KB-Bischh, verbr.]. Aa werrer do?' 'Auch wieder zu Hause?', Grußformel [KU-Herschw/Petth, verbr.]. In jo un nee 'im Handumdrehen' war er do [ Gal-Dornf]. Wie er hiekumm is, waren die annere schun do [allg.]. Dem fehlt's do (im Kopf) 'Er ist verrückt' [NW-Frankeck, verbr.]. Ja, do, saat de Kaschper, Formel, die eine Verweigerung ausdrücken soll, einem Dorforiginal namens Kaspar abgelauscht [  KL-Stelzbg]. RA.: Er is net so do 'Er ist nicht so dumm, hat es hinter den Ohren' [Kus, verbr., auch Gal]. Do sitzt's un hot e Hietche uf 'Hier ist alles vergeblich' [NPf Don Gal Buch]. Do die Gääß gebockt, wo mei Batze?, Aufforderung zum Zahlen [  KU-Bedb,  LA-Nd'hochstdt  BZ-Dernb]. Do beißt kä Maus kä Farem ab 'Daran ist nichts zu ändern' [PS-Gersb, verbr.]. a. 1565: ist Groß armutt vnd viell kleiner kindt do [WerschwSchR]. — Mit hinweisender Funktion.
a. in Verb. mit anderen Ortsadverbien: do anne 'dahin' (vgl. PfWB ane) [verbr., ohne südl. VPf], do awwere 'da hinunter' (vgl. PfWB abere) [verbr. NWPf], do oufere 'da hinauf' (vgl. PfWB aufere) [  WD-Niedkch]. Von der älteren Gener. vielfach gebraucht: do howwe 'hier oben' — do owwe 'dort oben', do hunne 'hier unten' — do unne 'dort unten', do hiwwe 'hier hüben' — do iwwe 'dort drüben', do hauß 'hier draußen', do hinne 'dort hinten'. Bei der jüngeren Gener. dafür auch: dort owwe, dort unne, dort hinne usw. Im Wenker-Satz 14 »Bleibe hier unten stehen!« wurde 1960 von Kindern der obersten Schuljahrgänge das Wort 'hier' fast durchweg mit do wiedergegeben; nur in 4% der Angaben, die sich gleichmäßig über die ganze Pfalz verteilen, erschien hieʳ. —
b. in Verb. mit Demonstrativpronomen oder Demonstrativpronomen + Substantivum; s. u. II. Der do (die do, das do) war's [allg.]; dat lo 'dieses da' [  WD-Haupw]; do der (do die, do des) [  RO-Obd]. Wer is der do Mann (die do Fraa, das do Kind)? [NPf, verbr.]. Meist wohl: der Mann do usw. Das do Stick am Rech hat kä gure Borrem, die Fels kommt raus [  IB-Alschb]. Au, des do (dieses Gewitter) kummt aus'm Gellemer

[Bd. 2, S. 2]


(KB-Göllheim) Eck, auch: Orwesser (KB-Orb) Eck [  KB-Stett]. VR.: Odo (Otto), scheiß Bomboⁿ, geb's dem do, er will's jo! [  LA-Essing]. —
c. in Verb. mit Relativpronomen. a. 1305: zu lehen vun vns entphangen siner eigen morgen achthalpe, die do sint gelegen zu Dalsheim an dyser steden [OttbgUrkb. 266]. —
d. in Verb. mit einem Imperativ. Guck emol do!, Ausdruck der Überraschung [SOPf (Nachlaß Heeger), verbr.]. Do geh mol haaʳ! [  BZ-O'hs]. Do her!, Zuruf an den Hund [KU-Körbn, verbr.]. —
2. zeitlich, wie schd., oft im Wechselverhältnis zu einer zeitlichen Konjunktion und nur die Fortsetzung des Satzgefüges andeutend. Friher, do war's halt annerscht wie heit [  SP-Schiffstdt, allg.]. Wann der Oschdermark (Ostermarkt) kummt, do werd schun vier Woche vorher alles gericht (gerichtet) [  LU-Muttstdt]. Was macht mer dann do? [allg.]. RA.: Do rappelt's in de Worschtkich! 'Jetzt wird es ernst!' [Kaislt]. Do kennt mer e Bär werre!, Ausdruck der Verzweiflung [verbr. Gal]. — In modale Bed. übergehend: Wann es so isch, do bin ich awwer froh! [  GH-Kand, allg.]. RA.: Do reiß ich mer noch kee Been aus 'Da strenge ich mich nicht an' [verbr. Don Gal Buch]. — In der Sprache der älteren (seltener der jüngeren) Gener. wird das Wort vielfach verstärkend vor Verbindungen mit da- gebraucht: dodebei u. a., s. die Zs. PfWB dadabei, PfWB -dadurch, PfWB -dafür, PfWB -dagegen, PfWB -dahinter, PfWB -damit, PfWB -daran, PfWB -darauf, PfWB -darnach, PfWB -darum, PfWB -davon, PfWB -dawegen, PfWB -dazu, PfWB -dazwischen. —
II. Adj. attr., stets in Verb. mit dem bestimmten Artikel. In dem do(e)ne (dōənə) Anzug fihl ich mich am wohlschde, auch: In dem doe (dōə) ... [  KU-Diedk]. In dem do(e)ne Kleed do gehn eich (gehe ich) net fart [ebd.]. In der do(e)ne (auch: doe) Schublad werd's leie [ebd.]. In WD-Oberkch sagt man in diesen Fällen: In dem lo Anzug, in der lo Schublad. So war sei Himmellebdae noch neischt wie der done Krieg do [Feierowend Nr. 28/1950]. Ähnliche Bildungen s. PfWB ab II, PfWB aufen; vgl. auch PfWB birken, PfWB buchen. — F. fast allg., in unbetonter Stellung do; dou LU-Altr; lothr. SWPf (Keiper); d GH-Neubg; (kontrahiert aus allda) WD-Haupw Obkch. — Aus mhd. dār, dā, dō. — Südhess. I 1281 ff.; RhWB Rhein. I 1196 ff.; Saarbr. 47; Lothr. 92/93; ElsWB Els. II 637; Bad. I 394/95.
 
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da2, dä(r) Interj.:
1. Äußerung der Überraschung. Da, do licht er! 'Da liegt er!' [  LA-Gommh, allg.]. Da, schun widder e Reen (Regen)! [NPf, allg.]. —
2. Hinweis zur Erregung der Aufmerksamkeit beim Überreichen eines Gegenstandes.

[Bd. 2, S. 3]


Dä, hoscht eppes [  GH-Kand]. Dä, nemm der's! [KL-Kindsb, verbr.]. Däʳ, Maisje, hosche e alde Zahn, geb mer e neie defor!, dabei wirft das Kind den gezogenen Zahn hinter sich [  KB-Kriegsf]. —
3. da-da in Lockrufen s. PfWB dada2. — F. da und dä. Wie PfWB da1 aus mhd. dār, mit Verkürzung des Vokals. — Südhess. I 1284; RhWB Rhein. I 1195; ElsWB Els. II 637; Bad. I 394.
 
Artikelverweis 
da3 s. PfWB dada1; däb s. PfWB taub.
 
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Tabak m.:
1.
a. 'Tabakpflanze (Nicotiana Tabacum)', Duwak, Tuwak, s. F. [allg.]. Die Blätter der Tabakpflanze: Haupt-, Mittel-, Obergut, Grumpel, Sandblatt, Geize. Arbeiten am Tabak: Duwak wääche 'den Tabaksamen zur besseren Keimung einweichen', Duwak setze 'die junge Pflanze einsetzen', Duwak geize 'die Seitentriebe (s. PfWB Geize) entfernen', Duwak keppe 'den Herztrieb ausbrechen (um das Blühen zu verhindern)', Duwak breche 'die reifen Tabakblätter abbrechen', Duwak eiⁿfasse (auch eiⁿfädle, eiⁿnähe) 'die geernteten Blätter auf (etwa 60 cm lange) Schnüre aufreihen', Duwak ufhenke 'zum Trocknen aufhängen', Duwak abhenke 'die Tabakblätter nach der Dachreife abhängen', Duwak boppe 'die Blätter (vor der Ablieferung) büscheln' [NW-Geinsh, verbr. VPf]. Beim Brechen und Einfassen helfen oft auch Nachbarn und gute Bekannte. Nach der Arbeit gibt es Kuchen und Kaffee. BR.: De Duwak wachst erscht, wann er dresche heert [  BZ-Mühlhf]. De Duwak muß jeden Dag seiⁿ Herr sehe 'verlangt viel Pflege' [VPf]. Gurer Weiⁿ, schlechter Duwak; schlechter Weiⁿ, gurer Duwak [  BZ-Stein]. VR.: Duwak, Duwak, du Lumbekraut, wer dich gepflanzt hot bei de Nacht, der hot die ganz Welt versaut [  GH-Freckf]. Duwak, du edles Kraut, wer dich gebaut, hot wohl gebaut [mittl. VPf]. a. 1669: Der Feldschütz Emmert bittet den Stadtrat von Kaislt, Tuback pflanzen zu dürfen [Küchler 349]. a. 1747: Tuback [LA-Edh (Wasgau-Bote Nr. 10/1934)]. —
b. 'Rauchtabak' [allg.]; Duwak raache [mittl. VPf, allg.], in älterer Zeit tuback trincken, so a. 1658 in Kaislt [Küchler 232]; doch schon 1788 ist vom Tabakrauchen die Rede, das in Scheunen (beim Dreschen und Flachsputzen) und in Ställen »bei Straf von 30 kr.« verboten war [Eyselein 123]. — Wertschätzung des Tabaks: Wann ich ken Duwak hab, bin ich krank [VPf (Wilde 238)]. Noch'm Esse 'n Peif Duwak, un das steht in d'r Biwel [Horne Penns 104]. Geachtet wird auf die gute Brenneigenschaft des Tabaks: Unser Duwak hot e gure Brand (s. PfWB Brand 3) [GH-Kuhdt, verbr.]. Der Pfälzer T., kurz Pälzer genannt, gilt als sehr stark. Der Tuwak do is vun gude Eldere, von einem starken Tabak [  KU-Schmittw/O]. Es heißt aber auch: Wer de Pälzer Duwak net kann vertrage, der muß de Katz ehr Schwänzel raache [VPf (Wilde 239)]. — Du räächscht e schlechder Duwak, sagt man von

[Bd. 2, S. 4]


einem, der üble Winde entweichen läßt [ Don-Schowe Torscha]. — Die Volksmedizin verwendete den T. als Mittel gegen Zahnschmerzen und Grippe [  WD-Niedkch  ZW-L'wied  KL-Siegb Gal-Dornf]. —
c. e Pris Duwak 'eine Prise Schnupftabak' [allg. bis etwa 1900, heute nur noch vom Hörensagen bekannt]. VR.: Wammer beisamme sitzen un kener nix meh weeß, un nix se redde wissen wie e stummi Gäß, do dut e jeder Mann sei Dusel aus'm Sack un schnuppt zum Zeitvertreib e Pris Duwack. Der Duwackwackwack, Duwackwackwack, Duwack isch meiⁿ Lewe, der Duwackwackwack, Duwackwackwack, Duwack isch meiⁿ Fräd [NW-Haßl, verbr. VPf (Wilde 241)]. —
2. Peif Duwak als volkstümlicher Name für ein Wiesenstück in HB-Bexb, s. PfWB Brandwiesen. —
3. wilder T. 'Königskerze (Verbascum thapsiforme)', wilder Duwak [  WD-Bub  KU-Wahnwg  Gries]; vgl. PfWB Tabaksblume. Syn. s. PfWB Kunkel. —
4. übertr. auf den Menschen.
a. Das is e Tuwak, von einem Menschen, der sich ungebührlich benimmt [  KU-Reipkch], von einem Pantoffelhelden [  IB-Rohrb]; Schimpfwort [lothr. SWPf (Nachlaß Keiper)]. —
b. Das is stärker Tuwak 'eine arge Übertreibung, unverschämte Zumutung', umgspr. [KU-Schmittw/O, verbr.]. Nach Kluge-Mitzka19 erklärt sich diese Wend. aus einer im Niederdeutschen geläufigen RA von einem Jäger, der dem Teufel ins Maul geschossen habe. —
c. an de Duwak rieche losse 'verprügeln' [  LA-Leinsw]. Diese RA ergab sich offenbar aus der Wend. 4 b mit tabaken 1 als verbindendem Glied. —
d. Er hot Duwak 'ist betrunken' [VPf (Wilde 238)]. — F.: ˈduwag VPf PS-Ost östl. NPf Don-Schowe Torscha, ˈtuwag Westteil der NWPf u. WPf einschl. SWPf, ˈtūwag in Gal; -u- in der ersten Silbe reicht bei uns, wie die historischen Belege zeigen (s. oben 1 a), weit zurück. — Südhess. I 1284 ff.; RhWB Rhein. VIII 1015; Saarbr. 214; LothWB Lothr. 116; Bad. I 395.
 
Artikelverweis 
Tabak- s. Tabaks-.
 
Artikelverweis 
Tabakchens n.: 'Arschbackenklopfen', ein Knabenspiel, Duwakches [ Gal-Josbg]. — Abl. aus tabaken.