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Aber-wachs bis ab-fädemen (Bd. 1, Sp. 25 bis 26)
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Artikelverweis   Aber-, Äber-wachsm.:
1. 'Nachwuchs der ausgefallenen, Getreidekörner auf dem abgeernteten Acker', Äwwerwachs (ęwÄʳwags) [mittl. VPf], vgl. Bertram 149; entstellt in Hawwerwachs (wohl durch Umdeutung aus Hawwer 'Hafer') [NPf (nach Wilde 292) KU-Kaulb Kreimb Rutsw/L Rothsbg Frankb SP-Mechth Heiligst LA-Gommh GH-Lingf Westh Schwegh (Bertram a. a. O.)]. a. 1637: Item 21 mltr. 2 Sr. seindt dieß Jahr vf hiesigem Veldt erbauth vnd ahn abberwachs eingebracht worden [SpeyGgHospR 168]. Vgl. PfWB Auswachs, PfWB Wiederwachs. —
2. 'Auswuchs der Getreidekörner auf dem Halm infolge Nässe', Äwwerwachs [  KU-Konk]. — Wie in Aber-, PfWB Äberzain, Aber-, PfWB Äberzwacken entspricht hier aber (äber-) = wieder, abermals mit der Nebenbedeutung des Verkehrten, Unerwünschten (vgl. Schwäb. I 22 Aberzain). Die Form mit Hawwer-, die nur mit aweʳ als Grundlage denkbar ist, gibt der Vermutung Raum, daß der Umlaut in ewər- jüngeren Datums ist; der Beleg von 1637 bestätigt dies. Vgl. auch PfWB abern, PfWB äbern, aber- und äberwitzig, Äberzain, Äberzwacken.

[Bd. 1, S. 26]



 
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Aber-wille m.: 'Widerwille'. Davor hab ich Awwerwille [  GH-Berg  Scheibhdt  PS-Hirschth]. — Zu PfWB aber vgl. PfWB Aberwachs.
 
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aber-willig Adj.: 'ekelerregend'; e awwewilliches Esse [  GH-Scheibhdt]. — ElsWB Els. II 816.
 
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aber-witzig Adj.: 'trotzig, eigensinnig'; e awwerwitzicher Kerl [  KU-Erdb  RO-Schmalfhf  KB-Stett  O'wies  KL-Gimsb  Siegb, in allen Orten nur noch unter der ältesten Gener.]. — Ableitung von Aberwitz 'Unverstand'; vgl. DWB DWb. I 35. — Zu PfWB aber vgl. PfWB Aberwachs.
 
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Äber-zain m.: 'der aus einem Blattwinkel entspringende (unfruchtbare) Nebentrieb des Weinstocks, seltener des Obstbaums'; Äwwerzääⁿ (ęwəʳdsǟⁿ) [NW-Lindbg LA-Altd Kl'fischling Walshs Ranschb Bergz GH-Steinw Zeisk Scheibhdt (Wilde 201)]; auch PfWB Äberzwacken, PfWB Geize, PfWB Geiztrieb genannt. Im Wingert soll das Laub nicht vor Laurentius geschnitten werden, da sonst die Ä. kommen [  LA-Edk]. — Zu äber vgl. PfWB Aberwachs; zu Zain (mhd. zein 'Reis, Rute') s. Zain, PfWB Zaine. — Bad. I 7.
 
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Äber-zwacken m.: = PfWB Äberzain, Äwwerzwacke (ęwəʳdswagə) [NW-Wachh Rödersh Lindbg LA-Kl'fischling (Wilde 201)]. — Zu äber vgl. PfWB Äberwachs. Das Grundwort Zwakken 'Zweig' ist als Simpl. vielerorts belegt.
 
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abe-schlagen st.: 'herabschlagen', z. B. Obst, aweschlaaⁿ [  KU-A'glan].
 
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ab-essen st.:
1. etwas a. 'etwas von etwas herunteressen', z. B. den Belag vom Kuchen, das Fleisch vom Knochen; de Kuche, de Knoche abesse [verbr.]. —
2. Part. Perf. 'fertig sein mit Essen'. Mer hän schun abgesse [  BZ-Dernb]. — RhWB Rhein. II 198/99.
 
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Ab-essen n.: 'Rest einer Speise, eines Getränkes', Abesse [Gegend v. Rockhs].
 
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ab-fädeln schw.:
1. 'Faden entfernen', z. B. die Seitenfaser an den Bohnen, abfäärle [WPf NPf], -fäädle [VPf]; vgl. PfWB abfädemen, PfWB -fäden. —
2. 'abwickeln'; die Kordel abfäärle [  ZW-Knopp/Lab]; vgl. PfWB abrollen. — Bad. I 7.
 
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ab-fädemen schw.: = PfWB abfädeln 1; die Bohne abfäreme [  RO-Odh  Schönbn  KL-Erlb  Queidb  Lind  PS-Burgalb  FR-Höning]; vgl. PfWB fädemen. — RhWB Rhein. II 233.